mini|hochkant=2|Töpfersignatur des Exekias, Dionysos-Schale, München, Staatliche Antikensammlungen 8729;Inschrift: „Exekias hat es geschaffen …“ Exekias ( oder jünger ) war ein griechischer Töpfer und Vasenmaler des schwarzfigurigen Stils, der um 550 bis 530 v. Chr. in Athen tätig war.

Leben, Stil und Werk Exekias gilt als einer der bedeutendsten und innovativsten Künstler des schwarzfigurigen Stils.Heide Mommsen: Exekias. In: Der Neue Pauly. Band 4, Sp. 340. Anders als viele andere Vasenmaler begann Exekias seine Laufbahn als Töpfer. Seine ersten signierten Arbeiten, zwei Amphoren, schuf er für Maler der Gruppe E.Heide Mommsen: Beobachtungen zu den Exekias-Signaturen. In: Metis. Band 33, 1998, S. 44–46 Abb. 7–8: Paris, Louvre F 53 (Einträg in der Museumsdatenbank: F 53.1: Amphora des Exekias und F 53.2: Deckel der Amphora) und Toledo (Ohio), Toledo Museum of Art 1980.1022 (Eintrag in der Museumsdatenbank). Aus der Gruppe E ging Exekias auch hervor. Insgesamt sind heute 15 Vasen bekannt, die mit der Töpfersignatur des Exekias versehen sind.Darunter sechs Schalen, die sicher nicht von ihm bemalt sind. So Heide Mommsen: Beobachtungen zu den Exekias-Signaturen. In: Metis. Band 33, 1998, S. 46–49 Abb. 9–14; Peter Heesen: Athenian Little-Master Cups. Amsterdam 2009, S. 89–95: Kleinmeister-Schalen: Paris, Louvre F 54 (Eintrag in der Museumsdatenbank); München, Staatliche Antikensammlungen 2125; Civitavecchia, Museo Archeologico Nazionale 4861; Genf, Musée d’art et d’histoire A 2003-0038 (Leihgabe; Eintrag in der Museumsdatenbank); ehemals Basel und London, Kunsthandel. Sianaschale: Athen, Nationalmuseum 1104 (CC 692). Mehrere Vasenformen (Halsamphoren, Bauchamphoren des Typs A, Augenschalen, Kelchkratere) hat er, wohl angeregt durch ostgriechische Keramikformen, neu- oder umgestaltet. Seine Töpferarbeiten haben die Töpfer der folgenden Generationen nachhaltig beeinflusst.

Exekias ist jedoch noch bekannter als Vasenmaler. Vier von ihm getöpferte Vasen tragen auch seine Malersignatur.Halsamphora Berlin F 1720; Halsamphora London, British Museum B 210; Bauchamphora Vatikan 16757 und Amphorenfragmente Tarent 179196. Etwa 30 weitere Werke können ihm aufgrund stilistischer Analysen zugewiesen werden. Es ist nur eine kurze Schaffensphase für Exekias als Maler anzunehmen, da sowohl auf frühen wie auf späten Vasen der Kalos-Name Onetorides angegeben ist und Epheben wie Onetorides nur eine begrenzte Zeit in dieser Weise gewürdigt wurden. Seine Malerarbeiten werden in das dritte Viertel des 6. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Auch als Maler scheint er von Vertretern der Gruppe E beeinflusst worden zu sein, wenngleich ein größerer Einfluss des Nearchos angenommen wird.

mini|Bauchamphora, Vatikan 16757, Aias und Achill beim Brettspiel Als Maler gab er der schwarzfigurigen Vasenmalerei entscheidende Impulse. Die Anordnung der Dekorationen sowie die Wahl und Ausführung der Ornamente sollten den schwarzfigurigen Stil bis zu seinem Ende mitprägen. Seine Spiralmuster unter den Henkeln sind von besonderer Feinheit.John Boardman: Schwarzfigurige Vasen aus Athen. Philipp von Zabern, Mainz 1977, S. 63. Von ihm und Amasis wurden auch die ersten bedeutenden Bildfeldamphoren geschaffen, bei denen beidseitig jeweils ein erzählendes Bild vorhanden ist. Mit seiner Kunstfertigkeit erschloss Exekias trotz der Einschränkung des schwarzfigurigen Stils ganz neue Aussagemöglichkeiten. Das gelang ihm zum Teil durch neue Bildideen, vor allem jedoch durch die Darstellungsweise, die den Figuren ein für den Zeichenstil ganz neues Eigenleben einhaucht. Er ist der erste Vasenmaler, der bei den Bildern nicht erst das Ergebnis einer Aktion zeigt, sondern schon den Weg zu dieser. Seine Figuren erreichen eine besondere Tiefe, wie es bis dato in der griechischen Kunst nur die Dichter darzustellen vermochten. So zeigt er auf einer heute im Museum in Boulogne-sur-Mer befindlichen Amphore mit der Darstellung des Selbstmords des Aias den Helden des Trojanischen Krieges bei der Vorbereitung zu der Tat, und nicht wie bislang erst nach der Durchführung. Exekias gelingt es, die Gefühle und Entschlossenheit des Aias zum Ausdruck zu bringen. Exekias schafft es in seinen Werken, den Figuren Würde zu verleihen. Wo die älteren Vasenmaler Menschen nur als Puppen darstellen konnten und es der Amasis-Maler schon erreichte, sie wie Menschen zu zeigen, schaffte es Exekias, die Menschen göttlich zu zeigen und damit die Klassische Kunst vorwegzunehmen. John Boardman sieht in Exekias den ersten Künstler der europäisch-westlichen Kultur.

mini|Dionysos-Schale, München, Staatliche Antikensammlungen 8729 Auf seiner bekannten Augenschale, der Dionysos-Schale (München, Staatliche Antikensammlungen 8729), stellt er den Gott Dionysos dar, der wie ein Zecher auf einem Schiff liegt. Das ihn als göttliche Figur darstellende Attribut ist eine am Schiffsmast entlang wachsende Weinranke, das Symbol des Gottes. Ein weiteres von Exekias erfundenes Bildmotiv ist das des Aias und des Achill beim Brettspiel (Bauchamphora Vatikan 16757). Für diese Szene gibt es keine literarische Grundlage, sie entsprang einzig der Kreativität des Malers.Siehe Lucía Romero Mariscal: Ajax and Achilles Playing a Board Game: Revisited from the Literary Tradition. In: The Classical Quarterly NS Bd. 61, 2011, S. 394–401; Sheramy Bundrick: Altars, Astragaloi, Achilles: Picturing Divination on Athenian Vases. In: S. Blakely (Hrsg.): Gods, Objects, and Ritual Practice. Lockwood Press, Atlanta 2017, ISBN 978-1-937040-79-6, S. 53–74. Überhaupt hat er ein besonderes Interesse für den Trojanischen Krieg und ganz besonders für den Helden Aias. Ein Motiv, das ebenfalls bei ihm zum ersten Mal begegnet, ist der umkehrende Streitwagen.

Seine Arbeiten sind technisch sehr sauber und scheinen sich an den Bildhauern seiner Zeit zu orientieren. Da seine Werke alle qualitativ hochwertig sind – John Boardman spricht von Exekias als einem „Perfektionisten“ –, ist eine Stilentwicklung nur schwer nachzuvollziehen. Exekias muss auch zu seinen Lebzeiten als Handwerker hoch angesehen gewesen sein, anders ist es kaum zu erklären, dass er für einen wohlhabenden Athener einen Satz von mindestens 15 Grabpinakes bemalt hat, deren Fragmente sich heute in der Antikensammlung Berlin befinden. Auch hier erschloss er neue Betrachtungsweisen. In der Gesamtkonzeption sind die Grabtafeln des Exekias mit der gleichzeitigen Tafelmalerei ebenbürtig. Der „Erfinder“ der rotfigurigen Vasenmalerei, der Andokides-Maler, war wahrscheinlich Schüler des Exekias und malte auch im neuen Stil noch in der Art seines Lehrmeisters.

Fundorte Werke des Exekias haben sich einerseits in Athen (Akropolis, Heiligtum der Nymphe, Kerameikos) und andererseits in Italien gefunden. Einige wenige Fragmente kommen aus Süditalien (Heiligtum der Persephone in Mannella bei Lokroi Epizephyrioi, Heiligtum der Aphrodite in Satyrion), der überwiegende Teil seiner Werke jedoch aus den Nekropolen Etruriens (Cerveteri, Chiusi Orvieto, Tarquinia, Vulci). Fragmente kommen auch aus zwei keltischen Oppida in Südfrankreich (Montlaurès und La Monédière bei Bessan).Zu den Fundorten ausführlich Christoph Reusser: Fundorte und Fundumstände von Vasen des Exekias. In: Christoph Reusser, Martin Bürge (Hrsg.): „Exekias hat mich gemalt und getöpfert“. Ausstellung in der Archäologischen Sammlung der Universität Zürich, 9.11.2018–31.3.2019. Archäologische Sammlung der Universität Zürich, Zürich 2018, ISBN 978-3-905099-34-8, S. 73–92.

Werkliste Die Nummerierung folgt John D. Beazley, Stücke mit x waren Beazley noch nicht bekannt bzw. wurden von ihm nicht Exekias zugeschrieben.Siehe Christoph Reusser: Werke des Exekias. Catalogue raisonné. In: Christoph Reusser, Martin Bürge (Hrsg.): „Exekias hat mich gemalt und getöpfert“. Ausstellung in der Archäologischen Sammlung der Universität Zürich, 9.11.2018–31.3.2019. Archäologische Sammlung der Universität Zürich, Zürich 2018, ISBN 978-3-905099-34-8, S. 331–334.

Halsamphoren 1. Berlin, Antikensammlung, F 1729, A: Herakles mit dem nemeischen Löwen; B: Akamas und Demophon als Pferdeführer 1bis. Basel, Sammlung Herbert A. Cahn 300, vier Fragmente, A: Anschirrung eines Wagens; B: Pferd mit Begleiter 2. Narbonne, Musée Archéologique 04.1.1.1-8 Fragmente aus Montlaurès, Apollo, Artemis und Leto 3. New York, Metropolitan Museum of Art 17.230.14, A und B: Ausfahrt mit QuadrigaEintrag in der Museumsdatenbank. 4. Boston, Museum of Fine Arts 89.273, A und B: Anschirrung eines WagensEintrag in der Museumsdatenbank. 5. Berlin, Antikensammlung F 1718 (Kriegsverlust). A: Krieger, der einen toten Krieger trägt (Aias mit der Leiche des Achill ?); B: Kriegers Abschied 6. München, Staatliche Antikensammlungen 1470, A und B: Krieger, der einen toten Krieger trägt (Aias mit der Leiche des Achill ?) 7. London, British Museum 1836.2-24.127 (B 210), A: Achill und Penthesileia; B: Dionysos und OinopionEintrag in der Museumsdatenbank. 8. London, British Museum 1849.5-18.10 (B 209), A: Achill und Penthesilea (?); B: Memnon und seine afrikanischen KnappenEintrag in der Museumsdatenbank. Budapest, Szépművészeti Múzeum 50.189, A: Krieger mit Quadriga; B: Dionysos mit Satyrn und MänadenParalipomena 61; Eintrag in der Museumsdatenbank. Reggio di Calabria, Museo Archeologico Nazionale o. Nr. und 26996 Fragmente aus Lokroi Epizephyrioi, A: Dionysos und Frau mit Kind; B: Gigantomachie (?)Paralipomena 61. Panathenäische Preisamphora 8bis. Karlsruhe, Badisches Landesmuseum 65/64, A: Athena; B: Ringer Bauchamphoren 9. Orvieto, Museo Etrusco Claudio Faina 2748 (78), A: Götterversammlung mit Herakles; B: Herakles und Kerberos 10. Orvieto, Museo Etrusco Claudio Faina 2747 (77), A: Kriegers Abschied mit Quadriga; B: Ausfahrt mit Quadriga 11. Orvieto, Museo Etrusco Claudio Faina 2745 (187), A: Athena mit Quadriga, Herakles, Gottheiten; B: Ausfahrt mit Quadriga 12 Paris, Louvre F 206, A: Kampfszene mit stürzendem Pferd; B: Ausfahrt mit QuadrigaEintrag in der Museumsdatenbank. 13. Vatikan, Vatikanische Museen 16757 (Albizatti 344), A: Achill und Aias beim Brettspiel; B: Dioskuren, Tyndareos und Leda 14. Philadelphia, University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology MS 3442, A: Kampfszene über dem toten Achill; B: Kampf über dem toten AntilochosEintrag in der Museumsdatenbank. 15. Leipzig, Antikenmuseum der Universität Leipzig T 355a–c und T 391, Fragmente (Kriegsverluste), A: Achill und Aias beim Brettspiel (?)T 355a–c gehören zur Vorderseite der Vase Nr. 18bis; T 391 passt an Nr. 18bis an. E. Anne Mackay: Tradition and Originality: A Study of Exekias (= British Archaeological Reports International Series 2092). Archaeopress, Oxford 2010, ISBN 978-1-4073-0568-4, S. 311–314 Nr. 30 Tafel 73. 16. Philadelphia, University of Pennsylvania Museum of Archaeology and Anthropology MS 4873 A und B, A: Krieger mit grasendem Pferd; B: Bogenschütze mit grasendem PferdEinträge in der Museumsdatenbank: A, B, dazu ein weiteres kleines Fragment MS 4873 C. 17. Lund, Lund University, Historical Museum LA 655 (aus der Sammlung Sam Wide), Fragment, Oberkörper des Theseus 18. Boulogne-sur-Mer, Musée 558, A: Selbstmord des Aias; B: Ausfahrt mit Quadriga 18bis. Cambridge, Museum of Classical Archaeology UP 114, Fragment, B: Jüngling mit HundRückseite der Vase Nr. 15, passt an Leipzig T 391 an. E. Anne Mackay: Tradition and Originality: A Study of Exekias (= British Archaeological Reports International Series 2092). Archaeopress, Oxford 2010, ISBN 978-1-4073-0568-4, S. 311–314 Nr. 30 Tafel 73. Berlin, Antikensammlung F 1699 (Kriegsverlust), A und B: Tierfries auf der MündungNur der Mündungsfries ist von Exekias, die beiden Bildseiten A: Geburt der Athena; B: Theseus und Minotauros sind von einem Maler der Gruppe E; ABV 136, 53.