The Tree of Life (dt.: „Der Baum des Lebens“) ist ein Spielfilm des US-amerikanischen Regisseurs Terrence Malick aus dem Jahr 2011. Das Drama, für das Malick auch das Drehbuch verfasste, schildert eine Familientragödie aus Texas und gibt dieser durch Zitate aus dem biblischen Buch Hiob einen spirituellen Rahmen. Damit handelt es sich bei The Tree of Life um einen religiösen Film ohne religiöse Dogmen. Die Familiengeschichte wird fragmentarisch aus der Sicht des erwachsenen Sohnes Jack, gespielt von Sean Penn, erzählt, mit Natur- und Trickaufnahmen kombiniert und mit existenziellen Fragen aus dem Off unterlegt. In weiteren Rollen sind Brad Pitt und Jessica Chastain als Eltern zu sehen. Der Film wurde von den Firmen Cottonwood Pictures, Plan B Entertainment und River Road Entertainment produziert und feierte seine Premiere am 16. Mai 2011 im Wettbewerb der 64. Filmfestspiele von Cannes. Dort wurde The Tree of Life mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. 2012 folgten drei Oscar-Nominierungen.

Ein Kinostart in der deutschsprachigen Schweiz erfolgte am 26. Mai 2011, ein limitierter Kinostart in den Vereinigten Staaten einen Tag später. Die Veröffentlichung in Deutschland erfolgte am 16. Juni 2011.

Bei den Trickaufnahmen wurde der Spezialeffektkünstler Douglas Trumbull herangezogen, der unter anderem an Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum mitgearbeitet hatte. Wiederholt zog die Fachkritik Vergleiche zu dem einflussreichen Science-Fiction-Film aus dem Jahr 1968.

Handlung Am Anfang des Films steht ein Zitat aus dem Buch Hiob (Kapitel 38, Verse 4 und 7) des Alten Testaments: Nach dem Erscheinen eines mysteriösen, wabernden Lichtes beginnt der Film mit der Darstellung einiger Szenen aus der Kindheit der späteren Mrs. O’Brien. Die Darstellung der Lichterscheinung sowie Szenen aus Fantasiewelten dienen in der Folge als Verbindung verschiedener Erzählzeiten und Handlungsstränge. Die Handlung wird einige Jahre später im US-amerikanischen Texas fortgesetzt. Dort erhält Mrs. O’Brien – nunmehr Ehefrau und Mutter dreier Söhne – ein Telegramm, das sie vom Tod ihres 19-jährigen Sohnes R. L. im Rahmen eines Militäreinsatzes unterrichtet. Die Nachricht stürzt sie, ihren Ehemann und die verbliebenen Söhne in tiefe Trauer. Der älteste Sohn Jack verarbeitet dieses Trauma nicht und muss noch im Erwachsenenalter, als erfolgreicher Architekt in der Stadt Houston, jeden Tag an seinen verstorbenen Bruder denken.

Als Jack Zeuge wird, wie vor einem Gebäude ein Baum gepflanzt wird, wechselt die Handlung. Bilder des Urknalls und die Entstehung des Lebens auf der Erde werden gezeigt, die von flüsternd vorgetragenen existenziellen Fragen Jacks aus dem Off sowie im Verlauf des Films von weiteren Figuren untermalt sind. Es folgt ein verletzter Dinosaurier an einem Flussbett, den ein Räuber verschont. Daraufhin wechselt die Zeitebene in die 1950er Jahre ins texanische Waco. Die weiße Mittelklasse-Familie O’Brien lebt in einem alten, in der idyllischen Vorstadt gelegenen Haus mit ihren drei heranwachsenden Söhnen Jack, R. L. und Steve. Die drei Brüder sind hin- und hergerissen zwischen Vater und Mutter. Mr. O’Brien ist Ingenieur und hat eine hochrangige Stellung in einer örtlichen Raffinerie inne. Seinen früheren Ambitionen, Musiker zu werden, geht er nur noch zu Hause am Klavier und als Kirchenorganist nach. Er lässt zahlreiche Erfindungen patentieren und hofft, so eines Tages zu großem Wohlstand zu kommen. Gleichzeitig idolisiert Mr. O’Brien die reichen Land- und Immobilienbesitzer und erzieht seine Söhne mit äußerster Strenge. Damit will er erreichen, dass diese sich im späteren Leben durchsetzen können. Die sanftmütige, auf Gott vertrauende Mutter erträgt still die strenge Erziehung ihres Ehemannes.

Jack wird vom Ehrfurcht gebietenden Vater eingeschüchtert, und schließlich rebelliert er als Pubertierender gegen seine Eltern. Er springt aufmüpfig über die Bänke in der Kirche, quält – angestachelt durch seine gleichaltrigen Freunde – Tiere und verletzt einen seiner Brüder vorsätzlich. Mit Gleichaltrigen randaliert er in der Umgebung, und in ihm reifen erste erotische Phantasien über eine Nachbarin. Sein verhasster Vater kann ihn trotz Strafen nicht bändigen. Als Mr. O’Brien eines Tages das Auto repariert, spielt Jack mit dem Gedanken, den Wagenheber zu lösen und seinen Vater auf diese Weise zu töten. Er setzt den Gedanken jedoch nicht in die Tat um. Als die Raffinerie, in der Mr. O’Brien beschäftigt ist, schließt, ist die Familie gezwungen umzuziehen. Der Vater verliert sein Selbstvertrauen und erklärt Jack, er sei nur so streng gewesen, um ihn auf ein Leben auf eigenen Füßen vorzubereiten.

Der Film endet in einer Traum- bzw. Jenseitssequenz: Der erwachsene Jack tritt durch einen in der felsigen Wüste aufgestellten Türrahmen. Daraufhin begegnet er an Stränden bzw. in einer Salzwüste seiner Mutter, seinem Vater, seinem toten Bruder sowie weiteren Menschen, die Teil seines Lebens waren. Der Film endet mit dem erneuten Erscheinen des Lichtes.

Entstehungsgeschichte Anfänge und variierende Besetzung mini|hochkant|links|Jessica Chastain spielt Mrs O’Brien. Sie repräsentiert den „Weg der Gnade“, einen von zwei im Film vorgestellten möglichen Wegen durchs Leben. Die Anfänge des Filmprojekts sollen bis Ende der 1970er Jahre zurückreichen. Malick hatte sich nach dem Kritikererfolg In der Glut des Südens (1978) mit einem Projekt namens „Q“ beschäftigt, das die Entstehung des Lebens zum Thema haben sollte. Der Film wurde jedoch 1983 verworfen, nachdem bereits viele Unterwasseraufnahmen von Quallen vor dem australischen Great Barrier Reef sowie Material von auseinanderbrechenden arktischen Eisflächen entstanden waren. Das Drehbuch, das Malick an das Filmstudio Paramount Pictures geschickt hatte, enthielt keine Dialoge. 1989 wurde ihm eine Verfilmung von D. M. Thomas’ preisgekröntem Holocaust-Roman The White Hotel angeboten. Auch spielte er mit dem Gedanken, Werke von Walker Percy (The Moviegoer) oder Larry McMurtry (The Desert Rose) zu verfilmen,Robey, Tim: Hollywood’s poet returns. In: The Daily Telegraph, 9. April 2011, S. 4–5. ehe Malick erst nach zwanzig Jahren Leinwandabstinenz erfolgreich mit seinem dritten Spielfilm Der schmale Grat (1998) auf die Kinoleinwand zurückkehrte.

Mitte 2005 wurde Malicks The Tree of Life erstmals mit Produzent Donald Rosenfeld angekündigt. Die indische Percept Picture Company sollte den Film gemeinsam mit Sahara One Motion Pictures produzieren. Als Kameramann war Emmanuel Lubezki vorgesehen, während die Dreharbeiten teilweise in Indien stattfinden sollten. Für die Hauptrollen waren Mel Gibson und Colin Farrell vorgesehen. Die Produktionskosten wurden auf 145 Millionen US-Dollar geschätzt.Gibson is Hollywood’s most powerful celebrity . In: Guardian Unlimited, 17. Juni 2005 (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft).Indo-Asian News Service: Percept to produce Hollywood starrer. 29. August 2005, 3:12 PM EST (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft). 2007 wurde Heath Ledger, der im darauffolgenden Jahr verstarb, für die männliche Hauptrolle und Sean Penn für eine Nebenrolle gehandelt.UPI: Penn, Ledger in talks for ‘Tree’ . 30. Oktober 2007, 5:26 PM EST (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft). Brad Pitt kam zuerst als Besitzer des Filmproduktionsunternehmens Plan B Entertainment mit seiner Geschäftspartnerin Dede Gardner mit dem Projekt in Berührung, (PDF; 306 kB) bei festival-cannes.com, S. 5 (englisch; aufgerufen am 13. Juni 2011). ehe er die Hauptrolle des Vaters Mr. O’Brien übernahm. Pitt sollte The Tree of Life später als experimentellen Film und Malick als „Unperfektionist“ beschreiben, da er die „Perfektion in der Unvollkommenheit“ finde.„Ich hab’ mich totgelacht“. In: Frankfurter Rundschau, 11. Juni 2011, S. 18. Der Arbeitsprozess mit Malick sei für ihn eine prägende Erfahrung gewesen: „Er ist wie ein Kerl mit einem Schmetterlingsnetz, der wartet, um den richtigen Moment einzufangen.“ Viele der Szenen seien erst Tag für Tag am Set erarbeitet worden, was sehr anstrengend gewesen sei. „Er [Malick] liebt alle seine Charaktere, respektiert sie. Und er ist sehr spirituell, hat einen sehr universellen Zugang zur Welt. Wir hatten zahlreiche theologische Debatten während des ganzen Drehs“, so Pitt. Der fertige Film enthält entgegen der amerikanischen Tradition nur wenige Dialoge und sogar mit Musik überlagerte Sprechszenen nach Art eines Stummfilms.

mini|Die Bonneville Salt Flats (Große Salzwüste), einer der Drehorte von The Tree of Life mini|Die im Film auftauchende Skyline von Houston, wo Jack als Erwachsener arbeitet. Als Pitts Filmgattin hatte man eine relativ unbekannte Schauspielerin verpflichten wollen und wählte die US-Amerikanerin Jessica Chastain aus, die vor ihrem Vorsprechen sämtliche Filme Malicks in chronologischer Reihenfolge studiert hatte. Malick wies sie an, sich in Vorbereitung auf die Dreharbeiten Filme aus den 1930er und 1940er Jahren, speziell von Lauren Bacall, anzusehen. Chastain sollte sich mit der im Vergleich zu heute langsameren Sprechweise vertraut machen. (PDF; 306 kB) bei festival-cannes.com, S. 6–7 (englisch; aufgerufen am 13. Juni 2011). „Kaum ein Moment in diesem Film ist geplant“, gab Chastain wie Pitt an. „Er [Malick] hat eine Atmosphäre am Set erzeugt, die dafür sorgte, dass schließlich vor der Kamera sogar ein Schmetterling auf meiner Hand landet.“

Chastain verbrachte viel Zeit außerhalb der Dreharbeiten mit den drei für die Rollen der Söhne gecasteten Laiendarstellern Hunter McCracken, Laramie Eppler und Tye Sheridan. Diese waren nach einer einjährigen Suche in Texas und Oklahoma unter mehr als 10.000 Kindern ausgesucht worden. McCracken, Eppler und Sheridan, die in der engeren Auswahl für den Part des jungen Jack standen, wurden daraufhin zu den drei O’Brien-Geschwistern. Den Kinderdarstellern und ihren Eltern wurde nur die Rahmenhandlung, nicht aber das genaue Drehbuch gezeigt, da sie so natürlich wie möglich agieren sollten. (PDF; 306 kB) bei festival-cannes.com, S. 7 (englisch; aufgerufen am 13. Juni 2011).

Drehorte und technischer Stab Die Dreharbeiten für die 1950er-Jahre-Sequenzen fanden ab Anfang März 2008 in Smithville, etwa 40 Meilen südöstlich von Austin nahe dem Colorado River (Texas), statt.Corcoran, Michael: Mr. and Mrs. Smithville, your kolaches await. In: Austin American-Statesman (Texas), 3. März 2008, S. E01. Weitere Drehorte waren Houston, Austin (Barton Springs sowie das State Capitol), die Baumwollfelder von Manor, Texas. Weitere Natursequenzen wurden im Goblin Valley State Park, in der Großen Salzwüste, am Mono Lake, im Death Valley, im Matagorda-Bay-Nationalpark sowie an der Mündung des Colorado River in den Golf von Mexiko gedreht. (PDF; 306 kB) bei festival-cannes.com, S. 13 (englisch; aufgerufen am 13. Juni 2011).