mini|Kloster Hosios Lukas, Griechenland, Kuppelturm des Katholikons, 1011 mini|Abteikirche St-Étienne, 1055–1077, in Caen, Normandie mini|Catedral del Salvador (Cimborrio 16. Jh.), Zaragoza, Aragón Als Laternentürme (; ) werden zum Kircheninnern hin offene Türme, zumeist über der Vierung (→ Vierungsturm) bezeichnet, die durch eine Laterne den Kirchenraum belichten. Der Grundriss der Laterne kann quadratisch, polygonal oder rund sein.

Begriffe Der in den Architekturwörterbüchern und Handbüchern von Wilfried Koch, Hans Koepf/Günther BindingHans Koepf, Günther Binding: Bildwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar (= Kröners Taschenausgabe. Bd. 194). 4., überarbeitete Auflage. Kröner, Stuttgart 2005, ISBN 3-520-19404-X (Digitalisat). und Matthias UntermannMatthias Untermann: Handbuch der mittelalterlichen Architektur. WBG, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-20963-7. nicht geführte Begriff Laternenturm wird seit den 1960er Jahren von Bauhistorikern in Baubeschreibungen verwendet.Bisher älteste durch Google-Books-Recherche nachweisbare Begriffsverwendung von Gisela Schwering-Illert: Die ehemalige französische Abteikirche Saint-Sauveur in Charroux (Vienne) im 11. und 12. Jahrhundert. Ein Vorschlag zur Rekonstruktion und Deutung der romanischen Bauteile. Zentralverlag für Dissertationen Triltsch, Düsseldorf 1963, S. 2 und 56 (Google Books).

Runde Turmgeschosse unter einer Kuppel werden auch als Tambour bezeichnet.Wilfried Koch: Baustilkunde. Das Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart. 33. Aufl. Prestel, München (u. a.) 2016, ISBN 3-7913-4997-X, S. 463, Stichwort 425.7: Kuppel → Tambour Für Spanien werden die dort zumeist polygonalen, seltener runden Laternentürme als Zimborien () bezeichnet, der italienische Begriff ist Tiburio.https://www.treccani.it/vocabolario/tiburio/ Schwierig ist die Abgrenzung zwischen einem Laternenturm und dem hohen Innenbereich eines Zentralbaues mit schmalem Außenring.

Klarzustellen ist der Unterschied zwischen einem Laternenturm und einem Turm mit einer Laterne, also einem Obergeschoss von kleinerem Durchmesser als der Turmschaft. Die meisten Türme mit einer solchen Laterne, gleich ob auf einer Plattform auf dem Turmschaft stehend oder als Teil einer Dachkonstruktion, sind Glockentürme ohne innere Sichtverbindung ihres Erdgeschosses zu oberen Geschossen. Viele, wenn nicht die meisten, Laternentürme wiederum tragen keine Laterne auf ihrem Schaft oder ihrem Laternengeschoss. Sofern sie eine solche Laterne tragen, kann diese innen zum Kirchenraum hin offen sein oder auch nicht.

Architektur Wurden in der mittelalterlichen Architektur die Gewölbe des Langhauses und des Querschiffs (Transept) einer Kirche oft ohne besondere Akzentuierung der Vierung in gleicher Höhe weitergeführt, so gibt es doch ebenfalls eine erhebliche Anzahl von Beispielen, bei denen dieser architektonisch und ehemals auch liturgisch wichtige Bereich einer Kirche eine Betonung durch Erhöhung, teilweise auch durch Belichtung erfährt. Dies wurde durch Laternentürme erreicht, die annähernd quadratisch, achteckig (oder sonst wie polygonal) oder rund als Tambours ausgeführt sein konnten, und spitz, flach oder mit Kuppelkonstruktionen gedeckt waren.

Statik Die Konstruktion von Vierungstürmen und – in noch höherem Maße – von Laternentürmen bedeutete im Mittelalter stets ein großes Risiko, zumal es noch keine statischen Berechnungen gab. Insbesondere gilt das für große romanische und gotische Basiliken, wo das Laternengeschoss, quasi als zweiter Obergaden, in großer Höhe auf der Kreuzung aus dem überhöhten Mittelschiff und dem (eventuell ebenfalls basilikal mehrschiffigen) Querhaus thront. So stürzten auch einige Laternentürme ein. Andere wurden nach dem Auftreten von Rissen oder Verbiegungen entweder rechtzeitig abgetragen oder durch Gewölbe stabilisiert, die in Höhe der Mittelschiffsgewölbe eingezogen wurden (teils vermutet, teils nachgewiesen am Mont-St-Michel, in Salisbury, in Gent).

Innerer Aufbau Ein mittelalterlicher Laternenturm ist im Norden Europas im Innern meist zweigeschossig – mit Ausnahme des Vierungsturms der Kathedrale von Peterborough, die mit einer flachen Holzdecke versehen ist. Die untere Ebene bleibt wegen der üblicherweise dahinter befindlichen Dachstühle des Langhauses und des Querschiffs zumeist unbelichtet, während durch die Fenster der oberen Ebene von allen Seiten – als „überirdisch“ empfundenes – Licht einströmt.

Im Süden Europas sind Laternentürme meist nur eingeschossig, z. B. Ste-Foy de Conques, Prieuré St-Nicolas de Civray in Frankreich oder die Kathedralen von Salamanca und Zamora sowie die Kollegiatkirche von Toro in Spanien.

Die Architekten moderner Laternentürme erlauben sich allerdings größere gestalterische Freiheiten (→ Weblinks).

Gewölbe mini|hochkant|Lessay, Vierung fenster­los und vierteilig gewölbt Vielleicht waren die ersten Laternentürme (Mont-St-Michel, Jumièges) noch flachgedeckt (vgl. Ely, Westvierung oder Wimborne Minster) oder von Gratgewölben bedeckt. Nach der Einführung von Rippengewölben, in der Abtei Moissyc gegen Ende des 11. Jahrhunderts, wurden entweder um 1100 oder erst 1120 Chor und Vierungsturm der Abteikirche von Lessay mit Rippengewölben errichtet. In der Kathedrale von Durham entstanden auch schon um 1100 Rippengewölbe, aber die Türme erst im frühen 13. Jahrhundert, und der Vierungsturm wurde durch Blitzschlag zerstört und im 15. Jahrhundert in zwei Phasen ersetzt. Die oktogonalen Vierungstürme erhielten acht- oder sechzehnteilige Gewölbe. In Sant’Ambrogio in Mailand erhielt zwar das Mittelschiff schon vor 1128 Kreuzrippengewölbe, der durch Planänderung daraus abgehobene Laternenturm aber ein rippenloses achtseitiges Klostergewölbe. Vor allem in England erfuhr die Gewölbekunst in den Stilepochen des Decorated Style (ca. 1240–1330) und des Perpendicular Style (ca. 1330–1530) eine reichhaltige Entwicklung hin zu Stern-, Netz- und Fächergewölben.

Anfänge

Wie auch bei anderen Architekturformen ist die Suche nach den ersten Schritten der Entwicklung dadurch erschwert, dass aus den frühen Zeiten viele Bauten verschwunden sind oder später verändert wurden. Insbesondere wurden Gewölbe nachträglich eingesetzt (anstelle von hölzernen Decken und offenen Dachstühlen) oder später erneuert. Auskunft über verlorene Gewölbe geben nicht selten deren Ansätze. Es finden sich aber auch Ansätze von Gewölben, die nie ausgeführt wurden.

Der trotz einiger Veränderungen wohl älteste erhaltene Laternenturm gehört zu einem Rundbau: Die Kirche Santo Stefano Rotondo in Rom wurde von Papst Simplicius (468–483) geweiht. Der Außenring, ursprünglich mit vier Atrien wurde später verkleinert, aber der zentrale Laternenturm besteht weiter. Wohl etwa gleichzeitig entstand das Vierungs-Oktogon der kreuzbasilika des Symeonsklosters (Qalʿat Simʿan) in Syrien, das wahrscheinlich überdacht und eigenständig belichtet war.

Ein weiterer in diesem Zusammenhang zu nennender Bau ist die im Jahre 547 geweihte Kirche San Vitale in Ravenna; hier überragt das zentrale Oktogon mit Obergaden einen ebenfalls oktogonalen Außenring. Weitere wichtige Bauten im Hinblick auf eine Belichtung des Vierungsbereichs sind die byzantinischen Kreuzkuppelkirchen. mini|links|hochkant=0.7|Ste-Trinité in Germigny-des-Prés

Das aus karolingischer Zeit (806) stammende Oratorium von Germigny-des-Prés hat den wohl ersten Laternenturm auf quadratischem Grundriss, der aber ohne direkte Nachfolge blieb.

Nördlich der Alpen Laternentürme des nördlichen oder normannischen Typs finden sich nur in einigen wenigen Regionen Mitteleuropas.

Deutschland mini|links|Speyer, Vierungskuppel: Okuli über den Pen­den­tifs, Blend­triforium, Fenster in der Kuppelwölbung mini|Wormser Dom, rechts ist Osten Die Kirchenräume von vier oberrheinischen Kathedralen ragen aufwärts in befensterte Geschosse von Türmen, womit die Kriterien eines Laternenturms erfüllt sind. Im Dom zu Speyer ist es der Vierungsturm, fertiggestellt wohl bis 1106. Im (gewesteten !) Mainzer Dom sind es Vierungsturm und östlicher Kuppelturm. Im Wormser Dom ist es der Vierungsturm, eingewölbt ca. 1140, während seine westliche Kuppel nur eine minimale Belichtung durch sehr kleine Rundfenster im Gewölbe erhält (äußerlich: Gauben im Kegeldach). Heute zu Frankreich, bauzeitlich aber zu Deutschland gehört der Vierungsturm des Straßburger Münsters. Sein Oberteil musste nach Zerstörung durch deutsche Artillerie 1870/1871 ersetzt werden (bis 1879), aber Gewölbe und Fenster sind aus der Zeit um 1190. Bei allen vier Kathedralen sind die Fensterflächen der Laternentürme so klein, dass der Begriff ‚Laterne‘ sich nicht gerade aufdrängt. In Straßburg gibt es gleich noch einen weiteren Laternenturm, von 1270/1280 auf der Thomaskirche.

Zur oberrheinischen Tiefebene gehören freilich auch die späten (13. Jahrhundert) romanischen Vierungs- und Laternentürme zweier kleinerer Klosterkirchen: Die Basilika (im doppelten Sinne) St. Marcellinus und Petrus in Seligenstadt südlich von Offenbach ist eine der beiden Einhards-Basiliken. Näher am Rhein, aber nicht mehr in der Ebene steht die Benediktinerkirche Sponheim südlich von Bingen am Rhein.

Deutlich näher als die Kuppeln der Kaiserdome kommen den normannischen Laternentürmen z. B. die spätromanischen von St. Aposteln (um 1200) in Köln und St. Quirinus (heutiger Bau ab 1208, Außenkuppel 18. Jahrhundert) in Neuss und der frühgotische Vierungsturm der Abteikirche St. Ludgerus (ab 1230) in Essen-Werden. Wie in der Ostvierung der Kathedrale von Ely fungiert in St. Aposteln sowohl das große Oktogon als Laterne für die Vierung als auch die ebenfalls achteckige kleine Laterne auf dieser Vierungskuppel.

Nicht zu vergessen, Laternentürme stehen in Deutschland am Anfang der Frühgotik – kein Wunder, beim gotischen Umbau des Limburger Doms stand die Kathedrale von Laon (s. u.) Pate – und bald nach Beginn der Hochgotik, mit der Trierer Liebfrauenkirche. Der Limburger Vierungsturm sieht von außen noch eher romanisch aus, aber von innen zweifelsfrei gotisch. Im Vierungsturm der Trierer Liebfrauenkirche liegt das Laternengeschoss etwa in Höhe der Hauptschiffs- und Querhausdächer, darüber liegt das Glockengeschoss.

Weiteren Zuwachs gab es (wie in Italien) im Barock.

Niederlande In den Niederlanden gibt es zwei hochrangige Kirchen mit Laternentürmen:

’s-Hertogenbosch und Roermond gehörten im Mittelalter Kirchlich zum Bistum Lüttich, das als Suffragan dem Erzbistum Köln unterstand. Weltlich gehörte ’s-Hertogenbosch zum Herzogtum Brabant, Roermond zur Grafschaft Geldern, ab 1339 Herzogtum Geldern. Graf Gerhard III. berief um 1218 Zisterzienser nach Roermond, als die Kirche schon in Bau war, als Drei-Konchenanlage nach Kölner Vorbild mit Vierungsturm. Die vier hohen Ecktürme sind eine Zutat des 19. Jahrhunderts. ’s-Hertogenbosch wurde 1559 Bischofssitz (bis 1629) und ist es erneut seit 1853.

Der Laternenturm der Sint-JansKathedraal in ’s-Hertogenbosch im niederländischen Nordbrabant fiel bald nach seiner Fertigstellung einem Großbrand durch Blitzschlag zum Opfer. Wiederhergestellt wurde er anschließend mit flacher Decke.

Belgien – Für den flämischen Landesteil steht die hervorragende Denkmaldatenbank Inventaris Onroerend Erfgord („Inventar unbewegliches Erbe“) kurz OE zur Verfügung. –

Vom Gebiet des heutigen Belgien gehörte im Mittelalter die Grafschaft Flandern zunächst zu Frankreich, das Herzogtum Brabant und die Grafschaft Hennegau weltlich zum ostfränkischen Reich, kirchlich der Osten zum Kölner Suffragan Lüttich, der Westen zu französischen Bistümern.