mini|Blick vom Hemmaberg nach Westen. Hinter der Baumgruppe links das spätantike Gräberfeld. mini|300px|Übersicht Hemmaberg mini|Naturdenkmal Linde Der Hemmaberg (slowenisch: Gora svete Heme) ist ein hoher Berg im Vorfeld der Karawanken und liegt westlich der Ortschaft Globasnitz im Süden Kärntens. Auf dem Gipfelplateau befand sich zumindest seit römischer Zeit ein keltisches Heiligtum. In spätantiker Zeit gab es hier eine Höhensiedlung mit einer älteren Kirche und zwei gleichzeitig Anfang des 6. Jahrhunderts erbauten Doppelkirchen. Die Siedlung ging um 600 zugrunde. Im Mittelalter wurde auf dem Gipfel eine Wallfahrtskirche erbaut, in der Rosaliengrotte wird seit dem Barock die Pestheilige Rosalia verehrt. Der Name bezieht sich auf Hemma von Gurk. Die Funde aus den archäologischen Grabungen sind im Archäologischen Pilgermuseum Globasnitz ausgestellt.

Naturkundliches Der Hemmaberg ist Teil des Karawankenvorlandes und befindet sich am Südrand des Jauntales, 5,4 Kilometer westlich von Globasnitz. Gebildet wurde dieses nach der Hebung der Karawanken und der damit einsetzenden Erosion im Tertiär vor 12 bis 14 Millionen Jahren. Dadurch entstanden Konglomerate aus dem Kalk-Geröll, die hier als Bärentalkonglomerat bezeichnet werden.Karl Krainer: Geologie im Überblick. In: Paul Mildner, Helmut Zwander (Hrsg.): Kärnten – Natur. Die Vielfalt eines Landes im Süden Österreichs. Verlag des Naturwissenschaftlichen Vereins für Kärnten, 2. Auflage, Klagenfurt 1999, ISBN 978-3-85328-010-2, S. 179–188, hier 187. Die Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000 weist das Gebiet als Tertiär aus.abgerufen auf , 27. April 2013. An der Nordseite fällt der Hemmaberg steil ab, wodurch er in der Antike nur auf drei Seiten befestigt werden musste. In der Rosaliengrotte befindet sich eine Quelle. Die Vegetation besteht großteils aus Fichtenwald, teilweise mit Laubholzeinsprengungen. Im Bereich der Rosaliengrotte und der Ausgrabungen am Plateau befinden sich Wiesen.Helmut Hartl, Roland Stern, Martin Seger: Karte der aktuellen Vegetation von Kärnten. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2001, ISBN 3-85328-024-2. Als potentielle natürliche Vegetation wird ein Finger-Zahnwurz-Tannen-Buchenwald angegeben.Karte Waldgesellschaften (PNWG) auf Kärnten Atlas, abgerufen am 27. April 2013. Der Name des Anwesens am Südhang des Hemmabergs, Gradischnigg, bezieht sich auf die Ruinen am Gipfel, die als Burg (slowenisch grad) interpretiert wurden (vgl. auch Grazerkogel).

Geschichte mini|300px|Lageplan der Gebäude am Plateau. Grau = Kirche hl. Hemma und Dorothea. A,B östliche Doppelkirche mit Baptisterium C und Grabkapelle D; N, O westliche Doppelkirche; J ältere Kirche mit Grabraum E; H Pilgerhaus, G Gebäude mit Anbau M; L, Q, P weitere Gebäude. Die ersten Siedlungsspuren auf dem Hemmaberg werden in die Zeit zwischen 1500 und 1250 v. Chr. datiert. Aus römischer Zeit ist durch eine Inschrift die Verehrung einer nur hier erwähnten Gottheit Iovenat (oder Iouenat) bekannt. Die Inschrift lautet: Iouenat / Aug(usto) / Attia Ing[e]/nua v(otum) s(olvit). (Dem Iouenat Augustus hat Attia Ingenua das Gelübde eingelöst.Übersetzung zitiert nach Die römische Siedlung Iuenna und die frühchristlichen Kirchen am Hemmaberg, S. 42.) Augustus ist ein häufiges Attribut in Inschriften für einheimische Gottheiten. Von dieser Gottheit leitet sich der Name der römischen Siedlung im Tal, Iuenna (auf dem Gebiet des heutigen Globasnitz) ab, sowie in der Folge der mittelalterliche Name des Berges Iunberch oder Jaunberg und schließlich der des ganzen Jauntals. Bei Iovenat handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um eine vorrömische Gottheit, wurde im Fundmaterial doch Keramik aus der Spätlatènezeit und der frühen Kaiserzeit gefunden. Dies spricht für eine kontinuierliche Besiedlung vor und nach der römischen Okkupation Noricums. Nach der Gründung von Iuenna am Talboden wurde die Bergsiedlung wohl aufgegeben.Thomas Fischer: Noricum. Zaberns Bildbände zur Archäologie, Philipp von Zabern, Mainz am Rhein 2002, ISBN 3-8053-2829-X, S. 152–155.

Die spätantike Siedlung entstand um 400 n. Chr., als die Bewohner von Iuenna, wie in Noricum um diese Zeit weit verbreitet, die ungeschützte Siedlung in der Ebene verließen und sich in geschützte Höhenlagen zurückzogen. Östlich vom alten Heiligtum des Iovenat entstand die erste Kirche.Franz Glaser: Kelten, Römer, Karantanen. Carinthia-Verlag, Klagenfurt 1998, ISBN 3-85378-465-8, S. 145–149.

Rund um die Bergkuppe wurde eine Befestigung angelegt: ein Wall aus Erde, Steinen und Bauschutt, kein Mauerwerk. Entlang des Anfahrtsweges, der heute noch gleich verläuft, befindet sich das Gräberfeld mit Gräbern aus dem 5. und 6. Jahrhundert. Das ostgotenzeitliche Gräberfeld mit 422 Gräbern, das von 493 bis 536 belegt wurde und an der römischen Straßenstation Iuenna lag, ist vollständig ausgegraben.Franz Glaser: Provinzialrömische Archäologie und Antike Numismatik mit den Außenstellen Römermuseum Teurnia und Archäologischer Park Magdalensberg. In: Rudolfinum. Jahrbuch des Landesmuseums Kärnten. 2015, S. 82 (ganzer Artikel S. 60–91, , ebenso auf academia.edu). mini|Alamannische Bügelfibel, datiert 490/520. Etwa 500/510 wurden etwa gleichzeitig zwei Doppelkirchenanlagen erbaut. Die Anzahl und Größe der Kirchen, die beiden Gemeindekirchen fassten etwa je 300 Personen, lassen den Ausgräber, Franz Glaser, vermuten, dass es sich beim Hemmaberg um ein frühchristliches Pilgerzentrum handelt. Die westliche Doppelkirche weist er den Arianern der Ostgotenzeit zu, die östliche den Katholiken. Zwischen 493 und 536/537, also zum Zeitpunkt der Erbauung, war Binnennoricum Teil des Ostgotenreichs. Die prächtige Ausstattung der Kirchen könnte somit auch einer gewissen Rivalität zwischen den beiden Religionen entsprungen sein. Die arianische Doppelkirche wurde nach dem Ende der Ostgotenzeit profan genutzt.Paul Gleirscher: Kirchenstreit und Kirchenbau am Hemmaberg und in Teurnia. In: P. Gleirscher: Mystisches Kärnten. Sagenhaftes, Verborgenes, Ergrabenes. Carinthia, Klagenfurt 2006, ISBN 3-85378-603-0, S. 119–125. Eine andere Meinung vertritt Bierbrauer, der die Kirchen unterschiedlichen politischen Einheiten im weiteren Umfeld des Bergs zuordnet.nach Th. Fischer: Noricum. Zaberns Bildbände zur Archäologie, Philipp von Zabern, Mainz am Rhein 2002, ISBN 3-8053-2829-X, S. 154. Originalarbeit (nicht eingesehen): Volker Bierbrauer: Arianische Kirchen in Noricum mediterraneum und Raetia II? Bayerische Vorgeschichtsblätter, Band 63, 1998, S. 205–226.

Aschenreste über den Mosaiken sowie zerschmolzene Fensterscheibenstücke zeigen, dass die Siedlung durch Brand um 600 n. Chr., wohl im Zuge der slawischen Landnahme, zugrunde ging.

Zwischen 1498 und 1519 wurde die Kirche der hl. Hemma und Dorothea zum Teil mit Material von den Kirchenruinen erbaut. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert sind Wallfahrten und die Verehrung der hl. Rosalia in der Rosaliengrotte belegt. Etwa seit dieser Zeit ist auch der Name Hemmaberg für den zuvor Iunberg genannten Berg überliefert.

1887 berichtete K. Hauser von altem Mauerwerk und von Funden auf dem Hemmaberg. Die wissenschaftliche Erforschung begann jedoch erst 1906, als die bis 1914 andauernden Ausgrabungen, besonders durch den Notar H. Winkler, der östlichen Doppelkirche stattfanden, die 1916 von Rudolf Egger publiziert wurden. Seit 1978 leitet Franz Glaser vom Kärntner Landesmuseum die Ausgrabungen.Franz Glaser: Die römische Siedlung Iuenna und die frühchristlichen Kirchen am Hemmaberg, 1982, S. 7f.

Seit 2002 befindet sich auf dem Hemmaberg ein Meditationspfad „ad fontes“. Die Ausgrabungen sind als Freilichtmuseum öffentlich zugänglich, die Mosaike befinden sich im Museum in Globasnitz. Die Fundamente wurden konserviert, die ursprünglichen Böden werden durch weißen Marmorkies für Mosaike und durch roten Kalksteinsplitt für den roten Ziegelsplittestrich angedeutet. Graugrüne Bruchsteinplatten zeigen die Lage der Gräber an, sofern die originalen Grabplatten nicht erhalten sind.

Am dritten Sonntag im September findet der Rosalienkirchtag auf dem Hemmaberg statt. An diesem Tag werden hl. Messen nicht nur in der Wallfahrtskirche, sondern auch in der Gemeindekirche der östlichen Doppelkirche zelebriert.

Ausgrabungen mini|Die erste Kirche, Beginn 5. Jh. mini|Pilgerhaus (Gebäude H) mini|Feuerstelle im Pilgerhaus (Gebäude Q) Die erste Kirche wurde am Beginn des 5. Jahrhunderts errichtet und ist eine Apsidenkirche. Sie ist schlecht erhalten, weshalb sie einige Zeit für eine Kapelle gehalten wurde. Sie ist 15,8 × etwa 7 Meter groß. In der Apsis befand sich eine Priesterbank. Das Presbyterium ist erhöht, an der Stelle des Altars befindet sich eine Reliquiengrube. An der Nordseite der Kirche war eine Sakristei und ein weiterer beheizbarer Raum unbekannter Funktion angebaut. An der Südseite der Kirche befinden sich einige Gräber, für ein Grab wurde an die Apsis sogar ein eigener Raum angebaut. Der übrigen Süd- und der Westseite waren wahrscheinlich hölzerne Hallen vorgelagert. Die Gräber werden Priestern und Kirchenstiftern zugerechnet, die das Privileg hatten, nahe dem Märtyrergrab bestatten zu werden. Nördlich der Kirche befindet sich eine in den Felsen eingetiefte und mit Lehm ausgeschlagene Zisterne.Franz Glaser: Globasnitz. In: Gernot Piccottini: Die Römer in Kärnten. Carinthia-Verlag, Klagenfurt 1989, ISBN 3-85378-333-3, S. 46–53.

Im Umkreis der Kirche gibt es mehrere als Pilgerhäuser gedeutete Steinhäuser von bis zu 244 m² Grundfläche, in denen teilweise Küchen und bodengeheizte Speisesäle identifizierbar sind. Einräumige Steinbauten werden als Unterkünfte des Personals gesehen, die das Pilgerheiligtum betreuten. Unterteilungen durch Holzwände sind wahrscheinlich, aber nicht fassbar. Beide Arten von Häusern besaßen, soweit nachweisbar, Walmdächer und einen Vorbau als Windfang. Des Weiteren gibt es Spuren von etlichen hölzernen Bauten, die als Wohnbauten der Bevölkerung angesprochen werden. In einem Gebäude wurden zahlreiche Scherben von Vorratsgefäßen und Amphoren sowie eine Eisenwaage gefunden. Daher wird der Bau als Vorratsgebäude für die Naturalopferspenden interpretiert, die Waage diente dazu, die Spenden an die Bedürftigen zu verteilen.

Östliche Doppelkirche Die östliche Doppelkirchenanlage entstand wie die westliche etwa 500/510. Um auf dem abfallenden Gelände bauen zu können, mussten rund 200 Kubikmeter Erdmaterial aufgeschüttet werden. Die Kirchenbauten sind geostet und liegen auf drei Ebenen: auf dem obersten Plateau steht die Gemeindekirche, nach Süden folgen die Memorialkirche mit dem Baptisterium und die Grabkapelle.

Gemeindekirche mini|Gemeindekirche, Presbyterium mini|Detail des Mosaiks aus der Westhälfte. Die Gemeindekirche besitzt einen rechteckigen Grundriss von 21,6 Metern Länge und 8,5 Metern Breite. Sie diente der Eucharistiefeier. Im Westen ist ein Narthex vorgelagert, der Vorraum für die Ungetauften. In der Osthälfte liegt das erhöhte Presbyterium mit der halbrunden Priesterbank. Das Presbyterium besaß wahrscheinlich einen Boden aus Steinplatten, die jedoch nicht erhalten sind. In der Achse vor der Priesterbank muss sich der Altar befunden haben, von dem jedoch keine Reste gefunden wurden. Das Presbyterium war von Marmorschranken abgeschlossen, die zu den seitlich gelegenen Stufen und zur Solea hin geöffnet waren. Die Solea ist ein erhöhter Gang entlang der Längsachse der Kirche, der vom Presbyterium bis zur Kirchenmitte führt. Ob sich auf der Solea ein Pult für die Lesung befand oder ob sie mittels Stufen dem Einzug der Priester diente, konnte aufgrund des schlechten Erhaltungszustands nicht rekonstruiert werden. Der Boden des Saales war mit Mosaiken ausgelegt, die 140 m² umfassten. Rund 40 m² sind erhalten und befinden sich heute im Museum in Globasnitz. Alle Mosaiken auf dem Hemmaberg sind fünffarbig, die schwarzen, grauen, weißen und rosafarbenen Steinchen bestehen aus Kalkstein, die roten sind aus Ziegeln gefertigt.