Eberhard Hagemann (* 29. Januar 1880 in Verden; † 7. Oktober 1958 in Rotenburg/Wümme) war ein deutscher Jurist, Politiker (DHP) und evangelischer Kirchenfunktionär. Er war von 1931 bis 1933 Landeshauptmann des Provinzialverbands Hannover und nach Ende des Zweiten Weltkriegs von Mai bis September 1945 kommissarischer Oberpräsident der Provinz Hannover.Klaus Mlynek: Hannover Chronik: von den Anfängen bis zur Gegenwart : Zahlen, Daten, Fakten, S. 193 Online Von 1945 bis 1948 war Hagemann Präsident des Landgerichts Verden und anschließend bis 1952 Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Wirken Hagemann war von 1908 bis 1931 als Rechtsanwalt in Verden tätig. Als Vertreter der Deutsch-Hannoverschen Partei (DHP) aus dem Regierungsbezirk Stade gehörte er von 1921 bis 1931 dem Provinziallandtag der Provinz Hannover an und war von 1930 bis 1931 dessen Vorsitzender.Ulrich Schneider: Niedersachsen, 1945: Kriegsende, Wiederaufbau, Landesgründung, Schlütersche Verlag, 1987, ISBN 3-87706-034-X Um 1928 war er zudem Kreisobmann des DHP-Kreisverbands Verden.Henning K. Müller: »Im ein’gen Deutschen Reichsverband ein freies Niedersachsenland!«. Die Vorabstimmung zur Loslösung von Preußen vom 18. Mai 1924 und der Niedergang der Deutsch-Hannoverschen Partei im Elbe-Weser-Raum. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 97. Wallstein Verlag, Göttingen 2025, S. 343–386, hier S. 376–378. Danach übernahm Hagemann von 1931 bis 1933 das Amt des Landeshauptmannes und war so leitender Beamter des Provinzialverbands Hannover, der höheren kommunalen Selbstverwaltungsbehörde.

In der NS-Zeit arbeitete Hagemann von 1933 bis 1945 wieder als Rechtsanwalt. Daneben war er in der Bekennenden Kirche aktiv: von 1934 bis 1936 gehörte er als weltliches Mitglied dem Bruderrat der Bekenntnisgemeinschaft (Landesbruderrat) in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers an. 1936 und 1937 übernahm er als Anwalt das Mandat des antisemitisch verfolgten Göttinger evangelischen Pastors Bruno Benfey.Theodor Spitta; Hrsg.: Ursula Büttner, Angelika Voss-Louis: Neuanfang auf Trümmern: Die Tagebücher des Bremer Bürgermeisters Theodor Spitta 1945-1947, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 1992, ISBN 978-3486559385, S. 205 OnlineHeinrich W. Grosse, Hans Otte, Joachim Perels: Bewahren ohne Bekennen?: die hannoversche Landeskirche im Nationalsozialismus, S. 349 bis S. 357 OnlineHeinrich W. Grosse, Hans Otte, Joachim Perels: Neubeginn nach der NS-Herrschaft? Die hannoversche Landeskirche nach 1945, S. 91 bis 94 Online

Nach Kriegsende setzte die britische Besatzungsmacht Hagemann am 11. Mai 1945 als kommissarischen Oberpräsidenten der Provinz Hannover ein. Die Briten suchten ihn auf Empfehlung kirchlicher Kreise, insbesondere des evangelischen Landesbischofs August Marahrens, als vorläufigen Leiter der deutschen Zivilverwaltung in der Region aus.Herbert Obenaus: Der politische Neuanfang von 1945 in Hannover. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 78. Hannover 2006, S. 383–412, hier S. 409. Schon bald erschien der „alte Reaktionär“ der Political Division der britischen Militärregierung aber als missliebig. Am 17. September 1945 wurde er durch den SPD-Politiker Hinrich Wilhelm Kopf abgelöst,Holger Martens: Hoevermanns Berufung war ein Fehler. Die britische Militärregierung korrigiert die Besetzung des Oberpräsidentenamtes. In: Demokratische Geschichte, Band 12 (1999), S. 191–206, hier S. 200. der später auch erster Ministerpräsident des Landes Niedersachsen wurde. Zudem war Hagemann 1945 Präsident des niedersächsischen Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes. . Von 1945 bis 1948 war er Landgerichtspräsident in Verden.Landgericht Verden. Von 1948 bis 1952 war er Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge.

Als evangelischer Laienvertreter wurde Hagemann bald nach Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) 1945 in den EKD-Rat gewählt, dem er bis 1949 angehörte. Zudem war er 1946 stellvertretender Vorsitzender des Disziplinarhofs der EKD (westlicher Senat).Karl-Heinz Fix: Die Protokolle des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Band 8: 1954/55. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, S. 614. In den Jahren 1946 und 1947 war er Vorsitzender des Außerordentlichen Kirchengerichtes (AOKG) der Hannoverschen Landeskirche.Heinrich W. Grosse, Hans Otte, Joachim Perels: Neubeginn nach der NS-Herrschaft?: die hannoversche Landeskirche nach 1945, S. 91 Online Der verfassungsgebenden Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche Deutschlands in Eisenach vom 6. bis 8. Juli 1948 leitete Hagemann als Präsident.Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte. Reihe A: Quellen, Band 018: Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949, Bd.1 : Überregionale ... Zeitgeschichte. Vandenhoeck & Ruprecht, 2010, ISBN 978-3525557846, S. 266 Online Hagemann nahm 1949 auch an der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-lutherischen Kirche Deutschlands in Leipzig teil.Siegfried Hermle (Hrsg.): Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949: Organe ..., Band 18, S. 270 Online Von 1949 bis 1955 war er Vorsitzender des Vorläufigen Schiedsgerichtshofs der EKD.

Am 15. Februar 1950 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen verliehen. Seitdem führte er den Titel Dr. jur. h. c.

Privatleben Hagemann heiratete 1908 Sophie Klein, die Tochter des Göttinger Mathematikers Felix Klein. Das Paar hatte vier Töchter und einen Sohn.Traudel Weber-Reich: Des Kennenlernens werth: bedeutende Frauen Göttingens, Wallstein, 1993, S. 250 Online

Literatur Beatrix Herlemann, Helga Schatz: Biographisches Lexikon niedersächsischer Parlamentarier 1919–1945 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Band 222). Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2004, ISBN 3-7752-6022-6, S. 136.

Einzelnachweise

Kategorie:Landeshauptmann (Provinz Hannover) Kategorie:DHP-Mitglied Kategorie:Rechtsanwalt (Deutschland) Kategorie:Richter (Landgericht) Kategorie:Person (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) Kategorie:Mitglied des Provinziallandtages von Hannover (Weimarer Republik) Kategorie:Person (Evangelische Kirche in Deutschland) Kategorie:Person (Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers) Kategorie:Ehrendoktor der Georg-August-Universität Göttingen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1958 Kategorie:Mann