Die Waffen der Wikinger umfassten zum einen Axt, Pfeil und Bogen, Keule, Messer, Schleudern, Schwert und Speer, als aktive Bewaffnung der Wikinger. Als passive Bewaffnung nutzten sie zum anderen Beinschutz, Brünne, Helm, Schild und Wams, ferner ein Schirmdach. Die Bewaffnung ist aufgrund archäologischer Ausgrabungen, historischen Quellen und Sagen aus der Wikingerzeit (800–1050 n. Chr.) bekannt.

Quellenkritik Im Gegensatz zur Ereignisgeschichte spielt die Quellenkritik bei der Schilderung der Bewaffnung zur Wikingerzeit nur eine untergeordnete Rolle. Denn auch die Schilderung nicht-historischer Ereignisse, Legenden und Mirakelberichte sind in der Regel durchaus brauchbare Quellen für den zivilisatorischen und kulturellen Kontext, in den die Ereignisse gestellt werden. Die Untersuchung zum Beispiel, ob bestimmte Waffen, die in der um 1250 geschriebenen Laxdæla saga, die Ereignisse aus dem 10. Jahrhundert schildert, beschrieben werden, zu dieser Zeit bereits vorgekommen sind, setzt eine detailliertere Einteilung der Wikingerzeit voraus, als sie hier geleistet werden kann. Hier genügt es, dass sowohl Verfasser als auch Leser der Saga die Schilderung für realistisch hielten und aus einer Überlieferung schöpften, die die Ausrüstung bereits kannte. Zweifel am Quellenwert sind allerdings dort angebracht, wo den Protagonisten einer Geschichte eine besonders üppige Bewaffnung zugeschrieben wird. Dies gilt insbesondere für den Zierrat, z. B. für eine umfangreiche Schildbemalung. Die relativ langsame zivilisatorische Entwicklung im skandinavischen Mittelalter erlaubt es, mit aller Vorsicht und unter Heranziehung archäologischer Funde Schilderungen der Bewaffnung aus dem 13. Jahrhundert auch auf die Wikingerzeit anzuwenden. Diese Differenzierung wird hier aber nicht geleistet.Hjalmar Falk: Altnordische Waffenkunde In: Videnskabsselskapets Skrifter II. Kristiania 1914. Nr. 6.

Aktive Bewaffnung Schwert mini|Schwertgriffe aus der Wikingerzeit

Es gab sowohl einschneidige als auch zweischneidige Schwerter. Die größeren einschneidigen Schwerter hießen langsax oder scramasax (auf der Abbildung das Schwert ganz links). Die Klinge war in der Regel 80 cm lang. Für den Holmgang (Zweikampf) war die Länge vorgeschrieben.

Es gab auch kurze einschneidige und zweischneidige Schwerter: In der Flateyjarbók wird in II, 85 geschildert, dass Männer ihre Schwerter unter ihrer Kleidung verbargen; das können keine Langschwerter gewesen sein.

Nach archäologischen Funden waren die ältesten Schwerter der Eisenzeit zweischneidig. Die Form der Spitze bei den späteren einschneidigen Schwertern lässt darauf schließen, dass sie vorwiegend zum Stechen benutzt wurden, weshalb sie lagvápn (von leggja, dt. „stechen“) genannt wurden. Der verstärkte Rücken gab dem Schwert beim Schlag jedoch auch eine größere Wucht. Während die Griffe der zweischneidigen Schwerter oft aufwendig verziert waren, kam dies bei den einschneidigen seltener vor. Daneben wird auch häufig eine skalum (dt. „Skalm“) genannt, was ein kurzes Messer einfachster Art bedeutete. Die Skalm wird in den Sagas nicht als Waffe genannt, aber in der Edda. Das lässt darauf schließen, dass die Skalm zur Wikingerzeit schon außer Gebrauch gekommen waren. Sie werden nur noch als Messer in den Händen von Riesinnen und Zauberinnen erwähnt.

In früher Zeit hat es wohl auch gekrümmte, also sichelförmige Schwerter gegeben, wie sie bei Saxo Grammaticus erwähnt werden: „Sprich! was kämpfst Du mit krummem Schwerte?“

Ein gutes Schwert wurde aus mehreren Lagen geschmiedet. Es waren zwei Arten gebräuchlich: Entweder man hatte harte Schneiden auf jeder Seite und in der Mitte weicheres Material, oder man hatte ein durchgehend hartes Schwertblatt und auf Ober- und Unterseite eine Lage weicheres Eisen. Die zweischneidigen Schwerter wurden zuerst im Frankenreich entwickelt. Gesucht waren importierte Schwerter, besonders aus dem Rheintal. Auf einer Reihe skandinavischer Schwerter sind ausländische Warenzeichen eingraviert, zum Beispiel ULFBERTH oder INGELRII. Es gibt so viele Schwerter mit diesen beiden Gravuren, dass es sich um Schwertsorten gehandelt haben könnte. Karl der Kahle verbot zwar den Schwertexport an die Wikinger unter Todesstrafe, aber ohne Erfolg. Die Qualität der einheimischen Schwerter war anfangs nicht besonders gut, denn das Eisen war zu weich. In den Sagas wird berichtet, dass sich die Schwerter beim Kampf verbogen und mit dem Fuß geradegetreten wurden. Die Heimskringla von Snorri Sturluson berichtet über die Schlacht bei Svolder:

Den Zeitgenossen Snorris muss die schlechte Qualität der Schwerter geläufig gewesen sein und auch, dass ein welsches Schwert, wie es der König aus seiner Truhe holte, einen so hohen Wert darstellte, dass er es sich nicht leisten konnte, seine gesamte Mannschaft damit auszurüsten. Der Import nach Norwegen bezog sich im Wesentlichen auf die Klingen. Die Griffe mit Knauf wurden von heimischen Schmieden aus harzhaltigem Föhrenholz mit aufwändiger heimischer Verzierung angebracht, die auch die Datierung ermöglicht.Capelle S. 40. Sehr gute Schwerter erhielten auch einen Namen. So hieß das Schwert von Þórálfur hinn sterki Skólmsson (dt. „Þoralfur der Starke“) Fetbreiður (dt. „Breitfuß“), und das Schwert König Olavs des Guten hieß Kvernbit (dt. „Mühlsteinbeißer“).Heimskringla. Hákonar saga goða. Kap 30, 31. In den Sagas werden keine im Norden geschmiedeten Schwerter erwähnt. Auch unter den Berufsbezeichnungen taucht der Begriff des Schwertschmiedes nicht auf, sondern nur der des Schwertschleifers (swerdhsliparar). In den Mythen wurden Schwerter vornehmlich von Zwergen geschmiedet. Oft wird auch berichtet, dass gute Schwerter in der Fremde erworben worden waren: Egill Skallagrímsson erwarb sein Schwert Naðr in Kurland, Harald Hardråde hatte sein vorzügliches Schwert aus Sizilien mitgebracht. Die welschen Schwerter kamen entweder aus England, Schottland oder dem Frankenreich.

Der Knauf am oberen Ende war auch manchmal hohl, und es wurden darin Wundmedizin oder Reliquien eingefügt.

In der Frühzeit wurden die Schwerter mit einer Feile geschärft, später verwendete man den Wetzstein. Gute Schwerter konnte man beim Schärfen glänzend polieren. Darauf deutet hin, dass vom Wort brúnn (dt. „glänzend“) das Verb brýna (dt. „wetzen“) abgeleitet wird. Aus England wurde offenbar der Gebrauch des Schleifsteins (slípisteinn) übernommen, wie der Ausdruck mēcum mylenscearpum (dt. „scharfgeschliffene Schwerter“) im Lied über die Schlacht bei Brunanburh aus der Angelsächsischen Chronik, Zeile 24, nahelegt.

Die Schwertscheide bestand aus zwei Holzscheiten, die mit Leder überzogen waren. Sie war an der unteren Spitze (Ortband) und ursprünglich auch oben am Gehänge (Scheidenmundblech) mit Metall beschlagen. In der Wikingerzeit gab es die Metallbeschläge nur noch an der unteren Spitze.

Das Schwert wurde an einem Wehrgehänge, einem Schulterriemen oder Gürtel getragen. Dies ist z. B. durch den Moorfund von Vimose belegt. Das Schwert wurde an der linken Seite getragen, aber auch die rechte Seite, wie sie bei den Römern üblich war, kam offenbar vor. Manche trugen auch neben einem Langschwert einen Sax als zweites Schwert. Der Königsspiegel empfiehlt sogar neben zwei Schwertern, von denen eines umgehängt wird, das zweite am Sattel hängt, noch ein Dolchmesser. Die größeren, schwertähnlichen Langsaxe wurden meistens im Zusammenhang mit Wikingersiedlungen in England und Irland gefunden.

Laut den Quellen wurde das Schwert hin und wieder beidhändig geführt, um so die Schlagkraft zu erhöhen (tvihenda sverðit). Dabei wurde der Schild weggeworfen, vermutlich weil er bereits zerhauen war. Aber der Ausdruck höggva báðum höndum, der die gleiche Bedeutung hat, wird auch verwendet, wenn der Kämpfer das Schwert schnell von einer in die andere Hand wechselt. Die Übung beider Hände im Waffengebrauch wird im Königsspiegel als alte Sitte erwähnt.

Das Schwert diente nicht nur als Waffe, sondern wurde auch bei symbolischen Handlungen benutzt, so bei der Einführung eines Amtsträgers. In Norwegen wurde es für eine Krönungszeremonie als Königsschwert erstmals bei der Einsetzung König Håkon Håkonssons verwendet. Auch legte der Brautwerber bei der Reise mit der künftigen Braut ein blankes Schwert zwischen sich und die Braut. Die Mitglieder der königlichen Gefolgschaft (Hirð) schworen ihren Amtseid unter Umfassung des Schwertknaufs des Herrschers.

Messer mini|400px|rechts|Messer, basierend auf dem Fundgut, das im Jórvík Viking Centre ausgestellt wird Der Königsspiegel empfiehlt für den Reiterkrieger neben zwei Schwertern auch einen guten Dolch (brynkníf góðan). Die Bezeichnung brynkníf deutet darauf hin, dass es dazu dienen sollte, in die Panzerfugen des Gegners zu stechen. Dieses Messer war gewöhnlich einschneidig und der Griff aus Walknochen.

Das mehr gewöhnliche Messer war ein ziemlich einfaches, einseitiges Messer normaler Bauart, mit dem Namen knifr. Dieses Messer wurde bei Ausgrabungen in den meisten Gräber gefunden, weil knifr die einzige für alle, sogar für Sklaven zugelassene Waffe war. Waffenmesser hatten manchmal dekorative Einlagen auf der Messerklinge. Der Erl geht durch den mehr oder weniger zylinderförmigen Griff. Das Messer spielte eine wichtige Rolle in Skandinavien, denn dort wurde eine große Menge von Messern in Begräbnisstätten sowohl der Männer als auch der Frauen und Kinder gefunden. mini|400px|Sax aus Sittingbourne in Kent

Die andere Art war der Sax, der meistens ein bisschen schwerer als das gewöhnliche Messer war. Die messerähnliche Kurzsaxen könnten von gewöhnlichen Schmieden gefertigt werden. Verglichen mit dem Schwert war diese krude Waffe relativ einfach herzustellen und zu benutzen.

Axt Rein technisch war die Axt ein einfach herzustellendes Gerät und war auch vielseitiger zu verwenden. Während in der älteren Eisenzeit die Axtfunde in norwegischen Grabfunden eher selten sind, kommen sie in den Gräbern der Wikingerzeit so oft vor wie Schwerter und Speere. Das Frostathingslov, ein altes norwegisches Gesetz, präzisiert, dass eine Axt nur dann als ordnungsgemäß anzusehen war, wenn sie geschäftet war. Die Axt hat offenbar in der Wikingerzeit eine Renaissance erlebt, denn es gab verschiedene Typen.

Die Streitaxt war zur Arbeit weniger geeignet. Das Blatt war oft recht dünn, aber reichlich mit Gravuren und eingelegtem Silberdekor verziert. Allerdings ist fraglich, ob diese Äxte beim Kampf eingesetzt wurden. Meist wurde eine Schneide aus besonders hartem Stahl aufgeschweißt.

Aber auch umgekehrt galt die Arbeitsaxt nicht als Streitaxt. So heißt es in der Einleitung zum Frostathingslov, dass gegenüber dem König Unrecht dadurch geschieht, dass „Männer Holzäxte zu gültigen Waffen erklären …“Frostathingslov Einl. § 21.

Ausführungen der Streitaxt

Die Handaxt (handöx) war eine leichte und handliche Waffe mit langem dünnem Stiel. Die Axt konnte am Blatt unmittelbar am Stiel umfasst werden, so dass der Stiel als Stützstock dienen konnte. Das Blatt war breiter als das der Holzaxt. Der Teil am anderen Ende des Schaftauges konnte als Hammer verwendet werden.

Die Breitaxt (breiðöx), außerhalb Skandinaviens als „dänische Axt“ bekannt, hatte ein sehr breites Blatt, das sich zum Schaftauge zu verjüngte. Sie war die in Skandinavien übliche Streitaxt. Die Schneide aus Stahl wurde in eine Nut des Blattes eingefügt und verschweißt. In Norwegen konnte der Kämpfer zwischen Breitaxt und Schwert wählen. Diese Streitaxt wurde oft mit beiden Händen geführt.

Die Bartaxt (skeggöx) war nach unten rechteckig verlängert. Sie hatte einen langen Schaft, und die rechteckige Verlängerung diente dazu, wie mit einem Haken das gegnerische Schiff heranzuziehen.

Es gab auch eine zweischneidige Axt, das Bryntroll. Oft war diese Doppelaxt mit einer scharfen Eisenspitze versehen.