Als mittlere Bronzezeit oder fachsprachlich kurz Mittelbronzezeit wird die Phase zwischen früher und später Bronzezeit bezeichnet, wobei die beiden letzteren Perioden als vergleichsweise klarer konturierte Großphasen verstanden werden und deutlichere Einschnitte markieren. Dabei beginnt die mittlere Bronzezeit im alten Orient und auf dem griechischen Festland sowie auf Kreta um 2000 v. Chr., um dort bereits um 1600 v. Chr. zu enden, während sie in Ungarn die Epoche der „Tellsiedlungen“ bezeichnet, also der großen Siedlungshügel. Dort reicht sie dementsprechend von 1800 bis 1500 v. Chr. Hingegen dauerte sie in Mitteleuropa absolutchronologisch etwa von 1600 oder 1550 v. Chr. bis 1300 v. Chr. Wegen der charakteristischen Hügelgräber spricht die deutschsprachige Forschung auch von Hügelgräberkultur oder auch Hügelgräberbronzezeit. Anders gestaltet sich dies in Dänemark und Skandinavien, wo die Bronzezeit in fünf Abschnitte gegliedert ist und der Begriff mittlere Bronzezeit den mittleren der fünf Abschnitte bezeichnet, der von etwa 1300 bis 1000 v. Chr. andauerte. Dabei gilt das jeweils spätere Einsetzen der mittleren Bronzezeit durchaus als Indikator für ein Kulturgefälle.Siegmar von Schnurbein: (Hrsg.): Atlas der Vorgeschichte. Europa von den ersten Menschen bis Christi Geburt. 2., verbesserte Auflage. Theiss, Stuttgart 2010, S. 127. Diese unterschiedlichen Zeitbestimmungen führen oftmals zu Verwirrung, etwa wenn aus dem Gebiet der mykenischen Kultur, die dem Späthelladikum, also der Späten Bronzezeit zugeordnet wird, Güter nach West- oder Mitteleuropa gelangen, wo diese auf mittelbronzezeitliche Kulturen treffen.

Forschungsgeschichte Die Zone nördlich der Alpen Als „Zone nördlich der Alpen“ wird in der deutschsprachigen Forschung gemeinhin der geographische Raum zwischen dem Nordrand der Alpen und den Mittelgebirgen bezeichnet. Diese Zone umfasst unter anderem die heutigen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sowie Mähren, Böhmen, Nieder- und Oberösterreich, sowie die Nordschweiz und das Elsass.

Vor allem aus forschungsgeschichtlichen Gründen kommt diesem Raum bis heute eine maßgebliche Rolle in der Erforschung der mittleren Bronzezeit zu. Bereits aus den Jahren 1580 und 1690 liegen urkundlich überlieferte Grabhügeluntersuchungen in Südwest- und Süddeutschland vor. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden hier die Grundlagen für die chronologische Gliederung dieses Zeitabschnitts in Mitteleuropa entwickelt. Dabei stützte sich die süddeutsche Forschung jedoch zunächst auf in Norddeutschland und Skandinavien entwickelte Methoden und Modelle.

Christian Jürgensen Thomsens um 1830 aufgestelltes Dreiperiodensystem, das die gesamte Vorgeschichte in Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit aufteilt, bildete die Basis für die weitergehende, in den Jahren zwischen 1870 und 1880 von Oscar Montelius und Hans Hildebrand entwickelte typologische Methode. Sie besteht aus formenkundlicher Analyse basierend auf Stilkritik und Fundvergesellschaftung in geschlossenen Funden, wobei das Hauptaugenmerk auf der Weiterentwicklung des Formenguts liegt. Für das Erstellen von relativchronologischen Feingliederungen der regionalen Fundstoffe wurde sie fortan unentbehrlich.

1902 teilte dann Paul Reinecke unter Verwendung der typologischen Methode den Fundstoff der Mittelbronzezeit in der Zone nördlich der Alpen auf seine Bronzezeitstufen B und C auf. Diesen Zeitabschnitt nannte er zunächst auf Grund der vorherrschenden Bestattungssitte „Grabhügelbronzezeit Süddeutschlands“, änderte diesen Namen jedoch 1905 in „süddeutsche Hügelgräberbronzezeit“, womit gleichzeitig der geographische Schwerpunkt der Forschung genannt wäre.

Reinecke standen für seine Einteilung in die Stufen Bronzezeit B, C1 und C2 Hort- und Grabfunde zur Verfügung. Auf Reineckes Chronologiesystem beziehen sich – auch heute noch – die meisten Forscher, wobei sie allerdings seine Einteilung wegen der regional unterschiedlichen Formenspektren zum Teil stark modifizieren mussten.

Vor allem zu nennen wäre hier Friedrich Holste, der in den 1930er Jahren arbeitete. Anders als bei Reinecke umfasst seine Stufe B zwei Phasen, während er die Stufe C nicht weiter unterteilt hat. Holstes Chronologie stützt sich auch im Wesentlichen auf Grabfunde. Die Bestände seiner Leitfriedhöfe decken sich allerdings auf Grund der spärlichen Ausstattung und vieler Varianten nur am Rande. Ferner teilte er den Fundstoff auf Regionalgruppen, nämlich danubisch-sudetisch, südbayerisch, oberpfälzisch, böhmisch, württembergisch, elsässisch, mittelrheinisch und osthessisch, schließlich kam die Lüneburger Gruppe hinzu.

Der Österreicher Kurt Willvonseder forschte zu Holstes Zeit und wandte ebenfalls Reineckes Chronologie an. Zum Teil lassen sich allerdings erhebliche Unterschiede zwischen bayerischem und österreichischem Fundstoff feststellen, obwohl die österreichischen Hügelgräber nicht jünger als die süddeutschen sind. Anders als seine beiden Kollegen konnte er jedoch auch auf Siedlungsfunde zurückgreifen und Fundstatistiken erstellen, die ihm Vergleiche besser ermöglichten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich eine weitgehende Stagnation in der mittelbronzezeitlichen Forschung beobachten. Die kulturellen Ausdrucksformen der Mittelbronzezeit werden auf Grund der umfassenden Arbeiten von Reinecke, Holste u. a. als in wesentlichen Zügen längst hinlänglich bekannt gewähnt. Ferner gelten sie als von historisch geringer Bedeutung.

In den 1960er Jahren übertrug Bernhard Hänsel Reineckes System auf die Slowakei bzw. das Karpatenbecken. Von einigen Forschern wird seine Herangehensweise kritisiert, weil ihnen Reineckes Chronologiesystem als zu unreflektiert übernommen erscheint.

Neben den bereits Genannten haben sich auch die Folgenden um weitere Erkenntnisse in der Mittelbronzezeit-Forschung verdient gemacht: Rolf Hachmann, Walter Torbrügge, Ludwig Lindenschmidt d. Ä., August von Cohausen, Wolf Kubach, Friedrich Laux.

mini|Leitfunde der Stufe Bronzezeit B nach Reinecke; v. l. n. r.: parallelseitiges Randleistenbeil, Stachelscheibe, Berge, viernietiger Dolch, Lochhalsnadeln, Spiraltutulus mini|Leitfunde der Stufe Bronzezeit C nach Reinecke; v. l. n. r.: Vollgriffschwert, Plattenkopfnadel, zweinietiger Dolch, Berge, tordierter Armring, Pinzette, verziertes Lappenbeil, zweinietiger Dolch mit Mittelrippe, gerippte Nadel, verzierter Armring, Griffzungenschwert

Der Nordische Kreis Nördlich der „Zone nördlich der Alpen“ sprechen wir vom „Nordischen Kreis“ bzw. der Nordischen Bronzezeit, der das südliche Skandinavien, Schleswig-Holstein, Teile Niedersachsens, Sachsen-Anhalts und Mecklenburg-Vorpommerns sowie die Niederlande, Nordpolen und die baltischen Staaten umfasst.

mini|Stachelscheibe aus Borum

Basierend auf Thomsens Dreiperiodensystem von 1836 entwickelte Worsaae Mitte der 1850er Jahre eine weitergehende relative Chronologie der nordischen Bronzezeit. Der Schwede Oscar Montelius ersann 1885 unter Verwendung der von ihm begründeten typologischen Methode die Gliederung der nordischen Bronzezeit in sechs Perioden. Sophus Müller modifizierte diese Gliederung in den Folgejahren für Dänemark.

Der mitteleuropäischen mittleren Bronzezeit entspricht im Norden chronologisch die Ältere Bronzezeit (Periode II nach Oscar Montelius), die nordische mittlere Bronzezeit (Periode III nach Oscar Montelius) fällt dagegen größtenteils bereits in den Beginn der mitteleuropäischen „Späten Bronzezeit“. Zusätzlich sind die verschiedenen Stufenbezeichnungen zur Nordischen Bronzezeit in der norddeutschen und skandinavischen Forschung teilweise mit unterschiedlichen Bedeutungsinhalten verknüpft. So ist zwar die Synchronisierung der nordischen mit der mitteleuropäischen Chronologie in ihren groben Zügen recht zuverlässig, im Detail jedoch noch immer unklar.

Auch bei der Nordischen Bronzezeit handelt es sich um eine „Hügelgräberkultur“ (auch Tumulus-Kultur) mit ähnlichen Bestattungssitten wie in der „Zone nördlich der Alpen“, zu der teilweise enge kulturelle Verbindungen bestanden. Allerdings wird von der deutschsprachigen Forschung der Begriff „Hügelgräberkultur“ gewöhnlich sehr viel enger, nämlich ausschließlich zur Bezeichnung der mittelbronzezeitlichen Kulturgruppen zwischen Westungarn und Ostfrankreich verwandt. Diese terminologische Konvention ist nur zum Teil durch Unterschiede im archäologischen Fundstoff, zum Teil jedoch durch die forschungsgeschichtliche Entwicklung begründet.

Ähnlich wie das Chronologiesystem von Reinecke wurde und wird im Übrigen auch Montelius’ Periodeneinteilung modifiziert und hat auch heute noch Gültigkeit. Allerdings ist die Definition der Stufeninhalte von der neueren Forschung zum Teil deutlich verändert worden.

Chronologiesysteme mini|Übersicht über unterschiedliche chronologische Gliederungsansätze. In der Abbildung werden die Chronologiesysteme von verschiedenen oben genannten Forschern einander gegenübergestellt, um die unterschiedlichen Auffassungen auf einen Blick besser miteinander vergleichen zu können.

Der Umstand, dass unterschiedliche chronologische Gliederungsansätze nebeneinander bestehen, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sie zum Teil auf unterschiedlichen Ausschnitten (entweder regional oder nach verschiedenen archäologischen Fundgattungen, z. B. Gräber, Horte, Siedlungen) des archäologischen Quellenmaterials beruhen, deren Entwicklung sich meist nicht völlig im Gleichtakt vollzog. Deshalb ist es schwierig, eine weitergehende chronologische Untergliederung der mittleren Bronzezeit vorzunehmen, die in verschiedenen Regionen und für verschiedenen Fundgattungen gleichermaßen Gültigkeit besäße.

Gut zu verdeutlichen ist diese Problematik am Fund der berühmten Himmelsscheibe von Nebra. Die Himmelsscheibe wurde aller Wahrscheinlichkeit nach von den Menschen der Aunjetitzer Kultur über einen relativ langen Zeitraum während der Frühen Bronzezeit im Zusammenhang mit astronomischen Beobachtungen verwendet. Aus diesem Grund wird sie generell (und in ihrem regionalen Kontext durchaus zu Recht) der Frühbronzezeit zugeordnet. Manche der zusammen mit der Himmelsscheibe gefundenen Gegenstände, vor allem die beiden Bronzeschwerter, die ihren typologischen Merkmalen zufolge aus der „Zone nördlich der Alpen“ zwischen Westungarn und Süddeutschland stammen dürften, gehören nach den chronologischen Kriterien ihres ursprünglichen Herkunftsgebietes jedoch bereits in die Stufe Bz B. Nach den Kriterien der Terminologie, wie sie in der archäologischen Forschung Süddeutschlands und benachbarter Regionen verwendet wird, lässt sich demnach die ebenso berechtigte Aussage treffen, dass die Himmelsscheibe erst in der frühen Mittelbronzezeit vergraben wurde. Vermutlich hängt die Vergrabung der Himmelsscheibe mit den gesellschaftlichen Umwälzungen zusammen, die am Übergang von der Frühen zur mittleren Bronzezeit stattfanden, und als deren Folge sich auch die Rolle solcher rituellen Objekte verändert haben dürfte.

Kleidung und Kulturen der mittleren Bronzezeit in Mittel- und Westeuropa In der mittleren Bronzezeit lässt sich eine Auffächerung in mehrere regionale Gruppen feststellen, die aufgrund ihres jeweils typischen Fundbestandes unterschieden werden können. In Deutschland geben die Flusssysteme von Donau, Rhein, Weser, Elbe und Oder die Leitlinien vor, an denen sich die kulturellen Gemeinsamkeiten und Verbindungen dieser Gruppierungen ausrichten. Der Süden Deutschlands hat Verbindungen zu den Alpenländern und zu Oberitalien, zu Böhmen, Mähren, Österreich und Ungarn. Das westliche Deutschland hat Verbindungen zu Frankreich, Belgien und Holland, sogar bis zu den Britischen Inseln. Der Osten Deutschlands ist eng mit Polen verbunden.

Im Norden bestehen zwischen Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg Verbindungen zu Dänemark und Südschweden.