miniatur|Moritz von Königswarter (Porträt von Theodor Mayerhofer, 1884) mini|Grab von Moritz von Königswarter und seiner Gattin Charlotte auf dem Wiener Zentralfriedhof
Moritz Freiherr von Königswarter, in einigen Veröffentlichungen auch Moriz (* 16. Juli 1837 in Wien; † 14. November 1893 ebenda), war ein österreichischer Bankier. Er war Mitglied des österreichischen Herrenhauses und jüdischer Philanthrop.
Leben Königswarter wurde 1860 Gesellschafter und 1872 Leiter der Bank seines Vaters Jonas Freiherr von Königswarter. Von 1879 bis 1881 gehörte er dem Verwaltungsrat der Creditanstalt an. Er war auch einige Zeit dänischer Generalkonsul in Wien und Direktor der Nordbahn sowie Mitglied des Staatsschulden-Kontrollausschusses. Ferner gehörte er zu den Mitbegründern der am 15. Oktober 1893 (in krankheitsbedingter Absenz Königswarters) eröffneten Israelitisch-Theologischen Lehranstalt (Rabbiner-Seminar) in Wien (Tempelgasse 3).Eröffnung der israel(itisch)-theol(ogischen) Lehranstalt in Wien. In: Joseph Samuel Bloch: Dr. Blochs Österreichische Wochenschrift. Nr. 42.1893 (X. Jahrgang), 20. Oktober 1893, . Wien 1893, S. 818–822. – Volltext online.
Königswarter errichtete und unterhielt das auf den 1840 gegründeten Verein zur Förderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten zurückgehende jüdische Lehrlingsheim in der Grünentorgasse 26, Wien-Alsergrund, das bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten, 1938, existierte und das als Heim- und Lehrstätte im Jahre seiner Schließung 118 Waisenknaben beherbergte.Angelika Shoshana Duizend-Jensen, Historikerkommission der Republik Österreich (Hrsg.): Jüdische Gemeinden, Vereine, Stiftungen und Fonds. „Arisierung“ und Restitution. Wien 2002, S. 27. (Gedruckte Ausgabe 2004: ISBN 3-7029-0499-9). – , abgerufen am 30. November 2012. Kurz vor seinem Ableben stiftete Königswarter dem Verein zur Errichtung und Unterhaltung von Wärmestuben 100.000 Gulden.Neue Freie Presse: Baron Moriz Königswarter, S. 5, sowie Michaela Feurstein(-Prasser), Gerhard Milchram: Jüdisches Wien. Stadtspaziergänge. Böhlau, Wien 2001, ISBN 3-205-99094-3, S. 100. Zahlreiche andere humanitäre Institutionen sind mit dem Namen Königswarters verbunden, unter anderem das Israelitische Blindeninstitut auf der Hohen Warte sowie die Kaiser-Franz-Josephs-Stiftung.Neue Freie Presse: Baron Moriz Königswarter, S. 5.
Im Jahr 1879 wurde Königswarter zum Mitglied des österreichischen Herrenhauses auf Lebenszeit ernannt.
Nach schweren Leiden verstarb Moritz von Königswarter in seinem Palais am Kärntner Ring 4, Wien-Innere Stadt. Gemäß seinem letzten Willen wurde sein Leichnam obduziert. Die vom Pathologen Richard Paltauf vorgenommene Leichenöffnung erbrachte unter anderem ein hühnereigroßes, etwa eineinhalb Jahre altes Gliom im linken unteren Hirnlappen. Königswarter wurde am 16. November 1893 auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattet, wo er ein Ehrengrab erhielt (Tor 1, Gruppe 5b, Reihe 1, Nr. 7).Hedwig Abraham: Moritz Königswarter, Freiherr von. In: viennatouristguide.at, abgerufen am 30. November 2012.
Moritz von Königswarter war seit dem 28. Oktober 1860 mit der bekannten Philanthropin Charlotte Edle von Wertheimstein (* 2. Dezember 1841 in Wien; † 13. März 1929 ebendort). In: onb.ac.at, Frauen in Bewegung, 29. Jänner 2009, abgerufen am 18. März 2013. verheiratet gewesen.Ernst August Krahl, Richard Graf Belcredi (Hrsg.): Mährisches Wappenbuch vom Jahre 1888. (Wappenalbum des mährischen Großgrundbesitzes. Die Markgrafschaft Mähren in kunstgeschichtlicher Beziehung). Beheym-Verlag, Gessertshausen 1986, S. 64. Von seinen drei Söhnen wurde der zweitgeborene, Hermann (1864–1915), zum Universalerben bestimmt.Neue Freie Presse: Baron Moriz Königswarter, S. 6. Die Annahme, der Obduktionsbefund könnte Grundlage für die Anfechtung des Testaments durch die beiden minderberücksichtigt gebliebenen Söhne sein, wurde von den drei Brüdern unisono zurückgewiesen.
Literatur
Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Mit mehr als 8000 Lebensbeschreibungen namhafter jüdischer Männer und Frauen aller Zeiten und Länder, Ein Nachschlagewerk für das jüdische Volk und dessen Freunde. Band III: Harischon – Lazarus. Verlag Orient, Cernăuți 1928, S. 482.
Weblinks
Königswarter, Moriz Ritter (1860), Freiherr von (1871). Kurzbiografie auf der Webseite des Österreichischen Parlaments
Einzelnachweise
Kategorie:Person (Nejdek) Kategorie:Bankier Kategorie:Mitglied des Herrenhauses (Österreich) Kategorie:Unternehmer (Österreich-Ungarn) Kategorie:Unternehmer (Kaisertum Österreich) Kategorie:Person des Judentums (Wien) Kategorie:Freiherr Moritz Kategorie:Geboren 1837 Kategorie:Gestorben 1893 Kategorie:Mann