Als Hypolepse (zu altgr. ὑπόληψις) bezeichnet man allgemein die Anschlussfähigkeit; im Rhapsodenwettkampf die Regel, dass der nächste Rhapsode genau dort in der Rezitation des Homertextes fortfahren muss, an der sein Vorgänger aufgehört hat; in der Rhetorik die Anknüpfung an das, was der Vorredner gesagt hat.
Allgemein bezeichnet Hypolepse also eine „Textkultur, in der auf Texte mit Texten reagiert wird – durch Zustimmung, Ablehnung, Weiterführung, Korrektur usw.“Jan Philipp Reemtsma: Das unaufhebbare Nichtbescheidwissen der Mehrheit: sechs Reden über Literatur und Kunst. München: C. H. Beck 2005. S. 133. Es handelt sich dabei also um eine Frühform von Intertextualität.
Siehe auch
Anschlusskommunikation (Niklas Luhmann) Speicherzuwachs und Erinnerungsverlust Oralität und Literalität Gedächtniskunst und Mnemotechnik Kulturelles Gedächtnis
Weblinks
Jan Philipp Reemtsma: Was heißt: Eine Metapher verstehen? (1999), PDF-Datei; 2,54 MB
Literatur
Jan Assmann: Hypolepse – Schriftkultur und Ideenrevolution in Griechenland. In: ders. (Hrsg.): Das kulturelle Gedächtnis: Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen. Beck, München 1992, 280–292.
Einzelnachweise
Kategorie:Literaturwissenschaft Kategorie:Rhetorischer Begriff