mini|hochkant=1.3|Sitz der Polizeidirektion Braunschweig im Stadtteil Gliesmarode
Die Polizeidirektion Braunschweig (PD Braunschweig) ist eine von sechs regionalen Polizeidirektionen der Polizei Niedersachsen mit Sitz im Stadtteil Gliesmarode in Braunschweig. Sie ist für die Polizeiinspektionen Braunschweig, Gifhorn, Goslar, Salzgitter/Peine/Wolfenbüttel und Wolfsburg/Helmstedt zuständig. Leiter ist seit 2025 Thomas Ring als Polizeipräsident. Die PD Braunschweig ist dem Niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport nachgeordnet.
Geschichte Vorgeschichte Während es im Braunschweiger Land eine von Herzog August 1647 erlassene Polizeiordnung gab, regelte die Stadtverwaltung in Braunschweig lange ihre Polizeiangelegenheiten selbst. Erst 1761 löste sich das Polizeiwesen von der Stadtverwaltung als Polizeidepartement ab. Nach der preußischen Niederlage von 1806 gegen Napoleon wurde das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel 1807 dem Königreich Westphalen einverleibt. Es bekam unter französischer Besatzung einen Verwaltungsaufbau nach französischem Muster und Braunschweig wurde zur Hauptstadt des Departements der Oker. Nach dem Ende der napoleonischen Herrschaft und dem Zusammenbruch des Königreichs Westphalen ab 1813 entstand in der Nachfolge das Herzogtum Braunschweig. In diese Zeit fiel die Gründung der Polizeidirektion Braunschweig, als Herzog Friedrich Wilhelm das Staatswesen des Herzogtums neu organisierte und die französischen Neuerungen teilweise rückgängig machte.
Gründung Eine erste namentliche Nennung der Polizeidirektion Braunschweig erfolgte in einem Zeitungsartikel vom 2. Februar 1814, der die Behörde den Lesern vorstellte. Sie wurde von einem Polizeidirektor geleitet, der rangmäßig hoch angesiedelt war und sich unmittelbar hinter dem Braunschweiger Stadtdirektor befand. Das Personal umfasste 1820 insgesamt 23 Beamte, darunter 17 Polizeidiener. Ihre Anzahl stieg im 19. Jahrhundert trotz einer Einwohnerzahl von 50.000 Personen nur leicht bis auf 29 Polizeidiener an, die später in Polizeisergeanten umbenannt wurden. Als Braunschweig 1890 mit 100.000 Einwohnern zur Großstadt wurde, stieg die Zahl der Polizeibediensteten an. In dieser Zeit gab es etwa 100 Polizeisergeanten und weiteres Personal, wie Registratoren, Schreiber, Inspektoren und Polizeicommissaiere. Eine Berechnung der Polizeidichte ergab 1872, dass theoretisch auf 1.000 Einwohner ein Polizeisergeant kam, praktisch aber nur ein Polizeisergeant auf 3.300 Einwohner. Im Vergleich dazu lag die Polizeidichte in anderen Städten damals bei 1:200 bis 1:400, wie in Berlin, Wien oder St. Petersburg.
Novemberrevolution 1918 Bei der Novemberrevolution in Braunschweig erreichten am 6. November 1918 meuternde Matrosen aus Kiel und Wilhelmshaven die Stadt. Am 7. November erschien ein Trupp Bewaffneter aus den Reihen der Aufständischen am Polizeihauptgebäude in der Münzstraße. Die Polizisten verweigerten die Waffenabgabe und eine aufgebrachte Menschenmenge drang in das Gebäude ein. Die Polizisten leistete wegen der Übermacht keine Gegenwehr. Sie wurden entwaffnet und sofort wieder freigelassen, allerdings von den Aufständischen in den Ruhestand versetzt. Lediglich der Polizeipräsident Carl vor dem Busch wurde acht Tage lang gemeinsam mit anderen Repräsentanten der Stadt als Geisel im Braunschweiger Schloss festgehalten. Dort hatte der Arbeiter- und Soldatenrat seinen Sitz eingerichtet. Nach der Ausrufung der Sozialistischen Republik Braunschweig am 9. November wurde nach sowjetischem Vorbild eine Rote Garde eingerichtet, um Recht und Ordnung wiederherzustellen. Bereits am 14. November wurde sie in Volkswehr umbenannt und da sie die Ordnung nicht garantieren konnte, wurden alle Polizeibeamten wieder eingestellt. Nur die höheren Polizeiführer, wie der Polizeipräsident, wurden in den Ruhestand versetzt. Seine Tätigkeit übernahm ein Arbeiter, der zuvor als Schlosser tätig war. Mit dem Scheitern der Revolution durch den Einmarsch von Freikorps-Truppen April 1919 wurden die alten Zustände wiederhergestellt.
Weimarer Republik Ende 1919 wurde die paramilitärische und kasernierte Sicherheitspolizei in Braunschweig eingerichtet, die unter dieser Bezeichnung aber nur bis 1920 bestand. Sie trug eine grüne Uniform im Gegensatz zur blauen Uniform der herkömmlichen Polizei. Grund zur Schaffung des Verbandes war die überhandnehmende Kriminalität in der Stadt, vor allem durch Diebstähle. Hinzu kam ein Handgranatenanschlag auf das Gefängnis Rennelberg, dessen Motive nie bekannt wurden. Die Einheit umfasste 420 Mann und setzte sich vorwiegend aus früheren Soldaten und Angehörigen von Freikorps zusammen. Führungspositionen hatten ehemalige Offiziere der Reichswehr inne. Zum Sitz wurde kurzfristig die Husarenkaserne am Altewiekring und ab 1920 die heute nicht mehr bestehende Infanteriekaserne am Fallerslebener Tore.
1920 befürchteten Arbeiterschaft und Kommunisten in Braunschweig einen Putsch durch reaktionäre Reichswehr-Offiziere. Sie rotteten sich mit 200 Mann zusammen und besetzten am 17. März 1920 mit Waffengewalt das benachbarte Dorf Broitzem, von wo aus sie Braunschweig erobern und die Regierung stürzen wollten. Beim Anrücken von Sicherheitspolizei und Reichswehr kam es zu einem Gefecht, bei dem Panzerwagen und Maschinengewehre eingesetzt wurden.
Bereits nach etwas mehr als einjährigem Bestehen wurde die Sicherheitspolizei in Braunschweig 1920 in die Schutzpolizei überführt. Die militärisch erscheinende grüne Uniform wurde beibehalten. Grund der Maßnahme war die Forderung der Siegermächte des Ersten Weltkriegs nach Auflösung der Sicherheitspolizei, die sie als verbotene militärische Organisation ansahen. Bei einer Umorganisation 1921 integrierte die Polizeidirektion die herkömmliche Polizei mit blauer Uniform in die Schutzpolizei mit grüner Uniform. Die Schutzpolizei umfasste dann 600 Mann, die überwiegend kaserniert war und von der nur etwa 130 Mann den Straßendienst in der Stadt versahen. Der Kriminalpolizei gehörten zu dieser Zeit 125 Mann an. Eine weitere Polizeisparte war die Verwaltungspolizei, die für Gewerbe-, Gesundheits-, Pass-, Melde- und Marktwesen zuständig war.
1921 klärte die Braunschweiger Polizei politisch motivierte Sprengstoffanschläge auf vier Gebäude sowie mehrere Überfälle, unter anderem auf das Postamt, auf. Festgenommen wurden Minna Faßhauer als Mitglied der KAPD und der Sohn des Kommunisten August Merges.
1922 führte die Hyperinflation zu Teuerungstumulten in Braunschweig, bei denen die einschreitende Polizei von der Menge gewalttätig angegangen wurde. Durch die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung kam es verstärkt zu Plünderungen.
1924 änderte sich die Uniformfarbe der Schutzpolizei in Braunschweig von grün nach schwarz. Damit kam man einer Forderung der Siegermächte des Ersten Weltkriegs nach, die das militärische Erscheinungsbild der Polizei mit vorwiegend feldgrauen Uniformen in Deutschland abschaffen wollten. Obwohl andere deutsche Länder blau als Uniformfarbe wählten, wurde in Braunschweig auf schwarz umgestellt. Grund war die bis 1809 zurückgehende Tradition der Uniformfarbe. Schwarz war das Kennzeichen der Schwarzen Schar von Herzog Friedrich Wilhelm, dem schwarzen Herzog.
Zeit des Nationalsozialismus Ab Anfang der 1930er Jahre galt Braunschweig als Stadt im Deutschen Reich mit besonders gewalttätigen politischen Auseinandersetzungen. Die Polizei stand jeweils zwischen den sich bekämpfenden Parteien aus dem politisch rechten und linken Lager.
Im Freistaat Braunschweig waren die Nationalsozialisten bereits ab 1930 durch eine Landtagswahl an der politischen Macht beteiligt. In einer Koalitionsregierung mit bürgerlichen Kräften besetzte die NSDAP den Innenministerposten mit ihrem Parteigänger Anton Franzen. Er drang rasch auf Personalveränderungen, bei denen SPD-Angehörige aus führenden Positionen entlassen wurden, wie der Kommandeur der Schutzpolizei Siering. Der Innenminister nahm auch bei praktischen Entscheidungen Partei für seine Parteigenossen und entschied gegen die Polizei. Als Adolf Hitler Anfang 1931 Braunschweig besuchte, war zu seinem Schutz vor seinem Hotel Polizei aufgezogen, da politische Gegner gegen ihn demonstrierten. Da die NSDAP den Einsatz der Polizei gegen die Demonstranten als ungenügend empfand, ordnete der Innenminister den Rückzug der Polizei an und übertrug die Schutzaufgabe der SA.
Am SA-Aufmarsch in Braunschweig am 17. und 18. Oktober 1931 als nationalsozialistische Machtdemonstration nahmen mehrere Zehntausend SA- und SS-Männer aus ganz Deutschland sowie Adolf Hitler teil. Neben dem eigentlichen Aufzug zogen uniformierte SA-Männer Kampflieder singend und randalierend durch Arbeiterviertel. Die Polizei stand den Ereignissen machtlos gegenüber, der Polizeipräsident leugnete Straßenkämpfe sogar. Wegen Verstoßes gegen das Uniformverbot kam es erst außerhalb des Freistaats Braunschweig bei der Rückfahrt vereinzelt zu Festnahmen von uniformierten SA-Männern durch die Schutzpolizei.
Ab 1932 erfolgten „Säuberungen“ im Personalkörper der Polizei. Polizisten mit einer nicht nationalsozialistisch gemäßen Einstellung wurden nach Ablauf ihrer 12-jährigen Anstellung nicht weiter beschäftigt. Auch wurden als abschreckende Beispiele Polizeibeamte, die gegen Übergriffe der SA auf Kommunisten eingeschritten waren, entlassen.
1933 ließ der Braunschweigische NSDAP-Innenminister Dietrich Klagges unter Leitung von Friedrich Alpers eine Hilfspolizei einrichten, die aus Angehörigen von SS, SA und Stahlhelm rekrutiert wurde. Sie sollte die Schutzpolizei wegen möglicher „kommunistischer Terrorakte“ unterstützen. Nach einem Überfall von Reichsbannerangehörigen auf einen SS-Mann stürmte die Hilfspolizei am 9. März 1933 das Gebäude der sozialdemokratischen Zeitung Braunschweiger Volksfreund. Bei einem Schusswechsel wurde ein Zeitungsangestellter erschossen. In einem Schreiben an die Braunschweiger Polizei vereitelte der Innenminister eine Strafverfolgung der Hilfspolizei. Die Einheit wurde nach wenigen Monaten ihres Bestehens wieder aufgelöst. In dieser Zeit richteten sich ihre Maßnahmen mit außerordentlicher Brutalität hauptsächlich gegen Angehörige verschiedener Arbeiterorganisationen, die SPD, die KPD, aber auch gegen Juden.
Beim Stahlhelm-Putsch am 27. März 1933 in Braunschweig fanden sich mehrere tausend Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und andere Personen ein, um sich im AOK-Gebäude als neue Stahlhelm-Mitglieder registrieren zu lassen. Bewaffnete SA- und SS-Einheiten, begleitet von regulärer Polizei, die wegen der „drohenden Putschgefahr“ entsandt worden war, griffen unter Einsatz von Schlagstöcken und Schusswaffen sowohl die Personen als auch das Gebäude an. SS und Polizei trieben die Menschen aus dem Gebäude, während die Hilfspolizei die Menschen vor dem AOK-Haus wiederum durch Schlagstockeinsatz und Schüsse in das Gebäude zurücktrieb.
Kurz nach der Machtergreifung wurde im Juni 1933 in Braunschweig ein Landespolizeiamt gegründet, in der alle Polizeien zusammengefasst wurden. Polizeichef wurde der SS-Angehörige Friedrich Jeckeln. Im Zuge der Gleichschaltung der Länder ging die Polizeihoheit in Braunschweig 1933 an das Reich über.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erreichten Einheiten der 30. US Infanterie-Division um den 8. April 1945 die Gegend nordwestlich von Braunschweigs. Als Generalleutnant Karl Veith, letzter Kampfkommandant der Stadt, am Abend des 10. April die förmliche Kapitulation gegenüber US-General Leland Hobbs ablehnte, wurde die Stadt stundenlang mit schwerer Artillerie beschossen. Mehrere hundert Beamte der Schutzpolizei setzten sich daraufhin in den Elm ab. Obwohl die Polizisten hauptsächlich mit Pistolen und nur wenige mit Gewehren ausgerüstet waren, bezogen sie am Waldrand Stellung gegen anrückende amerikanische Truppen. Nach Angriffen durch amerikanische Jagdbomber und Artilleriebeschuss löste sich die Polizeitruppe auf.