mini|Willy-Brandt-Forum von außen mini|Eingang Das Willy-Brandt-Forum in Unkel erinnert an den früheren deutschen SPD-Politiker, Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt. Er lebte von 1979 bis zu seinem Tod im Jahre 1992 in Unkel. Das Willy-Brandt-Forum umfasst drei Säulen: die ständige Ausstellung, historisch-politische Bildungsarbeit und Veranstaltungen. Das Forum wurde 2011 von der gemeinnützigen Bürgerstiftung Unkel „Willy-Brandt-Forum“ ins Leben gerufen und über eine Dekade in ehrenamtlicher Arbeit betrieben. Die Bürgerstiftung organisiert weiterhin Veranstaltungen, betreut ihr Gebäude und beteiligt sich ehrenamtlich im Besucherdienst. Nach Beschluss des Deutschen Bundestages trägt die Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung (BWBS) das Forum seit 2021 als einen ihrer drei Standorte neben dem Forum Willy Brandt Berlin und dem Willy-Brandt-Haus Lübeck.

Willy Brandt in Unkel Willy Brandt war ein bedeutender Politiker der deutschen und europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Für sein lebenslanges Eintreten für Frieden, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte wurde ihm weltweit Anerkennung gezollt. Als bislang einziger deutscher Politiker der Nachkriegszeit erhielt er 1971 den Friedensnobelpreis. 1979 zog Willy Brandt nach Unkel und lebte dort als „Bürger unter Bürgern“. In den folgenden Jahren engagierte er sich als „elder statesman“ weiterhin weltweit für die Verwirklichung seiner politischen Ideale, beispielsweise als Spitzenkandidat der SPD bei der ersten Europawahl 1979, Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission und Präsident der Sozialistischen Internationalen. Zudem verfasste er von Unkel aus seine „Erinnerungen“ Ende der 1980er Jahre. Willy Brandt starb am 8. Oktober 1992 in Unkel. Die Stadt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Andenken an ihren Mitbürger zu bewahren.

Geschichte des Willy-Brandt-Forums Nach mehrjährigen Planungen wurde am 20. März 2011 im Zentrum der historischen Altstadt ein Museum zur Zeitgeschichte eröffnet, das an Leben und Wirken Willy Brandts erinnert. Bei der Eröffnungsfeier sprachen der ehemalige spanische Regierungschef Felipe González und der damalige Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz Kurt Beck. Die Initiative für das Forum ging von der gemeinnützigen Bürgerstiftung Unkel „Willy-Brandt-Forum“ aus. Der Bürgerstiftung wurde von der Sparkasse Neuwied die ehemalige Filiale im Zentrum Unkels übertragen. Weitere Stifter waren das Land Rheinland-Pfalz und die Stadt Unkel. Die Bürgerstiftung sammelte selbst Spenden in Höhe von 300.000 Euro und ist auch heute Eigentümerin des Gebäudes. An der Spitze der Bürgerstiftung steht ein Vorstand, der laut Satzung aus mindestens vier Personen besteht. Er wird vom Kuratorium berufen, dem auch Willy Brandts Witwe Brigitte Seebacher angehört. Vorsitzender des Kuratoriums ist der Unkeler Bürgermeister Alfons Mußhoff. Die BWBS hat im September 2021 die Verantwortung für den Betrieb und Unterhalt der ständigen Ausstellung übernommen. Für die Programmarbeit haben die beiden Stiftungen einen Kooperationsvertrag geschlossen. Darin bekennen sich beide Stiftungen zu dem gemeinsamen Ziel, die Erinnerung an das Leben und Wirken Willy Brandts zu bewahren, sein politisches Erbe in die Zukunft zu tragen und durch das Angebot historisch-politischer Bildung das demokratische Bewusstsein in Deutschland zu stärken. Seit Mai 2022 leitet der Historiker Scott H. Krause das Haus. Die BWBS betreibt das Museum und baut die historisch-politische Bildungsarbeit aus.

mini|Ein Teil der Ausstellung

Ausstellung Die ständige Willy-Brandt-Ausstellung im Forum erinnert an den Politiker und Staatsmann, dokumentiert wesentliche Stationen seines politischen Werdegangs und gewährt Einblicke in das weniger bekannte Leben Willy Brandts als Bürger der Stadt Unkel. Zahlreiche interaktive Elemente bieten einen spielerisch-entdeckenden Zugang zur Person Willy Brandts und zum zeitgeschichtlichen Kontext. Jürgen Reiche, damaliger Ausstellungsdirektor des Bonner Hauses der Geschichte, kuratierte die Ausstellung ehrenamtlich.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das private Arbeitszimmer Willy Brandts aus seinem Wohnhaus in Unkel. Bücher, Erinnerungsstücke und persönliche Gegenstände spiegeln den Lebensstil des Politikers und machen sein Wirken greifbar. Weitere Ausstellungsbereiche thematisieren die Kanzlerschaft Willy Brandts von 1969 bis 1974, sein internationales Engagement als Präsident der Sozialistischen Internationale und als Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission. Präsentiert werden zudem die wichtigsten biographischen Stationen von seiner Kindheit und Jugend in Lübeck über die Jahre des erzwungenen Exils in Skandinavien bis hin zu seinen politischen Anfängen in Deutschland. Im Untergeschoss des Ausstellungsgebäudes veranschaulichen Fotografien, Gemälde und Skulpturen künstlerische Sichtweisen auf die facettenreiche Persönlichkeit des Politikers und regen zu einer Auseinandersetzung mit dem „Mythos Willy Brandt“ an. Der Tresorraum sichert mit Objekten, Fotografien und Interviews dokumentieren schließlich in einer Art Musée Sentimental Erinnerungen Unkeler Bürger an Willy Brandt. Ein Multifunktionsraum ergänzt die Ausstattung des Museums für Sonderausstellungen und kleinere Veranstaltungen.

mini|Porträtgalerie Die sog. Porträtgalerie beherbergt Kunst vor allem in Form von Gemälden, Fotografien und Skulpturen. Gezeigt wird u. a. das Brandt-Porträtgemälde von Georg Meistermann, das ursprünglich für die 1976 von Brandts Nachfolger Helmut Schmidt ins Leben gerufene Galerie der Bundeskanzler bestimmt war. Daneben finden sich u. a. Fotografien von Herlinde Koelbl, Will McBride, Ralph Ueltzhoeffer, Josef Heinrich Darchinger und Robert Lebeck. 2016 schenkte der Sammler Ulrich Scheufelen dem Willy-Brandt-Forum das Bronze-Porträt Willy Brandt von Gerhard Marcks als Zustiftung.

Im Besucherdienst des Forums arbeiten weiterhin Ehrenamtliche sowie hauptamtlich Beschäftigte der BWBS zusammen.

Historisch-politische Bildungsarbeit

Die BWBS baut die historisch-politischen Bildungsangebote im Forum aus. Neben zielgruppenspezifischen Führungen gibt es inzwischen Workshops zu den Schwerpunktthemen Europa und Demokratie. Zu den neuen Angeboten für Schulklassen zählen auch individuell abgestimmte Projekttage. Das Forum beteiligt sich außerdem an dem Programm „Bei Anruf Kultur“, das unentgeltlich inklusive Führungen am Telefon ermöglicht.

Veranstaltungen Das Forum bietet darüber hinaus Veranstaltungen zu historischen sowie aktuell-politischen Themen an, darunter Vorträge, Podiumsdiskussionen und Buchpräsentationen. Gemäß Kooperationsvertrag führt die BWBS ihre Veranstaltungen grundsätzlich in Kooperation mit der Bürgerstiftung durch. Beiden Stiftungen steht es überdies frei, unabhängig voneinander Veranstaltungen im Sinne ihrer Stiftungszwecke anzubieten.

Galerie

Weblinks

Web Page des Willy-Brandt-Forums Willy-Brandt-Forum auf der städtischen Seite Internetpräsenz der Bürgerstiftung Unkel "Willy-Brandt-Forum

Einzelnachweise

Kategorie:Kultur (Unkel) Kategorie:Museum im Landkreis Neuwied Forum Brandt, Willy Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Denkmal in Rheinland-Pfalz Kategorie:Museumsgründung 2011