Der Große Preis von Belgien 1970 (offiziell XXIX Grand Prix de Belgique) fand am 7. Juni auf dem Circuit de Spa-Francorchamps in Spa statt und war das vierte Rennen der Automobil-Weltmeisterschaft 1970.

Berichte Hintergrund Im Vorjahr war das Rennen auf der sehr schnellen und kaum gesicherten Strecke von Spa-Francorchamps von den Fahrern boykottiert worden, so dass der Große Preis von Belgien ausfallen musste. Als Folge wurden daraufhin im Bereich der am gefährlichsten erscheinenden Streckenabschnitte Leitplanken installiert. Aufgrund dessen kehrte die Formel 1 1970 noch einmal auf die 14,1 Kilometer lange Strecke zurück, für die Zukunft wurde sie aber trotz der Leitplanken und einer Bremsschikane im Bereich der ehemals extrem schnellen Malmedy-Kurve als zu gefährlich eingestuft. Somit fand an diesem Wochenende zum letzten Mal in der Formel-1-Geschichte ein Rennen auf einem Hochgeschwindigkeitskurs ohne Auslaufzonen statt.Kampf am Limit. Die Formel 1 Chronik 1950–2000, hrsg. v. Willy Knupp, RTL Buchedition: Zeitgeist Verlag: Düsseldorf/Gütersloh 2000, ISBN 3-89748-277-0, S. 150

Der bereits für das Rennen gemeldete Bruce McLaren war fünf Tage zuvor bei Testfahrten mit einem CanAm-Rennwagen seines eigenen Teams in Goodwood tödlich verunglückt. Am Wochenende davor hatte sich der McLaren-Werksfahrer Denis Hulme in Indianapolis bei einem Unfall im Training zum 500-Meilen-Rennen Brandverletzungen an den Händen zugezogen. Pläne, ihn beim Belgien-GP durch Peter Gethin zu ersetzen, wurden fallen gelassen, da das Team aufgrund des tragischen Todes von Teamgründer McLaren letztendlich überhaupt nicht antrat.

Johnny Servoz-Gavin hatte seine Formel-1-Karriere nach dem Großen Preis von Monaco beendet, da er sich nicht vollständig von einer Augenverletzung erholte, die er sich im Winter 1969/70 zugezogen hatte. Ken Tyrrell verpflichtete zunächst keinen Ersatzfahrer, so dass Jackie Stewart an diesem Wochenende als einziger Fahrer für das Team startete.

Ferrari setzte erstmals in dieser Saison neben dem Fahrzeug von Jacky Ickx einen zweiten Werkswagen ein, der von Ignazio Giunti pilotiert wurde.

In der Fahrerwertung führte Jack Brabham mit zwei Punkten vor Stewart und mit sechs Punkten vor Jochen Rindt. In der Konstrukteurswertung führten Brabham und McLaren mit einem Punkt vor Lotus.

Mit Brabham (einmal) trat ein ehemaliger Sieger zu diesem Grand Prix an.

Training Die Lotus-Werksfahrer Jochen Rindt und John Miles setzten im Training sowohl den neuen Lotus 72 als auch das inzwischen als etwas veraltet geltende Modell 49 ein. Miles pilotierte den neuen Wagen auch im Rennen, während Rindt sich für den ausgereifteren Typ 49 entschied. Die March-Fahrer Stewart und Chris Amon belegten die Startplätze eins beziehungsweise drei und rahmten somit Rindt in der ersten Startreihe ein.

Rennen Nach dem Start übernahm zunächst Rindt die Führung, wurde aber bereits im Verlauf der ersten Runde von Amon und wenig später von Stewart überholt. Letzterer überholte in der zweiten Runde auch Amon, dieser konnte jedoch in der dritten Runde die Führung zurückerobern. In der Zwischenzeit kämpfte sich Pedro Rodríguez an Rindt vorbei und überholte wenig später auch die beiden Führenden. Amon konnte zunächst den Anschluss halten, fiel aber schließlich leicht zurück.

Rodríguez gewann zum insgesamt zweiten Mal nach dem Großen Preis von Südafrika 1967 einen Weltmeisterschaftslauf der Formel 1. Es war sowohl für ihn als auch für den Reifenhersteller Dunlop der letzte Grand-Prix-Sieg.

Henri Pescarolo und Joseph Siffert erreichten das Ziel nicht, da sie in den letzten Runden wegen technischen Defekten ausfielen. Aufgrund der zurückgelegten Distanz wurden sie dennoch gewertet. Der vom letzten Platz gestartete Pescarolo erhielt als Sechstplatzierter sogar einen WM-Punkt.

Meldeliste Team Nr. Fahrer Chassis Motor Reifen 1 BRM P153 BRM P142 3.0 V12 2 7 De Tomaso 505 Ford Cosworth DFV 3.0 V8 Tom Wheatcroft Racing 8 Brabham BT26A 9 March 701 10 11 Antique Automobiles Racing Team 14 18 Brabham BT33 19 20 Lotus 72CRindt fuhr den Lotus 72C nur im Training. Lotus 49C 21 Lotus 49CMiles fuhr den Lotus 49C nur im Training. Lotus 72B 22 Lotus 72C 23 Lotus 49C 25 Matra MS120 Matra MS12 3.0 V12 26 27 Ferrari 312B Ferrari 001 3.0 F12 28 Anmerkungen

Klassifikationen Startaufstellung Pos. Fahrer Konstrukteur Zeit Ø-Geschwindigkeit Start 1 3:28,0 244,038 km/h 1 2 3:30,1 241,599 km/h 2 3 3:30,3 241,369 km/h 3 4 3:30,7 240,911 km/h 4 5 3:31,5 240,000 km/h 5 6 3:31,6 239,887 km/h 6 7 3:32,0 239,434 km/h 7 8 3:32,4 238,983 km/h 8 9 3:32,8 238,534 km/h 9 10 3:32,9 238,422 km/h 10 11 3:32,9 238,422 km/h 11 12 3:33,0 238,310 km/h 12 13 3:33,8 237,418 km/h 13 14 3:34,2 236,975 km/h 14 15 3:36,2 234,783 km/h 15 16 3:37,0 233,917 km/h 16 17 3:37,1 233,809 km/h 17 DNQ Soler-Roig qualifizierte sich nicht, da er die erforderlichen Runden im Training nicht absolvierte. 3:52,7 218,135 km/h – Anmerkungen

Rennen Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde 1 28 0 1:38,10,1 6 3:27,6 (26.) 2 28 0 + 1,1 3 3:27,4 (28.) 3 28 0 + 1:43,7 11 3:31,2 (25.) 4 28 0 + 2:38,5 8 3:30,5 (27.) 5 28 0 + 3:31,8 7 3:34,6 (7.) 6 27 0 DNF 17 3:32,2 (25.) 7 26 0 DNF 10 3:35,2 (3.) 8 26 1 + 2 Runden 4 3:31,3 (18.) – 20 1 NC 9 3:33,0 (5.) – 19 0 DNF 5 3:29,5 (8.) – 19 1 DNF 16 3:38,7 (2.) – 14 1 DNF 1 3:31,9 (8.) – 13 0 DNF 13 3:37,9 (2.) – 10 0 DNF 2 3:30,7 (8.) – 7 0 DNF 14 3:32,4 (6.) – 4 0 DNF 12 3:35,5 (2.) – 1 0 DNF 15 4:41,1 (1.)

WM-Stände nach dem Rennen Die ersten sechs des Rennens bekamen 9, 6, 4, 3, 2, 1 Punkt(e). Die besten sechs Ergebnisse der ersten sieben und die besten fünf der letzten sechs Rennen zählten zur Meisterschaft. In der Konstrukteurswertung zählten dabei nur die Punkte des bestplatzierten Fahrers eines Teams.

Fahrerwertung Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte 1 Brabham-Ford 152 March-Ford133 B.R.M.104 Lotus-Ford95 McLaren-Ford9 6 Matra 77 Lotus-Ford68 † McLaren-Ford69 March-Ford610 Matra511 March-Ford412 Ferrari313 March-Ford 2 Pos. Fahrer Konstrukteur Punkte14 Lotus-Ford 215 Brabham-Ford 216 March-Ford 017 Lotus-Ford 018 Brabham-Ford 019 Ferrari 020 Lotus-Ford 021 Lotus-Ford 0– McLaren-Ford 0– B.R.M. 0– De Tomaso-Ford 0– B.R.M. 0– Brabham-Ford 0

Konstrukteurswertung Pos. Konstrukteur Punkte 1 192 173 154 14 Pos. Konstrukteur Punkte5 116 107 3– 0

Einzelnachweise

#1970 Belgien Kategorie:Sportveranstaltung in Stavelot