Im Maurischen Garten der Wilhelma in Stuttgart sind neun Tierskulpturen aus Marmor oder Zinkguss aufgestellt, die meist tierische Kampfszenen darstellen. Bis auf eine Skulptur wurden alle von dem Stuttgarter Bildhauer Albert Güldenstein geschaffen.

Überblick Alle Tierskulpturen außer Nr. 5 sind von dem Stuttgarter Bildhauer Albert Güldenstein, Nr. 5 ist von einem unbekannten italienischen Bildhauer. Nr.Nummer im Standort-Plan. Werktitel Entstehungsjahr Material Standort 0 Löwe, der sein Junges verteidigt 1857 Carrara-Marmor (verschollen) 1 Zwei Gazellen 1856/1857 Carrara-Marmor am Großen Bassin 2 Hyäne mit einem geraubten Lamm 1857 Carrara-Marmor am Großen Bassin 3 Tiger mit einer Schlange kämpfend 1856 Carrara-Marmor am Großen Bassin 4 Löwe mit seitwärts gebogenem Kopfe vorwärtsschreitend 1857 Carrara-Marmor am Großen Bassin 5 Stier von einem Löwen angegriffen vor 1817 Carrara-Marmor vor dem Maurischen Landhaus 6 Panther, einer Gazelle auf den Rücken springend 1848 Carrara-Marmor vor dem Maurischen Landhaus 7 Hirsch von drei Wölfen angefallen 1852 Zinkguss in den Terrassenanlagen 8 Bärenhatze 1853 Zinkguss in den Terrassenanlagen 9 Wildschweinhatze 1853 Zinkguss in den Terrassenanlagen

Standort mini|hochkant=1.4| Vollständige Legende siehe Terrakottawand (Wilhelma)

Die sechs Marmorskulpturen (rot 1–6) befinden sich vor dem ehemaligen Maurischen Festsaal (MF, heute Aquarium/Terrarium) und unterhalb des Maurischen Landhauses (ML). Die Gruppen 1–4 sind am Großen Bassin (GB = Seerosenteich) aufgestellt, die Gruppen 5–6 auf der Terrasse direkt vor dem Hauptportal des Maurischen Landhauses (ML).

Die drei Zinkskulpturen (7–9) bekrönen die Stützmauern hinter dem Maurischen Landhaus (ML) und vor dem Belvedere (B). Skulptur 7 krönt die untere Stützmauer, die Gruppen 8 und 9 flankieren die obere Stützmauer.

Die roten Ziffern bezeichnen die Tierskulpturen

Marmorskulpturen

1 = Zwei Gazellen, 2 = Hyäne mit einem geraubten Lamm, 3 = Tiger mit einer Schlange kämpfend, 4 = Löwe mit seitwärts gebogenem Kopfe vorwärtsschreitend, 5 = Stier von einem Löwen angegriffen, 6 = Panther, einer Gazelle auf den Rücken springend

Zinkskulpturen

7 = Hirsch von drei Wölfen angefallen, 8 = Bärenhatze, 9 = Wildschweinhatze

Beschreibung In den Jahren 1848–1857 wurden in der Wilhelma neun Tierskulpturen des Stuttgarter Bildhauers Albert Güldenstein aufgestellt. Sie gesellten sich zu der Tiergruppe 5 (Stier von einem Löwen angegriffen), die von einem unbekannten italienischen Bildhauer stammt und seit 1846 in der Wilhelma stand. Die sieben Skulpturen 0–6 sind in Carrara-Marmor ausgeführt, die drei Tierskulpturen 7–9 wurden nach Modellen Güldensteins von dem Stuttgarter Kunsterzgießer Wilhelm Pelargus in Zink gegossen.

Von den ursprünglich 10 Tierskulpturen sind neun erhalten. Die Tiergruppe 0 (Löwe, der sein Junges verteidigt) wurde wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg zerstört. Die Zinkskulpturen 7–9 wurden während des Kriegs beschädigt. Die Gruppen 8–9 (Bären- und Wildschweinhatze) sind so stark beschädigt, dass viele Details nicht mehr erkennbar sind.

Die sechs verbliebenen Marmorskulpturen sind durchweg in gutem Zustand, bisweilen fehlen jedoch besonders bruchgefährdete Teile wie Ohrenspitzen, Hörnerenden, Schwanzenden und Zähne. Im Übrigen sind alle Marmorskulpturen mehr oder minder stark verschmutzt und leiden unter Grünbelag oder Flechtenbefall, stellenweise ist der Marmor auch geschwärzt. Auch wenn die Beschädigungen und Verschmutzungen ihren eigenen, morbiden Reiz haben, besteht doch auf Dauer die Gefahr des weiteren Verfalls.

Die Tierplastiken haben keinen geringen Anteil an der bildnerischen Ausstattung des Maurischen Gartens. Fast alle Skulpturen stellen tierische Jagd- und Kampfszenen dar. Eine Ausnahme macht die Skulptur 1 mit zwei flüchtenden Gazellen, deren Verfolger nicht dargestellt ist, und Skulptur 4, die nur einen schreitenden Löwen zeigt, der allerdings mit seiner Drohgebärde einen unsichtbaren Feind in Schach zu halten scheint.

Zu den Werktiteln: In den Überschriften wird der Werktitel aus den amtlichen Unterlagen angegeben (Tiergruppe 0, 7–9), andernfalls der Titel aus Bücheles Stuttgarter Stadtführer von 1858.E 14 Bü 202 bzw. Büchele 1858, S. 291–292.

Marmorskulpturen Die Marmorskulpturen sind aus Carrara-Marmor gefertigt. Sie haben die Wirren des letzten Kriegs gut überstanden, außer Skulptur 0 (Löwe, der sein Junges verteidigt), die seit dem Krieg verschollen ist. Die Plastiken sind größtenteils unversehrt, leiden aber durch die ständige Wettereinwirkung und Umweltbelastungen, so dass sie teilweise leicht oder stark verschmutzt sind und unter Grünbelag oder Flechtenbefall leiden. Die Skulpturen sind auf erhöhten, rechteckigen Sandsteinpostamenten platziert, die an den Seiten mit je drei bzw. zwei eingelegten, roten Platten kassettiert sind.

(0) Löwe, der sein Junges verteidigt Andere Werktitel: Löwe, sein Junges verteidigend.

Bildhauer: Albert Güldenstein.

Skulptur aus Carrara-Marmor, Entstehungsjahr 1857,Wais 1954, S. 58. wahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ursprünglicher Standort: im Rondell am Eingang des Maurischen Festsaals.

Es ist keine Beschreibung der Skulptur überliefert.

Literatur: Büchele 1858, S. 291, Wais 1954, S. 58. (1) Zwei Gazellen zentriert|220px Andere Werktitel: Zwei Rehe; Zwei entfliehende Rehe. Bildhauer: Albert Güldenstein.

Skulptur aus Carrara-Marmor auf einem erhöhten, rechteckigen Sandsteinpostament, Entstehungsjahr 1856 (Modell),Die Modelle von Skulptur 1–4 waren spätestens Ende Juli 1856 fertig (Kunstblatt 1856). 1856/1857 (Ausführung),John 2000, S. 82. unbezeichnet, Stuttgart, Wilhelma, vorne links am Großen Bassin (Seerosenteich).

Erhaltungszustand: gut, abgebrochene Ohren- und Hörnerspitzen, Mittelstück eines Laufs fehlt, verschmutzt, starker Grünbelag.

Zwei verängstigte Gazellen, Mutter und Kind, flüchten mit ihren grazilen, weitausgreifenden Läufen ins Ungewisse. Das Gazellenkind blickt hilfesuchend zu seiner Mutter hinüber, die ihm um Kopfeslänge voraus ist, und mit weitaufgesperrten, fliegenden Ohren auf den Verfolger lauscht.

Literatur: AKL, Büchele 1858, S. 291, Herzog 1990, S. 46, John 2000, S. 82, Wais 1954, S. 58. (2) Hyäne mit einem geraubten Lamm zentriert|220px Andere Werktitel: Hyäne mit gerissenem Schafböckchen. Bildhauer: Albert Güldenstein.

Skulptur aus Carrara-Marmor auf einem erhöhten, rechteckigen Sandsteinpostament, Entstehungsjahr 1856 (Modell),Die Modelle von Skulptur 1–4 waren spätestens Ende Juli 1856 fertig (Kunstblatt 1856). 1857 (Ausführung),Wais 1954, S. 58. unbezeichnet, Stuttgart, Wilhelma, vorne rechts am Großen Bassin (Seerosenteich).

Erhaltungszustand: gut, Ohrenspitzen der Hyäne abgebrochen, verschmutzt, starker Grünbelag.

Eine schreckenerregende Hyäne hat ein Lamm oder ein Schafböckchen zur Strecke gebracht. Dieses liegt, ermattet vom Todeskampf und nun verendet, alle Viere gestreckt, unter dem mächtigen Dom, den der Rumpf des Räubers über dem friedlichen Schäfchen aufspannt, die Beine aufgestellt wie Säulen und nach allen Seiten hin ausgespreizt, jederzeit auf dem Sprung, die Beute zu verteidigen. Die Rückenmähne gesträubt wie ein Saurierkamm, die Ohren gespitzt und den Rachen weit aufreißend, brüllt die Hyäne den unsichtbaren Freßrivalen an, um ihn in die Flucht zu jagen.

Literatur: AKL, Büchele 1858, S. 291, Herzog 1990, S. 46, John 2000, S. 82, Wais 1954, S. 58. (3) Tiger mit einer Schlange kämpfend zentriert|220px Andere Werktitel: Panther im Kampf mit einer Riesenschlange. Bildhauer: Albert Güldenstein.

Skulptur aus Carrara-Marmor auf einem erhöhten, rechteckigen Sandsteinpostament, Entstehungsjahr 1856 (Modell),Die Modelle von Skulptur 1–4 waren spätestens Ende Juli 1856 fertig (Kunstblatt 1856). 1856 (Ausführung),Wais 1954, S. 58. unbezeichnet, Stuttgart, Wilhelma, hinten links am Großen Bassin (Seerosenteich).

Erhaltungszustand: gut, Ohrenspitzen fehlen, stark verschmutzt.

Ein ungleicher Kampf spielt sich ab. Ein mächtiger, eleganter Tiger oder Panther schreitet dahin, als er plötzlich eine Schlange, fast doppelt so lang wie er selbst, aufschreckt (ist er unbewusst auf sie getreten?), und die Schlange schlingt sich in ihrer Verzweiflung um seinen Leib und will ihm das Leben abpressen. Der Panther reißt sein Maul mit den fürchterlichen Fangzähnen weit auf und brüllt vor Schmerz und Wut. Die Schlange reckt in sicherem Abstand ihren Kopf in die Höhe, sie scheint auf ihre Würgekraft zu vertrauen, aber vielleicht gelingt es dem Panther doch, in einer letzten Kraftanstrengung dem seltsamen Feind den Kopf abzureißen.

Literatur: AKL, Büchele 1858, S. 291, Herzog 1990, S. 46, John 2000, S. 82, Wais 1954, S. 58. (4) Löwe mit seitwärts gebogenem Kopfe vorwärtsschreitend zentriert|220px Andere Werktitel: Löwe mit drohender Gebärde. Bildhauer: Albert Güldenstein.

Skulptur aus Carrara-Marmor auf einem erhöhten, rechteckigen Sandsteinpostament, Entstehungsjahr 1856 (Modell),Die Modelle von Skulptur 1–4 waren spätestens Ende Juli 1856 fertig (Kunstblatt 1856). 1857 (Ausführung),Wais 1954, S. 58. unbezeichnet, Stuttgart, Wilhelma, hinten rechts am Großen Bassin (Seerosenteich).

Erhaltungszustand: gut, verschmutzt, Marmor streckenweise geschwärzt, Grünbelag.

Der König der Tiere schreitet kraftstrotzend auf seinen starken Pranken voran, die mächtige Bauchmähne am Boden schleifend. Das Haupt mit der charakteristischen Mähne des Löwenmanns wendet er drohend zu dem Betrachter hin, mit aufgesperrtem Rachen die todbringenden Zähne zeigend. Den langen, majestätischen Schwanz stützt er auf dem Boden ab, als wäre es ein fünftes Glied.

Literatur: AKL, Büchele 1858, S. 291, Herzog 1990, S. 46, John 2000, S. 82, Wais 1954, S. 58. (5) Stier von einem Löwen angegriffen zentriert|220px Bildhauer: unbekannter italienischer Künstler.

Skulptur aus Carrara-Marmor auf einem erhöhten, rechteckigen Sandsteinpostament, Entstehungsjahr vor 1817,Laut Heß 1847, S. 293. König Wilhelm soll die Skulptur von seinem Vater König Friedrich geerbt, der 1816 gestorben war, unbezeichnet, Stuttgart, Wilhelma, links vor dem Maurischen Landhaus. Ursprünglicher Standort: rechts oder links vom Maurischen Festsaal.

Erhaltungszustand: leicht beschädigt, dem Löwen fehlt das Mittelstück des Schwanzes, dem Stier fehlt der Schwanz und eine Hornspitze, verschmutzt und mit Grünbelag.

In der Vorderansicht sieht man nur den prachtvollen Mähnenkopf des Löwen, der einen Stier anfällt und ihn kraftvoll mit seinen gefährlichen Pranken zu Boden drückt, so dass dieser mit den Vorderhufen in die Knie geht. Mit den scharfen Zähnen verbeißt sich der Räuber in den Rücken seines Opfers und gräbt die ausgefahrenen spitzen Krallen gnadenlos in das Fleisch des rettungslos Verlorenen. Die Augen hält der Löwe geschlossen – wie versunken in sein mörderisches Werk. Der wehrlose Stier beugt mühsam den Kopf zurück, wie um zu sehen, was mit ihm geschieht.

Literatur: Büchele 1858, S. 291, Herzog 1990, S. 11, Heß 1847, S. 293, Wais 1954, S. 58. (6) Panther, einer Gazelle auf den Rücken springend zentriert|220px Andere Werktitel: Leopard, wie er auf eine Gazelle springt; Panther eine Gazelle reißend. Bildhauer: Albert Güldenstein.

Skulptur aus Carrara-Marmor auf einem erhöhten, rechteckigen Sandsteinpostament, Entstehungsjahr 1848, bezeichnet: „A. Güldenstein. Rom. 1848.“, Stuttgart, Wilhelma, rechts vor dem Maurischen Landhaus. Ursprünglicher Standort: rechts oder links vom Maurischen Festsaal.

Erhaltungszustand: gut, der Gazelle fehlt ein Ohr und dem Löwen eine Ohrspitze, verschmutzt und mit Grünbelag.