Pegau ist eine Kleinstadt im Landkreis Leipzig des Freistaates Sachsen in Deutschland. Sie ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Pegau.

Geographie Lage Pegau liegt ca. 25 km südlich von Leipzig an der Weißen Elster und grenzt mit seinen nordöstlichen Ortsteilen an den Zwenkauer See. Der Profener Elstermühlgraben durchfließt die Stadt in der Leipziger Tieflandsbucht unweit der Grenze zu Sachsen-Anhalt.

Benachbarte Gemeinden

Direkt angrenzende Nachbarorte von Pegau sind der Leipziger Ortsteil Knautnaundorf, Zwenkau, Groitzsch, Elstertrebnitz, Markranstädt, Lützen und Hohenmölsen. Etwas weiter entfernt liegen die Städte Zeitz im Süden, Weißenfels im Westen und Borna im Osten.

Ortsteile Mit der Eingemeindung Wiederaus am 1. Januar 1994 bestand die Stadt zunächst aus sieben und ab 1. Januar 2012 mit der Angliederung Kitzens aus neunzehn Ortsteilen.

Zur Gemeinde Wiederau gehörten ab 1973 die zuvor kommunal selbstverwalteten Orte Großstorkwitz und Weideroda. Davor schloss sich 1934 Zauschwitz an die Gemeinde Weideroda an. Maschwitz wurde kirchenrechtlich bereits 1548 nach Großstorkwitz eingepfarrt und war nach Quellenlage landespolitisch nie eigenständige Gemeinde.

Kitzen wuchs 1950 um die Orte Eisdorf, Sittel und Thesau, nachdem zwischen 1925 und 1939 der Ort Hohenlohe eingemeindet wurde.Eingemeindung von Hohenlohe nach Kitzen zwischen 1925 und 1939, genaues Jahr unbekannt. Zu Scheidens gehörten ab 1947 Peißen und ab 1950 Löben, Seegel und Werben, die 1994 mit Scheidens an Kitzen gingen. Groß- und Kleinschkorlopp wurden mit einer Verwaltungsreform von 1950 zu Schkorlopp zusammengeschlossen, das ebenfalls 1994 Teil Kitzens wurde.

Bereits 1934 wurde Carsdorf und 1965 die Flur des Dorfes Stöntzsch (welches dem Tagebau Profen weichen musste und deshalb devastiert wurde) in die Stadt Pegau eingegliedert.

Ortsteil Jahr derEingemeindung ab 1960 vor 1960 frühere Eingemeindungen Wiederau 1994 Großstorkwitz 1994 Weideroda 1994 Kitzen 2012 Eisdorf 2012 ab 1950 zu Kitzen Thesau 2012 Sittel 2012 Scheidens 2012 ab 1994 zu Kitzen Peißen 2012 ab 1947 zu Scheidens Löben 2012 ab 1950 zu Scheidens Seegel 2012 Werben 2012 Großschkorlopp 2012 ab 1950 zu SchkorloppGemeindeverbund Groß- und Kleinschkorlopps bis 1994 Kleinschkorlopp 2012

Geschichte mini|Stadtansicht von 1839 mini|Rathaus Pegau (um 1914) Pegau wurde 1096 in Verbindung mit der Gründung des Pegauer Klosters durch Wiprecht von Groitzsch erstmals urkundlich erwähnt. Das Kenotaph des Markgrafen Wiprecht von Groitzsch, dem im Jahr 1124 verstorbenen Widersacher von Papst Gregor VII., liegt in der Pegauer Kirche. Ein Mönch des Klosters Pegau verfasste im Jahr 1155 mit der Niederschrift „Annales Pegaviensis“, den Pegauer Annalen, eine wichtige mittelalterliche Geschichtsschreibung.

Pegau war 1604–1605 von Hexenverfolgung betroffen. Eine Person geriet in einen Hexenprozess.Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln, Weimar, Wien 2003, S. 555 f.

Im Oktober 1681 führte der damalige Zeitzer Stadtphysikus Johannes Schreyer (1631–1695) im Rathaus Pegau erstmal das später nach ihm Schreyer-Schwimmprobe benannte rechtsmedizinische Verfahren der Lungenschwimmprobe zur Überprüfung von Totgeburten durch und schrieb damit Medizingeschichte.

1740 gastierte der Preußenkönig Friedrich der Große in Pegau. Kaiser Napoleon, Zar Alexander I. und der Kaiser von Österreich Franz I. übernachteten in Pegau im Jahre 1813.

Bevölkerung Jahr Einwohner 2002 4.917 2005 4.768 2010 4.598 2015 6.251 2020 6.504 Jahr Einwohner 2020 6.504 2021 6.510 2022 6.514 2023 6.533 2024 6.578

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl 2015 ist auf die Eingemeindung Kitzens im Jahr 2012 zurückzuführen.

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Pegau besteht aus 18 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis (frühere Wahlen sind unten tabellarisch aufgeführt):

Partei / WählergruppeStimmenanteil2024Sitze2024 Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2014 Sitze2014 Pro Pegau30,4 %635,4 %734,9 %7 Freie Wählervereinigung Kitzen19,2 %314,3 %316,8 %3 CDU18,9 %318,8 %327,5 %5 AfD17,1 %18,0 %1–– Gemeinsam für Pegau8,6 %2–––– Grüne3,6 %1–––– SPD2,3 %–6,9 %112,1 %2 Bürger für Kitzen mit Ortsteilen––16,6 %3–– Siedlerverein Kitzen-Rodeland––––5,2 %1 FDP––––3,6 %– Insgesamt100 %16100 %18100 %18 Wahlbeteiligung66,8 %59,6 %49,0 %

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD drei Sitze, von denen zwei unbesetzt bleiben, weil die Partei nur einen Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister

mini|hochkant=0.7|Frank Rösel (2021) Frank Rösel wurde in der Bürgermeisterwahl am 12. Juni 2022 mit 69,7 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von sieben Jahren in seinem Amt bestätigt.

Wahl Bürgermeister Partei Stimmenanteil (in %)2001 Peter Bringer Einzelbewerber 60,12008 80,82015 Frank Rösel Einzelbewerber 54,82022 69,7 Wappen Beschreibung: Ein rot bewehrter und rot gezungter goldener Löwe auf blauem Grund.

Sehenswürdigkeiten

Sankt-Laurentius-Kirche mini|Sankt-Laurentius-Kirche (weitere Bilder) mini|Frontansicht des Rathauses

Mit Anlage der Oberstadt wurde vor 1190 die Laurentiuskirche errichtet. 1382 fiel die Stadt und mit ihr auch die Laurentiuskirche und die Kirche St. Otto in der Unterstadt einem Stadtbrand zum Opfer. Von der ehemaligen romanischen Kirche überstanden nur Teile des Westwerkes den Brand und wurden in den Neubau einbezogen. Die Überfälle der Hussiten 1419–1434, der sächsische Bruderkrieg 1446–1451 und Pestepidemien verzögerten den Baufortschritt. Der Wiederaufbau dauerte über 80 Jahre.

In der Kirche befindet sich das Kenotaph des Markgrafen Wiprecht von Groitzsch, Stifter des 1096 geweihten Sankt-Jakob-Klosters zu Pegau. Das Kenotaph trägt eine der wichtigsten romanischen Skulpturen im sächsischen Kunstraum. Sie wurde um 1230 (d. h. ca. 20 Jahre vor den Naumburger Stifterfiguren), also etwa hundert Jahre nach Wiprechts Tod wahrscheinlich im Auftrag des Abtes Siegfried von Reckkin von einem unbekannten Künstler geschaffen.Kirchspiel Pegau

Rathaus mini|Blick vom Rathausturm, 2013

Das Rathaus liegt inmitten der Stadt und prägt das alte Stadtbild. Es wurde von 1559 bis 1561 von Paul Widemann und Hieronymus Lotter in den Formen der deutschen Renaissance erbaut. Auffällig ist die große Ähnlichkeit mit dem Leipziger Alten Rathaus (erbaut 1556/1557), an dessen Umbau Lotter und Wiedemann zuvor mitgewirkt hatten. Der Rathausturm kann im Sommerhalbjahr bestiegen werden. In 30 Metern Höhe ist ein Rundblick bis nach Leipzig zum Völkerschlachtdenkmal möglich. Das Rathaus ist Sitz der Stadtverwaltung und verfügt über einen großen Saal, der für Veranstaltungen genutzt wird.

Museum der Stadt Pegau Das Museum Pegau ist über den Zugang zum Rathausturm zu erreichen. Ausgestellt sind teilweise einmalige Exponate aus naher und ferner Vergangenheit.

Postmeilensäulen Eine Nachbildung der Kursächsischen Postmeilensäule, die 1723 angefertigt und vor dem Leipziger Tor aufgestellt wurde, steht heute an der Elsterbrücke. Das originale Wappenstück befindet sich, bis zur Unkenntlichkeit verwittert, in einem Hain. Den in der Ziegelei Erbs gelagerten Originalschriftblock verwendete die Künstlerin Erika Zuchold 2010 für ein Kunstwerk in der Stadt Pegau. Eine zweite Postmeilensäule wurde 1723 vor dem Obertor errichtet, 1875 abgebrochen, verkauft und für ein Kriegerdenkmal in Profen verwendet.

Alte Post mini|hochkant=0.8|Alte Post (in der Mitte) In diesem 1655/1656 von Martin Schirmer (1611–1661) errichteten Gebäude befand sich bis 1661 die Verwaltung des Amtes Pegau. Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts besaß mit Gustav Ferdinand Grimmer (1803–1855) einer der bedeutendsten Bürger der Stadt dieses Anwesen. Grimmer war Gründer eines Landwirtschaftsvereins, des Gewerbevereins, er rief eine Kinderbewahranstalt und eine Näh- und Strickschule ins Leben und setzte sich für den Anschluss Pegaus an das entstehende Eisenbahnnetz ein, weiters etablierte er als erster das Zigarrenmacherhandwerk in Sachsen. Von 1868 bis 1880 befand sich hier die Pegauer Postexpedition. Der an einem Wirtschaftsgebäude im Hof befindliche „Laubengang“ ist eines der letzten erhalten gebliebenen Baudenkmäler seiner Art in der Stadt. Einzigartig in Pegau sind auch die erhaltene kassettierte Stuckdecke im Erdgeschoss und die Deckenmalerei aus der Renaissance in der Tordurchfahrt.

Napoleonhaus mini|Napoleonhaus Bis 1561 befand sich an dieser Stelle das Pegauer Rathaus. Das jetzige Gebäude wurde 1744 erbaut. Als vornehmstes Haus der Stadt diente es nach der Schlacht bei Großgörschen Kaiser Napoleon I. am 3. Mai 1813 und vor der Völkerschlacht bei Leipzig dem russischen Zar Alexander I. am 15. Oktober 1813 als Nachtquartier. Das Napoleonhaus wurde im Jahr 2005 von der Stadt als einzigem Bieter ersteigert, um es zu sanieren und zu betreiben. Ende 2012 erfolgte der Einzug der Stadtbibliothek in das 1. Obergeschoss, im Erdgeschoss befindet sich eine Beratungsstelle der Diakonie und ein Trainingsraum der Volkshochschule Leipziger Land.

Volkshaus mini|Volkshaus Das 1553/1554 erbaute Gebäude beherbergte bis 1835 die Pegauer Knabenschule und anschließend bis 1869 die Mädchenschule. Danach erfolgte eine Umnutzung als Gaststätte. 1990 erfolgte die Schließung. Das Haus wurde mit Unterstützung des Fördervereins „Volkshaus Pegau“ e. V. komplett saniert und am 3. Oktober 2004 zur Nutzung freigegeben. Das Volkshaus verfügt über einen großen und einen kleinen Saal, in denen jährlich bis zu 15 Großveranstaltungen und zahlreiche kleine Veranstaltungen und Feste abgehalten werden. Hinzu kommen regelmäßig fünf bis sechs Veranstaltungen pro Neben- und Hauptsaison des Pegauer Karnevals Klubs (PKK).

Melanchthon-Birnbaum Der Erzählung nach reiften in einem sächsischen Pfarrgarten vor gut 450 Jahren leckere Birnen, gehegt und gepflegt vom Pfarrer. Der gab sein Obst dem zu Besuch weilenden Philipp Melanchthon. Der Reformator fand die Früchte so lecker, dass er einige davon mitnahm und sie später dem Kurfürsten kredenzte. Entzückt vom köstlichen Obst, belohnte der Fürst den birnenzüchtenden Pfarrer reichlich. Der pflanzte weitere Birnen und nannte sie voller Dankbarkeit Melanchthon-Birnen.

Am 21. März 2010 wurde, als ein Geschenk der Familie von Ribbeck aus dem Havelland, ein Baum der Sorte Römische Schmalzbirne gepflanzt, einer alten Birnensorte, die auch die sogenannte Kleine Eiszeit im 17. Jahrhundert überstanden hat und verewigt ist in der Ballade Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland von Theodor Fontane – und bei der sich möglicherweise um dieselbe Sorte handelt, die seinerzeit als „Melanchthon-Birne“ regionale Verbreitung fand.

Schlossresidenz und ehemaliges Amtsgericht Nach der Säkularisation des Pegauer Klosters wurden Teile der verbliebenen Bausubstanz für profane Zwecke weiter genutzt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde das ehemals am Kirchplatz gelegene kursächsische Amt hierher verlegt. Als 1662 das Amt Pegau an Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz verkauft wurde, nutzten er und später sein Sohn Moritz Wilhelm einen Gebäudeteil bis zum Erlöschen der Zeitzer Sekundogenitur 1718 als Sommerresidenz (daher auch der Name Schlossplatz).

1909 wurde das alte Amtshaus abgerissen und von dem Pegauer Baumeister Julius Patzschke der 1912 vollendete Amtsgerichtsneubau mit einem im Zweiten Weltkrieg zerbombten Gefängnisbau errichtet. Nach 1949 befanden sich hier Kinder- und Gesundheitseinrichtungen (Kinderkrippe, Kindergarten und Landambulatorium). 1998 erfolgte der Umbau zu einer Einrichtung für betreutes Wohnen („Schlossresidenz“).

Schloss Wiederau mini|Schloss Wiederau