mini|hochkant=1.1|William Martin Murphy, in einem Ölgemälde von William Orpen

William Martin Murphy (* 6. Januar 1845 in Derrymihan bei Castletownbere, County Cork;Morrissey, S. 4; Bielenberg. Maume nennt Bantry als Geburtsort. Nach Morrissey zogen die Eltern erst 1846 nach Bantry. Boylan nennt Bandon als Geburtsort. † 26. Juni 1919 in DublinMorrissey, S. 75.) war ein irischer Unternehmer, dem zahlreiche Bahngesellschaften in Irland, Großbritannien und Afrika gehörten.Maume. Er vertrat von 1885 bis 1892 als Abgeordneter der Irish Parliamentary Party Dublin im britischen UnterhausMorrissey, S. 1. und wurde mit dem Kauf der Irish Independent und weiterer Zeitungen zum ersten irischen Pressemagnaten, der nachhaltig die irische Presselandschaft veränderte.Morrissey, S. 3. Er wurde jedoch hauptsächlich bekannt durch seine Rolle in dem Arbeitskonflikt von 1913 (Dublin Lockout), bei der er die Seite der Arbeitgeber anführte und mit Hilfe von Aussperrungen und dem daraus resultierenden sozialen Elend den Widerstand der Arbeiter brach.Morrissey, S. 47–59.

Leben Frühe Jahre William Martin Murphy wurde als Sohn des Bauunternehmers Denis Murphy geboren und blieb das einzige Kind. Kurz nach seiner Geburt verlagerte sein Vater sein Geschäft nach Bantry. Als William Martin vier Jahre alt war, verstarb seine Mutter Mary Anne Martin. Seine Großmutter Mary Murphy, die dann die Erziehung übernahm, starb fünf Jahre später. Nach dem Besuch der Schule in Bantry wechselte Murphy 1858 nach Dublin auf das von Jesuiten geführte Belvedere College und wohnte bei einem Freund seines Vaters, A. M. Sullivan, der damals an der irisch-nationalen Wochenzeitung Nation mitarbeitete. Nach dem Abschluss der Schule nahm er 1863 ein Studium der Architektur an der katholischen Universität auf und arbeitete zugleich beim Dubliner Architekten John J. Lyons. Ferner schrieb er für die Nation und den Irish Builder. Als sein Vater 1863 überraschend verstarb, musste er jedoch sein Studium abbrechen und das Unternehmen seines Vaters übernehmen.Morrissey, S. 4–7. Nur wenige Jahre nach der Übernahme des väterlichen Unternehmens verlagerte er dessen Sitz nach Cork. Zu seinen frühen geschäftlichen Erfolgen trug auch die Heirat mit Mary Julia Lombard bei, der Tochter des einflussreichen Geschäftsmanns James Fitzgerald Lombard. 1875 war Murphy bereits so erfolgreich, dass er nicht nur den Sitz seiner Unternehmung nach Dublin verlagern konnte, sondern auch über die Mittel verfügte, mit Dartry House ein stattliches Anwesen im Süden Dublins zu erwerben.Morrissey, S. 8.

Aufbau des Straßenbahn- und Eisenbahnimperiums mini|hochkant|Werbung der Dublin United Tramways Company mit den zur Verfügung stehenden Linien In dieser Zeit weckte die Einführung der Pferdebahnen in den Vereinigten Staaten und in London durch George Francis Train das Interesse Murphys. Nach der 1871 erfolgten Genehmigung gab es 1877 drei Unternehmen, die Pferdebahnen in Dublin betrieben. Murphy leitete zusammen mit seinem Schwiegervater den jüngsten dieser drei Betriebe, die Dublin Central Tramway Company, die dank der Möglichkeiten seines Bauunternehmens sehr rasch expandieren konnte. 1880 wurden all diese Betriebe zur United Tramways Company vereinigt mit James Fitzgerald Lombard als Aufsichtsratsvorsitzenden und Murphy als Vorstandsvorsitzenden. Das Unternehmen förderte und profitierte insbesondere mit der beginnenden Elektrifizierung ab 1896 von der Expansion Dublins, bei der zahlreiche neue Vorstädte entstanden, die über die Straßenbahnen mit dem Zentrum verbunden wurden.Morrissey, S. 9.

mini|links|Die 1881 von Murphy eröffnete Bahnstrecke verband Bantry mit Cork Dieser Erfolg eröffnete die Gelegenheit für Murphy, das Geschäft auch auf Eisenbahnen auszuweiten. Hier erhielt er den Vertrag für die Bahnstrecke von Drimoleague nach Bantry, die offiziell am 3. Juli 1881 eröffnet wurde. Bereits im folgenden Jahr durfte er den Dubliner Erzbischof Edward McCabe in seiner Eigenschaft als Anteilseigner der Cork and Bandon Railway Company vertreten. 1884 folgte die Bahnlinie zwischen Clara und Banagher.Morrissey, S. 9–11. Im Dezember 1885 wurde er Vorstandsmitglied der Waterford and Limerick Railway, und etwa zeitgleich kam er auch in den Vorstand der West Clare Railways.Morrissey, S. 12. Als 1901 mehrere Eisenbahngesellschaften zur Great Southern and Western Railway zusammengeschlossen wurden, wurde er nicht sofort als Vorstand mit übernommen; Ende 1903 gelang es ihm jedoch, in Nachfolge eines verstorbenen Vorstandsmitglieds nachzurücken.

Da Murphy in das Eisenbahngeschäft eingestiegen ist, als viele wichtige Linien bereits existierten, waren seine unternehmerischen Aktivitäten im Bereich des Straßenbahnbaus sehr viel bedeutender, die er neben Dublin auch in Cork, Belfast, im Süden Londons, Isle of Thanet, Hastings, Bournemouth, Paisley und sogar in Buenos Aires betrieb.Bielenberg. Seine Straßenbahnen in Dublin galten in Bezug auf Effizienz und Komfort im gesamten Vereinigten Königreich als unvergleichlich, sowohl in dem System der zur Verfügung stehenden Routen als auch in der perfekten Organisation.Einschätzung von Wright, S. 70.

Politische Laufbahn Als 1885 der Wahlkreis in Dublin aufgeteilt wurde, ergab sich für Murphy durch seine zunehmende Bedeutung und Bekanntheit als Mitglied der 1882 gegründeten Irish Parliamentary Party die Möglichkeit, als Abgeordneter des Wahlkreises St Patrick’s in das Unterhaus einzuziehen. Dies erwies sich als sehr glücklich für seine weitere geschäftliche Entwicklung, da viele Entscheidungen bezüglich des Ausbaus der öffentlichen Verkehrsmittel vom Unterhaus abhingen. Hier gelang es ihm rasch, Einfluss auf die zugehörige Gesetzgebung zu gewinnen. So unterstützte er beispielsweise 1886 den Public Works Loans Tramways (Ireland) Act, der das Schatzamt autorisierte, Darlehen mit Anteilen als Sicherheit auszugeben, und nahm über dieses Programm selbst ein Darlehen in der Höhe von £ 54.000 für ein Projekt der West Clare Railway auf, bei der er im Vorstand war und auch gleichzeitig von den vergebenen Aufträgen profitierte.Morrissey, S. 11–12. Er plädierte für eine nationale Regierung in Irland und nannte in einer Rede vom 10. Januar 1887 Belgien als Vorbild. Er argumentierte, dass es bei einer Selbstverwaltung zu einer wirtschaftlichen Blüte kommen werde, wandte sich entschieden gegen Vorurteile gegenüber irischen Arbeitern und verwies dazu auf seine langjährige Erfahrung als Arbeitgeber.Morrissey, S. 14. Während eines Streiks der Bauarbeiter 1890 in Dublin setzte er sich für diese in einem am 24. März im Freeman’s Journal veröffentlichten Artikel ein und wies darauf hin, dass die Arbeiter nur vier Pence pro Stunde verlangen würden – ein Betrag, den er schon zehn Jahre zuvor an seine Arbeiter gezahlt habe.Morrissey, S. 15.

mini|hochkant|Die Affäre um Charles Parnell und Katharine O’Shea führte zur Spaltung der Irish Parliamentary Party. Als 1890 öffentlich wurde, dass Charles Parnell eine Affäre mit Katharine O’Shea, der Frau seines Parteifreunds, hatte, aus der mehrere Kinder hervorgegangen waren, und Parnell sich weigerte, deswegen zurücktreten, kam es zu einer Spaltung der Irish Parliamentary Party. Murphy schloss sich der Gruppe um Justin McCarthy, die den Rückhalt durch den Dubliner Erzbischof William Walsh hatte, an. Murphy und Walsh kannten einander sehr gut, vertrauten einander und blieben in dieser Affäre kontinuierlich mit Telegrammen in Kontakt.Morrissey, S. 18–21. Die Gegner Parnells, die sich als Patriotic Party formiert hatten, sahen sich dem Problem gegenüber, dass das Freeman’s Journal weiterhin in Parnells Kontrolle verblieb und somit keine eigene Zeitung zur Verfügung stand, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Am 15. Dezember 1890 erschien eine Notzeitung unter dem Namen Suppressed United Ireland, die insbesondere die Anhänger und Mitglieder der Irish Parliamentary Party aufforderten, sich der Patriotic Party anzuschließen. Als Alternative zu der Irish National League, dem wichtigsten Instrument der durch Parnell geführten Bewegung, die die Irish Parliamentary Party weiterhin unterstützte, wurde das National Committee gegründet. Murphy stellte Räume zur Verfügung und übernahm auch die Leitung. Er berichtete gegenüber Erzbischof Walsh, dass er bereits etwa 3.000 prominente Anhänger gewonnen hätte und die Stimmung nach der gewonnenen Wahl in Kilkenny sehr gut sei.Morrissey, S. 22–23.

In Nachfolge der Notzeitung wurde zunächst ein dünnes Blatt mit dem Namen Insuppressible herausgegeben; wenig später wurde daraus unter der Leitung von Healy und Murphy eine etwas umfangreichere Zeitung mit dem Namen National Press. Es war sehr schwierig, genügend Anzeigenkunden und Abnehmer für die Zeitung zu finden, da Dublin dank des nach wie vor erfolgreichen Freeman’s Journal weitgehend Parnell treu blieb. Dies änderte sich aber allmählich, weil Murphy kontinuierlich die Zeitung finanzierte, die Unterstützung durch die Bischöfe half und am 6. März 1891 Thomas Sexton als Herausgeber gewonnen werden konnte. Da dadurch die Lage für das Freeman’s Journal zunehmend schwieriger wurde, distanzierte es sich letztlich doch von Parnell, der danach noch versuchte, die Irish Daily Independent als neue Zeitung zu gründen, jedoch am 6. Oktober 1891 unerwartet früh verstarb.Morrissey, S. 23–24.

mini|hochkant|John Dillon war der wichtigste politische Gegenspieler Murphys, der zuletzt auch dessen politische Karriere beendete. Nach dem Tod von Parnell ergriffen John Dillon und William O’Brien die Gelegenheit, das Freeman’s Journal zu übernehmen, und schlugen vor, beide Zeitungen zusammenzulegen. Murphy und Healy waren zunächst dagegen, konnten sich aber nicht durchsetzen. Da die Anteilseigner der National Press Anteile des Freeman’s Journal erhielten, wurden Murphy und Healy Mitglieder des neuen Vorstands. In einer längeren Auseinandersetzung bemühten sich Dillon und der ebenfalls zum Vorstand gehörende Sixton, sowohl Murphy als auch Healy hinauszudrängen. Erzbischof Walsh, der ebenfalls dem Vorstand angehörte, wurde von beiden Seiten in die Auseinandersetzung einbezogen. Als am 20. Februar 1893 Erzbischof Walsh ankündigte, in der Sitzung vom 6. März seine Empfehlungen zum weiteren Verfahren auszusprechen, und es Gerüchte gab, dass Erzbischof Walsh Dillon unterstützen würde, sandten sowohl Murphy als auch Healy jeweils Schreiben an den Erzbischof mit der Ankündigung, seine Empfehlungen nicht als bindend anzusehen. Dies wurde vom Erzbischof Walsh als Vertrauensbruch betrachtet, und das zuvor sehr gute Verhältnis zwischen Murphy und Walsh sollte sich nie davon erholen. Am Ende konnte Murphy aber dennoch seinen Vorstandssitz nicht behalten, womit er letztlich auch seine Investitionen in diese Zeitung verlor.Morrissey, S. 25–26.

1892 konnte Murphy seinen Sitz im Unterhaus nicht verteidigen. In einer Nachwahl im Wahlkreis South Kerry wurde Murphy im September 1895 von der lokalen Irish Parliamentary Party als Kandidat aufgestellt. Es ist unklar, ob dies mit dem Einverständnis von Murphy erfolgte, aber die Reaktion von Dillon kam prompt, indem sofort mit T. G. Farrell ein Gegenkandidat ins Rennen geschickt wurde. Trotz der Unterstützung durch Healy unterlag Murphy mit nur 474 gegen 1209 Stimmen. In der Folge verlor Murphy seinen Sitz in der Irish National Federation und Healy seine Parteiämter, obwohl er Mitglied blieb. Kurz darauf gab Justin McCarthy den Parteivorsitz auf, so dass Dillon sein Nachfolger wurde.Morrissey, S. 27.

Der Weg zum Pressebaron