mini|Modell der als Auszeichnung vergebenen BAFTA-Maske mit BBC-Banner (2008) mini|Das Royal Opera House in London, seit 2007 Veranstaltungsort der Verleihung
Die British Academy Film Awards (kurz BAFTA Awards oder BAFTA Film Awards; bis 1968 British Film Academy Awards, bis 1975 im Rahmen der Society of Film and Television Arts Awards als Stella Awards vergeben) sind die bedeutendsten nationalen Filmpreise Großbritanniens. Sie werden seit 1948 alljährlich im Februar in London von der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) verliehen und gelten als britische Gegenstücke zu den US-amerikanischen Oscars.Oliver Marre: Pandora. In: The Independent, 5. September 2005, S. 14.Julie Bloom: Nominees Announced For British Film Awards. In: The New York Times, 16. Januar 2009, Section C, S. 2.Britische „Oscars“: Ein Haufen Baftas für den Kiwi-König. bei Spiegel Online, 16. Februar 2004; abgerufen am 23. Juni 2011. Ausgezeichnet werden nationale und ausländische Filmschaffende und Filmproduktionen, die während des vergangenen Kalenderjahres in Großbritannien veröffentlicht wurden. In Anlehnung an ihren Sponsor, das Telekommunikationsunternehmen Orange, firmierte sie seit dem Jahr 2000 offiziell unter dem Namen Orange British Academy Film Awards, seit 2013 unter EE British Academy Film Awards.EE Announced as BAFTA Film Awards Title Sponsor. bafta.org, 14. November 2012; abgerufen am 12. Januar 2013. Die Preisgala wird zeitversetzt am Abend der Veranstaltung von der BBC übertragen und zählt gleichzeitig zu den jährlich größten Branchentreffen in der britischen Filmindustrie.
Die letzte Verleihung fand am 22. Februar 2026 statt.
Geschichte Gründung der British Film Academy und erste Preisverleihung Die British Academy Film Awards gehören neben dem finnischen Jussi (erstmals 1944 verliehen) und der dänischen Bodil (1948) zu den ältesten, heute noch vergebenen europäischen Filmpreisen. Sie wurden erstmals 1948 von der British Film Academy unter Vorsitz David Leans verliehen. Die „Britische Filmakademie“ war im Jahr zuvor von einer Gruppe Filmschaffender um Anthony Asquith, Michael Balcon, Sir Alexander Korda, Frank Launder, Lean, Michael Powell, Emeric Pressburger, Carol Reed und Paul Rotha gegründet worden. Die unpolitische Organisation wollte – neben einer stärkeren Förderung der Kooperation unter Filmschaffenden, der Forschung und der Herausgabe von Fachpublikationen – „jene würdigen, die mit herausragender kreativer Arbeit zur Weiterentwicklung des Britischen Films beigetragen haben“ und einen Filmpreis ins Leben rufen. bafta.org (englisch). bafta.org (englisch). Während in den Vereinigten Staaten bereits in den 1920er und 1930er Jahren mit dem Photoplay Award (1920), dem Oscar der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (1929) und durch Kritikervereinigungen (National Board of Review 1932; New York Film Critics Circle 1935) erste Filmpreise entstanden waren, fehlte in Großbritannien eine entsprechende Auszeichnung. Deshalb blieben heimische Filmehrungen für so bedeutende Werke wie Alexander Kordas Das Privatleben Heinrichs VIII. (1933; Oscar für Hauptdarsteller Charles Laughton), Alfred Hitchcocks Eine Dame verschwindet (1938; Regiepreis des New York Film Critics Circle) oder Anthony Asquiths Pygmalion (1938; Oscar für das beste Drehbuch) verwehrt.The Stellas/BAFTAS. In: Tad B. Hammer: International film prizes: an encyclopedia. Chicago [u. a.]: St. James Press, 1991. S. 457–478.
Bei der ersten Verleihung der British Film Academy Awards wurden Auszeichnungen in drei Kategorien vergeben, die die besten Filmproduktionen des Vorjahres ehrten. Als Preistrophäen fungierten Repliken einer Bronzefigur von Henry Moore, die eine sitzende Frau darstellte. Die auf einen Wert von 550 Pfund geschätzte Henry Moore Bronze sollte bis ins Jahr 1967 vergeben werden.Richard Crouse: Reel winners: movie award trivia. Dundurn Group, Toronto 2005, ISBN 1-55002-574-0, S. 36. bafta.org (englisch). Als bester Film („best film from any source“) gewann William Wylers Oscar-prämierte US-amerikanische Produktion Die besten Jahre unseres Lebens, als bester britischer Film wurde das Krimidrama Ausgestoßen von Carol Reed gekürt. Ein Spezialpreis für „Dokumentarfilme und spezialisierte Filme“ ehrte Paul Rothas Oscar-nominierte Dokumentation The World Is Rich.Film Academy Awards. In: The Times, 16. April 1948, Issue 51047, S. 2.
Konkurrenz zum ausländischen Kino Die zwei Filmkategorien waren in der Voraussicht geschaffen worden, eine mögliche Dominanz der großen Hollywood-Studios zu verringern und die heimische Filmindustrie nicht komplett von der Filmpreisgala auszuschließen. Bereits bei der zweiten Verleihung im Jahr 1949 wurden beide Filmkategorien von Produktionen britischer Regisseure gewonnen – Laurence Oliviers Oscar-prämierte Shakespeare-Adaption Hamlet siegte in der Kategorie bester Film, das Krimidrama Kleines Herz in Not wurde als bester britischer Film ausgezeichnet. In den nächsten zwanzig Jahren sollte sich dieser Doppelerfolg achtmal wiederholen, während 1952 mit David Leans Abenteuerfilm Der unbekannte Feind erstmals eine Produktion in beiden Kategorien triumphierte. In der Kategorie Bester Film konnten ab der zweiten Verleihung im Jahr 1949 auch fremdsprachige Spielfilme nominiert werden. 1950 siegte mit Vittorio De Sicas neorealistischem Werk Fahrraddiebe erstmals eine nicht-englischsprachige Produktion, u. a. über Robert A. Stemmles Berliner Ballade.
mini|Audrey Hepburn wurde zwischen 1954 und 1965 mit drei Darstellerpreisen ausgezeichnet|hochkant In den folgenden Jahren stieg die Zahl an Preiskategorien langsam an. Der United Nations Award ehrte ab 1949 Filme, die am besten den Geist der Vereinten Nationen zum Ausdruck brachten (erster Preisträger: Die Gezeichneten von Fred Zinnemann). 1953 wurden Darstellerkategorien für die besten britischen und ausländischen Schauspielerinnen und Schauspieler eingeführt, die bis 1968 blau-weiße Wedgwood-Porzellan-Tafeln als Preistrophäen erhalten sollten. Ebenso wie bei den beiden Filmkategorien wollte man eine mögliche Dominanz der ausländischen und insbesondere der US-amerikanischen Filmindustrie unterbinden. Dies führte aber teilweise zu irritierenden Preisentscheidungen. 1955, 1959 und 1965 gewannen jeweils die Deutsche Cornell Borchers, die Französin Simone Signoret und die US-Amerikanerin Anne Bancroft die Auszeichnung für die beste ausländische Darstellerin, obwohl sie in britischen Filmproduktionen mitgewirkt hatten. In der gleichen Kategorie erhielt die Britin Jean Simmons 1957 und 1961 Nominierungen für ihre Arbeit im US-amerikanischen Kino zugesprochen. 1959 und 1963 kürte man die US-Amerikanerin Irene Worth und die Französin Leslie Caron jeweils für ihre Leistungen in britischen Spielfilmen zur „besten britischen Schauspielerin“. Gleichzeitig gestaltete sich der Abstimmungsprozess durch die steigende Anzahl an Nominierungen als schwierig. Hatten bei den ersten Verleihungen bis zu sieben Filme in der Kategorie Bester Film konkurriert, waren es ab Mitte der 1950er Jahre bis zu 20 Spielfilmproduktionen.
Zusammenschluss zur BAFTA und heute vergebene Preistrophäe 1958 schloss sich die British Film Academy mit der Guild of Television Producers and Directors zur Society of Film and Television Arts zusammen, um „zur Verbesserung der Standards der Film- und Fernsehproduktionen“ beizutragen „und die öffentliche Wertschätzung der Künste zu fördern“.Duke Presides Over New Society: To "Improve Film And T.V. Production". In: The Times, 13. Dezember 1958, Issue 54333, S. 8. Eine Umstrukturierung erfuhr der Filmpreis jedoch erst im Jahr 1968, als die bis dahin getrennt veranstalteten Verleihungszeremonien für Film- und Fernsehproduktionen zusammengelegt wurden. Um Verwirrung im Nominierungskomitee zu vermeiden, wurde die Anzahl der Nominierungen pro Kategorie ab 1969 auf vier festgelegt und die Kategorie Bester britischer Film gestrichen (diese sollte erst wieder 1993 als Alexander Korda Award neu eingeführt werden). Die Unterscheidung nach heimischen und ausländischen Schauspielern entfiel ebenfalls und es wurden von nun an – wie bei der Oscar-Verleihung – Preise getrennt nach Haupt- und Nebendarstellern vergeben. Gleichzeitig wurden weitere Kategorien für Regisseure, Filmkomponisten („Anthony Asquith Memorial Award“ durch den Anthony Asquith Memorial Fund), Kameraleute, Szenenbildner, Tonmeister und Kostümdesigner geschaffen sowie eine neue Preisstatuette eingeführt. Bis 1975 wurden die Preisträger mit einer von Eric Owen kreierten Wedgwood-Figurine aus Basaltware geehrt, die unter dem Namen „Stella“ (Stella Award) bekannt war.
Erst im Jahr 1976 änderte die Society of Film and Television ihren Namen in British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) und führte die bis heute vergebene „BAFTA-Maske“ (BAFTA Mask) als reguläre Preistrophäe ein. Die aus einer Phosphor-Bronze-Legierung bestehende Maske war bereits 1955 von der US-Amerikanerin Mitzi Cunliffe (1918–2006) als Auszeichnung für die Guild of Television Producers and Directors entworfen worden. Die damals in England lebende Künstlerin orientierte sich an den klassischen, in der Antike benutzten Masken, die Schauspieler typisierten. Die Innenseite der Maske wird von zwei Symbolen um die Augen verziert – hinter dem „geschlossenen“ linken Auge ist ein „elektronisches“ Symbol für den technischen Fortschritt eingeprägt, während das rechte „geöffnete“ Auge der Maske von einem Symbol in der Form eines Bildschirms umrahmt ist. Die Masken werden seit 1976 von New Pro Foundries in West Drayton, Middlesex, gefertigt. Erster Empfänger der BAFTA-Maske war Sir Charles Chaplin, der im selben Jahr den wichtigsten Ehrenpreis, die Academy Fellowship („Akademie-Mitgliedschaft“) der BAFTA erhielt. bafta.org bafta.org
In den 1970er Jahren dominierten US-amerikanische und französische Filmproduktionen die Preisverleihungen, ehe sich 1982 mit dem Sieg von Hugh Hudsons Sportlerfilm Die Stunde des Siegers eine Wende abzeichnete und in der Folge verstärkt britische Produktionen (Gandhi, Rita will es endlich wissen, The Killing Fields – Schreiendes Land, Zimmer mit Aussicht) Berücksichtigung fanden. 1985 gewann der Deutsche Wim Wenders für sein vielfach preisgekröntes Roadmovie Paris, Texas den Regiepreis sowie eine Nominierung in der Kategorie Bester Film. Obwohl seit 1983 eine eigene Kategorie existiert, die den besten fremdsprachigen Spielfilm ehrt, sicherte sich 1988 der französische Historienfilm Jean Florette von Claude Berri den britischen Filmpreis in der Kategorie Bester Film und setzte sich dabei u. a. gegen John Boormans gefeiertes Kriegsdrama Hope and Glory durch. Daraufhin wurde die Kategorie Bester fremdsprachiger Film in Bester nicht-englischsprachiger Film (Best Film not in the English Language) umbenannt. Der Sieg eines fremdsprachigen Films blieb mehr als 20 Jahre aus, obwohl sich in den folgenden Jahrzehnten sporadisch Produktionen wie Ang Lees Tiger & Dragon (2001), Jean-Pierre Jeunets Die fabelhafte Welt der Amélie (2002) oder Florian Henckel von Donnersmarcks Das Leben der Anderen (2008) eine Nominierung in der Kategorie Bester Film sichern konnten. Erst 2019 wurde mit Alfonso Cuaróns mexikanischem Filmdrama Roma wieder eine fremdsprachige Produktion in der wichtigsten Filmkategorie preisgekrönt, der im Jahr darauf eine Nominierung für den koreanischen Beitrag Parasite von Bong Joon-ho folgte.
Konkurrenz zum Oscar und Golden Globe Award