Die Liebe: Psychologie eines Phänomens ist ein Sachbuch des deutschen Psychologen Peter Lauster. Der Bestseller erreichte eine Auflage von mehr als einer Million Exemplaren und führte als Taschenbuch 15 Jahre lang die Bestsellerlisten an. Die Erstausgabe erschien 1980 im Econ Verlag.Vergleiche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Die 39. Auflage erschien 2009 als rororo-Sachbuch im Rowohlt Verlag.Vergleiche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Eine Neuausgabe veröffentlichte Rowohlt 2006Vergleiche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek; außerdem wurden Sonderausgaben veröffentlicht.Vergleiche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek 1995 erreichte die Rowohlt-Taschenbuchausgabe eine Auflage von 750.000. Exemplaren.Vergleiche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Inhalt Lauster stellt seinem Buch zwei Zitate voran, eines von Ingeborg Bachmann („Lieben – lieben, das ist es. Lieben ist alles“) sowie ein Gedicht von Albert Ehrenstein, in dem es heißt „Den Liebenden stäubt Mond/Ein sanftes Licht/Milchmild auf Meer“.peterlauster.de (PDF; 81 kB) Im Vorwort erklärt er, er habe sich seit mehr als zwanzig Jahren mit der Klärung des Phänomens beschäftigt. Sein Buch sei eine „Liebeserklärung an die Liebe und das Leben“.Vorwort (PDF; 81 kB) Das Buch ist in drei Teile gegliedert; der erste Teil beschäftigt sich mit den „Neun Mythen der Liebe“, Teil zwei befasst sich mit „Was mit der Liebe geschieht“, der dritte Teil trägt die Überschrift „In der Kunst zu lieben liegt der Sinn des Lebens“.

Die neun Mythen der Liebe Die Liebe ist ein psychisches Phänomen und deshalb den spezifischen und heute bekannten naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden nur äußerst schwer zugänglich. Sie erschließt sich uns über das Erlebnis und wir sollten den Mut haben, zu unseren subjektiven Erfahrungen zu stehen, denn das Subjektive ist die Basis unseres persönlichen Erlebens. Die Mehrzahl der Menschen ist in der Entfaltung ihrer Liebesfähigkeit gehemmt und blockiert. Das Geheimnis der Liebe ist seelische Wachheit und Freiheit. Das Geheimnis von Wachheit und Freiheit ist wiederum Mut. Deshalb müssen wir mutig sein um glücklich zu werden; denn die Liebe ist der Weg zu Glück, Zufriedenheit, Gesundheit und Weisheit. Die Liebe kann man nicht empirisch-experimentell untersuchen. Sie lässt sich nicht messen, testen oder quantitativ erfassen und in Computern verrechnen. Über die Liebe muss man nachdenken, man muss sie erfahren und darüber beschreibend schreiben. Die Liebe gehört ins Gebiet der Seelenforschung. Psychologen sind immer wieder dazu gezwungen, sich mit dem Thema Liebe auseinanderzusetzen. Als beratender Psychologe versucht man, anderen zu helfen, mit ihrer Psyche besser zurechtzukommen. Man versucht, Ängste abzubauen, innere Ruhe zu vermitteln, Lebensmut zu erzeugen. Alle Fragen der Patienten kreisen um das Thema seelisches Wohlbefinden und letztendlich um das Thema Liebe.

1) „Sexualität macht frei“ Sexualität und Liebe sind zwei Vorgänge, die zwar zusammengehören, die jedoch nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Beides ist unabhängig voneinander erlebbar. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, hat der Entfaltung und Befreiung der sexuellen Triebenergie eine große Bedeutung für die seelische Gesundheit zugeschrieben. Bereits ein Kind durchläuft sexuelle Phasen, die orale, anale und genitale Phase. Diese Phasen sind für das spätere Sexualleben des Erwachsenen von Bedeutung. Wilhelm Reich hat, auf Freud aufbauend, die Funktion der Sexualität für die Entstehung psychischer Störungen in den Mittelpunkt gestellt. Nach Reich ist die Ableitung sexueller Erregungsenergie durch den Orgasmus eine Voraussetzung für das körperliche und psychische Wohlbefinden, wogegen die aufgestaute Erregung zu Spannungszuständen führt, zu allgemeinen und speziellen Muskelverkrampfungen, zu seelischer Gespanntheit sowie zu Frustrationsreaktionen. Sowohl Freud als auch Reich leisteten für die Befreiung (Anerkennung) der Sexualität wichtige Voraussetzungen, so dass nach dem Zweiten Weltkrieg der Liberalisierungsprozess stetig fortschreiten konnte. Pornographische Abbildungen sind heute zugelassen. Junge Paare können auch ohne Trauschein eine Wohnung finden und zusammenleben. Die Homosexualität ist nicht mehr strafbar. Die befreite Sexualität befreit auch die Gesellschaft. Die Sexualität hat heute vor der Liebe eine Dominanz erreicht, so dass die Trennung zwischen Liebe und Sexualität, aber auch die Bedeutung ihrer Gemeinsamkeit, nicht mehr richtig gesehen werden. Die Sexualität wird so wichtig genommen, dass sie oft mit Liebe verwechselt wird und dass geglaubt wird, ein sexuelles Erlebnis sei die Voraussetzung für die Liebe. Die Grenzen sind oft verwischt, so dass der einzelne nicht mehr weiß, ob er liebt oder nicht liebt. Die Sexualität wird konsumiert. Die Konsum-Mentalität ist eine innere Unfreiheit, weil sie zwanghaftes und süchtiges Verhalten hervorruft. Sexualkonsum zeigt keine Freiheit an und führt zu keiner inneren Befreiung, sondern baut, wo körperliche und seelische Spannung reduziert wird, an anderer Stelle neue seelische Spannung der Unausgefülltheit und Unzufriedenheit auf.

2) „Sexualprobleme gelöst – alle Probleme gelöst“ Jeder, der eine befriedigende sexuelle Beziehung erlebt hat oder erlebt, weiß, dass damit natürlich nicht alle Probleme gelöst sind. Ein befriedigendes Sexualleben ist eine wichtige Sache, aber die Psyche und das menschliche Leben sind komplizierter. Um alle Probleme zu lösen, muss die Liebe hinzukommen, aber nicht nur die Liebe zu einem speziellen Sexualpartner, sondern eine generelle Liebe, eine Entfaltung der gesamten psychologischen Liebesfähigkeit. Die Sexualität ist eine biologische Funktion, sie drängt sich auf. Sie ist ein Trieb, mit dem wir lernen müssen umzugehen. Ohne Liebe lassen sich keine Sexualprobleme lösen. Nur die Liebe schafft die Voraussetzung dafür, dass die Sexualität an Schönheit, Klarheit und seelischer Freude gewinnt. Sexualität ohne Liebe ist schal und leer, sie macht eher melancholisch und depressiv als dynamisch und aktiv. Es sollte eher heißen „Liebesprobleme gelöst – Alle Probleme gelöst“, dann könnte man zustimmen.

3) „Der Orgasmus ist das Ziel der Liebe“ Der Orgasmus ist die Entladung der Triebenergie. Das Ziel ist die biologische Aufgabe der Fortpflanzung. Die Lustgefühle sind ein Trick der Natur, damit die eigene Arterhaltung keine lästige Pflicht ist, sondern ein Vergnügen. Der lustvoll und befriedigend erlebte Orgasmus gibt die beste Gewähr dafür, dass er wiederholt wird und die Spezies Mensch nicht ausstirbt. Der Orgasmus ist also das Ziel der Sexualität, deren Aufgabe die Arterhaltung ist. Diese körperlichen Vorgänge sind nicht an die Liebe gebunden. Wenn jedoch Liebe hinzukommt, umso besser, weil dann das sexuelle Erleben an Schönheit gewinnt. Die Liebe findet ihre Befriedigung in jeder Form der seelischen und körperlichen Zuneigung. Dadurch entsteht ein Glücksgefühl. Das sexuelle Gesamterlebnis mit einem Partner, der nicht geliebt wird, wird als weniger befriedigend empfunden als mit einem geliebten Partner. Aber die Liebe hat eine breitere Funktion als die Sexualität. Die Liebe ist ein generelles Prinzip, das zu allen Erlebensvorgängen hinzukommen kann. Alle Lebensvorgänge laufen auch ohne Liebe ab. Und die meisten Menschen leben im Alltag auf diese Weise funktional, ohne den Zusatz der Liebe zu anderen und sich selbst. Viele leben sogar mit dem Zusatz Hass und Verachtung – um diese beiden Begriffe als Gegensatz der Liebe zu wählen. Ein Leben ohne Liebe, ja sogar mit Hass, ist möglich und weit verbreitet. Ein Orgasmus ist auch möglich, wenn man den Sexualpartner hasst; so sicher funktioniert die Sexualität im Dienst der Arterhaltung.

Mit der Beschreibung der ersten drei Mythen über die Liebe wurde deutlich, dass Liebe und Sexualität sich zwar verbinden können, aber nicht müssen. Die Loslösung der Liebe von der Sexualität ist für das weitere Verständnis der Liebe (als eine psychische Erscheinung) die Voraussetzung.

4) „Technik ist wichtig für eine befriedigende Sexualität“ Es ist ein weit verbreiteter Irrtum unter Männern, dass die Beherrschung bestimmter Stellungs- oder Stimulierungstechniken zur Luststeigerung die Partnerin besonders nachhaltig befriedigen könnte. Sie glauben dadurch würde ihre Frau „sexuell hörig“. Diese „sexuelle Hörigkeit“ ist eigentlich nur eine Bindung an die Persönlichkeit und Autorität des Partners. Sie ist eine Form der leidenschaftlichen Liebe, verbunden mit Unterordnungsbereitschaft und Autoritätsgläubigkeit; dabei spielt auch eine Neigung zum Masochismus hinein. Dieser Zustand der „sexuellen Hörigkeit“ ist für beide Partner nichts Erstrebenswertes, denn Abhängigkeit sollte nicht das Ziel einer Beziehung sein. Abhängigkeit bringt immer Leid, Schmerz, Kummer und Angst mit. Die Abhängigkeit einer Frau ist zunächst für ein schwaches Selbstbewusstsein eine stärkende Empfindung, aber das Interesse erlahmt sehr schnell, wenn das Selbstbewusstseinsdefizit seine Schmeicheleinheiten erhalten hat. Die aufgebaute Hörigkeit wird dann zu einer abgestumpften Gewohnheit und allmählich lästig. Durch das Erlernen sexueller Techniken wird die Sexualität außerdem zu einer körperlichen Gymnastikübung degradiert. Wenn man sich auf die Technik konzentriert, setzt der Verstand ein und dadurch werden Gefühle der Zuneigung, Wärme, Liebe, Geborgenheit, Bewunderung, Respekt verbunden mit Mitgefühl, Hingabe und Selbstaufgabe weggedrängt oder gar ausgeschaltet. Technik kann niemals Liebe erhalten oder gar erzeugen! Außerdem entsteht durch den Einsatz solcher eingeübten Techniken Routine, Gewohnheit, Banalität und Langeweile. Es kann sich nunmal nichts kreatives, schöpferisches entwickeln.

Das Wichtigste ist, alles zu lieben, was mit dem eigenen und fremden Körper zu tun hat, ein spontan positives Verhältnis zu den Körperempfindungen und zu dem anderen Körper zu haben, selbstverständlich verbunden mit Liebe für seine Individualität, seine Persönlichkeit, seine Einzigartigkeit, dann ergibt sich die schöpferische Freude aus jeder einzelnen Wahrnehmung und Empfindung von selbst.

5) „Liebe in der Jugend ist anders als im Alter“ Verliebtsein und Liebe sind prinzipiell an kein Alter geknüpft. Dennoch ist für viele Menschen die Liebe in der Jugend anders als im Alter, denn in der Jugend ist sie neu und frisch, die Liebesfähigkeit beginnt sich zu entfalten, und in dieser Zeit neuer Erfahrungen werden Liebe und Sexualität besonders stark empfunden. Die Intensität der Empfindungen ist für viele in der Jugend stärker als mit zunehmendem Alter, da die meisten Menschen in einer Partnerschaft leben, in der die Liebe abgestumpft ist und die Sexualität eine uninteressante Gewohnheit geworden ist.