miniatur|Ernest Bramah Ernest Bramah als Ernest Brammah Smith (geboren am 20. März 1868 in Manchester; gestorben am 23. Juni 1942 in Weston-super-Mare, Somerset) war ein englischer Schriftsteller, der im Laufe seines Lebens 21 Bücher und zahlreiche Kurzgeschichten sowie weitere Werke veröffentlichte.
Seine humorvollen Werke werden mit jenen Jerome K. Jeromes und William Wymark Jacobs verglichen, ebenso seine Detektivgeschichten mit jenen Conan Doyles, seine politischen Science-Fiction-Geschichten mit H.G. Wells und seine Erzählung zum Übernatürlichen mit denjenigen Algernon Blackwoods. George Orwell merkte selbst an, dass Bramahs Buch What Might Have Been seinen eigenen Roman 1984 beeinflusst habe. Darüber hinaus kreierte er die seinerzeit populären literarischen Figuren Kai Lung und Max Carrados.
Leben Ernest Bramah wurde am 20. März 1868 als Sohn eines wohlhabenden Geschäftsmanns, der sich selbst in kürzester Zeit emporgearbeitet hatte, in Manchester geboren. Bramah verließ bereits mit 16 Jahren die Manchester Grammar School, obwohl er stets zu den Besten in allen Fächer gehört hatte. Daraufhin wandte er sich der Landwirtschaft zu, zunächst als einfacher Landarbeiter, später als Besitzer einer eigenen Farm, wobei ihn sein Vater mit beträchtlichen finanziellen Mitteln, umgerechnet £ 100.000 in heutiger Währung, unterstützte. Bereits während dieser Zeit schrieb Bramah kürzere regionale Skizzen für die Birmingham News. Im Anschluss daran schrieb er ein Buch über seine Abenteuer des Farmlebens, welches nur wenige Käufer fand und eingestampft wurde. Nach diesem Landwirtschaftsdebakel erklärte sich sein Vater einverstanden, ihm weiterhin finanzielle Unterstützung bei seinem Weg in den Journalismus und die Schriftstellerei zu geben.
Bramah erreichte die Position des Sekretärs von Jerome K. Jerome und stieg zum Herausgeber seines Magazins The Minister auf. Nachdem er Jerome verlassen hatte, gab er andere Journale für eine Publikationsgesellschaft heraus, die jedoch später Bankrott anmelden musste.
Bramah erreichte kommerziellen und literarischen Erfolg mit seiner Kreation des Chinesen Kai Lung, einem reisenden Geschichtenerzähler. Dieser tauchte erstmals in der Geschichte The Wallet of Kai Lung auf, die von acht Herausgebern abgelehnt wurde, bevor Grant Richards sie annahm und 1900 veröffentlichte. Gedruckt liegen diese humorvollen Geschichten bzw. Märchen, in denen Fantasy-Elemente wie Drachen und Götter auftauchen und Bramah ein regelrechtes Mandarin-Englisch konstruierte, bis heute vor.Zur überaus positiven zeitgenössischen Kritik während der 1920er Jahre vgl. Stuart P. Mais: Some modern authors. Books for Libraries Press, Freeport, N.Y. 1970, S. 45ff. ISBN 0-8369-1836-3 (Nachdr. d. Ausg. London 1923).Zur heutigen Rezeption z. B. Lin Carter: Great Short Novels of Adult Fantasy, Band 2. Wildside Press, Rockville, Md. 2008, S. 65ff. ISBN 978-0-345-02789-4. Bramah hatte wohl als junger Mann mehrere wohlhabende Chinesen kennengelernt, denen noch eine hochritualisierte, extrem höfliche Sprechweise des vorrevolutionären Reichs der Mitte geläufig war, in der beispielsweise das „Ich“ durch „diese Person“ ersetzt wurde, überschwängliche Komplimente in Richtung des Adressaten, unsichere Anschuldigungen gegenüber der eigenen Person und extrem viele Umschreibungen benutzt wurden.Noel Perrin: A reader's delight. University Press of New England, Hanover, N.H. 1988, S. 15, ISBN 0-87451-430-4. Erzähltechnisch bildete Bramah damit gewissermaßen die westasiatische Spielart des Orientalismus aus.
Bramah schrieb außerdem politische Science Fiction. Sein Buch What Might Have Been (1907), später veröffentlicht als The Secret of the League (1909) ist eine antisozialistische Dystopie, die Bramahs eigene konservative Weltanschauung reflektiert. George Orwell bezeichnete dieses Buch als eine seiner Quellen für 1984. Orwell selbst lobte die wenig bekannte Novelle Bramahs, die ebenfalls den Titel The Secret of the League (1907) trug und eine beachtenswerte Vorhersage des Aufstiegs des Faschismus machte.George Orwell: Predictions of Fascism. In: The Collected Essays, Journalism and Letters of George Orwell, Bd. 2: My country right or left. 1940–1943. London 1968, S. 47f. (erstmals veröffentlicht in The Tribune vom 12. Juli 1940). In diesem Buch erhöhte eine sozialistische Regierung die Steuern für die Mittelklasse erheblich, dehnte den Wohlstandsstaat und die Bürokratie extrem aus und verursachte eine Rentenkrise, bevor sie von einem allgemeinen Börsenkrach erschüttert wurde.
Zu einem Zeitpunkt, als der Ärmelkanal gerade einmal von einem Flugzeug durch Louis Blériot überquert wurde, sah Bramah Expressflugzeuglinien in 10.000 Fuß, ein nationales Telegraphen-Netzwerk, das Faxgerät und eine Kode-Schreibmaschine voraus, die durchaus der Enigma ähnelte.
1914 erschuf Bramah die literarische Figur des blinden Detektivs Max Carrados. Nachdem er bereits die abseitige Idee hatte, dass ein Blinder Detektiv sein könnte, verglich er in der Einleitung zum zweiten Carrados-Roman The Eyes of Max Carrados das Engagement seines Helden mit dem Leben realer Blinder seiner Nation wie Nicholas Saunderson, Professor für Mathematik in Cambridge, dem Straßenbauer John Metcalf alias Blind Jack of Knaresborough, dem Londoner Richter und Magistrat John Fielding, von dem man sagte, dass er 3.000 Diebe allein aufgrund ihrer Stimmen identifizieren könne, und Helen Keller. Allerdings muss man hinzufügen, dass Bramah bei Beschreibung der übersteigerten sonstigen sensitiven Fähigkeiten Carrados' übertrieb: Carrados, dem sonst sein Butler Parkinson assistierte, soll aufgrund der Empfindlichkeit seiner Fingerspitzen sogar in der Lage sein, eine normale Tageszeitung lesen zu können.David Stuart Davies: Shadows of Sherlock Holmes. Wordsworth Editions, Ware, Hertfordshire 1998, S. 20. ISBN 1-85326-744-9.
Die Max-Carrados-Geschichten erschienen parallel zu jenen des Sherlock Holmes in The Strand Magazine, erzielten hohe Verkaufszahlen und übertrumpften sogar zeitweilig den heute weltweit berühmteren Konkurrenten.Allen J. Hubin: Crime Fiction 1749-1980. A Comprehensive Bibliography. Garland Publishing, London 1984, ISBN 0-8240-9219-8.
Bramah lebte zurückgezogen und gab nur wenig über sein Privatleben preis. Mit 74 Jahren starb er am 27. Juni 1942 als erfolgreicher Autor, der zeit seines Lebens ein großes Allgemeinwissen erworben hatte und als Experte in Numismatikerkreisen galt.
Bibliografie
Kai Lung Sammelausgaben: 1 The Wallet of Kai Lung (1900) Deutsch: The Wallet of Kai Lung. Salzwasser Verlag, Paderborn 2012, ISBN 978-3-8460-1851-4 (E-Book). 2 Kai Lung’s Golden Hours (1922) 3 Kai Lung Unrolls His Mat (1928) 4 The Moon of Much Gladness, Related by Kai Lung (1932; auch: The Return of Kai Lung, 1937) 5 Kai Lung Beneath the Mulberry Tree (1940; auch: Kai Lung Beneath the Mulberry-Tree, 2013) 6 Kai Lung: Six (1974) The Kai Lung Omnibus (Sammelausgabe von 1–3; 1936) Kai Lung Raises His Voice (2010)
Kurzgeschichten: The Career of the Charitable Quen-Ki-Tong (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung) The Confession of Kai Lung (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung) The Experiment of the Mandarin Chan Hung (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung) The Probation of Sen Heng (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung) The Story of Yung Chang (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung) The Transmutation of Ling (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung) The Vengeance of Tung Fel (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung) The Vision of Yin, the Son of Yat Huang (1900, in: Ernest Bramah: The Wallet of Kai Lung; auch: The Vision of Yin, 1972) The Story of Chang Tao, Melodious Vision and the Dragon (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours; auch: The Dragon of Chang Tao, 1972) The Story of Hien and the Chief Examiner (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of Lao Ting and the Luminous Insect (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of Ning, the Captive God, and the Dreams That Mark His Race (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of the Loyalty of Ten-teh, the Fisherman (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of Wang Ho and the Burial Robe (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of Weng Cho; or, The One Devoid of Name (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of Wong Pao and the Minstrel (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of Wong Ts’in and the Willow Plate Embellishment (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Story of Yuen Yan, of the Barber Chou-hu, and of His Wife Tsae-che (1922, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Degraded Persistence of the Effete Ming-shu (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours; auch: The Malignity of the Depraved Ming Shu, 1963) The Encountering of Six Within a Wood (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The High-Minded Strategy of the Amiable Hwa-mei (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Incredible Obtuseness of Those Who Had Opposed the Virtuous Kai Lung (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Inexorable Justice of the Mandarin Shan Tien (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Inopportune Behaviour of the Covetous Li-loe (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) Not Concerned with Any Particular Attribute of Those Who Are Involved (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) Of Which It Is Written: „In Shallow Water Dragons Become the Laughing-Stock of Shrimps“ (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Out-Passing Into a State of Assured Felicity of the Much-Enduring Two with Whom These Printed Leaves Have Chiefly Been Concerned (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Propitious Dissension Between Two Whose General Attributes Have Already Been Sufficiently Described (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Timely Disputation Among Those of an Inner Chamber of Yu-ping (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) The Timely Intervention of the Mandarin Shan Tien’s Lucky Day (1923, in: Ernest Bramah: Kai Lung’s Golden Hours) Ming Tseuen and the Emergency (1924, in: Ernest Bramah: The Specimen Case) The Story of Ching-Kwei and the Destinies (1927, in: Ernest Bramah: The Story of Wan and the Remarkable Shrub, and The Story of Ching-kwei and the Destinies) The Story of Wan and the Remarkable Shrub (1927, in: Ernest Bramah: The Story of Wan and the Remarkable Shrub, and The Story of Ching-kwei and the Destinies) The Story of Wan and the Remarkable Shrub, and The Story of Ching-kwei and the Destinies (1927) The Ignoble Alliance of Lin T’sing with the Outlaw Fang Wang, and How It Affected the Destinies (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree) The Story of Prince Ying, Virtuous Mei, and the Pursuit of Worthiness (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree; auch: The Story of Prince Ying, 1963) The Story of Sam-tso, the Family Called Wong, and the Willing Buffalo (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree) The Story of Sho Chi, the No-Longer Merchant Ng Hon, and the Docile Linnets (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree) The Story of the Poet Lao Ping, Chun Shin’s Daughter Fa, and the Fighting Crickets (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree; auch: The Story of the Poet Lao Ping, 1963) The Story of Ton Hi, Precious Gem and the Incospicuous Elephant (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree) The Story of Yin Ho, Hoa-mi, and the Magician (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree) The Three Recorded Judgments of Prince Ying, from the Inscribed Scroll of Mou Tao, the Beggar (1940, in: Ernest Bramah: Kai Lung Beneath the Mulberry Tree) Kin Weng and the Miraculous Tusk (1941)