Der Rickenbacker 4001 ist ein viersaitiges E-Bass-Modell der US-amerikanischen Musikinstrumentenbau-Firma Rickenbacker. Bei seiner Markteinführung im Jahr 1961 war es nach dem Modell 4000 Rickenbackers zweiter E-Bass. Außerdem war der 4001 nach dem 4000 der zweite E-Bass auf dem Markt mit einem durchgehenden Instrumentenhals (englisch: Neck-thru). Besondere Bekanntheit erlangte der Rickenbacker 4001 durch Paul McCartney, der das Modell seit Mitte der 1960er-Jahre in der englischen Band The Beatles und später in seiner Rockband Wings spielte.

Geschichte Produktionszeitraum Im Jahr 1957 hatte die Firma Rickenbacker mit dem 4000 ihren ersten E-Bass vorgestellt. Der Entwurf dieses Modells und seiner Nachfolger stammt vom deutschstämmigen Gitarrenbauer Roger Rossmeisl, der von 1954 bis 1962 bei Rickenbacker beschäftigt war (anschließend wechselte Rossmeisl zum Konkurrenzunternehmen Fender).Jim Roberts: American Basses. S. 156 ff. Rossmeisl hatte in seinen Gitarren-Entwürfen für Rickenbacker das Konstruktionsprinzip des durchgehenden Instrumentenhalses umgesetzt; eine Konstruktionsform, die im Jahr 1948 vom US-amerikanischen Musikinstrumentenbauer Paul Bigsby mit der Bigsby/Travis-Gitarre zur Serienreife entwickelt worden war. Im Jahr 1956 hatte Rickenbacker sein erstes E-Gitarren-Modell mit durchgehendem Hals vorgestellt, die von Rossmeisl entwickelte Combo 400. Im Jahr darauf folgte mit dem 4000 Rickenbackers nach demselben Prinzip konstruierter erster E-Bass. Das Modell 4000 verfügt über nur einen elektromagnetischen Tonabnehmer, hatte zunächst einen einteiligen Hals aus MahagoniJogi Sweers: Rickenbacker History. In: Bass Professor, Heft Nr. 51 (2/2009), S. 108 ff. und ist insgesamt schlichter ausgestattet als seine Nachfolgemodelle.

Nachdem Rickenbacker bereits seit Ende der 1950er-Jahre einige Exemplare des 4000 mit erweiterter Ausstattung angefertigt hatte, wurde der Rickenbacker 4001 im November 1961 eingeführt und als „Deluxe“-Version des 4000er-Modells vorgestellt.Jogi Sweers: Rickenbacker History. In: Bass Professor, Heft Nr. 52 (3/2009), S. 124 ff. Diese erweiterte Version hat statt einem zwei Tonabnehmer, eine aufwendigere Elektrik sowie eine Ziereinfassung (engl.: Binding) an den Rändern der Vorderseite des Instrumentenkorpus und an den seitlichen Rändern des Griffbretts.Dirk Groll: Traditionelle Alternative – Rickenbacker 4001 Bass. In: Stromgitarren; Sonderheft der Zeitschrift Gitarre & Bass zur Geschichte der E-Gitarre, S. 166 f. MM-Musik-Media-Verlag, Ulm 2004. Während die Griffbretteinfassung einfach gehalten ist, trägt der Korpus ein mehrlagiges Binding mit Schachbrettmuster (; verwendet bis 1974). mini|hochkant|Geddy Lee, Bassist der Rockband Rush. Links im Bild ein Rickenbacker 4080 Doppelhals-Sondermodell. Das zweite Instrument von rechts ist ein Rickenbacker 4001. Im Jahr 1967 erschien ein aufwendig ausgestattetes Sondermodell des 4001 in limitierter Auflage, der 4002. Dieser hatte eine separat angefertigte Instrumentendecke aus besonders stark gemasertem Ahornholz und war mit zwei doppelspuligen Tonabnehmern in Humbucker-Bauweise ausgestattet. Weitere Sondermodelle waren der 4008, der acht Saiten trug anstelle der für das Modell üblichen vier, sowie das Doppelhals-Modell 4080, das den E-Bass mit einer sechs- oder zwölfsaitigen E-Gitarre kombinierte.

Das Basismodell Rickenbacker 4001 wurde bis Anfang der 1980er-Jahre gebaut,Vintageguitars. Abgerufen am 2. Juli 2011. während es ab 1979 sukzessive durch den Nachfolger 4003 ersetzt wurde. Dabei unterschieden sich beide Modelle vorrangig durch die Art der verwendeten Halsstabkonstruktion (engl.: Trussrod). Im Laufe der Jahre nahm Rickenbacker kontinuierlich technische und kosmetische Veränderungen am 4001 und dessen Schwestermodellen vor. So wurde der Tonabnehmer in Halsposition im Jahr 1974 näher an den Steg-Tonabnehmer gerückt, das Schlagbrett verkleinert, sowie Form und Größe der Kopfplatte geringfügig verändert. Ebenso wurden die auffälligen Walnußholz-Seitenteile der Kopfplatte durch solche aus Ahorn ersetzt.Rickbeat abgerufen am 2. Juli 2011.

Neuauflagen Anfang der 1980er Jahre manifestierte sich auf dem Musikinstrumentenmarkt ein stetig wachsendes und bis heute anhaltendes Interesse an den „klassischen“ US-amerikanischen E-Gitarren und Bässen der 1950er- und 1960er-Jahre. Dem Vorbild des Musikinstrumentenherstellers Fender folgend, der seit einiger Zeit erfolgreich Reproduktionen seiner Gitarren- und Bassmodelle der 50er-/60er-Jahre auf den Markt brachte, erschien bereits kurz nach dem offiziellen Produktionsende, im Jahr 1984, die erste Neuauflage des 4001 unter der Bezeichnung 4001V63, wobei der Buchstabe V für Vintage steht. Eine Neuauflage aus dem Jahr 2001 mit der Modellbezeichnung 4001C64 wird bis in die Gegenwart von Rickenbacker gebaut.Rickenbacker Produkt-Seite. Abgerufen am 2. Juli 2011. Aus technischer Sicht waren diese „Neuauflagen“ jedoch lediglich an das Export-Modell 4001S angelehnte Varianten des (aktuellen) 4003, da z. B. dessen Halsstabprinzip unverändert übernommen worden ist. Eine Rückkehr zu alten Produktionsweisen und sonstigen technischen Details der 4001 Modelle fand nicht statt – in krassem Gegensatz etwa zur Fender Vintage-Serie, wo auf Authentizität selbst bei kleinsten Details allergrößter Wert gelegt wurde. Es ist daher nicht ganz unberechtigt, Modellbezeichnungen wie 4001V63 und 4001C64 als zumindest teilweise irreführend anzusehen.

Einfluss auf andere Hersteller Das von Rickenbacker bei E-Bässen eingeführte Konstruktionsprinzip des durchgehenden Halses wurde in späteren Jahren von einigen anderen Herstellern von E-Bässen übernommen und weiterentwickelt. Einer der bedeutendsten darunter ist das im Jahr 1969 gegründete US-amerikanische Unternehmen Alembic, das – beginnend mit dem E-Bass Alembic Series I – als Erfinder und Hersteller besonders aufwendig produzierter und hochwertig ausgestatteter E-Bässe (sogenannte „Edelbässe“) gilt, die ausnahmslos einen durchgehenden Hals haben. Ein weiteres prominentes Beispiel für ein E-Bass-Modell mit dieser Halskonstruktion ist der 1963 vom US-Musikinstrumentenhersteller Gibson vorgestellte Gibson Thunderbird.

mini|hochkant|Rickenbacker-4001-Kopfplatte: An den durchgehenden Hals sind die Seitenteile angeleimt

Konstruktion Holzbauteile Der Rickenbacker 4001 hat einen Korpus aus Ahornholz. Dieser besteht aus zwei Flügeln, die links und rechts an die Halskonstruktion angeleimt sind. Der ebenfalls aus Ahorn bestehende Hals, der durch den gesamten Korpus hindurchläuft, war zunächst einteilig, wurde letztendlich jedoch durch eine dreiteilige Konstruktion abgelöst. Hierzu wurde ein ebenfalls durchgehender, relativ schmaler Walnussholz-Streifen zwischen 2 breiteren Ahorn-Streifen eingefügt. Die Mensur hat nicht das 1951 mit dem Fender Precision Bass eingeführte Longscale-Format, sondern ein von Rickenbacker selbst entwickeltes, etwas kürzeres Maß, das dem Bass eine Mensurlänge von 33-1/4 Zoll gibt.Jim Roberts: American Basses, S. 158 Der obere Teil des Halses trägt ein Griffbrett aus Palisander, das – im Musikinstrumentenbau untypisch für diese Holzart – mit einer Schicht aus Klarlack überzogen ist. Zur Regulierung der Halskrümmung und damit der Saitenlage hat der Hals des 4001 zwei innenliegende, von der Kopfplatte beziehungsweise dem oberen Rand des Griffbretts aus einstellbare Stahlstäbe (Halsspannstab). Das besondere Funktionsprinzip dieser Stahlstäbe, die ihrerseits aus zwei korpusseits miteinander verschweißten Stäben bestehen, führt bei unsachgemäßer Handhabung häufig zu Spannungen im Bereich der Einstellmuttern am kopfplattenseitigen Griffbrettende. Infolgedessen löst sich das Griffbrett dort gelegentlich vom Hals. Vorteil dieser Konstruktion ist allerdings, dass die einmal eingestellte Halskrümmung selbst bei Wetter- und Temperaturveränderungen konstant bleibt, und ein defekter Halsspannstab problemlos ausgetauscht werden kann.

Das 1963 vorgestellte Export-Modell, das für den Verkauf in Europa bestimmt war, trug die Bezeichnung 4001S. Die von der Londoner Firma Rose-Morris nach Großbritannien importierten Instrumente erhielten eine eigene Modellnummer, RM1999, waren aber ansonsten baugleich mit den 4001S Modellen. Diese Export-Version unterscheidet sich in einigen Details von der amerikanischen – so haben beispielsweise die Griffbretteinlagen (Intarsien) die Form von Punkten statt die in der US-Version verwendete dreieckige Variante aus Epoxidharz, ebenso fehlen Korpus- und Griffbretteinfassung.

Elektrische Ausstattung mini|hochkant|Rickenbacker 4001: Der Horseshoe- (unten) und Toaster-Tonabnehmer (oben)

Eine Rickenbacker-typische Besonderheit der frühen Exemplare des Modells 4001 ist der Tonabnehmer in Stegposition, der Horseshoe Pickup (deutsch: „Hufeisen-Tonabnehmer“; siehe Abbildung rechts). Die Saiten laufen durch einen Magneten in Hufeisenform hindurch, der deren Schwingungen mittels einer Spule in elektromagnetische Impulse umwandelt. Dieser Tonabnehmer-Typ war von Rickenbacker erstmals auf deren im Jahr 1932 vorgestellten Lapsteel-Gitarre Rickenbacker Frying Pan verwendet worden.Manfred Nabinger: Bratpfanne & Hawaii-Hemd – Rickenbacker Frying Pan & Gibson EH-150. In: Stromgitarren, Sonderheft der Zeitschrift Gitarre & Bass zur Geschichte der E-Gitarre, S. 122 ff. MM-Musik-Media-Verlag, Ulm 2004. Etwa 1968/1969 wurde der Horseshoe Pickup durch einen moderneren Tonabnehmer ersetzt. Diese Hi-Gain genannte Ausführung verzichtete auf Hufeisenmagneten, da diese die Eigenschaft hatten, sich mit der Zeit zu entmagnetisieren. Stattdessen kam eine konventionellere Lösung in Form eines unterhalb der Spule angebrachten Barrenmagneten zum Einsatz. Das gewohnte Erscheinungsbild wurde durch einen verchromten Plastikbügel, der abgesehen von einer vernachlässigbaren elektromagnetischen Abschirmungswirkung keinerlei Funktion hat, jedoch beibehalten. Viele Bassisten empfinden diesen Bügel als eher störend und entfernen ihn daher.

Als Hals-Tonabnehmer wurde bis 1974 ein Einzelspuler (engl.: Single Coil) verbaut, der unverändert aus der Gitarrenproduktion übernommen worden ist. Daher befinden sich in diesem Tonabnehmertyp 6 statt der für Bass-Anwendung üblichen 4 (bzw. 8) Stabmagneten, welche senkrecht durch den Spulenkörper führen. Dieser Tonabnehmer erhielt aufgrund seiner charakteristischen, mit 2 Schlitzen versehenen Abdeckung aus verchromtem Metall, welche die Einzelmagneten vollständig verdeckt und nur Teile des schwarzen Spulenkörpers erkennen lässt, den Beinamen „Toaster“. 1974 wurde der „Toaster“ durch einen neu entwickelten, aufgrund der höheren Ausgangsleistung ebenfalls „Hi-Gain“ genannten Single Coil Tonabnehmer ersetzt: Statt der ursprünglich 6 Einzelmagneten befindet sich nun ein Barrenmagnet unterhalb der Spule, welcher wiederum 4 im Spulenkörper fixierte, schraubenähnliche Metallstifte magnetisiert. Auch dieser Tonabnehmer erhielt eine dem „Toaster“ ähnliche, verchromte Abdeckung – allerdings wurde der mittlere „Steg“ entfernt, um Platz für die nun verwendeten Metallstifte zu schaffen.

Hinsichtlich der unterschiedlichen Tonabnehmerbestückungen ist festzustellen, dass der späteren „Hi-Gain“-Kombination zwar oftmals die besseren Übertragungseigenschaften nachgesagt werden, dennoch aber (nicht zuletzt der Optik wegen) sich die Kombination aus „Horse Shoe“ und „Toaster“ bei Enthusiasten der größeren Beliebtheit erfreut.

Die auf einem Schlagbrett montierte und in die Korpusvorderseite eingelassene Reglereinheit des 4001 besteht aus je zwei Lautstärke- und Tonreglern mit Drehknöpfen aus Bakelit sowie einem Dreiwege-Kippschalter zur Anwahl der Tonabnehmer.