mini|hochkant|Rodensteiner Wappen im Scheiblerschen Wappenbuch. mini|hochkant|Wappen der Herren von Rodenstein in Siebmachers Wappenbuch. mini|190px|Wappen der Nebenlinie von Rodenstein-Lißberg mini|Rotenstein Anno 1634, Zeichnung von Valentin Wagner. Die Herren von Rodenstein (auch von Crumbach, von Crumbach-Rodenstein, von Rotenstein) waren eine Adelsfamilie, die im heutigen Südhessen und im nördlichen Odenwald begütert war. Ihr Stammsitz befand sich in Fränkisch-Crumbach. Nach der Erbauung der Burg Rodenstein um die Mitte des 13. Jahrhunderts nahmen sie den Namen der Burg an, die bis zum Aussterben der Familie 1671 deren Hauptsitz war.

Die kleine Herrschaft Fränkisch-Crumbach befand sich seit dem hohen Mittelalter im Spannungsfeld zwischen den Grafen von Katzenelnbogen, später den Landgrafen von Hessen-Darmstadt als deren Erben auf der einen sowie den Schenken von Erbach und der Kurpfalz auf der anderen Seite. Innerhalb dieses Rahmens gelang es den Rodensteinern, ein weitgehend unabhängiges, kleines Territorium mit dem Kerngebiet im Gersprenztal zu etablieren. Die in großen Teilen erhaltene Familiengrablege in der Fränkisch-Crumbacher Kirche gilt als kunsthistorisch bedeutsame Quelle für die Geschichte der Rodensteiner. Nach dem Aussterben der Familie im 17. Jahrhundert entstand die Sage vom Rodensteiner, durch die das Adelsgeschlecht bis heute bekannt ist.

Geschichte Herkunft Die Herkunft und der Stand der seit 1080 nachweisbaren Herren von Crumpach ist unsicher. Die Tatsache, dass einige frühe Familienmitglieder den Titel advocatus trugen, hat zu Überlegungen geführt, ob sie ursprünglich der Reichsministerialität zuzurechnen sind. Da im oberen Gersprenztal aber kein Reichsgut nachweisbar ist, könnten sie im südlichen Teil des Wildbanns Dreieich oder im Umfeld der Reichsstadt Frankfurt in kaiserlichen Diensten gestanden haben. Noch wahrscheinlicher ist aber, dass dies auf ein Amt in Seligenstadt zurückzuführen ist, das bis 1303 den Status einer Reichsstadt besaß und durch den Bau des Palatiums im Interesse kaiserlicher Politik lag. Auffällig ist, dass die Herren von Crumbach Streubesitz im Bachgau und besonders in Seligenstadt hatten.Wolfram Becher: Eine Urkunde zur Geschichte der Herren von Crumbach-Rodenstein. In: Der Odenwald 18, 1971, Heft 3, S. 80 f.

Über die frühesten, urkundlich fassbaren Besitzverhältnisse am Stammsitz der Crumbacher im oberen Gersprenztal ist nur wenig bekannt. Bis zum Erwerb des allodialen Territoriums durch die Schenken von Erbach zu Beginn des 13. Jahrhunderts scheint das Gebiet in relativ kleine Besitzungen der lokalen Ministerialen zerstückelt gewesen zu sein. Für eine Reihe früher Burganlagen wie das Beerfurther Schlösschen oder die Burg Schnellerts ist kein Besitzer bekannt.Thomas Steinmetz: Burgen im Odenwald. Verlag Ellen Schmid, Brensbach 1998, ISBN 3-931529-02-9, S. 25. Auffällig ist, dass der Besitz der Rodensteiner im oberen Gersprenztal zunächst freies Eigentum ohne jegliche Lehensabhängigkeit war. Damit bildeten sie unter den zahlreichen kleineren Herrschaften zwischen Rhein und Odenwald eine Ausnahme.Anke Stößer: Herrschaften zwischen Rhein und Odenwald. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806. Marburg 2014, S. 159.

Die Herrschaft Rodenstein im Mittelalter und der frühen Neuzeit Mit der Sicherung des Gebiets durch die Gründung der erbachischen Burg Reichenberg traten die Interessen größerer Landesherren hinzu, da die Schenken von Erbach zu Gefolgsleuten der Pfalzgrafen zählten. Die Grafschaft Katzenelnbogen antwortete darauf mit der Erbauung der Burg Lichtenberg, während als Trutzburg gegen Reichenberg um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Burg Rodenstein entstand. Rodenstein wurde in einem Seitental westsüdwestlich von Fränkisch-Crumbach und nordwestlich von Reichelsheim als katzenelnbogisches Lehen durch Angehörige der „Herren von Crumpach“ erbaut. Deren Stammsitz ist bislang unbekannt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit ist eine ältere Wasserburg oder ein herrschaftlicher Ansitz im Bereich der Kirche in Fränkisch-Crumbach anzunehmen. Nach dem Bau der Burg Rodenstein wurde diese Anlage aufgegeben oder zu dem heutigen Adelshof umgebaut.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds (Grafschaft Erbach, Herrschaft Breuberg, Herrschaft Fränkisch-Crumbach). Darmstadt 1958, S. 104. 1575 sollen dort noch Teile einer älteren Ringmauer sichtbar gewesen sein.

In einer Urkunde des Jahres 1256 erscheint erstmals der Name Rodenstein neben dem Namen Crumbach, als „Friedrich“ und „Rudolf von Rodenstein“ in Lichtenberg als Zeugen einer Urkunde siegelten. Beide sind zuvor im Jahre 1245 in einer Urkunde als „Friedrich“ und „Rudolf von Crumpach“ mit identischen Siegelwappen belegt.Wolfram Becher: Eine Urkunde zur Geschichte der Herren von Crumbach-Rodenstein. In: Der Odenwald 18, 1971, Heft 3, S. 76. Dies verdeutlicht, dass sich ein Seitenzweig fortan nach der Burg benannte und die Bauzeit zwischen 1245 und 1256 gelegen haben muss. Andere Zweige blieben anscheinend weiterhin in Crumbach wohnhaft. Der Name „von Crumbach“ ist zuletzt 1387 belegt mit Rudolf von Crumbach, Stiftsgeistlicher im Wormser Andreasstift.

Zwischen der älteren Crumbacher Linie und dem jüngeren Rodensteiner Zweig muss es zu einer Grundteilung gekommen sein, in der die Vogtei über das Kloster Höchst (1314 an die Propstei abgetreten) mit dem östlichen Teil der alten Rodensteiner Mark bei der älteren Linie verblieb, während die jüngere Linie die Pfarrei Neunkirchen mit dem westlichen Teil erhielt. Der Wald dürfte wie der Stammsitz in Fränkisch-Crumbach gemeinsam verwaltet worden sein.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds (Grafschaft Erbach, Herrschaft Breuberg, Herrschaft Fränkisch-Crumbach). Darmstadt 1958, S. 111. Mit dem Aussterben der älteren Line der Herren von Crumbach am Ende des 14. Jahrhunderts erbten die Rodensteiner deren allodialen Besitz im Gersprenztal.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds (Grafschaft Erbach, Herrschaft Breuberg, Herrschaft Fränkisch-Crumbach). Darmstadt 1958, S. 104f. und 110f.

Durch die Gründung der Burg als katzenelnbogisches Lehen entstand die kuriose Situation, dass der neue Stammsitz nun einer Lehensbindung unterlag, während die Herrschaft Fränkisch-Crumbach davon frei blieb. Erst ab 1400 fand eine Annäherung an die Kurpfalz statt. Es traten nun Lehen der Pfalzgrafen, des Bischofs von Worms, der Grafen von Leiningen, der Grafen von Wertheim und der Schenken von Erbach hinzu. Der ursprüngliche Stand als Edelfreie wurde dadurch gedrückt, dass die Rodensteiner aufgrund ihrer schwierigen politischen und finanziellen Lage diese Lehensbindungen eingingen.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds (Grafschaft Erbach, Herrschaft Breuberg, Herrschaft Fränkisch-Crumbach). Darmstadt 1958, S. 105. Die Vergabe eigener Lehen blieb bei den Rodensteinern für die Herrschaftsbildung ohne Bedeutung.Anke Stößer: Herrschaften zwischen Rhein und Odenwald. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806. Marburg 2014, S. 160.

In der Neuzeit blieb die Zuweisung der Rodensteiner an einen Stand unklar. Seit Hans III. (gest. 1500) nennen sie sich meist „zu Rodenstein“ gelegentlich auch „von und zu“. Sie waren weder Reichsfreiherren, noch gehörten sie der Reichsritterschaft an, wenn sie sich auch gelegentlich der Hilfe der im Ritterkanton Odenwald organisierten Niederadligen bedienten. Die Lehensbindungen – etwa an die Fürstenhäuser Hessen und Kurpfalz – blieben unbedeutend. Innerhalb der Herrschaft Fränkisch-Crumbach besaßen sie die vollen landesherrlichen Rechte, auch wenn diese räumlich sehr beschränkt waren. So verstanden sich die Rodensteiner – etwas anachronistisch – am ehesten als „freie Herren“ und waren damit verfassungsrechtlich und ständegeschichtlich eine seltene Erscheinung der frühen Neuzeit.Elisabeth Kleberger: Territorialgeschichte des hinteren Odenwalds (Grafschaft Erbach, Herrschaft Breuberg, Herrschaft Fränkisch-Crumbach). Darmstadt 1958, S. 115.

Auch bei den Herren von Rodenstein erreichten Familienangehörige hohe kirchliche Ämter, etwa als Domherren in Mainz, Würzburg oder Worms. Einige wurden auch Deutschordensritter, zwei Rodensteiner sind als Komture in Horneck und Rothenburg belegt. Eberhard von Rodenstein war 1313–1315 Fürstabt von Fulda. Philipp I. von Rodenstein war von 1595 bis 1604 Wormser Bischof. Am 20. August 1629 wurde der aus der Umstädter Linie der Rodensteiner stammende Reichsritter Georg Anton von Rodenstein Fürstbischof von Worms bis zu seinem Tode 1652. Er war gleichzeitig Dekan in Speyer sowie Propst und Dekan in Mainz. Die Häufung kirchlicher Ämter in der Familie erklärt sich vor allen Dingen dadurch, dass die Rodensteiner im Gegensatz zu sehr vielen Adelsfamilien in der Region auch nach der Reformation am katholischen Glauben festhielten.

Die Familie existierte in zwei Hauptlinien. Neben der Stammlinie im Odenwald gab es zwischen 1399 und 1470 eine Linie Rodenstein-Lißberg. Die reiche Erbschaft der Lißberger in der östlichen Wetterau und dem Kinzigtal war aber von Anfang an umstritten und konnte nicht erhalten werden. Nach dem Aussterben der Seitenlinie wurde dieser entfernte Besitz fast völlig veräußert.Hans Philippi: Territorialgeschichte der Grafschaft Büdingen. Schriften des Hessischen Amts für geschichtliche Landeskunde 23, Elwert, Marburg 1954, S. 84; Klaus-Peter Decker: Herrschaften in der Wetterau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806. Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5 (= Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63), S. 307f. In der frühen Neuzeit existierten weitere Seitenlinien meist nur für kurze Zeit. So gab es etwa zeitweilig eine Lindenfelser Linie der Rodensteiner.Rudolf Kunz: Die Lindenfelser Linie der Herren von Rodenstein. In: Odenwald-Heimat 1994, Nr. 3. Eine Linie zu Dalsheim in Rheinhessen wurde von Engelhard II., einem Sohn des Hans V., begründet. Sie starb allerdings schon in der nächsten Generation mit Philipp, Bischof von Worms, und seinem Bruder Hans (mainzischer Amtmann zu Gernsheim, gest. 1627) wieder aus und war am Odenwälder Besitz anscheinend nicht beteiligt.

Die Herren von Rodenstein waren Obermärker der Rodensteiner Mark.

Aussterben, Erbschaft und Nachwirken