Die Wahl zur 24. Großen Nationalversammlung der Türkei fand am 12. Juni 2011 statt. Gewählt wurden die 550 Abgeordneten des nationalen Parlaments.

Die regierende islamisch-konservative Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung (AKP) unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan gewann zum dritten Mal in Folge die Parlamentswahl, verfehlte aber die angestrebte Zweidrittelmehrheit, um alleine die Verfassung ändern zu können. Die kemalistisch-sozialdemokratische Republikanische Volkspartei (CHP) trat zum ersten Mal mit ihrem neuen Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu zur Wahl an, erzielte Gewinne von mehr als fünf Prozentpunkten und blieb zweitstärkste Partei.

Wahlrecht In der Türkei gilt mit der Zehn-Prozent-Hürde des Art. 33 Abs. 1 des AbgeordnetenwahlgesetzesAbgeordnetenwahlgesetz Nr. 2839 vom 10. Juni 1983, RG Nr. 18076 vom 13. Juni 1983 (online). die im Vergleich mit europäischen Staaten höchste Sperrklausel. Um diese Klausel zu umgehen, beschlossen einige Parteien mit örtlich begrenzter Wählerschaft wie die Barış ve Demokrasi Partisi (BDP), ihre Kandidaten als unabhängige Kandidaten in die Wahl zu schicken. Insgesamt stellten sich 230 unabhängige Kandidaten und 17 Parteien zur Wahl.

Das Mindestalter für das passive Wahlrecht wurde auf 25 Jahre (vorher 30) herabgesetzt.Per Gesetz Nr. 5551 vom 13. Oktober 2006 über die Änderung eines Artikels der Verfassung der Republik Türkei, RG Nr. 26322 vom 17. Oktober 2006 sowie das Änderungsgesetz Nr. 5552 vom 19. Oktober 2006 zum Abgeordnetenwahlgesetz, RG Nr. 26330 vom 28. Oktober 2006; vgl. auch Art. 67 Abs. 7 der Verfassung. Im Wahlkampf durfte zum ersten Mal neben der türkischen Sprache auch die kurdische Sprache der größten ethnischen Minderheit verwendet werden. Es gab 50.189.930 wahlberechtigte Bürger, darunter mehr als 7 Millionen Erstwähler (siehe auch Demografie der Türkei).

In den Provinzen Adıyaman, Ağrı, Artvin, Bingöl, Bitlis, Diyarbakır, Elazığ, Erzincan, Erzurum, Gaziantep, Giresun, Gümüşhane, Hakkari, Kars, Malatya, Kahramanmaraş, Mardin, Muş, Ordu, Rize, Siirt, Sivas, Trabzon, Tunceli, Şanlıurfa, Van, Bayburt, Batman, Şırnak, Ardahan, Iğdır und Kilis waren die Wahllokale von 07:00 bis 16:00 UTC+2 geöffnet. In den restlichen Provinzen waren die Öffnungszeiten von 08:00 bis 17:00 UTC+2.Beschlussnr. 2007-580 vom Yüksek Seçim Kurulu

Teilnehmende Parteien Der Oberste Wahlausschuss der Türkei (tr: Yüksek Seçim Kurulu) registrierte 27 Parteien, die zur Wahl antreten könnten. Doch neun der zugelassenen Parteien entschieden sich dazu, nicht anzutreten. Sie schickten entweder ihre Mitglieder als Unabhängige ins Rennen oder gingen ein Wahlbündnis mit anderen Parteien ein. Schließlich wurden noch am 19. April die Özgürlük ve Dayanışma Partisi und Yeni Parti ausgeschlossen, weil sie ihre Unterlagen nicht komplett eingereicht hatten. So traten am Ende 15 Parteien an. Im Einzelnen waren dies in der Reihenfolge des Stimmzettels:

Logo Partei Ausrichtung Spitzenkandidat Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) islamisch-konservativ Recep Tayyip Erdoğan Demokratische Partei (DP) liberal-konservativ Namık Kemal Zeybek 60px|Flagge Republikanische Volkspartei (CHP) kemalistisch, sozialdemokratisch Kemal Kılıçdaroğlu 60px|Logo Partei der Arbeit (EMEP) marxistisch-leninistisch Haydar Kaya Volkspartei (MP) nationalistisch Aykut Edibali 60px|Logo Liberaldemokratische Partei (LDP) liberal Cem Toker Glückseligkeitspartei (SP) islamistisch Mustafa Kamalak Partei für Recht und Gleichheit (HEPAR) nationalistisch Osman Pamukoğlu 60px|Logo Partei der Stimme des Volkes (HAS) religiös-konservativ Numan Kurtulmuş 60px|Flagge Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) rechtsextrem, nationalistisch Devlet Bahçeli 60px|Logo Partei des Rechten Weges (DYP) konservativ Çetin Özaçıkgöz 60px|Logo Kommunistische Partei der Türkei (TKP) kommunistisch Erkan Baş 60px|Logo Nationalistische und Konservative Partei (MMP) nationalistisch Ahmet Reyiz Yılmaz 60px|Logo Partei der Großen Einheit (BBP) islamistisch Yalçın Topçu 60px|Logo Demokratische Linkspartei (DSP) sozialdemokratisch Masum Türker

Unabhängige Kandidaten Neben Parteien traten auch unabhängige Kandidaten zur Wahl an. Mit 230 unabhängigen Kandidaten gab es deutlich weniger Kandidaten als bei der Wahl im Jahr 2007 (699 Personen). 17 linke und sozialistische Parteien wie die BDP, die Emek Partisi und weitere schlossen sich zum Emek, Demokrasi ve Özgürlük Bloku (Block der Arbeit, Demokratie und Freiheit) zusammen und schickten 65 Kandidaten für 41 Provinzen ins Rennen. Der Großteil der Kandidaten stand der BDP nahe. Unter anderem traten prominente Persönlichkeiten wie Leyla Zana, Hatip Dicle, Ferhat Tunç, Şerafettin Elçi, Altan Tan und Yüksel Avşar (Cousin der Hülya Avşar) an. Auch sozialistische Kandidaten wie Ertuğrul Kürkçü (Mitgründer der THKP-C), Sırrı Süreyya Önder und Levent Tüzel (ehemaliger Vorsitzender der Emek Partisi) befanden sich darunter. Zu den Kandidaten gehörten auch Ahmet Türk und Aysel Tuğluk, die nach dem Verbot der Demokratik Toplum Partisi im Jahr 2009 ihre Mandate verloren hatten. Politikern mit kurdischer Herkunft wie Tuğluk und Türk ist es seit 1983 durch das türkische Gesetz Nr. 2820 über die politischen Parteien verboten, im Wahlkampf und im Parlament kurdisch zu sprechen,Gesetz Nr. 2820 vom 22. April 1983 über die politischen Parteien, RG Nr. 18027 vom 24. April 1983; Deutsche Übersetzung von Ernst E. Hirsch in: Jahrbuch des öffentlichen Rechts der Gegenwart (Neue Folge). Bd. 13, Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 1983, S. 595 ff. die Nichteinhaltung des Kurdischverbotes wurde im Wahlkampf 2011 erstmals toleriert bzw. nicht unterbunden und verfolgt.

Abgeordnetenzahl nach Provinzen Die Zahl der Mandate für eine Provinz richtet sich nach deren Bevölkerungszahl. Somit schickt Istanbul, die bevölkerungsreichste Provinz, 85, Bayburt dagegen nur 1 Abgeordneten in das Parlament. Die einzelnen Zahlen sind:

Adana: 14 Adıyaman: 5 Afyonkarahisar: 5 Ağrı: 4 Aksaray 3 Amasya: 3 Ankara 1. Gebiet: 16 Ankara 2. Gebiet: 15 Antalya: 14 Ardahan 2 Artvin: 2 Aydın: 7 Balıkesir: 8 Bartın 2 Batman 4 Bayburt 1 Bilecik: 2 Bingöl 3 Bitlis 3 Bolu 3 Burdur 3 Bursa 18 Çanakkale 4 Çankırı 2 Çorum 4 Denizli 7 Diyarbakır 11 Düzce 3 Edirne 3 Elazığ 5 Erzincan 2 Erzurum 6 Eskişehir 6 Gaziantep 12 Giresun 4 Gümüşhane 2 Hakkari 3 Hatay 10 Iğdır 2 Isparta 4 Mersin 11 Istanbul 1. Gebiet: 30 Istanbul 2. Gebiet: 27 Istanbul 3. Gebiet: 28 İzmir 1. Gebiet: 13 İzmir 2. Gebiet: 13 Karabük 2 Karaman 2 Kars: 3 Kastamonu: 3 Kayseri: 9 Kilis 2 Kırıkkale 3 Kırklareli: 3 Kırşehir: 2 Kocaeli: 11 Konya: 14 Kütahya: 5 Malatya: 6 Manisa 10 Kahramanmaraş 8 Mardin 6 Muğla 6 Muş 4 Nevşehir 3 Niğde 3 Ordu 6 Osmaniye 4 Rize 3 Sakarya 7 Samsun 9 Siirt 3 Sinop 2 Şırnak 4 Sivas 5 Tekirdağ 6 Tokat 5 Trabzon 6 Tunceli 2 Şanlıurfa 12 Uşak 3 Van 8 Yalova 2 Yozgat 4 Zonguldak 5

Ergebnis mini|Gewinner nach Provinzen: mini|Gewinner nach Landkreisen + Ergebnis der Parlamentswahl in der Türkei 2011 Partei Kürzel Stimmen Sitze Anzahl % +/− Anzahl +/− Partei für Gerechtigkeit und Aufschwung AKP 21.399.082 49,83 +3,25 327 −14 Republikanische Volkspartei CHP 11.155.972 25,98 +5,10 135 +23 Partei der Nationalistischen Bewegung MHP 5.585.513 13,01 −1,26 53 −18 Unabhängige* — 2.819.917 6,57 +1,33 35 +9 Partei der Glückseligkeit SP 543.454 1,27 −1,07 0 ±0 Partei der Volksstimme HAS 329.723 0,77 Neu 0 Neu Partei der Großen Einheit BBP 323.251 0,75 Neu 0 Neu Demokratische Partei DP 279.480 0,65 −4,77 0 ±0 Partei für Recht und Gleichheit HEPAR 124.415 0,29 Neu 0 Neu Demokratische Linkspartei DSP 108.089 0,25 — 0 — Partei des Rechten Weges DYP 64.607 0,15 — 0 — Kommunistische Partei der Türkei TKP 64.006 0,15 −0,08 0 ±0 Volkspartei MP 60.716 0,14 — 0 — Nationalistische und Konservative Partei MMP 36.188 0,08 Neu 0 Neu Arbeitspartei EMEP 32.128 0,07 −0,01 0 ±0 Liberaldemokratische Partei LDP 15.222 0,04 −0,06 0 ±0 Gesamt 42.941.763 100,00 550 Gültige Stimmen 42.941.763 97,78 +0,57 Ungültige Stimmen 973.185 2,22 −0,57 Wahlbeteiligung 43.914.948 83,16 −1,09 Nichtwähler 8.891.734 16,84 +1,09 Registrierte Wähler 52.806.322 Quelle: Hoher WahlausschussOffizielles Ergebnis der Parlamentswahl 2011 (Stimmen) (PDF) Hoher Wahlausschuss, PDF-Datei (türkisch)Offizielles Ergebnis der Parlamentswahl 2011 (Sitzverteilung) (PDF) Hoher Wahlausschuss, PDF-Datei (türkisch) * Die Friedens- und Demokratiepartei (BDP) nominierte 61 Kandidaten als Unabhängige, von denen 29tbmm.gov.tr gewählt wurden.

Parteien im Parlament Von anfangs 27 zur Wahl angemeldeten Parteien traten wegen Nichtzulassung und Formfehlern nur 15 zur Wahl an. Aufgrund der in der Türkei geltenden 10-%-Sperrklausel gelang nur drei Parteien der Einzug ins Parlament. Es wurden 36 unabhängige Kandidaten ins Parlament gewählt. Sie wurden von der Vereinigung Emek, Demokrasi ve Özgürlük Bloku unterstützt.

Logo Partei Ausrichtung Vorsitzender Sitze Sitze 2007 Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) islamisch-konservativ Recep Tayyip Erdoğan 327 341 60px|Flagge Republikanische Volkspartei (CHP) kemalistisch, sozialdemokratisch Kemal Kılıçdaroğlu 135 112 60px|Flagge Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) rechtsextrem Devlet Bahçeli 53 70 Unabhängige 36 26

Unabhängige Wahlsieger Die unabhängigen Kandidaten, die ein Mandat gewonnen haben, sind:

Kandidat Wahlregion BlockMurat Bozlak Adana Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuHalil Aksoy Ağrı Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuAyla Akat Ata Batman Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuBengi Yıldız Batman Emek, Demokrasi ve Özgürlük Blokuİdris Baluken Bingöl Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuHüsamettin Zenderlioğlu Bitlis Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuHatip Dicle Diyarbakır Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuLeyla Zana Diyarbakır Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuEmine Ayna Diyarbakır Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuAltan Tan Diyarbakır Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuNursel Aydoğan Diyarbakır Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuŞerafettin Elçi Diyarbakır Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuSelahattin Demirtaş Hakkâri Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuAdil Kurt Hakkâri Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuEsat Canan Hakkâri Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuPervin Buldan Iğdır Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuSebahat Tuncel Istanbul Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuSırrı Süreyya Önder Istanbul Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuAbdullah Levent Tüzel Istanbul Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuMülkiye Birtane Kars Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuAhmet Türk Mardin Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuGülser Yıldırım Mardin Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuErol Dora Mardin Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuErtuğrul Kürkçü Mersin Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuSırrı Sakık Muş Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuDemir Çelik Muş Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuGültan Kışanak Siirt Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuHasip Kaplan Şırnak Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuSelma Irmak Şırnak Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuFaysal Sarıyıldız Şırnak Emek, Demokrasi ve Özgürlük Blokuİbrahim Ayhan Şanlıurfa Emek, Demokrasi ve Özgürlük Blokuİbrahim Binici Şanlıurfa Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuKemal Akdaş Van Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuAysel Tuğluk Van Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuÖzdal Üçer Van Emek, Demokrasi ve Özgürlük BlokuNazmi Gür Van Emek, Demokrasi ve Özgürlük Bloku

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