Unter der Bezeichnung Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen führt die UNESCO 111 Fundstellen prähistorischer Pfahlbauten in der Schweiz (56), in Italien (19), Deutschland (18), Frankreich (11), Österreich (5) und Slowenien (2) als Weltkulturerbe. Die 111 Fundstellen befinden sich teils unter Wasser, teils an See- oder Flussufern oder in Feuchtgebieten. Sie repräsentieren Überreste prähistorischer Pfahlbausiedlungen aus einem Zeitraum von 5000 bis 500 v. Chr.UNESCO-Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ palafittes.org
Alle anderen Fundorte von Pfahlbausiedlungen im Umfeld der Alpen zählen nicht zum UNESCO-Welterbe, sie gelten als „assoziierte Fundstellen“. Insgesamt sind nahezu 1000 Fundstellen von Pfahlbauten im Alpenraum bekannt.
Aufnahme und Verleihung Die 111 Fundstellen wurden am 27. Juni 2011 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.2021 – 10 Jahre UNESCO Welterbe „Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen“ palafittes.org Die Bewerbung lief unter der Federführung der Schweiz. So fand die offizielle Verleihung am 10. September 2011 im schweizerischen Neuenburg NE statt.Michael Lünstroth: Ein Filmfest für die Archäologen. In: Südkurier. 9. September 2011.
Fundstellen Charakteristik Die Relikte der prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen stammen hauptsächlich aus dem Jungneolithikum (4400 bis 3500 v. Chr.), der Bronzezeit (2200 bis 800 v. Chr.) und der frühen Eisenzeit (ab 750 v. Chr.). Die feuchten Umgebungen bieten ideale Erhaltungsbedingungen für organischen Materialien wie Holz, Pflanzenreste und Textilien. Die Funde geben Einblicke in den Alltag, Landwirtschaft und Viehzucht der frühen Bauern. Technische Innovationen wie Einbäume, Räder und Wagen erzählen vom Handel und der Mobilität. Die ältesten RadfundeSamuel van Willigen: Das Rad Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 26. Juni 2020 und Textilien Europas aus der Zeit um 3000 v. Chr. zählen zu den bedeutenden Funden.
Fundstellen in der Schweiz Von den transnationalen seriellen Stätten befinden sich 56 – verteilt auf 15 Kantone – in der Schweiz. Die Erforschung der Pfahlbauten begann am Zürichsee bei Meilen, als im extrem trockenen Winter 1853/54 der Wasserpegel sank und Hunderte von Pfählen sichtbar wurden, dazwischen Fundstücke aus Keramik, Hirschgeweih und Knochen.Jörg Krummenacher: Kunstführer über Pfahlbauten: Das beinahe unsichtbare Welterbe In: Neue Zürcher Zeitung, 24. September 2016. Im Frühjahr 1855 entdeckte der Altertumsforscher Ferdinand Keller im Rahmen von Arbeiten zur Landgewinnung am Zürichsee die Überreste der Fundstelle Meilen-Rorenhaab.Ferdinand Keller: Die keltischen Pfahlbauten in den Schweizerseen, Band 1. Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Zürich 1854. Die Fundstelle Hurden Rosshorn ist eine Besonderheit, weil dort keine Siedlungsreste gefunden wurden, sondern Relikte der prähistorischen Seequerungen zwischen Rapperswil und Hurden. Die Fundstellen Technikum und Hurden Seefeld liegen in unmittelbarer Nähe.
Übersicht der Fundstellen
Folgende Fundstellen sind von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt:Prehistoric Pile dwellings around the Alps – Locations UNESCO World Heritage FoundationDie 111 Fundstellen palafittes.org