Die Schwarzsteißschwalbe (Pygochelidon cyanoleuca, Syn.: Notiochelidon cyanoleuca) ist eine Vogelart aus der Familie der Schwalben (Hirundinidae). Die Art kommt in den südamerikanischen Ländern Chile, Argentinien, Uruguay, Brasilien, Paraguay, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Trinidad und Tobago, Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und den mittelamerikanischen Ländern Costa Rica und Panama vor. Hin und wieder finden Irrgäste ihren Weg nach Nicaragua und Mexiko. Der Bestand wird von der IUCN als nicht gefährdet eingestuft.
Merkmale Die Schwarzsteißschwalbe erreicht eine Körperlänge von etwa 12 Zentimetern bei einem Gewicht von 10,5 Gramm. Steven L. Hilty al, S. 688 Die Rückenfarbe kann zwischen indigo- und grünblau variieren, während die Unterseite mit Ausnahme der Seiten und Flanken ein reines Weiß ziert. Die Unterflügeldecken sind rauchig graublau bis schwarz. Steuerfedern und Schwungfedern sowie deren Schaft sind schwärzlich bis schwarz. Die Unterflügeldecken und Achselfedern sind dunkelgrau bis dunkel. Die Unterschwanzdecken sind gänzlich schwarz mit einem blauen Schimmer. Männchen und Weibchen ähneln sich, wobei die Männchen etwas längeren Schwanzfedern haben. Jon Fjeldså al, S. 531
Immature Vögel haben eine braune Oberseite und einen matt pinkbraunen Farbton an der Kehle, welcher an der Brust in ein dunkleres Braun übergeht.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet der Schwarzsteißschwalbe:
Die Schwalbe kommt sowohl in humiden als auch ariden Klimazonen vor. Dabei bevorzugt sie offenes Gelände und Waldlichtungen, oft nahe bewohnten Gebieten. Hier trifft man sie von Meeresspiegel bis 4000 Meter Höhe. An den Tepuis von Venezuela kann man sie in Kolonien nahe Straßeneinschnitten und Felsvorsprüngen sehen.
Verhalten mini|220px|left|Schwarzsteißschwalben auf Stromleitung Normalerweise bewegen sie sich geschickt in losen Schwärmen hin und her. Dabei schlagen sie häufig mit ihren angewinkelten Flügel und sind nur selten im Segelflug. In ihren Ruhezeiten sitzen sie zusammen mit Artgenossen oder anderen Schwalben auf Strom- und Telefonleitungen oder laublosen Ästen. Insbesondere in der Nähe ihrer Nester verhalten sie sich äußerst territorial. Diese bauen sie auf Klippen, in Löchern nahe Flussufern, in Bäumen und unter Dächern. Hin und wieder landen sie auch auf der Erde. Während ihrer Zugzeiten sieht man sie in Schwärmen bis zu 1000 Tieren vom Sommer- ins Winterquartier und zurück fliegen. Sie ernähren sich meist, wenn nicht sogar ausschließlich, von Insekten. Alexander Frank Skutch S. 393
Brut Männchen und Weibchen bauen ihr Nest gemeinsam. Zum Bau verwenden sie Strohhalme und Grasblätter, die sie meist in der Nähe von Straßen oder Kulturlandschaft sammeln, auch wenn Materialien in umliegenden wilden Graslandschaften deutlich häufiger vorhanden wären. Es wird vermutet, dass der Grund in einem erleichterten Flugstart in den weniger dicht bewachsenen Gebieten liegt. Ihr Nest wird in einem Zeitraum von ca. einer Woche gebaut. Während der Mittagszeit scheinen sie sich vom Nest fernzuhalten. Alexander Frank Skutch S. 394 Während des Baus schlafen sowohl Männchen als auch Weibchen in der Nähe des Nests. Sie legen pro Tag ein Ei ins Nest, doch können zwischen erstem und zweitem Ei gelegentlich auch zwei Tage liegen. In das Nest legen sie zwischen 2 und 6 weiße Eier. Alexander Frank Skutch S. 395 Beide Geschlechter brüten gemeinsam die Eier aus. Die Brutzeit beträgt 15 Tage, kann aber auch bis 26 Tage dauern. Alexander Frank Skutch S. 396
Kladistik Die Art wird in folgende Unterarten unterteilt:IOC World bird list Swallows Pygochelidon cyanoleuca cyanoleuca , 1817Louis Pierre Vieillot (1817), S. 509 Nominatform ist von Costa Rica über Guyana über Ecuador, Peru und Bolivien bis in die Provinz Tucumán im Nordwesten Argentiniens präsent. Außerdem kommt sie in Paraguay, Uruguay und dem Süden sowie Osten Brasiliens vor. Pygochelidon cyanoleuca peruviana , 1922Frank Michler Chapman (1922), S. 7 Die Unterart ähnelt N. c. patagonica, ist aber etwas kleiner. Die Unterflügeldecken und Achseln sind etwas heller. Die Unterschwanzdecken sind vollkommen schwarz mit einem Blauschimmer. Die Unterseite wirkt etwas grauer. Die Subspezies kommt an der Küste Perus in der Region La Libertad bis nach Arequipa vor. Pygochelidon cyanoleuca patagonica & , 1837Alcide Dessalines d’Orbigny u. a. (1837), S. 69 Steuerfedern, Schwungfedern und große Flügeldecken sind schwärzlich, wobei der Schaft bräunlich ist. Die äußeren Steuerfedern sind dünn weiß gesäumt. Die Unterflügeldecken und Achselfedern sind mausgrau. Die Unterschwanzdecken sind weiß. Die Unterart ist etwas größer als die Nominatform. Immature sind farblich den ausgewachsenen Vögeln sehr ähnlich.Frank Michler Chapman S. 3 Kommt vom Zentralchile über Zentralargentinien und südlich bis Isla Grande de Tierra del Fuego, dabei ziehen sie nach Nordchile und östlich bis in die Anden Venezuelas und nach Panama. Irrflieger finden selten sogar den Weg bis Mexiko. Man trifft sie nicht in typischer Punalandschaft.
Etymologie und Forschungsgeschichte Louis Pierre Vieillot beschrieb die Schwalbe unter dem Namen Hirundo cyanoleuca. Auch Alcide Dessalines d’Orbigny und Frédéric de Lafresnaye verwendeten für ihre Art zunächst als Hirundo patagonica. Frank Michler Chapman nannte seine Unterart Pygochelidon cyanoleuca peruviana. 1865 führte Spencer Fullerton Baird die neue Gattung Pygochelidon ein.Spencer Fullerton Baird (1865), S. 270 & 308 Zwischenzeitlich wurde sie auch der Gattung Notiochelidon , 1865Spencer Fullerton Baird (1865), S. 270 & 306 zugeschlagen.
Pygochelidon setzt sich aus dem altgriechischen Wort πυγή (puge) für Steiß oder Schwanz und χελιδών (khelidon) für ‚Schwalbe‘ zusammen.Pygochelidon The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Notiochelidon ist ein Synonym für ‚Orochelidon‘ und setzt sich aus den griechischen Worten ὄρος (oros) für ‚Berg‘ und wieder khelidon für ‚Schwalbe‘ zusammen.Notiochelidon The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Das Artepitheton cyanoleuca hat seinen Ursprung in den griechischen Wörtern κύανος (kuanos) für ‚dunkelblau‘ und λευκός (leukos) für ‚weiß‘.cyanoleuca The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Das Wort peruviana in der Unterart bezieht sich auf das Land Peruperuviana The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling und patagonica auf Patagonien.patagonica The Key to Scientific Names Edited by James A. Jobling Alfred Laubmann vermutete, dass P. c. patagonica wohl Paraguay nur als Zugvogel besucht. Hierdurch könnte es zu Hybridisierung in den Berührungszonen mit der Nominatform kommen.Alfred Laubmann (1940), S. 200–201
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Schwalben