Der Große Preis von Monaco 1971 (offiziell XXIX Grand Prix de Monaco) fand am 23. Mai auf dem Circuit de Monaco in Monte Carlo statt und war das dritte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1971.
Berichte Hintergrund Der Große Preis auf dem Circuit de Monaco 1971 war der 200. Grand Prix in der Automobil- bzw. Formel-1-Weltmeisterschaft.
Fünf Wochen lagen zwischen dem Großen Preis von Spanien und dem dritten WM-Lauf in Monaco. Während dieser Pause hatte ein nicht zur Weltmeisterschaft zählendes Rennen in Silverstone stattgefunden, das in zwei Läufen ausgetragen wurde. Im ersten Lauf war Jackie Stewart siegreich, den zweiten gewann Graham Hill. In beiden Fällen waren also V8-motorisierte Fahrzeuge an der Spitze, wodurch die nach dem bisherigen Saisonverlauf drohende V12-Dominanz relativiert wurde.
Bei Ferrari traten die beiden Stammfahrer Jacky Ickx und Clay Regazzoni in Monaco mit dem unter der Leitung des Chefkonstrukteurs Mauro Forghieri zum Ferrari 312B2 weiterentwickelten Wagen an, während für den dritten Werksfahrer Mario Andretti ein herkömmlicher 312B gemeldet wurde. Nanni Galli fuhr anstelle von Andrea de Adamich den dritten Werks-March mit Alfa-Romeo-Motor. Außerdem wollte Skip Barber in einem privaten March 711 sein Grand-Prix-Debüt begehen, scheiterte jedoch deutlich an der Qualifikation. Ansonsten gab es hinsichtlich der Teams und Fahrer keine wesentlichen Veränderungen im Vergleich zum vorangegangenen WM-Lauf.
Für Hill war es das insgesamt 127. Rennen in der Formel-1-Weltmeisterschaft. Er brach damit den alten Rekord von Jack Brabham, der mit 126 Rennen die meisten Formel-1-Weltmeisterschaftsrennen bestritten hatte; ein Rekord, der beim Großen Preis von Mexiko 1970 aufgestellt wurde.
In der Fahrerwertung führte Stewart mit sechs Punkten vor Andretti und mit neun Punkten vor Chris Amon. In der Konstrukteurswertung führten Ferrari und Tyrrell punktgleich mit neun Punkten vor Matra.
Mit Hill (fünfmal), Denis Hulme und Stewart (jeweils einmal) traten drei ehemalige Sieger zu diesem Grand Prix an.
Training Erstmals seit 1955 wurde in Monaco die damals aus Sicherheitsgründen eingeführte Begrenzung auf maximal 16 Starter aufgehoben, beziehungsweise auf 18 Fahrer erhöht. Außerdem war zu Beginn der Saison die Regelung der sogenannten "gesetzten" Fahrer, die auf jeden Fall einen Startplatz erhielten, abgeschafft worden. Vor dem Training wurden demzufolge alle Fahrer als gleichwertig eingestuft, unabhängig davon, ob es sich um Weltmeister, Werksfahrer oder Gaststarter handelte. Erster Leidtragender dieser Neuregelung war der bislang in der Weltmeisterschaftswertung zweitplatzierte Andretti, der sich aufgrund eines Defektes an seinem Wagen nicht unter den besten 18 Fahrern qualifizieren konnte.
Da das erste Training am Donnerstag komplett verregnet war und auch am Samstag wegen feuchter Streckenverhältnisse kaum Zeitverbesserungen möglich waren, bestimmten die freitags erzielten Zeiten weitestgehend die Startaufstellung.
Stewart erlangte die Pole-Position mit einer um 1,2 Sekunden schnelleren Rundenzeit als der zweitplatzierte Jacky Ickx. Gut präsentierten sich auch die beiden B.R.M.-Piloten Joseph Siffert und Pedro Rodríguez im BRM P160 mit den Startplätzen drei und fünf, während sich der dritte Werksfahrer Howden Ganley mit dem deutlich älteren BRM P153 nicht qualifizieren konnte.
Das amtierende Konstrukteurs-Weltmeister-Team Lotus enttäuschte mit den Startplätzen 12 für Reine Wisell und 17 für Emerson Fittipaldi.
Rennen
Stewart, Ickx und Siffert erreichten nach dem Start nahezu gleichzeitig die erste Kurve, die nicht von drei Wagen nebeneinander durchfahren werden konnte. Siffert gelang es, den Ferrari zu überholen und den zweiten Platz hinter Stewart einzunehmen. Hill, der mit fünf Siegen auf dieser Strecke als absoluter Monaco-Spezialist galt, schied bereits in der zweiten Runde wegen eines Fahrfehlers in der Tabac-Kurve aus. Sein Teamkollege Tim Schenken berührte zwei Runden später ebenfalls die Streckenbegrenzung, als er plötzlich dem wegen technischen Problemen langsam fahrenden François Cevert ausweichen musste. Zunächst konnten beide Fahrer das Rennen fortsetzten, Cevert schied jedoch nach weiteren zwei Runden wegen eines Fahrfehlers als Folge des Defektes aus.
Während Stewart seinen Vorsprung an der Spitze sukzessive ausbaute, fuhr Ronnie Peterson ein starkes Rennen, das für ihn mit einem hervorragenden zweiten Platz endete und für ihn das erste Podium seiner Karriere bedeutete. Da Siffert im letzten Renndrittel mit Motorschaden ausschied, wurde Hulme hinter Ickx Vierter.
Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 Lotus 72D Ford Cosworth DFV 3.0 V8 2 Lotus 72C 4 Ferrari 312B2 Ferrari 001/1 3.0 F12 5 6 Ferrari 312B Ferrari 001 3.0 F12 7 Brabham BT34 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 8 Brabham BT33 9 McLaren M19A 10 McLaren M14A 11 Tyrrell 003 11TDie mit einem "T" hinter der Startnummer versehenen Wagen standen ihren jeweiligen Fahrern als T-Car zur Verfügung, kamen jedoch nicht zum Einsatz. Tyrrell 001 12 Tyrrell 002 14 BRM P160 BRM P142 3.0 V12 15 15T BRM P153 16 17 March 711 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 18 19 Alfa Romeo T33 3.0 V8 20 Matra MS120B Matra MS71 3.0 V12 21 22 Surtees TS9 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 24 27 March 711 Gene Mason Racing 28 Anmerkungen
Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 1:23,2 136,082 km/h 1 2 1:24,4 134,147 km/h 2 3 1:24,8 133,514 km/h 3 4 1:24,8 133,514 km/h 4 5 1:25,1 133,043 km/h 5 6 1:25,3 132,732 km/h 6 7 1:25,6 132,266 km/h 7 8 1:25,8 131,958 km/h 8 9 1:26,0 131,651 km/h 9 10 1:26,0 131,651 km/h 10 11 1:26,1 131,498 km/h 11 12 1:26,7 130,588 km/h 12 13 1:26,7 130,588 km/h 13 14 1:26,9 130,288 km/h 14 15 1:27,2 129,839 km/h 15 16 1:27,2 129,839 km/h 16 17 1:27,7 129,099 km/h 17 18 1:28,3 128,222 km/h 18 DNQ Da das Teilnehmerfeld auf 18 Wagen begrenzt war, scheiterten Ganley, Andretti, Galli, Soler-Roig und Barber an der Qualifikation. 1:28,8 127,500 km/h – DNQ 1:29,1 127,071 km/h – DNQ 1:34,6 119,683 km/h – DNQ 1:44,4 108,448 km/h – DNQ 2:48,6 67,153 km/h – Anmerkungen
Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 80 0 1:52:31,3 1 1:22,2 (57.) 2 80 0 + 25,6 6 1:23,0 (53.) 3 80 0 + 53,3 2 1:23,2 (74.) 4 80 0 + 1:06,7 8 1:23,0 (74.) 5 79 0 + 1 Runde 17 1:23,3 (68.) 6 79 0 + 1 Runde 16 1:23,5 (65.) 7 79 0 + 1 Runde 10 1:23,9 (64.) 8 77 1 + 3 Runden 13 1:24,6 (63.) 9 76 2 + 4 Runden 5 1:23,7 (55.) 10 76 1 + 4 Runden 18 1:24,4 (63.) – 58 0 DNF 3 1:23,5 (53.) – 47 0 DNF 7 1:25,0 (17.) – 45 0 DNF 4 1:23,4 (44.) – 24 0 DNF 11 1:26,1 (10.) – 22 0 DNF 14 1:26,0 (16.) – 21 0 DNF 12 1:26,3 (11.) – 5 0 DNF 15 1:28,0 (3.) – 1 0 DNF 9 1:35,8 (1.)
WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt(e). Die besten fünf Ergebnisse der ersten sechs Rennen und die besten vier der letzten fünf Rennen zählten zur Meisterschaft. In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams.
Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Tyrrell-Ford 242 Ferrari 103 Ferrari94 Matra65 McLaren-Ford 66 March-Ford67 Ferrari48 B.R.M.39 Lotus-Ford3 10 Lotus-Ford 211 Matra 112 Surtees-Ford113 Surtees-Ford014 Tyrrell-Ford 0 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte15 Brabham-Ford 016 McLaren-Ford 017 Brabham-Ford 018 B.R.M. 019 March-Ford 020 Surtees-Ford 021 March-Alfa Romeo 0– Brabham-Ford 0– B.R.M. 0– March-Ford 0– Brabham-Ford 0– McLaren-Ford 0– March-Ford 0
Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 242 193 64 65 6 Pos. Konstrukteur Punkte6 57 38 19 010 0
Sonstiges
Am Rennwochenende entstand der Dokumentarfilm Weekend of a Champion (dt.: Weekend eines Champions), in dem der polnisch-amerikanische Regisseur Roman Polański Stewart begleitete. Der Film feierte im Folgejahr auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin Premiere und lief dort im Wettbewerb.
Einzelnachweise
#1971 Monaco Kategorie:Circuit de Monaco