Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) (engl. International Atomic Energy Agency (IAEA); umgangssprachlich auch bekannt als Internationale Atomenergiebehörde) ist eine autonome wissenschaftlich-technisch-politische Organisation, die innerhalb des Systems der Vereinten Nationen einen besonderen Status innehat.

Mission Die IAEO soll laut Satzung „den Beitrag der Kernenergie zu Frieden, Gesundheit und Wohlstand weltweit beschleunigen und vergrößern“; sie soll also die Anwendung der friedlichen Nutzung der Kernenergie und die internationale Zusammenarbeit hierbei fördern sowie die militärische Nutzung der Kerntechnik (d. h. die Proliferation von Kernwaffen) durch Überwachungsmaßnahmen („Safeguards“) im Rahmen des Nichtverbreitungsvertrags (NVV) von 1968 verhindern. Für ihren Einsatz für diese Ziele wurde sie 2005 „für ihre Bemühungen, die Nutzung der Kernenergie für militärische Zwecke zu verhindern und dafür zu sorgen, dass die Kernenergie für friedliche Zwecke auf möglichst sichere Weise genutzt wird“, jeweils zur Hälfte mit ihrem damaligen Generaldirektor Mohammed el-Baradei mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Organisation Die IAEO, umgangssprachlich auch bekannt als Internationale Atomenergiebehörde, ist keine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, sondern mit diesen vielmehr durch ein separates Abkommen verbunden. Sie berichtet regelmäßig der Generalversammlung der Vereinten Nationen und darüber hinaus dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, wenn sie eine Gefährdung der internationalen Sicherheit feststellt.Das System der Vereinten Nationen. Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen, 2008 () mini|hochkant=1.5|Mitgliedstaaten der IAEO (Stand: Dezember 2024):IAEA: List of Member States Die IAEO setzt sich aus der Generalkonferenz, dem Gouverneursrat (Board of Governors) und dem Sekretariat zusammen. Generaldirektor war bis zu seinem plötzlichen Tod im Juli 2019 der Japaner Yukiya Amano, dessen Amtsgeschäfte seit dem 25. Juli 2019 kommissarisch durch den Rumänen Cornel Feruta übernommen wurden. Am 3. Dezember 2019 übernahm der Argentinier Rafael Grossi das Amt des Generaldirektors.

Die sechs Hauptabteilungen, jeweils unter einem Vizedirektor, sind den Ressorts Technische Zusammenarbeit, Kernenergie, Nukleare Sicherheit, Verwaltung, Nuklearwissenschaften und Anwendungen sowie Kernmaterialüberwachung zugeordnet.

Das kerntechnische Untersuchungslabor der IAEO befindet sich im etwa 30 km von Wien entfernten Forschungszentrum Seibersdorf auf dem Gelände des Austrian Institute of Technology. Außerdem betreibt und fördert die IAEO die Kernforschungszentren in Monaco und Triest (Italien).

Berichte zu den Aktivitäten der IAEO werden regelmäßig und zusätzlich bei Bedarf dem Sicherheitsrat und der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt.

Generaldirektoren 1957 bis 1961 William Sterling Cole, USA 1961 bis 1981 Sigvard Eklund, Schweden 1981 bis 1997 Hans Blix, Schweden 1997 bis November 2009 Mohammed el-Baradei, Ägypten 1. Dezember 2009 bis 22. Juli 2019 Yukiya Amano, Japan 25. Juli 2019 bis Dezember 2019 Cornel Feruta, Rumänien (kommissarisch) seit dem 3. Dezember 2019 Rafael Grossi, Argentinien

Finanzen Die Programme und Gelder werden von dem 35-köpfigen Gouverneursrat und der Generalversammlung aller Mitgliedsstaaten festgelegt. Der Etat beinhaltet ein reguläres Budget sowie zusätzlich freiwillige Beiträge. Das reguläre Budget für 2009 belief sich auf rund 293,7 Millionen US-Dollar. An zusätzlichen Beiträgen werden rund 85 Millionen US-Dollar angestrebt. Die Ausgaben der IAEO werden jährlich extern geprüft (engl. ), dieser wird von der Generalkonferenz gewählt.

Für 2016 lagen die Einnahmen der Organisation bei 632 Millionen US-Dollar und die Ausgaben bei 550 Millionen US-Dollar.

Mitarbeiter In dem Jahr 2025 verfügte die Organisation über etwa 2.500 Mitarbeiter (davon etwa 350 Inspektoren) aus über 100 Ländern.

Mitglieder Mit Stand Dezember 2025 zählt die IAEO 181 Mitglieder.

Gründung und Sitz mini|Das Abkommen über den Sitz in Wien tritt in Kraft. Handschlag zwischen William Sterling Cole und Leopold Figl (26. Februar 1958)Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde klar, dass Kernenergie (und noch wichtiger, die Verbreitung von Kernwaffen) reguliert werden müsse. Die ersten politischen Gespräche und Verhandlungen dazu fanden im Rahmen der United Nations Atomic Energy Commission (UNAEC) statt, die von 1946 bis 1952 aktiv war. Die neue Atommacht USA schlug damals einen Plan zur Regulierung der Kernenergie vor, der auch als Baruch-Plan bekannt ist (siehe Dean Acheson und David Lilienthal). Die Verhandlungen scheiterten jedoch, da mit der zweiten Atommacht, der Sowjetunion, keine Übereinstimmung erzielt werden konnte. Zu diesem Zeitpunkt begann auch der Kalte Krieg.

Die Gründung der IAEO wurde auch dadurch ermöglicht, dass die USA den Atomic Energy Act of 1946 durch den Atomic Energy Act of 1954 anpassten. Dadurch wurde die Nutzung von Kernenergie für friedliche und kommerzielle Zwecke ermöglicht, da zuvor alle kerntechnischen Anlagen und Erfindungen Eigentum der US-Regierung waren. Bei der ersten Genfer Atomkonferenz von 1955 im Rahmen des Programms Atoms for Peace wurde deutlich, dass alle Nationen ihr Wissen für die friedliche Nutzung teilen und dafür eine Organisation (die IAEO) gegründet werden müsse.

Die Anregung zur Gründung gab US-Präsident Dwight D. Eisenhower in einer Rede 1953:

Schließlich wurde die IAEO am 29. Juli 1957 unter dem Dach der Vereinten Nationen in New York gegründet.

Die IAEO hat ihren Verwaltungssitz seit 1957 in Wien, seit August 1979 im Vienna International Centre, einem Teil der lokal so genannten UNO-City.Bis zum Bezug des VIC, 1979, wurde als Amtssitz das Grand Hotel Wien (Kärntner Ring 9, Wien-Innere Stadt) genutzt.Im Sommer 1959 war (erneut wie erfolglos) das am Rande des Wienerwaldes in Döbling gelegene (und später, 1966, vom Eigentümer Stadt Wien abgebrochene) Schloss Cobenzl als Adresse ins Gespräch gekommen. – Siehe: Regionale Büros der IAEO sind in Genf (Schweiz), New York (Vereinigte Staaten), Toronto (Kanada) und Tokio (Japan) angesiedelt.

Chronologie Vorgeschichte: 1948 verabschiedet die UN-Generalversammlung einen (unverbindlichen) Beschluss, der vorsieht, eine internationale Körperschaft zu gründen, welche – aus Gründen der einzig friedlichen Verwendung – alle Atomreaktoren und Uranminen weltweit besäße und betriebe. Im Gegenzug dazu solle der Atombomben-Bau eingestellt werden und die bestehenden Bestände davon vernichtet werden.Neue Zürcher Zeitung vom 15. November 1948. In seiner Rede Atoms for Peace von 1953 regt dann US-Präsident Eisenhower die Gründung einer etwas weniger weitgehenden Form dieser „International Atomic Energy Agency“ an, welche sich ebenfalls für die ausschließlich friedliche Verwendung der Atomenergie einsetzen solle. Gründung der Organisation am 29. Juli 1957. Erster Generaldirektor wird der US-Politiker William Sterling Cole. 1961 wird der Schwede Sigvard Eklund zum Generaldirektor gewählt. Er äußert 1962 die Vermutung, bis 1980 würde die Hälfte des jährlichen Zuwachses der Stromerzeugung durch Kernkraftwerke produziert. Am 30. März 1962 unterstellen die USA vier Kernkraftwerke unter die Kontrolle der IAEO. Auf der Generalkonferenz vom 18. bis 26. September 1962 wird Saudi-Arabien in die IAEO aufgenommen und das Budget für 1963 mit 7,4 Millionen US-Dollar bekanntgegeben. 1962 wird im Rahmen eines australisch-japanischen Abkommens über die friedliche Nutzung der Kernenergie das Sicherheitssystem der IAEO unterstellt. Ab März 1970 übernimmt die IAEO auch die Überwachung des Atomwaffensperrvertrages. 1981: Hans Blix, 1978/79 Außenminister Schwedens, wird neuer Generaldirektor. Er bleibt bis 1997 im Amt. Seit der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl beschäftigt sich die IAEO stärker als zuvor mit der Sicherheit von Kernkraftwerken. 2003 erregt die IAEO durch ihre Mission im Irak vor Beginn des Irakkrieges (20. März bis 1. Mai 2003) Aufsehen. Im Dezember 2004 wird bekannt, dass Mohammed el-Baradei, von 1997 bis November 2009 Generaldirektor der IAEO, von den USA systematisch abgehört wurde. El-Baradei zeigt sich empört. Er wusste zwar bislang, dass die Regierung der USA gegen ihn arbeitete, jedoch nicht, dass sie einen Eklat riskieren und ihn abhören würde. El-Baradei äußerte die Vermutung, die US-Regierung wolle per Lauschangriff an belastendes Material gelangen, um ihn zu erpressen oder aus dem Amt zu drängen.spiegel.de vom 13. Dezember 2004: Baradei empört über US-Lauschangriff 2005 erhalten el-Baradei und die IAEO den Friedensnobelpreis. Die IAEO hat die Nuklearkatastrophe von Fukushima ab März 2011 zeitnah dokumentiert und im Internet veröffentlicht. Die IAEO hat das RANET (Response and Assistance Network) aufgebaut; jeder Vertragsstaat kann im Falle eines nuklearen oder radiologischen Ereignisses oder Notfalls die IAEO und andere Mitgliedsstaaten um Hilfe bitten.Sie ist auch in Nordkorea und im Iran tätig. Siehe auch: Nordkoreanisches Kernwaffenprogramm und Iranisches Atomprogramm Nach Befürchtungen, dass die Kämpfe um das Kernkraftwerk Saporischschja während des Russisch-Ukrainischen Krieges die Sicherheit des Kraftwerks bedrohen könnten, entsandte die IAEO nach Absprache mit den Kriegsparteien politisch neutrale Inspektoren für die Begutachtung des Kraftwerkes. Die Organisation kritisierte daraufhin zahlreiche Verstöße, die die Reaktorsicherheit gefährdet hätten. Zwei Mitarbeiter der IAEO wurden dauerhaft zur Beobachtung des Kraftwerkes entsandt. Da sich durch die Kursk-Offensive die Frontlinie näher an das Kernkraftwerk Kursk verlagerte, inspizierte die IAEA Ende August 2024 die dortigen Anlagen. Das Inspektionsteam warnte daraufhin, dass der Reaktortyp RBMK bei einem Beschuss besonders anfällig sei und mahnte, Kampfhandlungen dort zu verhindern.

Arbeitsgebiete

Förderung der friedlichen Nutzung der Kernenergie Die vornehmliche Aufgabe der IAEO besteht in der Förderung und Unterstützung der friedlichen Nutzung der Kernenergie.

Atomwaffensperrvertrag – Sicherheitsüberwachungen

Die IAEO ist seit 1970 für die Überwachung des Atomwaffensperrvertrags (NVV bzw. NPT) zuständig. Dieser soll die Verbreitung von Kernwaffen verhindern. Der NVV wurde von allen fünf Atommächten unterzeichnet. Alle weiteren Unterzeichner sind sogenannte Nichtkernwaffenstaaten, welche sich per NVV-Vertrag verpflichten, die Entwicklung und Produktion von Atomwaffen zu unterlassen. Die IAEO schließt dazu einen Vertrag, um sogenannte Safeguards auf die Nichtkernwaffenstaaten anzuwenden. Im Unterschied zum Baruch-Plan zur Kontrolle von Kernwaffen, der 1946 gescheitert ist, erlaubt der NVV-Vertrag die Herstellung von Kernmaterial (auch Kernreaktoren usw.) durch Nichtkernwaffenstaaten, jedoch nicht deren Abzweigung zu militärischen Zwecken. Der IAEO kommt damit die folgende Aufgabe zu, welche in dem Schlüsseldokument The Structure and Content of Agreements between the Agency and States Required in Connection with the Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons dokumentiert ist:

Das bedeutet, dass die IAEO Spaltmaterial oder Atomanlagen nicht kontrolliert (sie ist nicht deren Besitzer), sondern „Kontrolle“ im Sinne von Inspektionen und Überprüfungen ausübt. Besteht der Verdacht, dass Kernmaterial auch für „unbekannte Zwecke“ entwendet wurde, wird ein Verdachtsmoment festgestellt und es werden weitere Schritte eingeleitet.

Neben der Entsendung von Inspektoren, die weltweit etwa 2500 Überprüfungen vor Ort anstellen, bedient sich die IAEO mittlerweile auch der Satellitenüberwachung und ähnlicher Mittel, um die Einhaltung des NVV zu kontrollieren. Genauer ist die IAEO heutzutage nicht auf den Zugang zu gemeldeten Informationen über Kernmaterial beschränkt, oder auf Orte, an denen solches Material gemeldet wurde.

Nukleare Krisen