Mundelsheim ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg, etwa 30 km nördlich von Stuttgart und 20 km südlich von Heilbronn, am Neckar gelegen. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage mini|Mundelsheim im Neckartal. Ansicht von Nordwesten mini|Ortsansicht von Osten. Im Hintergrund Hessigheim Mundelsheim liegt an einer Schleife des Neckars zwischen Hessigheim und Pleidelsheim auf einer Höhe zwischen 182 und 334 Metern.

Gemeindegliederung Zu Mundelsheim gehören das Dorf Mundelsheim sowie der auf der anderen Seite des Neckars gelegene Weiler Schreyerhof mit 66 Einwohnern, das Haus Ziegelhütte und die abgegangenen Ortschaften Tiefenbach und Seelhofen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 386–387

Nachbargemeinden Nachbarorte Mundelsheims sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Westen): Hessigheim, Ottmarsheim (Stadtteil von Besigheim), Neckarwestheim, Großbottwar, Höpfigheim (Stadtteil von Steinheim an der Murr), Pleidelsheim und Kleiningersheim (Ortsteil von Ingersheim). Bis auf Neckarwestheim (Landkreis Heilbronn) gehören alle zum Landkreis Ludwigsburg. Zusammen mit Besigheim, Freudental, Gemmrigheim, Hessigheim, Löchgau und Walheim bildet Mundelsheim den Gemeindeverwaltungsverband Besigheim. Die Gemeinde gehört zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Besigheim.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Mundelsheim.

Geschichte

Ortsgeschichte Um die Zeit der Geburt Christi herum besiedelten die Kelten das Neckartal. Mit dem Einfall der Römer wurde das Gebiet dem römischen Reich eingegliedert. Von der Herrschaft der Römer zeugen die Überreste eines Mithras-Heiligtums am Rande des Industriegebiets Ottmarsheimer Höhe. Dieser Tempel gehörte zu einer umfangreichen römischen Siedlung, die seit den 1990er Jahren bei Sicherungsgrabungen des Landesdenkmalamtes untersucht wurde. Ein römischer Gutshof wurde bereits 1935 beim Bau der Reichsautobahn (heutige Bundesautobahn A 81) entdeckt.

Um 500 nach Christus begann die Herrschaft der Alamannen. Es war ein alamannischer Adliger namens Mundolf, der dem Ort seinen heutigen Namen gab: „Mundolfsheim“, was im Sprachgebrauch im Laufe der Jahrhunderte zu „Mundelsheim“ verändert wurde. Im Jahr 1245 wurde der Ort „Mondelsheim“ zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Nach dem Zerfall des Herzogtums Schwaben kam der Ort in den Besitz der Markgrafen von Baden. Diese gaben ihn im 13. Jahrhundert den Herren von Urbach zu Lehen. Im Jahre 1422 verlieh Kaiser Sigismund Mundelsheim die Stadtrechte. Die Herren von Urbach beteiligten sich an vielen Raubüberfällen auf reisende Kaufleute. Deshalb rückten die Reichsstädte Heilbronn und Schwäbisch Hall im Jahre 1440 mit einem Heer von 600 Mann zu Pferd gegen Mundelsheim vor und zerstörten den Ort.

1595 wurde Mundelsheim an Württemberg verkauft. Bis 1806 war der Ort Sitz eines Amtes, das zunächst im Oberamt Beilstein aufging. Bei der weiteren Umsetzung der Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde Mundelsheim 1807 dem Oberamt Marbach zugeordnet. Als dieses 1938 im Zuge der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg aufgelöst wurde, fiel der Ort an den Landkreis Ludwigsburg, dem er seither angehört. Somit wurde Mundelsheim 1945 der amerikanischen Besatzungszone zugeschlagen und gehörte zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Religionen Während sich in den württembergischen Nachbargemeinden schon seit 1534 die Reformation durchgesetzt hatte, zogen die damals badischen Ämter wie Mundelsheim und Besigheim erst viel später nach. Markgraf Karl II. von Baden-Durlach setzte nach dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 in seinem Herrschaftsbereich ein einheitliches Bekenntnis durch und führte 1556 den evangelischen Glauben ein. Die evangelische Kirchengemeinde Mundelsheim gehört heute zum Kirchenbezirk Marbach.

Außerdem gibt es in Mundelsheim die katholische Kirchengemeinde St. Wolfgang sowie eine Gemeinde der neuapostolischen Kirche.

Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1. Dezember 1871¹ 1.619 1. Dezember 1880¹ 1.695 1. Dezember 1890¹ 1.665 1. Dezember 1900¹ 1.629 1. Dezember 1910¹ 1.478 16. Juni 1925¹ 1.423 16. Juni 1933¹ 1.464 17. Mai 1939¹ 1.520 13. September 1950¹ 1.914 6. Juni 1961¹ 2.135 Jahr Einwohner 27. Mai 1970¹ 2.459 31. Dezember 1980 2.856 25. Mai 1987¹ 2.827 31. Dezember 1990 2.889 31. Dezember 1995 3.085 31. Dezember 2000 3.168 31. Dezember 2005 3.174 31. Dezember 2010 3.154 31. Dezember 2015 3.276 31. Dezember 2020 3.368

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Mundelsheim besteht aus den zwölf gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 FBW Freie Bürgerliche Wählervereinigung 34,92 4 39,30 5 BWV Bürgerliche Wählervereinigung Mundelsheim 29,09 3 31,75 4 FWV Freie Wählervereinigung Mundelsheim 22,98 3 28,96 3 FfM Familien für Mundelsheim 13,01 2 – – gesamt 100,0 12 100,0 12 Wahlbeteiligung 70,92 % 68,13 %

Bürgermeister Der Bürgermeister ist gemäß der baden-württembergischen Gemeindeordnung Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Gemeindeverwaltung. Er ist hauptamtlicher Beamter auf Zeit und wird von den wahlberechtigten Mundelsheimer Bürgern direkt für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. 1930 änderte die württembergische Gemeindeordnung die Amtsbezeichnung Schultheiß in Bürgermeister. Derzeitiger Amtsinhaber ist Boris Seitz. Am 14. Oktober 2018 erhielt er bei der Bürgermeisterwahl 60,32 Prozent der Stimmen und setzte sich im ersten Wahlgang gegen vier Mitbewerber durch. Die offizielle Amtseinsetzung fand am 3. Dezember 2018 statt.

Die seit 1889 amtierenden Schultheißen bzw. Bürgermeister waren:

1889–1928: Heinrich Maulick 1928–1938: Hermann Häberle 1938–1945: Georg Hager 1945–1948: Wendelin Rahner (von der alliierten Militärregierung zum Bürgermeister ernannt) 1948–1966: Georg Hager 1966–2002: Hans Wetzel 2002–2018: Holger Haist seit 2018: Boris Seitz

Wappen und Flagge Das Gemeindewappen zeigt in Rot unter einer liegenden schwarzen Hirschstange eine aufgehobene silberne Rechthand. Das Wappen wurde nach dem Übergang an Württemberg eingeführt und zeigt wohl eine zum Untertaneneid erhobene Schwurhand; die Hirschstange steht für die Zugehörigkeit zu Württemberg.

Die Gemeindeflagge ist weiß-rot und wurde am 4. August 1980 verliehen.

Partnerschaften Mundelsheim unterhält seit 1974 freundschaftliche Beziehungen zu La Motte-Servolex in Savoyen, Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Mundelsheim liegt an der Württemberger Weinstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Bauwerke Nikolauskirche

Bis 1602 war die Nikolauskirche eine Kapelle und wurde erst zu diesem Zeitpunkt als Kirche ausgebaut. 1836 wurde der Turm abgetragen und mit Sandsteinen im klassizistischen Stil aufgebaut. Ein Schmuckstück im Inneren ist die Weimer-Orgel von 1784.

Kilianskirche

Bereits 1247 wurde St. Kilian in einer Papstbulle erwähnt und gehörte zum Chorfrauenstift Oberstenfeld. 1440 durch ein Heer der freien Reichsstädte Heilbronn und Hall stark beschädigt und in heutiger größerer Form wieder aufgebaut, beherbergt sie sehenswerte spätgotische Fresken aus den Jahren 1460 bis 1470.

Großbottwarer Tor mit dem „Torhäusle“

Als Zeichen des 1422 erteilten Stadtrechtes war Mundelsheim durch Tore, Mauern und Gräben befestigt. Das einzige erhaltene Tor ist das Großbottwarer Tor. Es war Teil der Ortsbefestigung und gleichzeitig Dienstwohnung des „Torschreibers“.

Hölderlin-Apotheke Das Haus wurde 1747 von Pfarrer Magister Johann Leonhard Hölderlin errichtet. Der zweigeschossige Putzbau besitzt ein Mansardenwalmdach im Stil des Barock. Seit 1832 wird hier eine Apotheke betrieben, die dem Gebäude den Namen gab.

Gemeindebackhaus Das ältere der beiden noch vorhandenen Gemeindebackhäuser wurde aufgrund einer herzoglichen Anordnung zur Brandverhütung im Jahr 1838 errichtet. Es wird heute noch regelmäßig als Backhaus genutzt.

Königshäusle

Die Hofdomänenkammer ließ 1819 im Käsberg-Weinberg ein Weinberghäuschen erbauen, das später den Namen „Königshäusle“ erhielt. Von hier aus führt eine schmale Treppe zum beliebten Aussichtspunkt "Käsbergkanzel", die einen weiten Ausblick über Mundelsheim, die Neckarschlaufe und seine umliegenden Gemeinden bietet.https://www.mundelsheim.de/verzeichnis/objekt.php?mandat=99393

Historischer Ortsrundgang Der historische Ortsrundgang mit 24 Objekten im Ortskern und weiteren Sehenswürdigkeiten im Außenbereich vermittelt einen Einblick in die Geschichte des Ortes. Der Rundgang beginnt auf dem Marktplatz vor dem Bürgerhaus. Dort befindet sich eine Übersichtstafel, auf der alle Objekte verzeichnet sind. An den Gebäuden und Denkmalen befinden sich Hinweistafeln mit kurzen Erläuterungen.

Römischer Vicus und Gutshof im Steinmäurich

Umfangreiche archäologische Grabungen bewiesen, dass auf der Ottmarsheimer Höhe im 2. und 3. Jahrhundert nach Christus eine große römische Siedlung, ein sogenannter Vicus, stand. Von hier aus wurden vermutlich auch die Kastelle in Walheim und Benningen mit Nahrungsmitteln, Werkzeugen und sonstigen Handelsgütern versorgt. Zu besichtigen ist ein freigelegter Keller eines Gutshofs mit Lichtöffnungen. Er ist mit einem Schutzdach versehen. Text- und Bildtafeln bieten dem Besucher aufschlussreiche Erläuterungen zu den Funden.

Mithras-Tempel

Etwa 50 Meter westlich des Römerkellers befinden sich die Reste eines Mithras-Tempels, die 1989 entdeckt wurden. Diese Kultstätten wurden unterirdisch angelegt. Diesem Umstand verdankt das Heiligtum seinen guten Erhaltungszustand. Am Mithras-Tempel befinden sich Schautafeln zu den Inhalten des Kultes und zur Ausgrabung der Anlage. In der Anlage selbst sind zwei Altäre der Mondgöttin Luna und des Sonnengottes Sol als Kopien ausgestellt. Die Grundmauern der Anlage wurden im Gelände konserviert und sind frei zugänglich.

Museum in der Stiftsscheuer

Der Geschichtsverein Mundelsheim hat in der ehemaligen Zehntscheuer des Stiftes Oberstenfeld eine Weinbauausstellung eingerichtet. Auf Schautafeln und in Vitrinen werden den Besuchern die geschichtlichen Hintergründe erläutert. Als weitere Stationen sind eine Küfer- und eine Wagnerwerkstatt eingerichtet.

Regelmäßige Veranstaltungen Wein und Sound: Live-Musik in der Kelter, in der Regel im März Käsbergfest: auf dem Käsbergweg in der Weinlage Käsberg, immer am ersten Samstag im Mai (wenn dieser auf den 1. Mai fällt, dann am darauffolgenden Samstag), seit 2012 an zwei Tagen (Freitag und Samstag) Fest auf dem Böckler: auf der Freizeitanlage Böckler in den Weinbergen, immer an Christi Himmelfahrt Pfingstmarkt mit Handwerkerstraße: in der Ortsmitte auf dem Marktplatz und in der Hindenburgstraße, immer am Pfingstmontag Weindorf: auf dem Marktplatz, immer am letzten Augustwochenende (im jährlichen Wechsel mit der Sichelhenket) Sichelhenket: auf dem Marktplatz, immer am letzten Augustwochenende (im jährlichen Wechsel mit dem Weindorf) Neuer Wein und Zwiebelkuchen: vor dem Bürgerhaus auf dem Marktplatz, immer am zweiten Sonntag im Oktober Martinimarkt: in der Ortsmitte auf dem Marktplatz und in der Hindenburgstraße, immer am Samstag nach dem Buß- und Bettag