Der Herzblättrige Hahnenfuß (Ranunculus parnassiifolius), auch Herzblatt-Hahnenfuß genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hahnenfuß (Ranunculus) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae).
Beschreibung mini|Blüte im Detail mini|Ranunculus parnassiifolius subsp. parnassiifolius
Vegetative Merkmale Der Herzblättrige Hahnenfuß ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 4 bis 10, 2 bis zu 20 Zentimetern erreicht. Als Überdauerungsorgan wird ein Rhizom gebildet. Die Stängel sind bogig aufsteigend und weiß wollig behaart.
Die grundständig und am Stängel verteilt angeordneten Laubblätter haben bogenförmig verlaufende Nerven und sind ganzrandig. Die bläulich-grünen, verkahlenden Grundblätter sind ungeteilt. Die Grundblattspreite ist eiförmig-herzförmig oder breit-lanzettlich. Die Stängelblätter sind stängelumfassend. Die jungen Laubblätter sind oberseits und am Rand weißzottig behaart.
Generative Merkmale Die Blütezeit liegt im Juli. Je Stängel sind mehrere, meist zwei bis zwölf (1 bis 20) Blüten vorhanden. Die Blütenstiele sind im oberen Bereich wollig behaart.
Die zwittrige Blüte ist bei einem Durchmesser von meist 20 bis 25 (8 bis 37) Millimetern radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Blütenboden ist kugelförmig. Die fünf Kelchblätter sind zottig behaart oder kahl. Die meist fünf oder manchmal weniger Kronblätter sind weiß und manchmal rot überlaufen und verkehrt-eiförmig bis fast dreieckig.
Die glatten Nüsschen sind 2 bis 4,5 Millimetern sowie einer Breite von etwa 2 Millimeter breit, verkehrt-eiförmig, aufgeblasen und deutlich geadert. Es ist ein Schnabel vorhanden.
Der Herzblättrige Hahnenfuß kommt diploid, tetraploid und pentaploid vor; mit einer Chromosomenzahl von 2n = 16, 32 oder 40.
Vorkommen und Gefährdung Der Herzblättrige Hahnenfuß kommt in den Gebirgen Nordspaniens, in den Pyrenäen und in den Alpen vor. Es gibt Fundortangaben für die Länder Spanien, Andorra, Frankreich, Deutschland, Italien, die Schweiz, Österreich, das ehemalige Jugoslawien und Albanien. Der Herzblättrige Hahnenfuß ist kalkstet und wächst in Deutschland auf alpinen frischen Steinschuttfluren in Höhenlagen von 1700 bis 2900 Metern. Er ist pflanzensoziologisch eine Charakterart des Leontodontetum montani aus dem Verband Thlaspion rotundifolii.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 1+ (unter-alpin, supra-subalpin und ober-subalpin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).
Ranunculus parnassiifolius wird in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten in Deutschland in die Gefährdungskategorie 1 eingestuft = „vom Aussterben bedroht“. Er kommt hier nur im Karwendelgebirge vor. In Österreich hat er Vorkommen in Vorarlberg, Tirol, Osttirol, Kärnten und Steiermark. In der Schweiz kommt er im Wallis und Graubünden vor.
Systematik Die Erstveröffentlichung von Ranunculus parnassiifolius erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 549 ("Ranunculus parnassifolius"). Das Artepitheton parnassifolius bezieht sich auf die Ähnlichkeit der Blattform zur Gattung Herzblatt (Parnassia). Linné hatte das Epitheton von Joseph Pitton de Tournefort (1656–1708) übernommen. Die korrekte Schreibweise ist parnassiifolius (mit zwei i).
In Europa kommen 1989 Ranunculus parnassiifolius etwa vier Unterarten vor: Ranunculus parnassiifolius subsp. cabrerensis : Dieser Endemit kommt nur in Nordspanien vor. Ranunculus parnassiifolius subsp. favargeri : Sie kommt in Spanien, Andorra und Frankreich vor. Ranunculus parnassiifolius subsp. heterocarpus : Sie kommt nur in Spanien, Andorra, Frankreich und in den Alpen von Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein, Österreich und Italien vor. Philippe Küpfer hatte die Unterart 1974 erstbeschrieben. Ranunculus parnassiifolius subsp. parnassiifolius: Sie kommt nur in den Pyrenäen von Spanien und Frankreich und außerdem in Italien vor.
Ranunculus parnassiifolius gehört zum polyploiden Komplex Ranunculus parnassiifolius s. l.
Inhaltsstoffe Ranunculus parnassiifolius ist giftig.
Nutzung Der Herzblättrige Hahnenfuß wird selten als Zierpflanze für Steingärten genutzt. Die Sorte ‘Semiplenus’ hat halbgefüllte Blüten.
Einzelnachweise Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 146. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 415. E. Hörandl, E. von Raab-Straube (2015): Ranunculeae. Datenblatt Ranunculus parnassiifolius In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8: Nymphaeaceae to Ranunculaceae. Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6. S. 206–207. Datenblatt Ranunculus parnassifolius bei Flora Vascular. Eduardo Cires Rodríguez: Unravelling the polyploid complex Ranunculus parnassiifolius L. (Ranunculaceae) - A combined morphologic and molecular-genetic approach. Tesis Doctoral, Universidad de Oviedo, Departamento de Biología de Organismos y Sistemas, Oviedo, 2011. Volltext-PDF. Jens G. Rohwer: Ranunculaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 343.
Weblinks
Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos.
Kategorie:Hahnenfuß