mini|Standortverteilung der vor- und frühgeschichtlichen Erdwerke und Wallanlagen im heutigen Bundesland Hessen mini|Als Beispiel: Die Ringwallanlage und Oppidum Dünsberg mini|Das zugehörige digitale Geländemodell der Anlage auf dem Dünsberg

Die Liste vor- und frühgeschichtlicher Wallanlagen in Hessen erfasst die Vielzahl solcher Wallanlagen oder Befestigungen in Form von Ringwällen, Wallburgen oder befestigten Oppida von der Steinzeit bis zur Zeitenwende (Vor- und Frühgeschichte), die sich auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Hessen befinden. Die meisten von ihnen sind nur noch als Geländespuren sichtbar oder im Zustand mehr oder weniger gut erhaltener Ruinenreste.

Die befestigten Anlagen sind Zeugen unserer menschlichen Geschichte, Kultur- und Bodendenkmäler im Sinne des Hessischen Denkmalschutzgesetzes. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde sind den Denkmalbehörden zu melden. Raubgrabungen können strafrechtlich verfolgt werden, fügen den Bodendenkmälern meist schweren Schaden zu und zerstören oft wichtige archäologische Zusammenhänge zur Geschichte.

Zur Geschichte Die zum Teil auf eine bis über 7000-jährige Geschichte zurückblickenden Bauten waren Schutz-, Lokal- und Herrschaftszentren, besaßen aber oft auch eine Funktion als religiöser Kulminationsort. Unter den aufgeführten Objekten sind Wälle und Wallanlagen von etwa 6000 bis 4000 v. Chr. vom Neolithikum bis zur Bronzezeit, Befestigungen sowie Wallanlagen und OppidaOb es sich bei den frühzeitlichen Befestigungen um eine Feldbefestigung, Wallanlage oder befestigte, stadtartig angelegte Siedlung (Oppidum) handelt, kann mangels archäologischer Befunde oft nicht genau unterschieden werden. der Hallstatt- und Latènezeit oder allgemeiner der vorrömischen Eisenzeit. Zu den meisten Anlagen existieren keine schriftlichen Zeugnisse; teilweise sind sie auch noch nicht archäologisch tiefergehend untersucht. Hauptsächlich liegen solche Befestigungen auf Bergen und Höhenrücken. In der Gegenwart lassen sich mit Reliefdaten aus Lidar-Scans auch kleine Oberflächenunterschiede sichtbar machen. Dadurch können verschliffeneDas Wort bezieht sich hier nicht auf die Schleifung befestigter Anlagen, sondern auf den durch Erosionsvorgänge zeitlich bedingten Verfall der Anlagen, wodurch die fortifikatorischen Elemente nach mehr als 2000 Jahren heute nur noch gering oder gar nicht in der Landschaft ersichtlich sind und oft erst durch Prospektionen oder andere wissenschaftliche Untersuchungen in ihrer Gesamtheit erkannt werden. Anlagen wieder sichtbar gemacht werden. Diese neueren wissenschaftlichen Daten zeigen, dass die aufgeführten Anlagen meist viel größer waren als heute noch an der Oberfläche ersichtlich.

Aus der Jungsteinzeit sind sogenannte Erdwerke oder auch Grubenwerke aus der Ebene oder an Flüssen bekannt, die von einem Einfach- bis zu Mehrfachgrabensystem reichten; Wälle als ergänzendes Annäherungshindernis sind nur teilweise nachgewiesen. Wenn ihre Funktion auch oft nicht restlos geklärt ist, so zeigen doch zum Beispiel die intensiven archäologischen Untersuchungen des ca. 14 ha großen Erdwerkes Calden, dass es wenig zum Schutz, sondern eher für kultische Handlungen oder Bestattungsrituale genutzt wurde. Die in Hessen Erdwerke genannten Anlagen wurden erst in neuerer Zeit durch Luftaufnahmen oder Prospektionen gefunden, da sie oft, nach nur kurzer Nutzung der Anlagen, wieder verfüllt wurden. Über ein Dutzend dieser Anlagen sind in den Grenzen des heutigen Bundeslandes Hessen bisher bekannt,Michael Meyer, Dirk Raetzel-Fabian: Neolithische Grabenwerke in Mitteleuropa. Ein Überblick. In: Journal of Neolithic Archaeology, 2006, doi:10.12766/jna.2006.20 darunter das zweitgrößte bisher entdeckte, das sogenannte Erdwerk Schierstein im gleichnamigen Wiesbadener Stadtteil Schierstein.

Von den zeitlich späteren Wallanlagen ist heute fast nur noch der Wall als Hauptelement der Befestigungsanlage sichtbar. Er kann auf verschiedene Weise aufgebaut gewesen sein: als einfache Erdaufschüttung, als Holz-Erde-Konstruktion, als Pfostenschlitzmauer, als Steinwall, als Mauer oder als Murus Gallicus. Ehemalige Holz-Erde-Mauern, aber auch solche aus Stein sind heute im Gelände oft nur noch als vermeintlicher Erdwall zu erkennen. Meist war dem Ringwall ein Graben vorgelagert; der Wall konnte durch eine Palisade ergänzt worden sein, wobei vorwiegend natürliche Geländekanten genutzt wurden. In vielen Fällen errichteten die Erbauer mehrere konzentrische Ringwälle und zusätzliche Abschnittswälle, wodurch eine effektivere Verteidigung gegen Angreifer möglich war. Archäologische Untersuchungen der letzten Jahre lassen erkennen, das die mehrgliedrig gestaffelten, bzw. mit zusätzlichen Abschnittswällen oder Annexen versehenen Ringwallanlagen typisch für Anlagen mit einer mehrphasigen eisen- oder latènezeitlichen Belegung sind.Jens Schulze-Forster: Die Burgen der Mittelgebirgszone. Eisenzeitliche Fluchtburgen, befestigte Siedlungen, Zentralorte oder Kultplätze? S. 116

Innere Bauten, sofern vorhanden, sind nur noch in seltenen Fällen nachweisbar. Diese Anlagen – größere sind oft von mehrfachen Wällen mit Annexen und Abschnittswällen umgeben – sind außerdem in der Regel erheblich größer als spätere mittelalterliche Höhenburgen. Nicht selten schließen solche Ringwälle bis zu 150 Hektar ein, normal sind aber zwischen einem bis etwa 15 Hektar.

Eine Ausnahme vorchristlicher Befestigungen bildet die Wallanlage Rentmauer bei Weilrod-Rod an der Weil im Hochtaunuskreis. Die noch unerforschte Anlage könnte als eine Viereckschanze (Keltenschanze) interpretiert werden und wird in die Latènezeit datiert. Sie würde für den hessischen Raum eine Sonderstellung einnehmen, da solche Anlagen nur aus dem süddeutschen Raum südlich des Odenwaldes bekannt sind, mit einer weiteren möglichen Ausnahme, der Viereckschanze innerhalb des Oppidum Donnersberg auf dem pfälzischen Donnersberg.

Aus der nachfolgenden Zeit der Germanen, zu denen besonders die Chatten in Nord- und Mittelhessen gehörten, und später der Alemannen sind keine größeren Befestigungsbauwerke überliefert bzw. es wurden möglicherweise die Vorgängerbauten der Kelten und Römer genutzt. Einzig befestigte völkerwanderungszeitliche Höhensiedlungen sind bekannt, die aber zum überwiegenden Teil auf den vorgeschichtlichen Befestigungen der Kelten oder Römer aufbauen. Mit den Eroberungen und der Zeit der Herrschaft der Franken sowie der Herrschaft über die auch in Südhessen siedelnden Alemannen und das entstehende Frankenreich der Merowinger ging die Spätantike ins Frühmittelalter über; die Zeit des Burgenbaus brach an und führte die Kultur befestigter Höhen zu neuer Blüte.

Als ein herausragendes Beispiel solcher wallartigen Befestigungen in Hessen gilt der Höhenrücken des Glaubergs. Hier ist eine fast durchgängige Nutzung und Besiedlung von der Jungsteinzeit über eine spätbronzezeitliche Urnenfelderkultur durch Einzelfunde, noch heute sichtbare Ring- und Annexwälle um ein Oppidum mit wertvollen Funden der Keltenzeit, einschließlich eines ergrabenen Grabhügels mit Prozessionsstraße (siehe im Museum und der Forschungsstätte: Keltenwelt am Glauberg), eine weitere Nutzung als Höhensiedlung eines alemannischen Kleinkönigs im 4. und 5. Jahrhundert, eine fränkische Höhenbefestigung bis zu einer stauferschen Höhenburg und Siedlung im Mittelalter (Burg Glauburg) nachweisbar. Untersucht bzw. wissenschaftlich erforscht werden solche Anlagen meist durch die Archäologie der Vor- und Frühgeschichte. Dabei gibt es heute immer mehr Unterstützung durch ehrenamtliches Engagement von örtlichen Vereinen oder Geschichtsvereinen, die die Besiedlungsgeschichte und ihre regionalen Aspekte erforschen, besser darstellen bzw. der Bevölkerung bewusst machen wollen.

Übersicht vor- und frühgeschichtlicher Wallanlagen Die folgende Übersichtsliste ist eine Ergänzung zur Liste von Burgen und Schlössern in Hessen, die sich auf den Bereich seit dem Frühmittelalter bis in heutige Zeit konzentriert. Die dazwischenliegende Zeit römischer Herrschaft und ihrer Befestigungsanlagen auf dem heutigen Gebiet Hessens ist in den Artikeln, die den Limes betreffen, dem Obergermanisch-Raetischen Limes, dem Wetterau-Limes, und dem Odenwald-Limes erläutert. Zur Beachtung: Viele dieser Wallanlagen sind noch nicht durch Ausgrabungen archäologisch untersucht und nur durch Lesefunde charakterisiert. Insofern sind die genannten Entstehungszeiten oft nur sekundär erfasste Angaben. „→“ (Weiterleitung) verweist auf andere Artikel, in denen aber die entsprechenden Wallanlagen aufgeführt oder erwähnt werden. Zur besseren Übersichtlichkeit der Tabelle sind die heutigen Kreise nur mit Abkürzungen aufgeführt.Verwendete Abkürzungen der Kreise: DA: Landkreis Darmstadt-Dieburg, ERB: Odenwaldkreis, ESW: Werra-Meißner-Kreis, FD: Landkreis Fulda, FB: Wetteraukreis, HEF: Landkreis Hersfeld-Rotenburg, HG: Hochtaunuskreis, GI: Landkreis Gießen, HP: Landkreis Bergstraße, HR: Schwalm-Eder-Kreis, HU: Stadt Hanau, KB: Landkreis Waldeck-Frankenberg, KS: Stadt Kassel, LDK: Lahn-Dill-Kreis, LKS: Landkreis Kassel, LM: Landkreis Limburg-Weilburg, MKK: Main-Kinzig-Kreis, MTK: Main-Taunus-Kreis, MR: Landkreis Marburg-Biedenkopf, RÜD: Rheingau-Taunus-Kreis, VB: Vogelsbergkreis, WI: Landeshauptstadt Wiesbaden