Walkersbach ist Teilort der Gemeinde Plüderhausen im Rems-Murr-Kreis (Baden-Württemberg) mit 325 Einwohnern (Stand 2022). Der Ort liegt rund 10 Kilometer von der Muttergemeinde Plüderhausen entfernt im Walkersbachtal, einem Seitental des Remstales.

Geschichte mini|Walkersbach mit Glashütte, Forstlagerbuch von Andreas Kieser, 1685 Walkersbach wurde 1262 erstmals erwähnt, ist aber vermutlich viel älter., Gemeinde Plüderhausen, abgerufen am 30. Dezember 2007 Der Ortsname lässt sich nicht eindeutig deuten und erscheint in historischen Quellen in unterschiedlichen Schreibweisen wie Walkersbach, Walckerspach oder Walckeursbach. Der Name dürfte auf althochdeutsche Wurzeln zurückgehen und sich vom Personennamen *Walkmār ableiten.

Eine weitere urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1523. Zu dieser Zeit bestand in Walkersbach bereits eine katholische Kapelle, die – wie die Kirche in Haubersbronn – zur Pfarrei Oberurbach gehörte. Die Kirchensprengel von Oberurbach und Plüderhausen standen im Besitz des Benediktinerklosters Elchingen. Im Zuge der Reformation verkaufte das Kloster am 12. September 1536 seine Rechte an Urbach, Haubersbronn und Plüderhausen an Herzog Ulrich von Württemberg. Kurz darauf wurde Walkersbach zusammen mit der Muttergemeinde Oberurbach evangelisch.

1774 hatte der Ort 178 Einwohner.

Seit der Verwaltungsreform von 1807 gehört Walkersbach im damaligen Oberamt Welzheim als Exklave zur Gemeinde Plüderhausen.

1851 hatte der Ort bereits 388 Einwohner. 1858 wurde die Freiwillige Feuerwehr gegründet.

1832 kaufte die Gemeinde das ehemalige Wirtshaus „Zur Krone“, ein einstiges Herrenhaus des Glashüttenmeisters, und baute es zu einer Schule um. Wegen großer baulicher Mängel wurde 1930 ein neues Schulhaus errichtet, das zugleich als Badhaus diente und im Untergeschoss ein Brausebad und zwei Wannenbäder beherbergte. 1968 wurde die Walkersbacher Schule unter Protest und einem zweiwöchigen Schulstreik aufgelöst. Das einstige Schulhaus dient seither als Kindergarten, Jugendtreff, Vereins- und Veranstaltungsstätte und beherbergt das Feuerwehrmagazin.

Zur 750-Jahr-Feier 2012 wurde eine seit Jahren nicht mehr genutzte Scheuer zur Museumsscheuer umgebaut, die als Raum für kleine Veranstaltungen, Konzerte und Ausstellungen dient.

Glashütte Walkersbach 1508 wird eine Glashütte als herzogliches Eigentum erwähnt. Sie lag etwa 100 Meter nördlich des Dorfes in Richtung Breitenfürst. Die Hütte nutzte die Ressourcen des Schwäbischen Waldes, insbesondere Quarzsand, Kalk, Pottasche und Holz, und war über 200 Jahre in Betrieb. Die Hütte gehörte zur Dynastie der Glasmacherfamilie Greiner, die für über zwei Jahrhunderte maßgeblich die Glaskunst der Region prägte. Produziert wurden Fensterglas, Trinkgläser, Kobaltglas für Schmuck und Perlen sowie weitere hochwertige Glaswaren. Die Glasproduktion erforderte eine strikte Arbeitsteilung, geregelt durch die Walkersbacher Hüttenordnung von 1651, die Aufgaben, Produktionsquoten und Löhne der Glasmacher festlegte. Die Hütte beschäftigte unter anderem Glasschmelzer, Formbläser, Schleifer und Helfer, die in klar definierten Arbeitsschichten tätig waren.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Glashütte zerstört, ab 1647 provisorisch wieder aufgebaut und bis 1714 betrieben. Danach wurde die Glasproduktion in Walkersbach eingestellt.

Flößerei Die Versorgung der Glashütte und anderer Siedlungen im Schwäbischen Wald mit Holz erfolgte über Scheitholzflößerei. Holz aus den Wäldern rund um Walkersbach wurde auf Bäche und Flüsse gesetzt, darunter Walkersbach, Wieslauf, Bärenbach, Schweizerbach und Rems, und zu den Einwurfplätzen transportiert. Die Flößerei begann vermutlich im 14. Jahrhundert und wurde ab dem 17. Jahrhundert systematisch ausgebaut.

Da die natürliche Wasserführung der Bäche für die Flößerei nicht ausreichte, wurden Floß- bzw. Schwellseen angelegt. So ließ im Jahr 1742 der Schorndorfer Forstmeister von Grassenberg einen älteren, rund 800 Meter südlich des Dorfes Walkersbach gelegenen Teich vom Seegräber Vogel aus Böblingen zum Stausee Walkersbacher Tal ausbauen. Ein Grundriss dieses Stausees wurde am 17. Juli 1791 von dem herzoglich beeidigten Feldmesser Christoph David Benignus aus Schorndorf kartiert. Demnach war der Staudamm 304 Fuß (etwa 87 Meter) lang und 30 Fuß (etwa 8,6 Meter) hoch. Im Jahr 1831 wurde der Damm durch Ausmauerung verstärkt, zugleich wurde der Bachlauf unterhalb des Sees begradigt und sein Gefälle ausgeglichen. Die im See aufgestaute Wassermenge reichte für zwei bis drei Tage Flößerei aus. Während des Flößens mussten die Müller am Bach ihren Betrieb einstellen und bei den Flößarbeiten mithelfen.

Von der Mündung des Walkersbachs wurde das Holz weiter über die Rems bis nach Neckarrems geflößt, wo es in einem sogenannten „Holzgarten“ gesammelt und auf Neckarschiffe verladen wurde. Die floßbare Länge des Walkersbachs betrug etwa fünf Kilometer.

Bereits vor der Inbetriebnahme der Remsbahn im Jahr 1861 wurde die Flößerei auf dem Walkersbach eingestellt. Der heute noch als „Seedamm“ bezeichnete Damm und Brückenweg wurde nach Aufgabe der Flößerei durchstochen. Die Reste der Staumauer sind bis heute sichtbar.

Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten

Waldkindergarten

Bürgerhaus im ehemaligen Schulhaus Museumsscheuer Freizeitheim Geiststeinhöfle Musikverein Frohsinn e.V. Freiwillige Feuerwehr Walkersbacher Bauerntheater (alle zwei Jahre)

Evangelische Petruskirche mini|Petruskirche in Walkersbach Bereits 1523 wird in Walkersbach eine Kirche „im Talgrund“ erwähnt, sie war eine Filialkapelle von Oberurbach. Die heutige Petruskirche wurde 1669 erbaut und 1826 erneuert. Der Innenraum erhielt seine jetzige Gestalt beim Umbau 1963.

Geiststein Mitten im Wald zwischen Breitenfürst und Walkersbach befindet sich der Geiststein, eine markante, etwa fünf Meter hohe Felsformation aus Stubensandstein. Der freistehende Felsen entstand durch Erosion und Verwitterung des oberen Stubensandsteins und gilt als geologische Besonderheit innerhalb der Keuperstufe. Er wurde am 30. Juli 1974 durch das Landratsamt Rems-Murr-Kreis als Naturdenkmal ausgewiesen, da er sowohl wissenschaftlich als auch kulturgeschichtlich bedeutsam ist.

Historisch ist der Geiststein mit der Täuferbewegung verbunden. 1562 wurde er als Predigtort der Täufer erwähnt, der Walkersbacher Blasius Greiner schloss sich daraufhin der Täuferbewegung an und hielt in seinem Haus in Walkersbach Gottesdienste ab.Infotafel am Geiststein, aufgestellt durch den Bürgerverein Walkersbach Aufgrund der Verfolgung versammelte man sich später heimlich zu Gottesdiensten am Geiststein. Auch während des Dreißigjährigen Krieges diente der Felsen Berichten zufolge als Predigtstätte.

König Friedrich soll den Geiststein um 1800 als Jagdsitz genutzt haben.

Eine Gedenktafel am Fuß des Felsens erinnert an diese Ereignisse.

Verkehr Die Kreisstraße 1886 verbindet das Remstal über Walkersbach mit Alfdorf.

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Plüderhausen Kategorie:Ort im Rems-Murr-Kreis Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Rems-Murr-Kreis)