miniatur|St. Magnus mini|Ortskern Niedermarsberg mit St. Magnus
St. Magnus ist eine katholische Pfarr- und Propsteikirche in Niedermarsberg im Hochsauerlandkreis. Die neugotische, dreischiffige Hallenkirche ist in die Denkmalliste der Stadt Marsberg eingetragen. Kirchenpatron ist der heilige Magnus von Trani.Joachim Schäfer, „Magnus von Trani“, aus dem Ökumenischen Heiligenlexikon, Internetabruf am 19. April 2026 St. Magnus ist eine Pfarrkirche des Pastoralen Raums Marsberg im Dekanat Hochsauerland-Ost des Erzbistums Paderborn.
Architektur und Geschichte Erste Kirche Den Grundstein zur ersten Kirche legte Abt Druthmar von Corvey (1019). Das Kloster Corvey hatte nämlich bereits seit dem 9. Jahrhundert die Verpflichtung, eine Kirche in Horhusen (früherer Name von Niedermarsberg) zu errichten und für die bauliche Unterhaltung zu sorgen. Am 27. Juli 1046 wurde die Kirche von Bischof Rotho von Paderborn als St.-Magnus-Kirche geweiht.Hans Dieter Tönsmeyer, Die Weihe der Pfarrkirche St. Magnus in Horohusen (Altstadt Marsberg) am 27. Juli 1046, in: SüdWestfalenArchiv 20/21, Arnsberg 2022, S. 8–15 Sie stand an der gleichen Stelle, an der auch die heutige Kirche steht, war aber bedeutend kleiner. Zusammen mit den nachträglich eingebauten Emporen und der Orgelbühne bot sie Platz für etwa 450 Personen. Als Ausstattung war anfänglich nur der Altartisch vorhanden, eine Orgel wurde 1653 aus Blomberg erworben. Der Aufsatz für den Hochaltar wurde 1682 gekauft und die Kanzel wurde 1696 angeschafft. Das Gebäude stand inmitten eines Friedhofes, auf dem bis 1807 die Toten beider Konfessionen bestattet wurden. Nach langer Vernachlässigung verfiel die romanische Kirche im 18. Jahrhundert, jegliche Renovierung unterblieb. Von Pfarrer Windraken OSB (1747–1756) ist folgende Aussage überliefert: Die Kirche der Gemeinde St. Magnus ist mehr einer Mördergrube als einem Gotteshause ähnlich.
Heutige Kirche miniatur|Pläne der neuen Magnuskirche, 1853 Seit 1823 versuchte die Kirchengemeinde, den preußischen Fiskus als Rechtsnachfolger des Klosters Corvey zum Bau einer neuen Kirche zu veranlassen. Die Bemühungen waren lange Zeit vergeblich, bis es dem tatkräftigen Pfarrer Theodor Caspari (1839–1887) nach vielen Verhandlungen 1852 gelang, eine Abmachung mit dem Fiscus über dessen Übernahme von 29.400 Talern zu erreichen.
Der Abbruch der alten Kirche begann am 14. September 1852. Nach Zukauf einiger angrenzender Grundstücke am Kirchplatz wurde am 3. August 1853 der Grundstein für die neue Kirche an der Südseite des Chores gelegt.
Die neue Kirche wurde als neugotische Hallenkirche mit drei Schiffen und fünf Jochen errichtet. Auf der Westseite ist ein quadratischer Turm vorgelagert. Treppengiebel stellen eine deutliche Abgrenzung zwischen Kirchenschiff und Turm sowie dem Chorraum dar. Der Plan stammte von dem Baukondukteur Friedrich Kronenberg.Norbert Aleweld, Der Beginn der Neugotik im Sakralbau Westfalens, Paderborn 2014, S. 115–125
Am 24. August 1856 wurde die Kirche durch den Paderborner Weihbischof Joseph Freusberg geweiht. Durch Urkunde des Paderborner Bischofs Konrad Martin vom 10. Mai 1973 wurde sie zur Propsteikirche erhoben.
Fenster
Die zehn Fenster des Kirchenschiffs wurden 1911 von der Glasmalereiwerkstatt Hertel in Düsseldorf angefertigt. Sie zeigen die acht Seligpreisungen der Bergpredigt sowie Szenen der Gottesmutter mit hl. Dominikus sowie die Kreuzabnahme.
Von den fünf Chorfenstern wurden 1959 die drei mittleren um 2,50 m verlängert und durch den Glasmaler Walter Klocke aus Gelsenkirchen gestaltet. Sie zeigen die drei Geheimnisse des Rosenkranzes.
Ausstattung Flügelaltar mini|Flügelaltar der St. Magnus-Kirche Der Flügelaltar wurde 1920 in der Werkstatt der Gebrüder Marmon in Sigmaringen erbaut, ist aber nur noch in stark veränderter Fassung erhalten. Die Flügel sind beweglich und zeigen bei geöffnetem Zustand von links die Hl. Familie, die Taufe Jesu, die Auferstehung und die Hl. Dreifaltigkeit. Bei geschlossenen Flügeln sind Ölgemälde mit den Motiven Christus auf dem Ölberg und Christus begegnet seiner Mutter auf dem Kreuzweg des Münchener Malers Franz Michael Ronge zu sehen. Zwischen dem Mittel- und den Seitenreliefs befinden sich vollplastische Figuren des Hl. Sturmius (links) und Hl. Magnus.
Der Tabernakel wurde 2020 wieder an ursprünglicher Stelle eingesetzt. Ebenfalls seit 2020 steht ein Holzkreuz aus dem 19. Jahrhundert wieder im Expositorium.
Bekrönt wird der Altar durch ein schlichtes Holzkreuz mit geschnitztem Corpus. Als Assistenzfiguren sind H. Maria und Hl. Johannes zu sehen.
Taufstein Der Taufstein im vorderen westlichen Seitenschiff stammt aus dem Jahre 1874. Die Fa, Heukeshoven & Worringen aus Köln führte die Marmorarbeiten aus und die Fa. Wegmans ebenfalls aus Köln die Messingarbeiten.
Kreuzweg Die 14 Stationen des Kreuzweges stammen aus den Jahren 1892–1895 und wurden durch den Niedermarsberger Künstler Franz Larenz geschaffen. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Farbgebung und Rahmung wird angestrebt.
Triumphkreuz Ein prächtiges Triumphkreuz befindet sich an der Stirnwand des nördlichen Seitenschiffes. Es ist eine spätgotische Arbeit vom Anfang des 16. Jahrhunderts.
Doppelmadonna Im vorderen Langhaus befindet sich eine vom Gewölbe herabhängende Doppelmadonna. Sie wurde um 1700 von dem Bildhauer Heinrich Papen aus Giershagen geschaffen.
Kronleuchter In der Mitte des Mittelschiffs hängt ein schmiedeeiserner zweigeschossiger aufwändiger Kronleuchter. Er wurde 1905 durch eine örtliche Kunstschmiede erstellt und war ursprünglich elektrisch beleuchtet. Nach einer zwischenzeitlichen Entfernung wurde er 1975 wieder aufgehängt und mit einer Kerzenbeleuchtung versehen.
Figurengruppe „Beweinung Christi“ An der Nordwand des linken Seitenschiffes befindet sich eine fast vollplastisch in Holz gearbeitete Figurengruppe mit Maria, Maria Magdalena und Johannes, die den Leichnam Jesu beweinen. Das Kunstwerk wurde 1939 durch die Marsberger Künstler Gebr. Larenz geschaffen.
Antependium Das Antependium des Hochaltars der alten St. Magnuskirche ist in einer Nische des südlichen Seitenschiffs zu sehen. Es wurde 1753 von Johann Heinrich Biggen, einem Mitarbeiter der Papenwerkstatt in Giershagen, geschaffen. Dargestellt ist der Hl. Magnus mit ausgebreiteten Armen und Bischofsstab.
Relief „Heilige Familie“ Ein barockes Steinrelief mit einer Darstellung der Hl. Familie befindet sich im Turmuntergeschoß über dem Eingang zur Kirche. Es ist um 1710 von dem Bildhauer Heinrich Papen geschaffen worden und befand sich früher in der Josefskapelle.
Skulpturen Hl. Magnus (um 1700) rechts am Choreingang Madonna mit Kind (1896) Franz Larenz links am Choreingang Hl. Michael (um 1750) Johann Pollmann über der Sakristeitür im südl. Seitenschiff Hl. Nepomuk (um 1750) Johann Pollmann 1. Mittelschiffpfeiler auf der Südseite Hl. Apollonia (um 1750) Johann Heinrich Biggen (?) 2. Mittelschiffpfeiler auf der Südseite Unterweisung Mariens (um 1750) Johann Heinrich Biggen (?) 1. Mittelschiffpfeiler auf der Nordseite Hl. Liborius (um 1700) Heinrich Papen 2. Mittelschiffspfeiler auf der Nordseite Hl Josef mit Kind (2. Hälfte 19. Jh.) Gebr. Larenz südl. Langhauswand vorne Karl der Große (2. Hälfte 19. Jh.) Gebr. Larenz (?) südl. Langhauswand Mitte Sel. Druthmar von Corvey (um 1680 ?) südl. Langhauswand hinten Hl. Elisabeth (um 1900) Gebr. Larenz nördl. Langhauswand vorne Hl. Franz von Assisi (um 1900) Gebr. Larenz nördl. Langhauswand Mitte Hl. Vincenz von Paul (um 1900) Gebr. Larenz nördl. Langhauswand hinten Sel. Adolph Kolping (Anfang 21. Jh.) Ernst Kraus, Oberammergau nördl. Langhauswand Hl. Antonius v. Padua (1888) Gebr. Larenz unterhalb der Orgelempore
Sonstige Ausstattung
Tabernakel von 1959 Dieser befindet sich unterhalb des Triumphkreuzes und bewahrt Reliquien mehrerer Heiliger sowie eine Hl. Kreuzreliquie Immerwährende Hilfe Ikone im neugotischen Rahmen, beschafft 1914; das Original stammt aus dem 14. Jahrhundert
Orgel Die Orgel wurde in den Jahren 2006 und 2009 von der Orgelbaufirma Fischer & Krämer (Endingen) erbaut. In diesem Instrument wurden vier Register der Vorvorgängerorgel wiederverwendet, die 1860 von dem Orgelbauer Franz Wilhelm Sonreck (Köln) mit 21 Registern auf zwei Manualen und Pedal erbaut worden war. Die heutige Orgel hat 32 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Trakturen sind mechanisch.Festschrift zur Einweihung der Orgel in der Propsteikirche St. Magnus am 22. November 2009
I Hauptwerk C– 1. Bourdon 16′ H 2. Principal 8′ 3. Harmonieflöte 8′ 4. Gedeckt 8′ H 5. Octave 4′ 6. Blockflöte 4′ 7. Quinte ′ 8. Superoctave 2′ 9. Cornet V 8′ 10. Mixtur IV ′ 11. Trompete 8′ 12. Trompete 4′ II Schwellwerk C– 13. Gamba 8′ 14. Vox coelestis 8′ 15. Flaut Major 8′ H 16. Principal 4′ 17. Querflöte 4′ 18. Nasat ′ 19. Waldflöte 2′ 20. Terz ′ 21. Quinte ′ 22. Mixtur IV-V 2′ 23. Fagott 16′ 24. Trompete 8′ 25. Oboe 8′ Tremulant Pedal C– 26. Principal 16′ 27. Subbass 16′ H 28. Octavbass 8′ 29. Violon 8′ 30. Choralbass 4′ 31. Posaune 16′ 32. Trompete 8′ Anmerkung H = Historisches Register von Sonreck (1860)
Glocken Im Turm von St. Magnus hängen fünf Kirchenglocken, die 1947 von der Glockengießerei Junker in Brilon gegossen wurden. Im Dachreiter hängt noch eine kleine Glocke von 1855, eine Kleppglocke, die als Chorglocke Verwendung findet und von 1974 bis 2003 an das Marienhospital ausgeliehen war. Sie war von Glockengießer Jean Baptiste Dubois gegossen worden.Webseite Pastoraler Raum: Glocken von St. Magnus; Youtube-Video
Glocke Name Durchmesser Gewicht ca. Schlagton Bemerkungen 1 Hl. Maria 1653 mm ca. 2550 kg b°+3 Festtagsglocke, läutet nur an Festtagen und zu besonderen Anlässen 2 Hl. Joseph 1471 mm ca. 1780 kg c′+3 Totenglocke; Stundenschlag 3 Hl. Magnus 1236 mm ca. 1100 kg es′+8 Glocke zu Ehren des Kirchenpatrons 4 Hl. Sturmius 1086 mm ca. 740 kg f′+3 zu Ehren des „Apostels des Diemeltals“, Viertelstundenschlag 5 Hl. Liborius 978 mm ca. 530 kg g′+5 zu Ehren des Patrons des Erzbistums Paderborn, Angelusglocke VI (Maria) es″+12 Kleppglocke, Chorglocke
Quellen und Literatur Pfarrarchiv St. Magnus Niedermarsberg, Akten A 4 - A 8 und B 71 Buchenthal, Gabriele / Bauer, Heinz: Heinrich Papen*Christophel Papen. Eine westfälische Bildhauerwerkstatt im Zeitalter des Barock. Paderborn 1994, S. 112–114 Hagemann, Ludwig: Aus Marsbergs Geschichte, 2. Auflage, Niedermarsberg (1939)
Weblinks
Website der Gemeinde
Anmerkungen
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