Der Vickers 6-ton, auch bezeichnet als Vickers Mark E (Mk. E), war ein in Großbritannien entwickelter, leichter Panzer. Die Eigeninitiative der Firma Vickers-Armstrongs Ltd. in der Zwischenkriegszeit, international einen modernen Panzertyp anzubieten, führte zu diesem Modell. Der Vickers 6-ton war der erste Panzer der Welt, der mit einer koaxialen Bewaffnung ausgestattet wurde. Er war das Vorbild für weitere Panzertypen und wurde in zahlreiche Länder verkauft.

Geschichte Entwickelt wurde der Vickers 6-ton im Jahre 1928 in den Vickers-Armstrong-Werken in Elswick (Tyne and Wear). Es wurden zwei Varianten entworfen und gebaut. Zum einen die Ausführung A mit zwei getrennten kleinen MG-Türmen und zum anderen die Ausführung B mit einem großen Turm, in dem eine Kanone und ein koaxiales MG eingebaut werden sollten. Die Ausführung A war als Anti-Infanterie-Panzer vorgesehen, während die Ausführung B der Feuerunterstützung dienen sollte. Eine weitere Variante C, die zur Panzerbekämpfung vorgesehen war, wurde nicht gebaut, jedoch 1927 an das Kaiserreich Japan zur Erprobung geliefert.Steven J Zaloga: „Japanese Tanks 1939–1945“ Osprey Publishing, 2007, ISBN 978-1-84603-091-8, S. 4 Basierend auf dem Vickers Mark E wurde 1934 für Belgien ein Panzer mit einem leistungsstärkeren Motor und einer längeren Panzerwanne entwickelt. Von diesem Panzer, Vickers Mark F genannt, wurde nur ein Exemplar gebaut, da die Belgier mit den Leistungen nicht zufrieden waren. Aus unbekannten Gründen wurde aber für die letzten Vickers Mark E Ausführung B die modifizierte längere Wanne des Mark F verwendet.

Die patentierte Fahrwerksaufhängung war eine Neukonstruktion, entwickelt von den Fahrzeugspezialisten Sir John Carden und Vivian Loyd. Sie wurde später auch bei anderen Panzern verwendet, unter anderem dem tschechischen Škoda LT vz.35 und dem ungarischen T-21.

Der Mark E wurde von der britischen Armee getestet und bewertet. Man zeigte aber kein Interesse daran, da man befürchtete, dass das Fahrwerk eine Schwachstelle des Panzers sei. Daraufhin wurde der Panzer zum Export freigegeben. Aufgrund zahlreicher Werbekampagnen in verschiedenen Militärzeitschriften und auf Messen konnte der Panzer in viele Länder verkauft werden, so unter anderem in die UdSSR, nach Griechenland und Polen. Des Weiteren wurden Lizenzen zum Nachbau des Fahrzeugs an die UdSSR und Polen verkauft. Daraus entstanden später als Weiterentwicklungen der in einer großen Stückzahl von über 12.000 Exemplaren hergestellte T-26 sowie der polnische 7TP.

Die meisten Vickers Mark E kamen in verschiedenen Konflikten zum Einsatz, wobei sich die moderne Konstruktion als ebenbürtig oder überlegen gegenüber anderen Panzern erwies. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zeigte sich der Vickers 6-ton, aufgrund seiner schwachen Panzerung, gegnerischen Panzern und Panzerabwehrwaffen nicht mehr gewachsen.

Insgesamt wurden vom Vickers 6-ton 153 Exemplare hergestellt sowie zahlreiche Lizenzbauten und Weiterentwicklungen.

Technik Der Vickers Mark E hatte einen klassischen Aufbau, das heißt, im vorderen Teil befand sich die Kraftübertragung und Steuerung, in der Mitte Besatzungsraum und Bewaffnung sowie im Heck der Motor. Die Panzerwanne und die Aufbauten bestanden aus miteinander vernieteten Panzerblechen, die wiederum auf einen Rahmen genietet waren. Die Stärke der Panzerbleche betrug an der Front, den Seiten und am gesamten Turm 13 mm, während das Heck acht und Decke und Boden sogar nur fünf Millimeter Stärke aufwiesen. Der Panzer war 4,88 m lang, 2,41 m breit und 2,16 m (Ausf. A 2,08 m) hoch. Er hatte im einsatzbereiten Zustand in der Ausführung B eine Masse von 7,35 t. Der Turm bei der Variante B saß auf der linken Seite der Panzerwanne. Die letzten Exemplaren der Ausführung B erhielten eine verlängerte Panzerwanne (vom Mark F) und der Turm rückte von der linken auf die rechte Seite.

miniatur|Die Radaufhängung des Vickers 6-ton Das Fahrwerk setzte sich aus zwei Paar Schwingarmen pro Seite, bestückt mit jeweils einer Blattfeder, zusammen. An diesen Armen befanden sich nochmals je zwei horizontal bewegliche Schwinghebel, in denen jeweils zwei Laufrollen saßen. Die vorderen Laufrollen besaßen Gummibandagen, im Gegensatz zu den hinteren, die ganz aus Stahl bestanden. Die Antriebsräder waren im vorderen Bereich des Fahrzeugs montiert und die Leiträder dementsprechend am Heck. Die 230 Millimeter breiten Ketten zu je 102 bis 103 Gliedern wurden zusätzlich noch über vier kleine Stützrollen geführt.

Angetrieben wurde das Fahrzeug von einem luftgekühlten Vierzylinder-Viertakt-Ottomotor Armstrong-Siddeley „Puma“ mit einem Hubraum von 6667 cm³ und einer Leistung von 92 PS. Die Leistung wurde über eine Trockenkupplung und eine Kardanwelle auf ein Getriebe mit vier Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang und dann auf ein Kupplungslenkgetriebe mit Bandbremsen auf die Antriebsräder übertragen. Dieses diente gleichzeitig zur Steuerung des Panzers.

Der Inhalt des Kraftstoffbehälters von 182 l ermöglichte eine Reichweite von 160 km auf der Straße oder 90 km im Gelände bei einer Höchstgeschwindigkeit von maximal 35 km/h.

Die Besatzung des Mark E bestand aus dem Fahrer, der vorn rechts in der Wanne saß, während der Kommandant und der Schütze im Turm ihren Platz hatten (Ausf. B). Eine Besonderheit bestand bei der Ausführung A, hier saßen Kommandant und Schütze getrennt voneinander in jeweils einem MG-Turm auf breiten Stoffgurten.

miniatur|Die 47-mm-Schnellfeuerkanone des Vickers 6-ton Ausführung B Bewaffnet war der Vickers 6-ton in der Ausführung A mit einem wassergekühlten Vickers 7,7-mm-MG in jeweils einem Turm. 6000 Schuss MG-Munition wurden an Bord mitgeführt. Die Ausführung B besaß dagegen eine Stummelrohr-Panzerkanone Typ 47-mm-QF (QF = Quick Firing, deutsch Schnellfeuer) von Vickers-Armstrong. Rund 50 Schuss Panzer- und Sprenggranaten konnten im Panzer untergebracht werden. Auf der linken Seite der Kanone befanden sich das Zielfernrohr. Rechts von der Kanone wurde ein wassergekühltes Vickers 7,7-mm-MG koaxial eingebaut. Das machte den Vickers Mark E zum Vorbild aller nachfolgenden modernen Panzer im Bezug auf die Anordnung der Turmbewaffnung (Duplex-Montage).

Einige Panzer, die z. B. nach Polen geliefert wurden, erhielten eine abweichende Bewaffnung. Meistens handelte es sich dabei aber um Waffen, die aus den Importländern stammten und teilweise auch dort erst eingebaut wurden.

Export und Einsatz Bolivien Bolivien bestellte im Oktober 1932 drei Vickers 6-ton. Es handelte sich dabei laut Vickers-Dokumenten um einen Panzer der Ausführung A und zwei der Variante B. Die bolivianischen Vickers Mark E waren die Ersten, die im Kampf eingesetzt wurden. Im Chacokrieg zwischen Bolivien und Paraguay wurden die drei Kampfwagen durch die Bolivianer mit Erfolg eingesetzt, insbesondere beim zweiten Angriff auf die Stadt Nanawa vom 4. bis 5. Juli 1933. Einer der beiden eintürmigen Panzer wurde dabei aber durch den Treffer aus einer paraguayischen 75-mm-Kanone zerstört. Die beiden verbliebenen Vickers 6-ton wurden danach bei weiteren Operationen eingesetzt, bis sie am 10. Dezember 1933 durch paraguayische Truppen erbeutet wurden. Der Panzer in der zweitürmigen Ausführung A wurde als Denkmal in der Hauptstadt Paraguays Asunción aufgestellt. 1994 wurde er an Bolivien als Zeichen der Versöhnung zurückgegeben und befindet sich heute als Ausstellungsstück an der Militärschule in La Paz. Der Vickers Mk. E der Variante B wurde zusammen mit einigen Schusswaffen im Januar 1937 an die Spanische Republik verkauft. Was mit dem Panzer in Spanien geschah, ist nicht bekannt.Der Vickers 6-ton im Einsatz in Bolivien

Bulgarien Im September 1936 kaufte Bulgarien acht eintürmige Vickers Mk. E Ausführung B. Diese wurden 1937 geliefert. Bei den bulgarischen Streitkräften wurde mit ihnen die zweite gepanzerte Kompanie gebildet. Ab 1941 gehörte die Kompanie zur ersten Panzerabteilung des bulgarischen Panzerregiments, zusammen mit zwei Kompanien Panzerkampfwagen 35 (t). Als Bulgarien ab September 1944 auf alliierter Seite kämpfte, wurden die Vickers 6-ton gegen die deutsche Wehrmacht in Serbien und im Kosovo eingesetzt. Im April 1945 schieden die letzten bulgarischen Mk. E aus dem aktiven Dienst, da sie mittlerweile anderen Panzern unterlegen waren und auch die Ersatzteilversorgung immer schwieriger geworden war.Der Vickers 6-ton im Einsatz in Bulgarien

China Die chinesische Regierung kaufte 1935 16 Vickers Mark E. 1936 wurden noch einmal vier Panzer erworben. Diese vier besaßen Marconi-Funkgeräte in einem zusätzlichen Anbau an der Turmhinterkante. Die 20 Fahrzeuge wurden beim ersten und zweiten Panzerbataillon in Shanghai stationiert. Bei den Kämpfen in Shanghai von August bis Anfang November 1937 gegen die Japaner wurden die Vickers Mark E intensiv genutzt. Die Panzereinheiten erlitten dabei aber schwere Verluste, da der Mark E für den Stadtkampf nicht geeignet war und auch die Panzerbesatzungen schlecht ausgebildet waren. Die Hälfte aller Vickers 6-Ton ging verloren. Der Rest der Panzer wurde zu einer neuen Einheit zusammengefasst und der 200. mechanisierten Division angegliedert. Diese Division erlitt in der Schlacht von Nanjing, sowie 1940 am Kunlun-Pass schwere Verluste, wobei ein Großteil der Panzer verloren ging.Der Vickers 6-ton im Einsatz in China

Finnland Finnland kaufte den ersten Vickers 6-ton der Ausführung B im Jahre 1933 und testete ihn ausgiebig. 1936 entschied man sich weitere 32 Mark E der Variante B zu kaufen. Diese sollten zwischen Juli 1937 und Januar 1939 geliefert werden. Aber aufgrund von Verzögerungen kamen nur 26 Fahrzeuge von Juli 1938 bis November 1939 nach Finnland. Die restlichen sechs Panzer wurden nach dem Winterkrieg von Vickers-Armstrongs Ltd. geliefert. Diese Vickers Mk. E Ausf. B besaßen die größere Panzerwanne des Mark F und die Türme auf der rechten Seite. Die Frontpanzerung hatte man auf 17,5 mm verstärkt. Eine Einbaumöglichkeit für ein Funkgerät war vorhanden, wurde aber nicht genutzt, um Kosten zu sparen. Da man mit der britischen 47-mm-Kanone nicht zufrieden war, wurden die letzten sechs Panzer ohne Bewaffnung nach Finnland versandt. Erst dort erhielten die Panzer dann ihre Bewaffnung in Form einer schwedischen 37-mm-Panzerabwehrkanone der Firma Bofors. miniatur|Einer der finnischen Vickers 6-ton mit 37-mm-Bofors-Kanone (Panzermuseum Parola) Die finnischen Vickers 6-ton wurden in ihrer Dienstzeit vielfach modifiziert. So wurde unter anderem der Einsatz einer 9-mm-Suomi-MP, in der Frontplatte neben dem Fahrer, getestet. In den sechs Panzern mit verlängerter Wanne wurden diese MG später eingebaut und ein vierter Mann in die Besatzung integriert.

Während des Winterkrieges mit der Sowjetunion 1939/40 wurden die einsatzbereiten 13 Vickers-Panzer in einer Kompanie zusammengefasst. Im Einsatz gingen acht der 13 Panzer durch feindlichen Beschuss und Festfahren im Gelände verloren. Es gelang den Finnen aber eine größere Anzahl an T-26-Panzern zu erobern und für ihre Zwecke einzusetzen. Aus Gründen der einfacheren Instandhaltung entschied man sich, die übrigen Vickers Mark E mit sowjetischen 45-mm-Kanonen und koaxialen DT-MG aus zerstörten T-26, auszurüsten. Diese wurden dann als T-26E (E = Englisch) bezeichnet. Die verbleibenden Vickers-Panzer wurden zusammen mit den erbeuteten T-26 zwischen 1941 und 1944 im Krieg gegen die Sowjetunion eingesetzt. 1945 waren noch 19 T-26E vorhanden und wurden bis 1959 zu Trainingszwecken weiterverwendet.

Drei Vickers-Panzer blieben bis heute museal erhalten. Es handelt sich dabei um zwei T-26E und einen originalen Vickers 6-ton von 1940.

Griechenland Griechenland kaufte im November 1930 einen Vickers 6-ton der Ausführung A und einen des Typs B. Über den Werdegang der Panzer gibt es bisher keine Informationen.Der Vickers 6-ton im Einsatz in Griechenland, Portugal und Spanien

Großbritannien