Die Beißkraft, auch Bisskraft genannt, gibt an, wie hoch die Kraft des Kiefers bei einem Biss in Newton pro Quadratzentimeter (N cm−2) ist. Es handelt sich also nicht um die Angabe einer Kraft, sondern um einen Druck, daher könnte es auch Beißdruck oder Kieferschließdruck heißen. Zum Vergleich bzw. zur Einordnung: Ein (Beiß-)Druck von 10 N/cm2 entspricht einem Druck von 1 bar.

Generell gilt, je größer das Tier, desto höher ist auch die Beißkraft.

Der Beißkraft-Quotient (BKQ) ist der Quotient aus Beißkraft und Körpermasse.

Werte von Beißkraft und von Beißkraft-Quotienten Der Weiße Hai gilt heute als das noch lebende Tier mit der größten Beißkraft von 18.216 N cm−2, was allerdings bislang nur in Computermodellen errechnet wurde.S. Wroe, D. R. Huber, M. Lowry, C. McHenry, K. Moreno, P. Clausen, T. L. Ferrara, E. Cunningham, M. N. Dean und A. P. Summers: Three-dimensional computer analysis of white shark jawmechanics: how hard can a great white bite? Journal of Zoology 276, 2008, S. 336–342, doi:10.1111/j.1469-7998.2008.00494.x Die tatsächlich höchste gemessene Beißkraft stammt bisher vom Leistenkrokodil mit 16.143 N cm−2.G. M. Erickson, P. M. Gignac, A. K. Lappin, K. A. Vliet, J. D. Brueggen und G. J. W. Webb: A comparative analysis of ontogenetic bite-force scaling among Crocodylia. Journal of Zoology 292, 2014, S. 48–55, doi:10.1111/jzo.12081 Der Schwarze Piranha ist das Tier mit dem höchsten Beißkraftquotienten.Justin R. Grubich, Steve Huskey, Stephanie Crofts, Guillermo Orti und Jorge Porto: Mega-Bites: Extreme jaw forces of living and extinct piranhas (Serrasalmidae). Scientific Reports 2, 2012, S. 1009, doi:10.1038/srep01009 Der vor 2,5 Millionen Jahren ausgestorbene Riesenhai Megalodon könnte das Tier mit der höchsten Beißkraft sein, das jemals gelebt hat. Berechnungen für das ausgestorbene Krokodil Purussaurus zeigen ebenfalls eine außerordentlich hohe Beißkraft.Tito Aureliano, Aline M. Ghilardi, Edson Guilherme, Jonas P. Souza-Filho, Mauro Cavalcanti und Douglas Riff: Morphometry, Bite-Force, and Paleobiology of the Late Miocene Caiman Purussaurus brasiliensis. PLoS ONE 10 (2), 2015, S. e0117944, doi:10.1371/journal.pone.0117944

Generell muss zwischen der Beißkraft im vorderen und hinteren Gebiss unterschieden werden. So erreicht die Beißkraft eines Weißen Hais von 3,3 t Gewicht im vorderen Gebiss nur die Hälfte des Wertes im Vergleich zum hinteren (9.320 gegenüber 18.216 N cm−2), ähnliches wird für Megalodon angenommen (55.522 gegenüber 108.514 N cm−2 bei einem Gewicht von rund 48 t). Dies ist auch beim Tötungsbiss der Raubtiere von Bedeutung, der über die Eckzähne erfolgt. Ein Löwe von 267 kg Körpergewicht besitzt hier eine Beißkraft von 3.388 N cm−2. Für einen entsprechend 229 kg schweren Vertreter der Säbelzahnkatze Smilodon ließen sich Werte von 1.104 N cm−2 errechnen. Hier wirken aber zahlreiche andere Faktoren mit ein, wie Form der Zähne, daran angepasste Jagdtaktiken und dadurch variablen Körpereinsatz und ähnliches.Colin R. McHenry, Stephen Wroe, Philip D. Clausen, Karen Moreno und Eleanor Cunningham: Supermodeled sabercat, predatory behavior in Smilodon fatalis revealed by high-resolution 3D computer simulation. PNAS 104 (41), 2007, S. 16010–16015, doi:10.1073/pnas.0706086104 Die Werte der folgenden Tabelle sind daher nur bedingt vergleichbar.

Tier Körper-gewicht in kg Beißkraftin N cm−2 BKQ Mensch 80 390 4,9 Megalodon 47.690 108.514 2,3 Purussaurus 8.424 69.039 8,2 Tyrannosaurus rex 6.800 30.380 4,5 Weißer Hai 3.300 18.216 5,5 Basilosaurus15.000 16.461Eric Snively E, Julia M. Fahlke und Robert C. Welsh: Bone-Breaking Bite Force of Basilosaurus isis (Mammalia, Cetacea) from the Late Eocene of Egypt Estimated by Finite Element Analysis. PLoS ONE 10 (2), 2015, S. e0118380, doi:10.1371/journal.pone.0118380 1,1 Leistenkrokodil 531 16.143 30,4 Mississippi-Alligator 297 9.452Gregory M. Erickson, A. Kristopher Lappin und Kent A. Vliet: The ontogeny of bite-force performance in American alligator (Alligator mississippiensis). Journal of Zoology 260, 2003, S. 317–327, doi:10.1017/S0952836903003819 31,8 Hyäne 69 9.000Stephen Wroe, Colin McHenry und Jeffrey Thomason: Bite club: comparative bite force in big biting mammals and the prediction of predatory behaviour in fossil taxa. Proceedings of the Royal Society B 272, 2005, S. 619–625, doi:10.1098/rspb.2004.2986 130,0 Löwe 290 1.768 6,0 Beutellöwe 109 1.692 15,5 Tiger 187 1.525 8,2 Wolf 35 593 16,9 Beutelteufel 12 418 34,8 Schwarzer Piranha 1,1 320 290,9 Wildkatze 3 56 18,7 Kernbeißer 0,06 ~500 ~8300

Quellen Stephen Wroe, Colin McHenry und Jeffrey Thomason: Bite club: comparative bite force in big biting mammals and the prediction of predatory behaviour in fossil taxa. Proceedings of the Royal Society B 272, 2005, S. 619–625, doi:10.1098/rspb.2004.2986 Gregory M. Erickson, Paul M. Gignac, Scott J. Steppan, A. Kristopher Lappin, Kent A. Vliet, John D. Brueggen, Brian D. Inouye, David Kledzik und Grahame J. W. Webb: Insights into the Ecology and Evolutionary Success of Crocodilians Revealed through Bite-Force and Tooth-Pressure Experimentation. PLoS ONE 7 (3), 2012, S. e31781 doi:10.1371/journal.pone.0031781

Einzelnachweise

Kategorie:Verdauungsphysiologie