Dieser Artikel behandelt tagesbezogene Nachrichten und Ereignisse im September 2004.
Tagesgeschehen
Mittwoch, 1. September 2004 Abuja/Nigeria: Unter Vermittlung der Afrikanischen Union einigen sich die sudanesische Regierung und die Rebellengruppen Sudanesische Befreiungsarmee sowie Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit auf einen gemeinsamen Plan zum Schutz der Flüchtlinge in der Krisenregion Darfur. Die humanitäre Frage wird damit für abgeschlossen erklärt, nächster Punkt ist die Frage der Sicherheit. Beslan/Russland: In einer Schule in Nordossetien-Alanien nehmen Terroristen nach ersten Angaben Geiseln, darunter mehr als 800 Kinder, und drohen mit der Sprengung der Schule, falls in Inguschetien inhaftierte tschetschenische Kämpfer nicht aus der Haft entlassen werden. Darfur/Sudan: Die am 28. August von Kämpfern der Sudanesischen Befreiungsarmee entführten Mitarbeiter der Vereinten Nationen, welche im Rahmen des Welternährungsprogramm ins Land kamen, und drei entführte Mitarbeiter des Roten Halbmonds werden freigelassen. Kathmandu/Nepal: Nach der gestrigen Tötung von zwölf nepalesischen Geiseln im Irak kommt es in der nepalesischen Hauptstadt zu schweren Unruhen, bei denen u. a. eine Moschee gestürmt wird. Insgesamt werden bis zu 100 Personen verletzt. Die Behörden verhängen am Nachmittag eine Ausgangssperre. Paris/Frankreich: Die Justizbehörden teilen der Presse mit, dass drei im Bau befindliche Fluchttunnel mitsamt Stützpfeilern unter dem Santé-Gefängnis in Paris entdeckt wurden. In den Tunneln lagen auch die entsprechenden Handwerkzeuge. Häftlinge wiesen die Vollzugskräfte Anfang August auf „Geräusche im Boden“ hin.
Donnerstag, 2. September 2004 mini|200px|Sympathisanten von George W. Bush und Dick Cheney mini|150px|Inventarstück der Anna-Amalia-Bibliothek mit Brandschaden Beslan/Russland: Am zweiten Tag der Geiselnahme in einer Schule in Nordossetien-Alanien ereignen sich zwei Explosionen in der Nähe der umstellten Schule, die Ursache bleibt unklar. Unterdessen entlassen die Geiselnehmer drei Frauen und deren Säuglinge in die Freiheit. Kaschmir/Indien: Im Kaschmir töten indische Truppen an der indisch-pakistanischen Grenze vier Männer, die sie als islamistische Separatisten ansehen. New York/Vereinigte Staaten: Die Delegierten des Nominierungsparteitags der Republikanischen Partei sprechen sich für Amtsinhaber George W. Bush als Kandidaten ihrer Partei bei der Präsidentschaftswahl im November aus. New York/Vereinigte Staaten: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verabschiedet die Resolution 1559, die den Abzug aller ausländischen Truppen aus dem Libanon sowie die Entwaffnung der im Libanon aktiven bewaffneten Einheiten fordert. Konkret sind die syrischen Truppen und die Hisbollah gemeint. Rostow/Russland: Die Journalistin Anna Politkowskaja wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Tschetschenien-Korrespondentin der oppositionellen Tageszeitung Nowaja gaseta könnte wegen ihrer kritischen Berichterstattung über Tschetschenien und die Geiselnahme von Beslan Opfer eines Giftanschlags sein, so erste Erwägungen ihres Arbeitgebers.profil.at: Weimar/Deutschland: Ein Brand beschädigt die Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek der Klassik-Stiftung schwer. Das Feuer vernichtet circa Bände und durch Löschwasser nehmen rund weitere Bände Schaden.
Freitag, 3. September 2004 Beslan/Russland: Russische Sicherheitskräfte stürmen die seit mehreren Tagen in der Gewalt von Geiselnehmern befindliche Schule, in der etwa Menschen festsitzen. Die Geiselnehmer schießen wahllos aus der Schule, auch auf fliehende Kinder, und zünden mehrere Sprengsätze. Mindestens 331 Menschen werden getötet, über 700 weitere werden nach der Befreiung in Krankenhäuser eingeliefert, darunter mehr als 250 Kinder. Die meisten Geiselnehmer werden getötet und einige verhaftet. Laut offiziellen Aussagen nach der Stürmung war diese nicht im Einsatzplan vorgesehen und wurde vermutlich durch den Fluchtversuch einiger Geiselnehmer ausgelöst.
Sonntag, 5. September 2004 Florida/Vereinigte Staaten: Der Hurrikan Frances fordert zwei Todesopfer in Florida, nachdem schon in den vergangenen Tagen zwei Menschen auf den Bahamas getötet wurden. Der Sachschaden wird auf einige Milliarden US-Dollar geschätzt. Saarbrücken/Deutschland: Bei der Landtagswahl im Saarland baut die CDU ihre absolute Mehrheit der Mandate aus der vergangenen Legislaturperiode weiter aus. Die Wahlbeteiligung von nur 55,5 % ist für ein westdeutsches Land gering. Die Christdemokraten unter Ministerpräsident Peter Müller erhalten 47,5 % der Stimmen, die SPD fällt auf 30,8 % der Stimmen. Sowohl den Grünen mit 5,6 % als auch der FDP mit 5,2 % gelingt der Wiedereinzug in den Landtag. Die NPD erhält 4 % der abgegebenen Stimmen und die PDS verdreifacht ihren Stimmenanteil von 0,8 % auf 2,3 %.
Montag, 6. September 2004 mini|180px|Szene in Darfur mit Dschandschawid-Kämpfer (links) New York/Vereinigte Staaten: Die Vereinten Nationen (UN) prüfen neue Berichte, denen zufolge in den letzten Tagen in der sudanesischen Krisenregion Darfur wieder zwischen und Menschen vertrieben wurden. Da die sudanesische Regierung nicht entschlossen genug gegen die Dschandschawid-Kämpfer vorgeht, wollen die USA und viele europäische Regierungen Sanktionen gegen die Regierung verhängen. Villach/Österreich: Zwei von einem Bankomaten bezogene 100-Euro-Banknoten, die am Wochenende „Falschgeldalarm“ auslösten, werden bei einer genaueren Prüfung als echte Banknoten identifiziert. Laut Günter Willegger, Direktor der Oesterreichischen Nationalbank, wurden die Scheine offenbar einmal in einer Waschmaschine mitgewaschen und hätten dabei etwas Anstrichmittel verloren.
Dienstag, 7. September 2004 Bagdad/Irak: Im Irak werden zwei italienische Mitarbeiterinnen der Hilfsorganisation Un Ponte per … () und zwei irakische Staatsbürger entführt. Berlin/Deutschland: Das Defizit der Bundesagentur für Arbeit lag im August bei knapp 4,8 Milliarden Euro. Die Summe des für 2004 einberaumten Zuschusses des Bundes von 5,2 Milliarden Euro war damit fast erreicht. Gaza-Stadt/Palästinensische Autonomiegebiete: Bei einem israelischen Raketenangriff auf ein Hamas-Ausbildungszentrum in Gaza-Stadt sterben mindestens 14 Palästinenser. Der israelische Angriff ist eine Reaktion auf den Doppelanschlag von Beʾer Scheva, bei dem eine Woche zuvor 16 Israelis starben. Moskau/Russland: Präsident Wladimir Putin ist gegen eine öffentliche Untersuchung der Geiselnahme von Beslan und kündigte eine „interne Aufarbeitung“ an. Unterdessen wurden drei über das Geiseldrama berichtende Journalisten unter anderem wegen fehlender gültiger Reisepapiere festgenommen und der Chefredakteur der russischen Zeitung Iswestija musste seinen Posten wegen „zu emotionaler und plakativer Berichterstattung“ auf Veranlassung der Behörden aufgeben. Moskau/Russland: Präsident Wladimir Putin sagt seinen Besuch in Deutschland aufgrund der Situation in seinem Land ab. Angekündigt war ein Besuch in Hamburg und in Schleswig-Holstein an der Seite des Bundeskanzlers Gerhard Schröder. Themen sollten Terrorismus und die Kooperation der beiden Staaten sein. New York/Vereinigte Staaten: Der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für Darfur Jan Pronk fordert mehrere tausend zusätzliche Beobachter für die ostafrikanische Krisenregion, welche die bereits 120 vor Ort befindlichen Beobachter der Afrikanischen Union in ihrer Arbeit unterstützen sollen. Wien/Österreich: Die österreichische Bundesregierung macht eine kolportierte feindliche Übernahme der VA Tech AG durch die Siemens AG durch die Festschreibung der „Einheitlichkeit des Unternehmens“ in den Privatisierungsauftrag der ÖIAG unmöglich.
Mittwoch, 8. September 2004 Espenhain/Deutschland: Das mit einer Leistung von 5 MW größte Solarstrom-Kraftwerk der Welt wird im sächsischen Espenhain durch den Bundesminister für Umwelt Jürgen Trittin in Betrieb genommen. Moskau/Russland: Laut einem Agentur-Interview mit Generalstabschef Juri Balujewski erwägt die Streitkräfte Russlands weltweite Präventivschläge gegen mutmaßliche Stützpunkte von Terroristen. New York/Vereinigte Staaten: Die USA bringen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen Resolutionsentwurf ein, der dem Sudan mit Sanktionen droht, v. a. im Ölsektor, wenn sich die Sicherheitslage in der Krisenregion Darfur nicht spürbar bessern sollte. Salt Lake City/Vereinigte Staaten: Die Weltraumsonde Genesis schlägt unweit eines Stützpunkts der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in der Wüste von Utah auf und erleidet irreparable Schäden, nachdem sich die Landefallschirme nicht wie geplant öffneten. Sichuan/China: Bei schweren Unwettern starben seit dem 2. September mindestens 172 Menschen durch Überschwemmungen und Erdrutsche. Türkei: Bei einem Minenunglück im Norden der Türkei sterben mindestens 19 Arbeiter.
Donnerstag, 9. September 2004 Jakarta/Indonesien: Die terroristische Vereinigung Jemaah Islamiyah verübt einen Autobombenanschlag auf die australische Botschaft. Neun Personen verlieren ihr Leben. Seoul/Südkorea: Eine gewaltige Explosion erschütterte nach Angaben der Nachrichtenagentur Yonhap den Nordosten Nordkoreas. Satellitenbilder zeigen eine pilzförmige Wolke von 4 km Durchmesser. Ob es sich um einen Nukleartest handelte, ist unklar. In der betroffenen Region in der abgelegenen Yanggang-Provinz existieren auch Raketensilos. Yaren/Nauru: Der ehemalige Präsident René Harris kehrt nach vier Monaten wieder nach Nauru zurück. Ludwig Scotty setzte ihn während seiner Abwesenheit als Präsident ab.
Freitag, 10. September 2004 London/Vereinigtes Königreich: Laut der britischen Tageszeitung The Guardian kommt die Iraq Survey Group zu dem Schluss, dass es im Irak keine Massenvernichtungswaffen gibt. Der Abschlussbericht der Kommission soll in zwei Wochen veröffentlicht werden. San José/Costa Rica: Costa Rica wird sich aus der Irakkriegs-Koalition zurückziehen. Die Regierung reagiert damit auf eine Entscheidung des Verfassungsgerichts, das die Unterstützung für den Krieg als Verstoß gegen die Verfassung und internationale Verträge interpretierte. Scheveningen/Niederlande: Die EU-Finanzminister treffen sich in Scheveningen, um über eine Reform des Euro-Stabilitätspaktes zu beraten. Von einigen Seiten werden Lockerungen im Pakt gefordert. Vatikanstadt: Laut Berichten der Kathpress, katholische Presseagentur in Österreich, legt der Vatikan dem St. Pöltner Bischof Kurt Krenn nahe, in den nächsten Tagen seinen Rücktritt bekanntzugeben. Das Priesterseminar der St. Pöltner Diözese war vor kurzem vom päpstlichen Visitator Klaus Küng wegen verschiedener sexueller Affären, darunter auch ein Kinderporno-Skandal, geschlossen worden. Zwickau/Deutschland: Vier Jahre nach seiner Privatisierung wird das umgebaute August-Horch-Museum wiedereröffnet, das an den Automobilbauer August Horch und den Kraftfahrzeugbau im westlichen Sachsen erinnert.
Samstag, 11. September 2004 Griechenland: Petros VII., der Patriarch von Alexandria, geistliches Oberhaupt der etwa 250.000 orthodoxen Christen in Afrika, stirbt zusammen mit 16 weiteren Menschen bei einem Hubschrauber-Absturz vor der griechischen Halbinsel Chalkidiki. New York/Vereinigte Staaten: Am Platz des ursprünglichen World Trade Centers findet eine Gedenkfeier für die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 statt. Venedig/Italien: Bei den 61. Internationalen Filmfestspielen von Venedig wird der Film Vera Drake des britischen Regisseurs Mike Leigh mit dem Leone d’Oro prämiert.imdb.com: (englisch)
Sonntag, 12. September 2004 Deutschland: Am Tag des offenen Denkmals, veranstaltet wie jedes Jahr unter der Leitung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, wurden zahlreiche sonst in der Regel nicht zugängliche Denkmäler bei freiem Eintritt geöffnet. International wird dieser Event als European Heritage Days durchgeführt.