Pleidelsheim ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg etwa acht Kilometer nördlich der Kreisstadt Ludwigsburg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie mini|Durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge in Pleidelsheim 711 mm mini|Wiesental zwischen Pleidelsheim und Ingersheim, im Hintergrund Pleidelsheim Geographische Lage Pleidelsheim liegt in einem weiten, flachen Tal rund acht Kilometer nördlich von Ludwigsburg und 20 Kilometer nördlich von Stuttgart im Naturraum Neckarbecken. Eine unbewohnte Exklave im Hardtwald bei Rielingshausen wird dem Naturraum Schwäbisch-Fränkische Waldberge zugerechnet.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Das Gemeindegebiet erstreckt sich auf 10,18 km² Fläche. Der tiefste Punkt des Ortes ist bei 182 m, der höchste bei . Die Nachbargemeinden sind Murr, Freiberg am Neckar, Ingersheim, Mundelsheim und Höpfigheim (Stadtteil von Steinheim an der Murr). Der Ort liegt in einer Neckarschlinge und wird von dem Bach Riedbach durchflossen, der am westlichen Ortsrand in den Neckar mündet. Entlang des Neckars erstrecken sich die Naturschutzgebiete Altneckar und Pleidelsheimer Wiesental, die durch ihre Flussauen und Feuchtbiotope geprägt sind. Zu Pleidelsheim gehört ein Gemeindewald von 186 ha, der als Exklave im östlichen Teil des Kreisgebiets liegt.
Nachbargemeinden Pleidelsheim grenzt reihum im Norden ganz kurz an die Gemeinde Mundelsheim, dann an die Stadt Steinheim an der Murr, im Osten an die Gemeinde Murr, im Südosten an die Gemeinde Benningen am Neckar, im Süden an die Stadt Freiberg am Neckar und im Westen an die Gemeinde Ingersheim, die alle ebenfalls zum Kreis Ludwigsburg gehören.
Gemeindegliederung Zu Pleidelsheim gehören das Dorf Pleidelsheim, das Gehöft Sonnenhof und das Laufwasserkraftwerk sowie der abgegangene Ortsteil Kuchenbach-St. Anna. Ein Gewann südlich von Pleidelsheim wird immer noch St. Anna genannt.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 408–410 Zu Pleidelsheim gehört seit 1553 zudem ein Teil des Hardtwaldes bei Rielingshausen.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Pleidelsheim.
Schutzgebiete
Am Neckar im Süden des Gemeindegebiets liegen die Naturschutzgebiete Pleidelsheimer Wiesental und Altneckar, die in das Landschaftsschutzgebiet Neckartal zwischen Benningen und Großingersheim mit angrenzenden Gebieten eingebettet sind. Im Norden hat die Gemeinde einen Anteil am Landschaftsschutzgebiet Neckartal zwischen Großingersheim und Hessigheim mit Umgebung (insbesondere Beutenbachtal, Wurmberg, Kallenberg, Salen, Hart und Bachwiesental). Die Naturschutzgebiete sind auch Bestandteil des FFH-Gebiets Nördliches Neckarbecken und sind zudem als Vogelschutzgebiet Pleidelsheimer Wiesental mit Altneckar gemeldet.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Überblick mini|Schuhförmige Keramikgefäße aus dem Frauengrab Nr. 140 des fränkisch-alamannischen Gräberfeldes (um 539–555 n. Chr.) Bereits vor Römern, Kelten und Germanen siedelten in der fruchtbaren Pleidelsheimer Senke die Menschen der Steinzeit. Der Ort selbst geht auf eine fränkisch-alemannische Gründung des 6./7. Jahrhunderts zurück. Namensgeber ist ein gewisser Blidolf, dessen Gehöft auf dem heutigen Gemeindegebiet lag (im Bereich der heutigen Mundelsheimer Straße). In alten Chroniken und Karten lautet der Ortsname deshalb zumeist „Blidolvsheim“ (genau: 972 Blidoluesheim, 12. Jahrhundert Blidelssheim, 1300 Blidolfishain). Zwischen dem 5. und dem 7. Jahrhundert wurde ein fränkisch-alemannischer Reihengräberfriedhof am nördlichen Ortsrand angelegt. Bei Ausgrabungen 1969vgl. Rainer Christlein: Ausgrabungen des frühmittelalterlichen Ortsgräberfeldes von Pleidelsheim, Kreis Ludwigsburg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 4. Jg. 1975, Heft 3, S. 101–106 () und 1989/90 wurden über 250 Gräber gefunden.
Pleidelsheim wurde anlässlich einer Schenkung an das Kloster Lorsch erstmals im Jahre 794 im Lorscher Codex urkundlich erwähnt als Blidolvesheim. Der Ort wechselte mehrmals seinen Besitzer: 972 zum Hochstift Speyer, Anfang des 12. Jahrhunderts zum Kloster Hirsau, 1245 an das Stift Backnang und schließlich 1455 an Württemberg. Im 12. Jahrhundert gehörte der Ort zum Einflussbereich der Staufer.
Aus der Blütezeit des Ortes im 16. und 17. Jahrhundert stammen viele historische Gebäude. Für das Jahr 1587 ist eine Feldkapelle zur Heiligen Anna bezeugt. Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs befand sich im Juli 1693 in Pleidelsheim das französische Hauptquartier.
Pleidelsheim gehörte als Bestandteil Altwürttembergs seit 1463 zum Amt bzw. (seit dem 18. Jahrhundert) Oberamt Marbach. Dies änderte sich auch durch die Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg nicht.
Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Pleidelsheim ausschließlich von der Landwirtschaft geprägt. 1960 gab es noch 171 land- und forstwirtschaftliche Betriebe, 1974 jedoch nur noch 71. Heute sind es noch 15 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Fläche von mindestens 2 ha.http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/SRDB/home.asp?H=7&U=01&R=GE118063 Hauptsächlich wurde Getreide angebaut, aber auch Tabak. Der ab 1709 bedeutende Tabakanbau kam 1991 zum Erliegen. Ab 1724 wurde Mais angebaut und seit 1929 wird in Pleidelsheim viel Spargel angebaut. Die Einführung der Dreifelderwirtschaft ermöglichte eine Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktion. Es gibt heute elf Aussiedlerhöfe.
Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Pleidelsheim 1938 vom Kreis Marbach zum Landkreis Ludwigsburg. 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Christentum Seit Einführung der Reformation im 16. Jahrhundert war Pleidelsheim vorwiegend evangelisch (Mauritiuskirche aus dem 12. Jahrhundert). Die evangelische Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Marbach der Evangelischen Landeskirche. Erst mit den Vertriebenen zu Ende des Zweiten Weltkrieges kamen auch wieder Katholiken in den Ort. Daher wurde 1955 die katholische Kirche St. Petrus und Paulus erbaut. Die katholische Gemeinde ist Bestandteil des Dekanats Ludwigsburg. Des Weiteren gibt es eine evangelisch-methodistische Kirchengemeinde. Mit der Fatih-Moschee ist auch ein muslimisches Gotteshaus vorhanden.
Konfessionsstatistik Gemäß der Volkszählung 2011 waren 37,6 % der Einwohner evangelisch, 26,5 % römisch-katholisch und 35,9 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Religionsgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Pleidelsheim Religion, Zensus 2011 Die Zahl der Protestanten und Katholiken ist seitdem gesunken. Ende 2020 waren von den Einwohnern 30,6 % evangelisch, 22,9 % römisch-katholisch und 46,5 % gehörten keiner oder anderen Konfessionen an. Der Anteil der letzten Gruppe an der Bevölkerung stieg im Jahr 2020 um 2,2 % an.Pleidelsheim Daten und Fakten, abgerufen am 20. Februar 2021 Ende 2019 hatte Pleidelsheim 6.479 Einwohner, 32,1 % der Einwohnerschaft ist evangelisch, 23,6 % römisch-katholisch und 44,3 % gehörten keiner oder anderen Konfessionen an.Pleidelsheim Bürgerversammlung Statistik 2019 Seite 6 von 21, abgerufen am 27. Juli 2020
Mit (Stand 31. Dezember 2015) waren 34,2 % der Einwohner evangelisch, 26,1 % katholisch, 39,7 % gehörten einer anderen oder keiner Konfession an. Der Anteil der letzten Gruppe an der Bevölkerung stieg im Jahr 2015 um 1,5 % an.Statistischer Jahresbericht 2015 Gemeinde Pleidelsheim
Einwohnerentwicklung Einwohnerentwicklung seit 1871http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/SRDB/home.asp?H=BevoelkGebiet&U=02&T=&K=118 Jahr Einwohner davonmännlicheEinwohnerin Prozent davonausländischeEinwohnerin Prozent18711.22545,8719001.13546,3419331.02949,1719501.60246,9419612.28249,913,1919653.13051,5619724.06149,3412,4819824.17149,1019925.22648,1416,7619986.02849,9217,7120026.25648,5917,0820106.27249,1616,3720156.28449,3618,1720206.43349,9220,46
Politik mini|Das neue Rathaus von Pleidelsheim Gemeinderat Der Gemeinderat in Pleidelsheim besteht aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem ErgebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands41,92632,225WIRWIR!-Bürger für Pleidelsheim22,25322,433FWVFreie Wählervereinigung Pleidelsheim e. V.18,16217,002SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands11,97213,242VielfaltVielfalt Pleidelsheim5,701––GRÜNEOffene Grüne Liste Pleidelsheim––15,112gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung62,85 %49,74 %
Bürgermeister
um 1680: Johann Feylmezger 1925–1945: Hermann Keller 1948–1960: Hermann Keller 1960–1982: Eberhard Siegle 1982–1998: Erwin Paulus 1998–2001: Ulrich Bahmer 2001–2025: Ralf Trettner seit 2025: Sabrina Lee
Wappen und Flagge Das Wappen zeigt in Gold zwei schräg gekreuzte schwarze Doppelhaken. Als Marksteinzeichen diente früher ein B (gemäß der alten Schreibweise, s. o.). Im Gemeindesiegel erscheint später ein einzelner Doppelhaken. 1937 „verdoppelte“ die Gemeinde ihre Wappenfigur, womit das heutige Wappen entstand.
Die Gemeindeflagge ist rot-weiß und wurde am 13. September 1954 verliehen. Dabei wurden bewusst Farben gewählt, die von denen des Gemeindewappens abwichen, um die Flagge von der Landesflagge zu unterscheiden.
Partnerschaften Fertőszentmiklós in Ungarn ist seit 1987 Partnergemeinde von Pleidelsheim.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen In der Gemeinde gab es das Zweirad-Museum Pleidelsheim, das 1993Krauser-Gedächtnis-Zweiradmuseum kulturbox.de als Krauser-Gedächtnis-Zweiradmuseum gegründet wurde und neben vielen Motorrädern auch einige Autos ausstellt.Dieter Lammersdorf: Oldtimermuseen in Deutschland. Johann Kleine Vennekate-Verlag, Lemgo 2014, ISBN 3-935517-06-8, S. 225. Nach dem Tod von Manfred Wirth 2014 leitete es sein Sohn Rainer, der 2023 verstarb.Frank Wittmer: Heiße Öfen aus vergangenen Tagen. In Marbacher Zeitung vom 8. April 2015, abgerufen am 27. November 2022. Kernstück der im Museum gezeigten Sammlung sind Krauser-Rennmaschinen und BMW-MotorräderZweiradmuseum Pleidelsheim classic-motorrad.de 2010 wurden Exponate im Gesamtwert von einer halben Million Euro aus dem Museum entwendet.Pleidelsheim Motorräder aus Museum gestohlen stuttgarter-zeitung.deBlaulicht vom 30. März schwarzwaelder-bote.de Die Zeitschrift Touren Fahrer bewertet das Museum als sehenswert und interessant.Mit Pioniergeist zu den Anfängen - Zweirad-Museum Pleidelsheim tourenfahrer.de
Außerdem gibt das 2010 eröffnete Tabak-, Spargel- und HeimatmuseumTabak-, Spargel- & Heimatmuseum und seit 1998 ein Evangelisches Kirchenmuseum im Pfarrhaus.Evangelisches Kirchenmuseum Pleidelsheim
Musik Der GSV Pleidelsheim e. V. betreibt in seiner Gesangsabteilung mehrere Chöre. Durch den Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr gibt es zwei aktive Blaskapellen. An der Jugendmusikschule Freiberg a.N./Pleidelsheim e. V. werden verschiedene Instrumente, Gesang, Schauspiel und Ballett gelehrt.
Bauwerke mini|hochkant|Mauritiuskirche