mini|Containerschiffe der Mærsk Line im Hafen Rotterdam Seehandel (früher Kauffahrtei) bezeichnet den gewerblichen Handel von Gütern mit Handelsschiffen (früher Kauffahrer/Kauffahrteischiff) über das Meer. Da der Transport von Rohstoffen, Bodenschätzen und Erzeugnissen mit Schiffen häufig deutlich kostengünstiger im Vergleich zum Transport auf dem Landweg ist, dominiert der Transport von Gütern per Verschiffung. Alternativ wird für den Seehandel auch die Bezeichnung Überseehandel verwendet.
Geschichte Darstellungen von Schiffen aus frühester ZeitFrank Müller-Römer: Transporte auf dem Nil mit Booten und Schiffen im Alten Ägypten. Viele Abbildungen von Booten im Alten Ägypten. zeigen, dass die Menschheit bereits im AltertumCheryl Ward: World’s Oldest Planked Boats. auf Archaeology.org. und in der Vorzeit den Weg über die See gesucht hat. Das führte zur Entdeckung und Eroberung bislang unbekannter Kontinente. Dabei waren die Grenzen zwischen Seehandel und Piraterie fließend.D. M. Loades: The Making of the Elizabethan Navy, 1540–1590: From the Solent to the Armada. Boydell, Woodbridge 2009. S. 121.
Antike Ägypten Um 3000 v. Chr. wurden in Ägypten erstmals bei größeren Schiffen die Paddel durch die kräftesparenderen Riemen (Ruder) ersetzt, dies ist die erste große bekannte Revolution im Schiffsantrieb.
Pharao Psammetich I. (664–610 v. Chr.) hielt sich eine griechische Söldnerflotte und förderte den griechischen Handel in seinem Reich.
mini|Seetaugliches Boot (Ägypten, 1250 v. Chr.) Sein Nachfolger Necho II. (609–594 v. Chr.) verstärkte die maritimen Anstrengungen mit dem Bau eines schiffbaren Kanals vom Nil ins Rote Meer.
Phönizier Die Phönizier waren ein semitisches Volk des Altertums, das in Phönizien, vor allem im Bereich des heutigen Libanons, an der Mittelmeerküste lebte. Sie gründeten ab dem frühen 1. Jahrtausend auf Zypern, Sizilien, Sardinien, Spanien und Portugal sowie an der nordafrikanischen Küste zahlreiche Kolonien. Unter anderem gründeten die Phönizier die heutigen Städte Cádiz und Málaga (Spanien). Die Phönizier entwickelten ab ca. 1000 v. Chr. seegängige Segelschiffe.libanon-info.de
China Im Gebiet südlich der Mündung des Jangtsekiang lebte das Volk der halbchinesischen Yüeh. Dieses betrieb um 510 v. Chr. Fluss- und Küstenschifffahrt. Das Reich Wu unterwarf ungefähr 450 v. Chr. das Volk der Yüeh. Dadurch kam erstmals ein Volk, das Seefahrt betrieb, unter die Oberhoheit der Chinesen. Zhèng Hé 鄭和 (* 1371 Kunming in der Provinz Yunnan; † 1433 oder 1435) gilt als der berühmteste chinesische Admiral und einer der bedeutendsten Seefahrer des 2. Jahrtausends nach Christus. Zheng He unternahm mit gewaltigen Flotten zwischen 1405 und 1433 sieben große Expeditionen in den Pazifik und den Indischen Ozean.
Griechenland Athen eroberte um 610 v. Chr. in einem mehrjährigen Krieg mit Megara die Insel Salamis.Ronald P. Legon: Megara, the Political History of a Greek City-State to 336 B.C. Cornell Univ. Pr., April 1981, ISBN 0-8014-1370-2. Danach begann man, Seeverbindungen durch die Dardanellen und den Bosporus mit dem Schwarzen Meer aufzubauen. Bereits zuvor hatte Milet ab der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts v. Chr. zahlreiche Kolonien am Marmarameer und an den Küsten des Schwarzen Meers gegründet.umfassend dazu: Norbert Erhardt: Milet und seine Kolonien. P.-Lang-Verlag, Michigan 1983, ISBN 3-8204-7876-0. Im Zuge der Großen Kolonisation wurden mehr und mehr Tochterstädte (Apoikien) gegründet. Zu den größten Handelszentren zählten Taras, Kyme, Sybaris, Kroton, Neapel, Naxos, Rhegion und Syrakus. Korinth, das eine der bedeutendsten Seemächte in der griechischen Welt war, baute zu dieser Zeit die besten Schiffe und hatte nach Thukydides gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. die Triere erfunden.Thukydides, Der Peloponnesische Krieg 1,13,2-5
Karthago Am Kreuzungspunkt der Handelsrouten zwischen dem östlichen und westlichen sowie dem nördlichen und südlichen Mittelmeer gelegen, war Karthago zudem einer Hauptumschlagplätze für ausländische Güter.ancientmilitary.com Silber importierten die Karthager vor allem aus Südspanien, wo sich in der Nähe der Stadt Carthago Nova (heute Cartagena) ertragreiche Bergwerke befanden. Gold kam wahrscheinlich durch direkten oder indirekten Handel aus Westafrika. Der Bedarf an weniger wertvollen Metallen wie Kupfer und Eisen konnte wohl durch heimische Vorkommen in Nordafrika gedeckt werden. Unter dem Seefahrer Himilkon unternahmen die Karthager sogar eine Expedition nach Britannien, um die dortigen Zinnvorkommen zu erschließen.
Die Punier zerstörten um 540 v. Chr. die Handelsstadt Tartessos. Tartessos () war nach der klassischen Überlieferung ein Königreich bzw. eine Hafenstadt an der Südküste der iberischen Halbinsel. In der Antike war die Stadt für ihren sagenhaften Metallreichtum bekannt.
Rom Im ersten punischen Krieg (264–241 v. Chr.) strandeten karthagische Kriegsschiffe an den Küsten Italiens. Die karthagische Schiffbautechnologie wurde kopiert und um den Corvus als römische Erfindung ergänzt. Innerhalb kurzer Zeit bauten die Römer eine leistungsfähige Werftindustrie auf und bauten eine Flotte, die es mit den Karthagern aufnehmen konnte.
Nach dem Sieg über Pyrrhus um 275 v. Chr. begann Rom, zur Erleichterung des Handels Münzen zu prägen. Es ist der Denar zu je vier Sesterzen zu je 2½ Assen. Zuvor hat Rom aufgrund des fehlenden Seehandels keinen Bedarf an Münzgeld gehabt. Immer mehr Römer kamen um 50 v. Chr. als Touristen nach Ägypten. Von Alexandria aus entwickelte sich eine Personenschifffahrt den Nil aufwärts zu den Sehenswürdigkeiten des Landes. Nach der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion begann die Pilgerfahrten nach Jerusalem.
Mittelalter Genua Da Genua einen natürlichen Hafen hatte, muss es als Seehafen benutzt worden sein, sobald man begann, im Tyrrhenischen Meer Schifffahrt zu betreiben.Phillips Payson O’Brien: Technology and naval combat in the twentieth century and beyond. Routledge, 2001, ISBN 0-7146-5125-7, S. 7. Mit nicht weniger Gewandtheit als Venedig nahm Genua all die Gelegenheiten des umfangreichen Speditionsverkehrs zwischen Westeuropa und dem Nahen Osten wahr, die sich durch die Kreuzzüge ergaben. Der Erfolg Genuas in Handel und Seefahrt während des Mittelalters ist umso bemerkenswerter, als es im Gegensatz zu den rivalisierenden Venezianern ständig von inneren UneinigkeitenKarl Otmar von Aretin: Das Alte Reich 1648–1806. In vier Bänden. Band 3. Klett-Cotta, 1997, ISBN 3-608-91398-X, S. 69. geplagt wurde. Das einfache Volk und der Adel kämpften gegeneinander, rivalisierende Parteien unter den Adligen strebten danach, die Vormacht im Staat zu erlangen.
Hanse mini|Nordeuropa und die Hansestädte um 1400
1358 schlossen sich Fernkaufleute zur Hanse zusammen. Die Hanse beherrschte bis zum Aufstieg Englands und der Niederlande die Wirtschaft Nordeuropas.
In den Zeiten ihrer größten Ausdehnung waren beinahe 300 See- und Binnenstädte des nördlichen Europas in der Städtehanse zusammengeschlossen. Zwischen etwa 1350 und 1400 stand die Hanse als nordeuropäische Großmacht da. 1356 trat der erste Hansetag zusammen, an dem nahezu alle Hansestädte teilnahmen. Den Kern der Hanse bildeten etwa 72 Städte. Nach dem zweiten Waldemarkrieg war die Königswahl in Dänemark de jure abhängig von der Zustimmung der Hanse. 1669 hielten die letzten in der Hanse verbliebenen Städte, Lübeck, Hamburg, Bremen, Danzig, Rostock, Braunschweig, Hildesheim, Osnabrück und Köln den letzten Hansetag ab.
Venedig Zur Sicherung des Seehandels baute Venedig ab 1104 eine Schiffswerft, das Arsenal, das mehrmals erweitert wurde. Die hier gebauten Flotten begleiteten die regelmäßigen Kauffahrerkonvois und waren zugleich ein Mittel, die Piraterie einzudämmen.Rebecca M. Norris: Carpaccio’s “Hunting on the lagoon” and “two Venetian ladies”: A vignette of fifteenth-century Venetian life. In: College of Fine and Professional Arts of Kent State University Master of Arts Thesis. August 2007, abgerufen am 30. Januar 2010.Arsenal (Venedig) – Google Mapsvenediglive.de/arsenal
Der Seehandel mit Arabien brachte im Mittelalter den Stadtstaaten Venedig, Genua und Pisa große Gewinne ein. Gewürze, Stoffe, Duftstoffe, Drogen und Reis wurden von diesen Städten nach Europa importiert. Besonders Venedig wurde für diese Importe berühmt.
Spätestens seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts verkehrten Schiffskonvois meist zweimal pro Jahr. Dabei nahmen je 30 bis 50 Schiffe teil. Anfangs waren diese Schiffe, die in das Byzantinische Reich fuhren, kleiner, dafür ihre Zahl größer: meistens neun oder zehn Galeeren. Später fuhren oftmals nur zwei bis vier.
Treffpunkt aller Fernkaufleute waren die Internationalen Messen. Der Welthandelsplatz Venedig wurde zur ständigen Messestadt. Am Canal Grande und am Markusplatz wurden riesige Summen umgesetzt. Kaufleute, unter anderem aus Augsburg, Nürnberg und Ulm, hatten hier Niederlassungen.
Wikinger mini|Schiffsrouten der Wikinger in Nordeuropa
Das Wort Wikinger leitet sich vermutlich von dem altnordischen Substantiv víkingr (Maskulinum) ab, das „Seekrieger, der sich auf langer Fahrt von der Heimat entfernt“ bedeutet. Víking (Femininum) bedeutet zunächst nur die weite Schiffsreise, sekundär dann auch die „Kriegsfahrt zur See an entfernte Küsten“. Allerdings ist dies bereits das Endstadium der Wortentwicklung. Das Wort ist älter als die Wikingerzeit und bereits im angelsächsischen Wídsíð belegt. Im deutschen Sprachraum wurde „Wikinger“ erst im 19. Jahrhundert zu einem Allgemeinbegriff für nordische Seefahrer. Mit schnellen und wendigen Schiffen fuhren die Wikinger auf die Nord- und Ostsee hinaus und landeten in England, Island und auf dem europäischen Festland.
Neuzeit mini|Haupthandelsrouten des spanischen und portugiesischen Kolonialreichs
Amerika/Spanien Im Zuge der Kolonisation Amerikas wurden Gold und Silber in großen Mengen nach Europa importiert: Einmal jährlich segelte ein Schiffskonvoi zu den spanischen Kolonien in Amerika. Innerhalb eines Jahrhunderts konnte Spanien so zum reichsten Land Europas werden. Dieser Reichtum war die Grundlage des spanischen Aufstiegs zur Weltmacht. Jedoch war die Vormachtstellung vom kontinuierlichen Geldfluss aus den Kolonien abhängig.
Niederlande mini|Niederländischer Dreimaster vor Schloss Kronborg in Dänemark, der Erhebungsstelle des Sundzolls
In den Niederlanden (umfassen die heutigen Regionen in Nordfrankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Ostfriesland) war der Handel wegen der guten Verkehrslage und des Mangels lebensnotwendiger Güter stets von großer Bedeutung. Einmal wurden die natürliche vorhandenen Flüsse und Wasserläufe mit Dämmen in ihrem Wasserstand reguliert. Dort entstanden Handelsniederlassungen (siehe Amsterdam und Rotterdam), diese lösten weiter binnenwärts gelegene Hafen- und Handelsstädte (z. B. Utrecht, Dordrecht) ab. Zum anderen wurde von der Bevölkerung neben der Landwirtschaft ein weiteres wirtschaftliches Standbein gesucht und mit Salzgewinnung und Klein- bzw. Bauernhandel gefunden. Im Mittelalter etablierten sich die niederländischen Städte am Schnittpunkt des Nord-Südhandels (Hanse, Mittelmeer) und des Ost-Westhandels (England, Ostsee) zu einer selbständigen Größe (z. B. Hansisch-Niederländischer Krieg). Eine weitere Richtung des Handels war die entlang des Rheins (Köln). Aufgrund der geographischen Besonderheiten hatte der Getreideanbau in der Landwirtschaft keine überragende Bedeutung, dafür war eine Vielfalt anderer Bereiche vorhanden. Neben Gemüseanbau gehörte auch die Viehwirtschaft (die Kuh wurde im 17. Jahrhundert zum Synonym der Niederlande; vergleiche Paulus Potter). Fehlende Produkte, wie Holz und Getreide, wurden aus verschiedenen Regionen erhandelt (Baltikum, Norwegen, Schwarzwald; Danzig, Brandenburg, Polen-Litauen).