Geising ist ein Stadtteil von Altenberg in Sachsen im östlichen Erzgebirge unweit der tschechischen Grenze und seit 2019 „staatlich anerkannter Erholungsort“. Bis zum 1. Januar 2011 war Geising eine eigenständige Stadt. Der Stadtteil bildet zusammen mit dem Ortsteil Löwenhain die Ortschaft Geising nach der Sächsischen Gemeindeordnung. Diese hat gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.

Geografie Zur ehemaligen Stadt Geising gehörten die Ortsteile Fürstenau (mit Gottgetreu und Müglitz), Fürstenwalde (mit Rudolphsdorf), Liebenau und Löwenhain sowie der Stadtteil Lauenstein (mit Kratzhammer).

Geschichte Wappen und Name mini|hochkant| links|Wappen der Adelsfamilie von Bünau über der Kirchentür

Das Wappen ist eine Kombination der Wappen von Altgeising und Neugeising. Es zeigt vor goldenem Hintergrund einen schwarzen Greif (ehemaliges Wappen von Neugeising) mit roter Zunge und roten Krallen, der eine schwarze Felswand ersteigt. Im rechten oberen Eck symbolisieren Hammer und Schlegel (ehemaliges Wappen von Altgeising) die Bergbautradition der Stadt.

Der Name selbst wurde wahrscheinlich vom benachbarten Geisingberg übertragen.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, S. 63f.Martin Hammermüller (Um Altenberg, Geising und Lauenstein. Werte der Deutschen Heimat, Band 7, Berlin 1964) vermutet eine Übertragung des Ortsnamens auf den Berg. Ernst Eichler und Hans Walther (Städtenamenbuch der DDR. Leipzig 1986) gehen vom Gegenteil aus. Es erscheint aber glaubwürdiger, dass ein so markanter Einzelberg wie der Geisingberg schon eine Bezeichnung besaß, bevor es zur Anlage der Siedlung zu seinen Füßen kam. Der Wortstamm geut (germ.) bzw. geußen (frühneuhochdeutsch) deutet auf fließen lassen hin und bezeichnet den Geisingberg als den (vom Regenwasser) übergossenen Berg. Nach der Etablierung des Bergbaus ist auch ein Bezug auf die Zinnverarbeitung (Geising als der Ort an dem Zinn gegossen wird) denkbar.

Die Namensschreibung wechselte im Laufe der Geschichte mehrmals. Überliefert sind u. a. Gewsing (1375 und 1449), Geußingk (1462), Gusingeßgrunt (1477), ym Gewsing (1479), Neue Stadt Geussingsgrundt (1517), Geußingesgrunde (1536) und Geusing (1539).

Gründung und Entwicklung mini|links|Geising auf der Oberreitschen Karte von 1821

Die Anlage von Geising erfolgte im Zusammenhang mit dem im Umfeld vorrangig auf Eisen, Silber und Zinn betriebenem Bergbau. Bereits 1375 fanden Eisenerzgruben bei Gewsing eine erste Erwähnung. In die Zeit des Fündigwerdens der Altenberger Zinnlagerstätte fällt 1449 die Nennung eines Smedewerg im Gewsing (Schmiedewerk in Geising). Dieses befand sich wahrscheinlich zusammen mit weiteren Erzwäschen, Hammer- und Hüttenwerken auf der westlichen Seite des Geisingbachs, welcher zugleich die Grenze zwischen den Herrschaften Bärenstein und Lauenstein bildete. Die sich um die Verarbeitungsanlagen entwickelnde Ansiedlung erhielt als Altgeising 1453 das Stadtrecht. Daraufhin gründeten die Lauensteiner Burgherren im Auftrag von Kurfürst Friedrich II. 1462 am östlichen Bachufer Neugeising, das sofort städtische Rechte erhielt. Beide Siedlungen schlossen sich 1857 zur Stadt Geising zusammen. Alt-Geising gehörte zum Amt Altenberg.

mini|AK Geising Bahnhotel 1907 In der Zeit vom 19.–22. Januar 1950 fanden in Altenberg-Geising die sächsischen Wintersportmeisterschaften statt. Der Sieger im Kombinationssprunglauf wurde Herbert Friedel (Aschberg-Mühlleithen) bei einem 42-m-Sprung von der Friedensschanze.

Im Februar 1989 gerieten regimekritische Äußerungen im Geisinger Faschingsumzug ins Visier der DDR-Staatssicherheit, von denen auch SED-Generalsekretär Erich Honecker persönlich erfuhr.

Eingemeindungen nach Geising 1974: Löwenhain 1994: Fürstenau mit seinen ehemaligen Ortsteilen Gottgetreu und Müglitz, Fürstenwalde mit seinen ehemaligen Ortsteilen Rudolphsdorf und Kratzhammer, Liebenau 1996: Lauenstein

Eingemeindung von Geising nach Altenberg mini|Oberschule Geising mit Reformationsstein und Reformationslinde Der Geisinger Stadtrat stimmte am 21. Dezember 2010 mehrheitlich der Eingemeindung nach Altenberg zum 1. Januar 2011 zu.Maik Brückner: Geising stimmt der Eingemeindung zu, Sächsische Zeitung vom 23. Dezember 2010 Durch die Kommunalaufsicht des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurde die Eingemeindung am 29. Dezember 2010 genehmigt.Mandy Schaks: Die Städte Altenberg und Geising gehen ab Januar gemeinsame Wege, Sächsische Zeitung (Dippoldiswalde) vom 30. Dezember 2010 Geising verlor damit 557 Jahre nach der Stadtrechtsverleihung an Altgeising seine Selbständigkeit.

Die Eingemeindung wurde maßgeblich durch die prekäre finanzielle Situation Geisings beeinflusst. Die Stadt konnte 2010 keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen, die Schulden beliefen sich Ende 2010 auf 4,8 Mio. €, darunter allein 2,28 Mio. € Fehlbeträge.Maik Brückner: Leistet sich Geising zu viel?, Sächsische Zeitung (Dippoldiswalde) vom 23. Oktober 2010.

Durch die Eingemeindung wuchs Altenberg auf eine Fläche von über 146 km² und wurde damit die mit Abstand größte Gemeinde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Die Einwohnerzahl stieg von ca. 5.700 Einwohnern auf knapp 8.900 Einwohner. Zugleich entstand eine neue regionale Touristenhochburg: 2009 zählten beide Gemeinden zusammen knapp 423.000 Übernachtungen, dies entspricht ca. 17 Prozent der im Landkreis registrierten Übernachtungen.Statistisches Landesamt Sachsen – Gemeindestatistik Sachsen Tourismus und Kurwesen sichern in beiden Gemeinden ca. 1.800 Arbeitsplätze.

Erholungsort Bis 2010 trug und seit 2019 trägt Geising wieder den Titel „staatlich anerkannter Erholungsort“.Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit über die Änderung der Liste der Sächsischen Kur- und Erholungsorte gemäß § 3 Abs. 5 Sächsisches Kurortegesetz (SächsKurG) vom 25. Oktober 2006 (SächsABl. S. 1012) auf: revosax.sachsen.de2010 kein Erholungsort mehr, siehe Bekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Abs. 5 SächsKurG vom 13. Mai 2010 (SächsABl. S. 817) auf: revosax.sachsen.deBekanntmachung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr über die Änderung der Liste der Kur- und Erholungsorte im Freistaat Sachsen gemäß § 3 Absatz 5 des Sächsischen Kurortegesetzes vom 11. September 2019 (SächsABl. S. 1344) auf: revosax.sachsen.de

Entwicklung der Einwohnerzahl

Jahr Einwohner 1551 ¹ 658 1815 856 1834 1104 1871 1303 1890 1310 1900 1240 1910 1316 1919 1445 1933 1279 1939 1515 Jahr Einwohner 1946 2156 1957 2091 1964 1919 1990 2 3432 1994 3629 1997 3 3586 (1215) 2000 3564 (1293) 2003 3371 (1270) 2005 3215 (1281) 2007 3182 (1314) Jahr Einwohner 2008 3147 2010 4 1271 2011 1234 2014 1214 2015 1279 2017 1205 2018 1206 Zusammenstellung nach Zühlke (1966) und Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen (1): darunter 252 in Altgeising und 406 in Neugeising (2): ab 1990: Angaben für das gesamte Gemeindegebiet am Jahresanfang (Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen) (3): ab 1997: Klammerwerte sind Angaben für Geising Stadt am Jahresanfang (Sächsische Zeitung Ausgabe Dippoldiswalde vom 16. Januar 2007) (4): ab 2010: Einwohnerzahl nur für den Ort Geising

Politik mini|Rathaus Geising Verwaltung Der letzte Bürgermeister vor der Eingemeindung war Frank Gössel (CDU). Er war von 1994 bis zum 31. Dezember 2010 im Amt und davor vier Jahre lang Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Fürstenwalde, die 1994 nach Geising eingemeindet wurde. Sein Vorgänger in Geising und erster Bürgermeister nach der Wende bis 1994 war Reiner Fischer (parteilos).

Partnerschaften Schiltach (Schwarzwald) Krupka (Tschechische Republik)

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Blick auf Geising von der Kohlhaukuppe mini|Geisingberg

Gedenkstätten Grabstätte und Gedenktafel auf dem Ortsfriedhof für zwei unbekannte KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch vom Außenlager Nossen/Roßwein des KZ Flossenbürg im April 1945 von SS-Männern ermordet wurden.

Museen und Natursehenswürdigkeiten Grenzüberschreitender Bergbaulehrpfad Tiefenbach-Wasserfall

Bauwerke mini|hochkant|Blick auf die 1689/90 erbaute Stadtkirche

Das Geisinger Ortszentrum steht als historische und gut erhaltene Siedlungsanlage weitgehend unter Denkmalschutz. Da die ehemalige Stadt im Laufe ihrer Entwicklung von größeren Bränden verschont wurde, blieb der Grundriss Geisings seit dem 16. Jahrhundert nahezu unverändert erhalten. Unter den teils in Fachwerk-, teils in Umgebindebauweise errichteten Häusern ragt das sogenannte Saitenmacherhaus hervor. Das 1688 errichtete Fachwerkhaus mit steinernem Erdgeschoss verfügt über ein Sitznischenportal. Im Gebäude befand sich 1691 bis 1902 eine Zinngießerei. Die Stadtkirche wurde 1689 erbaut und beherbergt einen wertvollen Altar mit Bergmannsleuchtern sowie eine Barock-Orgel von Johann Daniel Ranft. Das im Jahr 1908 errichtete Rathaus steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Die kursächsische Postdistanzsäule am Geisinghof ist eine Nachbildung der Säule von 1734, die auf dem Altmarkt von Neugeising stand. Nennenswert ist die 1875 errichtete Oberschule Geising.

Freizeit und Sport mini|Hüttenteichbaude Geising mit Blick zum Hutberg/Löwenhain (links)

Kunsteishalle „Gründelstadion“ (Eissaison u. a. mit Curling und Eislaufen von Oktober bis März, im Sommer Skaterbahn) Naturbad Hüttenteich (u. a. Abenteuerspielplatz, Freilandkegeln, Minigolf, Miniboote, Tischtennis) Bowling und Billard in der Gaststätte „Am Schauhübel“ Tennisanlage am Berghotel Schellhas Devalkart (unmotorisierter Kart) am Skihang Abfahrtshang und Skilift Sporthalle Sportschießen beim Schützenverein Wildpark Osterzgebirge Hartmannmühle Kohlhaukuppe Geisingberg

Regelmäßige Veranstaltungen Ski- und Eisfasching (Sonntag vor Fastnacht) Weihnachtsmarkt (1. Advent)

Wirtschaft und Infrastruktur Ansässige Unternehmen (Auswahl) FeinwerkTechnik GmbH, Herstellung von feinmechanischen Antrieben und Baugruppen, ca. 100 Beschäftigte (2022)

Ehemalige Unternehmen

Brauerei Paul Lohse, 1862 gegründet. 1876 wurde sie von einem Herrn Kaiser übernommen und existierte als Brauerei Kaiser. 1886 übernahm sie H. Friedrich, 1895 dann L. Bach. 1902 ging sie in den Besitz von Georg Oelschlägel über und 1906 an Arthur Fleischinger. Schon zwei Jahre später übernahm sie Robert Friedrich und ab 1911 dann Paul Lohse. Am 11. September 1914 verstarb Lohse während des Krieges nördlich Goldap (Ostpreußen) als Gardereiter in der Schlacht an den Masurischen Seen und die Brauerei wurde geschlossen.

Verkehr mini|Bahnhof Geising wird freigeschaufelt

Die straßenseitige Erschließung von Geising erfolgt hauptsächlich durch die Staatsstraße S 178, die von Heidenau durch das Müglitztal und das Tal des Roten Wassers nach Geising und von hier weiter zur Bundesstraße 170 in Altenberg führt. Die Kreisstraße K 9033 führt von der deutsch-tschechischen Grenze in Zinnwald-Georgenfeld über Geising und Löwenhain zur Staatsstraße S 174 östlich von Lauenstein. Die nächste Autobahnanschlussstelle befindet sich in ca. 14 Kilometer Entfernung (Anschlussstelle Bad Gottleuba der Bundesautobahn 17).