mini|hochkant=1.3|CureVac Firmensitz in der Friedrich-Miescher-Str. 15 in Tübingen

Curevac N.V. [, , , , ] (Eigenschreibweise CureVac) war ein börsennotiertes biopharmazeutisches Unternehmen mit rechtlichem Sitz in den Niederlanden und Zentrale in Tübingen, das sich auf die Erforschung und die Entwicklung von Arzneimitteln auf der Grundlage des Botenmoleküls mRNA spezialisiert hat.

Geschichte Curevac ging aus einem akademischen Forschungsprojekt an der Universität Tübingen hervor. Im Februar 2000 meldeten Ingmar Hoerr, Steve Pascolo und Florian von der Mülbe in Zusammenarbeit mit den Professoren Hans-Georg Rammensee und Günther Jung die Firma an. Das baden-württembergische Landesministerium für Wissenschaft gewährte Hoerr und von der Mülbe eine Förderung, die u. a. die Nutzung von Laborräumen und die Beschäftigung von Doktoranden ermöglichte. In seiner Dissertation beschrieb Firmen-Mitgründer Ingmar Hoerr bereits 1999 erstmals die Grundlagen der direkten Anwendung des Botenmoleküls mRNA als Impfstoff, worauf CureVac aufbaut.Ingmar Hoerr wird Ehrensenator der Universität Tübingen. Web-Styleguide Uni Tübingen, 26. September 2018Curevac-Gründer Hoerr: Coronavirus kann uns nicht entkommen. FAZ 14. Januar 2021

2003 wurde zum weltweit ersten Mal ein Krebspatient in Tübingen direkt mit mRNA behandelt. Im selben Jahr zog das Unternehmen mit 18 Mitarbeitern ins Biotechnologiezentrum Tübingen. 2006 erhielt Curevac die Genehmigung für die weltweit erste GMP-zertifizierte Produktionsstätte für mRNA. Im Oktober 2013 initiierte und organisierte Curevac gemeinsam mit der Universität und dem Universitätsklinikum die erste International mRNA Health Conference in Tübingen, die seither jährlich an unterschiedlichen Orten stattfindet. Gemeinsam mit dem Museum der Universität Tübingen eröffnete Curevac 2015 eine Dauerausstellung im Tübinger Schlosslabor.

Im Mai 2018 wechselte Gründer und Vorstandsvorsitzender Ingmar Hoerr in den Vorsitz des Aufsichtsrats. Daniel L. Menichella, zuvor Chief Business Officer und Chief Executive Officer der US-amerikanischen Curevac-Tochter, wurde zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt.Veränderung an der Spitze von CureVac. Pressemitteilung Curevac, 8. Mai 2018, abgerufen am 18. März 2020 Im Februar 2019 gaben die internationale Impfstoffallianz CEPI und Curevac eine Vereinbarung in Höhe von 34 Mio. US-Dollar zur weiteren Entwicklung von Curevacs Vakzinierungsplattform bekannt. Die Plattform soll eine schnelle Versorgung mit RNA-Impfstoffen gegen bekannte Erkrankungen wie Lassafieber, Gelbfieber und Tollwut ermöglichen.

COVID-19-Pandemie

Seit Januar 2020 entwickelte das Unternehmen den SARS-CoV-2-Impfstoff-Kandidat CVnCoV. Anfang März 2020 traf sich der damalige Vorstandsvorsitzende Menichella mit US-Präsident Donald Trump. Am 11. März 2020 gab Curevac überraschend bekannt, dass Menichella abgelöst werde und an seiner statt der ehemalige Vorstandsvorsitzende Hoerr erneut auf den Posten zurückkehre. Daraufhin berichteten deutsche Medien, Trump habe sich in dem Gespräch mit Menichella bemüht, die Rechte an dem Impfstoff exklusiv für die USA zu sichern und wissenschaftliche Mitarbeiter abzuwerben. Am 15. März 2020 gab Curevac bekannt, dass ein möglicher Impfstoff nicht einer Nation, sondern der ganzen Welt zur Verfügung stehen soll. Mehrheitseigner Dietmar Hopp sagte: „Für mich ist das selbstverständlich, es kann gar nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird. Das war für mich keine Option.“ Er ergänzte, dass er persönlich nicht mit Trump gesprochen habe.

Am 16. März 2020 dementierte Curevac die Presseberichte und erklärte, Curevac habe weder vor noch während noch nach dem Treffen der Task Force im Weißen Haus ein Angebot von der US-Regierung oder verwandten Stellen erhalten. Am selben Tag teilte das Unternehmen mit, dass der seit wenigen Tagen wieder amtierende Vorstandsvorsitzende Hoerr krankheitsbedingt für unbestimmte Zeit abwesend sei und seine Rolle daher nicht ausüben könne. Im August 2020 gab CureVac die Ernennung des amtierenden Vorstandsvorsitzender und Chief Operating Officer (COO) Franz-Werner Haas zum Vorstandsvorsitzenden (CEO) bekannt. Seine Amtszeit endete zum 31. März 2023.

Ab Dezember 2020 wurde CVnCoV in einer kombinierten Phase-2b/3-Studie erprobt. Im Januar 2021 vereinbarte Curevac eine Allianz mit Bayer, die vor allem auf eine Zusammenarbeit bei Zulassungsfragen und den Vertrieb des Impfstoffs abzielt.Neue Allianz für Corona-Impfstoff der nächsten Generation. Handelsblatt, 4. Februar 2021, NR. 24, S. 23. Im Juni 2021 legte das Unternehmen vorläufige Ergebnisse der klinischen Studien vor: Die Wirksamkeit, bezogen auf eine COVID-19-Erkrankung jeglichen Schweregrades, habe bei dieser Zwischenanalyse bei lediglich 47 Prozent gelegen. Die statistischen Erfolgskriterien seien damit nicht erreicht, die laufende Studie sollte aber bis zur finalen Analyse fortgesetzt werden. Im Oktober 2021 informierte CureVac offiziell über die Aufgabe des Impfstoffkandidaten CVnCoV und zog den laufenden Zulassungsantrag bei der europäischen Arzneimittelagentur Ema zurück. Die Partnerschaft mit Bayer wurde aus diesem Grund beendet.

Im Februar 2021 vereinbarten Curevac und der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) die Entwicklung des modifizierten Covid-Impfstoffs CV2CoV, der Schutz vor neu aufkommenden Varianten des Coronavirus bieten und 2022 das Zulassungsverfahren durchlaufen soll. GSK zahlt dafür bis zu 150 Millionen Euro an Curevac und bekommt im Falle der Zulassung des Impfstoffs die Vertriebsrechte für alle Länder außerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Der für das vierte Quartal 2021 angekündigte Beginn der Phase-1-Studie mit dem Produktkandidaten CV2CoV musste in das erste Quartal 2022 verschoben werden. Da eine zulassungsrelevante Studie für das neue Vakzin erst im vierten Quartal 2022 durchgeführt werden könne, sei das ursprünglich für Mitte Oktober angepeilte Ziel, „die behördliche Zulassung für die Marktreife eines verbesserten Covid-19-Impfstoffs im Jahr 2022 zu erreichen“, frühestens 2023 realisierbar.Siegfried Hofmann: Biotech. Curevac fällt noch weiter zurück. Handelsblatt, 17. Januar 2022, NR. 11, S. 18.

Schrumpfkurs 2024 und Neuausrichtung Infolge der gescheiterten Entwicklung eines Corona-Impfstoffes sind Verluste in Millionenhöhe angefallen. Während der folgenden Restrukturierungsmaßnahmen trennte sich das Unternehmen von 300 Mitarbeitern. Es wurden Lizenzrechte für mRNA-Impfstoffe an den britischen Pharmakonzern GSK verkauft. Vorstandschef Alexander Zehnder hält das Unternehmen dadurch für bis 2028 finanziell abgesichert. Das Unternehmen konzentriert sich auf Forschung zur Verwendung der mRNA-Technologie in den Bereichen Onkologie und Nicht-Atemwegserkrankungen.

Am 5. Mai 2026 gab Biontech, das Curevac übernommen hatte, bekannt, dass mehrere Standorte, darunter auch Standorte von Curevac, bis Ende 2027 geschlossen werden. Davon sind etwa 830 Arbeitsplätze bei Curevac betroffen. Der Gründer und ehemalige Vorstandsvorsitzende von Curevac, Ingmar Hoerr, kritisierte die im Dezember 2025 abgeschlossene Übernahme als unlauter und warf Biontech Täuschung vor. Biontech begründete die Schließungen mit Überkapazitäten, Kostensenkungen und rückläufigen Umsätzen, insbesondere im Geschäft mit COVID-19-Impfstoffen.

Finanzierung, Börse und Aktionäre Bis August 2020 Curevac wurde von 2006 bis 2014 alleine von der Dievini Hopp BioTech Holding, einer Biotech-Venture Capital-Gesellschaft von SAP-Gründer Dietmar Hopp, finanziert, darunter 80 Mio. Euro im September 2012. Das Kapital von Curevac wuchs durch dieses Investment auf insgesamt 145 Mio. Euro; Hopp war zu dem Zeitpunkt damit zu rund 90 % an Curevac beteiligt. Im Februar 2015 wurde die Bill & Melinda Gates Foundation als neuer Investor gewonnen und im Oktober 2015 wurde ein Private Placement mit fünf weiteren Investoren (Baillie Gifford, Chartwave Ltd., Coppel Familie, Northview und Sigma Group) und einem Volumen von 98,7 Mio. Euro durchgeführt. Dabei investierte die Bill & Melinda Gates Foundation 46 Mio. Euro in Curevac.The Bill & Melinda Gates Foundation and CureVac Collaborate to Accelerate the Development of Transformative Vaccine Technology, Pressemitteilung der Bill-&-Melinda-Gates-Stiftung, 5. März 2015, abgerufen am 23. Juni 2020 (englisch) Die Dievini Hopp BioTech Holding engagierte sich gleichzeitig für eine weitere Einzahlung von 21 Mio. Euro. 2016 wurden im Zuge einer weiteren Kapitalerhöhung zwei neue Investoren, die baden-württembergische Investitionsbank L-Bank und die Baden-Württembergische Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte, hinzugewonnen, die insgesamt 26,5 Mio. Euro investierten. 2017 erfolgte eine weitere Kapitalerhöhung unter Beteiligung des US-Pharmakonzerns Eli Lilly & Co. in Höhe von 45,0 Mio. Euro. Seit ihrer Gründung hatte die Curevac über die Ausgabe von Anteilen bis Ende 2018 über 360 Mio. Euro eingeworben.Konzernjahresbericht zum 31. Dezember 2018; abgerufen am 15. März 2020 bei www.unternehmensregister.de Der katarische Staatsfonds erwarb 3,5 Prozent an Curevac. Zum Ausbau der Produktion sicherte die Europäische Investitionsbank ein Darlehen über 75 Millionen Euro zu.WirtschaftsWoche Nr. 41 vom 2. Oktober 2020. S. 46.

Im Juni 2020 beteiligte sich die Bundesregierung über die staatseigene Förderbank KfW für 300 Millionen Euro zu etwa 23 Prozent an Curevac. Das Unternehmen wurde zu dem Zeitpunkt mit ca. 1,3 Mrd. Euro bewertet. Im Juli 2020 beteiligte sich GlaxoSmithKline (GSK) im Rahmen einer Kooperation zur Erforschung, Entwicklung, Erzeugung und Vermarktung von bis zu fünf mRNA-basierten Impfstoffen und monoklonalen Antikörpern (mAbs) mit 150 Millionen Euro mit knapp 10 % an Curevac; außerdem tätigt GSK eine Einmalzahlung in Höhe von 120 Millionen Euro und eine erstattbare Zahlung von 30 Millionen Euro. Letztere wird fällig, sobald die derzeit in Deutschland im Bau befindliche industrielle Produktionsanlage von Curevac ihre GMP-Zertifizierung (Good Manufacturing Practice, deutsch: Gute Herstellungspraxis) durch die zuständigen Behörden erhalten hat. Curevac stehen zudem Zahlungen für Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteine in Höhe von bis zu 320 Millionen Euro sowie für kommerzielle Meilensteine von bis zu 380 Millionen Euro zu. Darüber hinaus erhält Curevac gestaffelte Lizenzgebühren auf Produktverkäufe.Curevac: GSK und CureVac verkünden strategische mRNA-Technologiepartnerschaft, Pressemitteilung vom 20. Juli 2020

Börsengang im August 2020 Am 14. August 2020 erfolgte der Börsengang an der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ unter dem Börsenkürzel CVAC. Bei einem Ausgabekurs von 16 US-Dollar und einem Emissionerlös von brutto 245 Mio. US-Dollar lag der Unternehmenswert bei ca. 2,3 Mrd. US-Dollar.Pressemitteilung: CureVac kündigt den Abschluss des ersten öffentlichen Zeichnungsangebots an. 18. August 2020. Die Aktie legte am ersten Handelstag um 250 % zu. Im Rahmen des Börsenganges wurden zuvor alle Aktien der Curevac AG auf die niederländische Publikums-Aktiengesellschaft Curevac N.V. übertragen, die damit zur Holdinggesellschaft wurde.SEC-Unterlagen (Prospectus) vom 13. August 2020 für Börsengang an der NASDAQ (englisch), abgerufen am 15. August 2020 Parallel zum Börsengang zeichnete die Dievini Hopp BioTech Holding eine Kapitalerhöhung von 100 Mio. Euro. Nach dem Börsengang und der zusätzlichen Finanzierung durch Dietmar Hopp waren folgende Aktionäre mit über 5 % beteiligt: Dievini Hopp BioTech Holding (49,5 %), Kreditanstalt für Wiederaufbau (17,0 %) und Glaxo (8,5 %). Vorstände und Aufsichtsräte halten gemeinsam 1,1 %.