Golo und Genovefa ist eine in Prosa verfasste Tragödie von Friedrich Müller (genannt: Maler Müller) und entstand wohl in den Jahren 1775 bis 1781. Erstmals erschien es 1811. Das Stück interpretiert den Genoveva-Stoff und wird allgemein als Werk des Sturm und Drang betrachtet.
Inhalt Erster Aufzug Der erste Akt beginnt auf der Burg Pfälzel mit den Vorbereitungen für einen Feldzug gegen muslimische Truppen, welche in Frankreich eingefallen sind. Hierbei handelt es sich vermutlich um den Kriegszug Karl Martells in Südfrankreich. Die Grafen und Brüder Siegfried, Ulrich, Bernhard und Carl rüsten sich für den Krieg und nehmen Abschied von ihren Angehörigen: Carl von seiner Geliebten Julie, der Tochter des Schlosshauptmanns Adolf in Pfälzel und Pfalzgraf Siegfried von seiner Gattin Genovefa. Diese hat zuvor noch die Waffen ihres Mannes säubern und schärfen lassen. Dies wird zu einem späteren Zeitpunkt noch von Belang sein.
Die Anwesenden zeigen sich erstaunt darüber, dass der junge Ritter Golo sich nicht am Feldzug beteiligen will, da er angibt, „unpässlich“ zu sein. Da er in Pfälzel zurückbleibt, überträgt Siegfried ihm die Rechte als sein Stellvertreter und vertraut ihm seine Gattin Genovefa an. Nachdem die neuesten Kriegsberichte aus Frankreich eingetroffen sind, bricht die Schar zügig auf.
Als Golo das erste Mal auftritt, wird schnell deutlich, dass er hoffnungslos in Genovefa, die Gattin seines Lehnsherren, verliebt ist. Dies hält er jedoch vor ihr geheim und führt belanglose Gespräche über Kunst und Musik. Allein Mathilde von Rosenau, Schwester des Hauptmanns Adolf, nimmt regen Anteil an seinem Leid, da Genovefa Golos Liebe nicht erwidert. Mathilde zeigt sich erbost über Golos Weigerung, an dem Kriegszug teilzunehmen. Sie hält ihm vor, nichts für die Mehrung seines Ruhmes zu tun, obwohl sie ihn bereits seit geraumer Zeit protegiert und fördert. Ihr gelingt es, den Hofdiener Dragones für sich zu gewinnen. Am Ende des ersten Aufzugs tritt Wallrod auf, eine rätselhafte Figur, die großen Zorn auf Mathilde verspürt. Die Hintergründe dieser Figur sowie die Ursache für Wallrods Zorn sind dem Zuschauer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannt.
Der erste Akt erfüllt die traditionelle Aufgabe, die wichtigsten Charaktere einzuführen und die grundlegenden Beziehungen der Figuren untereinander widerzuspiegeln. (vgl. Exposition)
Zweiter Aufzug Golo unterhält sich zu Beginn des zweiten Aktes mit dem Gärtnerjungen Brandfuchs. Das Gespräch dreht sich um „Kunst“. Als sich Mathilde nähert, versteckt sich Brandfuchs. Es kommt zum Streit zwischen Mathilde und Golo, woraufhin Golo überstürzt aus Pfälzel abreisen will. Als Mathilde ihn jedoch davon abbringt, zeigt sich Golos enorme Abhängigkeit von Mathilde. Sein zögerliches, wechselhaftes Verhalten bleibt auch den anderen Figuren in Pfälzel nicht verborgen: Adolf, seine Tochter Julie und ihre Freundin Anne sprechen darüber:
Wallrod tritt hinzu und betrachtet ein Porträt, welches außen an einem Balkon zu sehen ist. Das Gespräch kommt auf dieses Bildnis zu sprechen und dem Zuschauer/Leser wird deutlich gemacht, dass Wallrod der verlorene Sohn der reichen Sponheimer Familie ist. Noch aber teilt er dies in einem Monolog lediglich dem Publikum mit.
Während Adam, Dragones und Golo einen Musik-Auftritt für die Damen planen, sprechen Genovefa und Mathilde über Golos Verliebtheit und die Liebe ganz allgemein. Der Auftritt gelingt und Golo gibt sich hoffnungsvoll seinem Schwärmen hin.
In der fünften Szene des Aktes gelingt es dem als Pater verkleideten Wallrod Zweifel in Dragones zu wecken und ihn für sich zu gewinnen. Währenddessen überdenkt Mathilde die gesamte Situation und findet einen Brief auf, in dem Genovefa vor ihren und Golos Intrigen gewarnt werden soll. In diesem Augenblick kommt Christine, ihre Kammerzofe, herein und berichtet von einem bewaffneten Eindringling. Dieser entpuppt sich als Wallrod, welcher Rache an Mathilde dafür nehmen will, dass diese ihn nach einer Liaison schmählich fallen gelassen hat. Doch auch in dieser Situation gelingt es Wallrod nicht, Mathilde zu töten. Stattdessen verfällt er (einmal mehr) ihren Worten und unterwirft sich ihr.
Dritter Aufzug Zu Beginn des dritten Aktes kommt es erneut zu einer Konfrontation zwischen Golo und Mathilde. Doch als Mathilde ihre Meinung ändert und dem jungen Ritter Genovefa nicht länger auszureden versucht, sondern ihm stattdessen bei seinen Werbungen unterstützen will, zeigt Golo große Dankbarkeit:
Währenddessen wird Genovefa erneut durch einen anonymen Brief vor Golo gewarnt. Als Absender vermutet Genovefa Mathilde, ist sich dessen aber nicht sicher.
Adolf und Adam, der Hofgärtner, besprechen die Entdeckung, dass bereits seit einigen Tagen eine unbekannte Gestalt des Nachts über die Schlossmauer klettert. Sie beschließen, den Unbekannten in der kommenden Nacht zu überraschen.
Die nun folgende vierte Szene ist der Wendepunkt der Geschichte: Dragones schleicht in der nun kommenden Nacht an die Schlossmauer, wohin ihn Wallrod bestellt hat. Zur selben Zeit führt Mathilde Golo an dieselbe Stelle, wo Golo kurz darauf auf Genovefa trifft. Er offenbart ihr seine Liebe, doch die verheiratete Frau ist erschrocken und lehnt Golos Werben ab. Dieser ergreift die Gräfin und will sie zu einer nahen Höhle tragen, doch in diesem Moment tritt Dragones hinzu, da er die Hilferufe Genovefas vernommen hat. Golo attackiert den Hinzugekommenen, verwundet ihn, entflieht jedoch, als sich Adam und Adolf nähern. Diese finden den Verletzten und als die Situation noch völlig ungeklärt ist, erscheint Mathilde und beschuldigt Dragones, sich heimlich mit Genovefa getroffen zu haben. Des Weiteren befiehlt sie, niemanden zur Gräfin Genovefa durchzulassen.
Außer Genovefa und Mathilde weiß zu diesem Zeitpunkt niemand, dass sich Golo ebenfalls an diesem Ort aufgehalten hat. Daher gelingt es Mathilde, Genovefa und Dragones des Ehebruchs zu bezichtigen. Damit dieser Plan gelingen kann, beschwichtigt sie Golos aufkommende Schuldgefühle und beauftragt den ihr hörigen Wallrod, den eingekerkerten Dragones zu vergiften.
Die Nachricht vom angeblichen Ehebruch spricht sich rasch im Schloss herum und als Julie Genovefa in ihrem bewachten Zimmer besucht, händigt diese Julie ein Schreiben an Siegfried, ihren Mann aus. Sie solle den Brief nur persönlich an Siegfried aushändigen. Beide durchschauen zu diesem Zeitpunkt das Ränkespiel von Mathilde. Auch Adolf versteht nun die Zusammenhänge der Intrige, welche seine Schwester initiiert hat. Adolf wütet gegen zwei Wächter und beschließt, seine Knechte gegen Mathilde auszusenden. Diese erhält die Nachricht zusammen mit der Information, dass Genovefa in ihrem Gefängnis einen Sohn zur Welt gebracht habe. Golo, welcher von ihrer Schwangerschaft nichts wusste, hadert noch immer mit seinem Schicksal und bereut seine nächtliche Tat zutiefst.
Als Adam und Brandfuchs Genovefa mit Nahrung versorgen wollen, hören sie mit an, wie Dragones am Gifte Mathildes stirbt. Wallrod, der Mörder, bereut seine Tat jedoch augenblicklich und erkennt einmal mehr, zu welchem Unheil er von Mathilde angestiftet wurde. Somit verflucht er sie:
Vierter Aufzug Gerade als der Pfalzgraf Siegfried im Heerlager Carl nach Pfälzel entsendet, da er so sehr Nachrichten von daheim begehrt, trifft ein Bote bei Siegfried ein und überbringt die Kunde vom angeblichen Ehebruch Genovefas. Die Nachricht spricht sich rasch unter den Soldaten herum und Ulrich berichtet Bernhard:
Als Carl sich dem heimischen Pfälzel nähert, findet er in einem abgelegenen Waldstück die an einen Baum gefesselte Christine auf, die Kämmerin Mathildes. Von ihr erfährt nun auch Carl von Golos und Mathildes Anklage gegen Genovefa. Seine Ankunft wird von Julie und Adolf herbeigesehnt, da sie sich durch sein Eintreffen einen guten Ausgang der Angelegenheit erhoffen. Mathilde hingegen sieht durch Carl ihre Pläne gefährdet. Sie überredet Golo, noch einmal zu Genovefa zu gehen und sie zur gemeinsamen Flucht zu überreden. Die angeklagte Gräfin hat ihr Kind inzwischen „Schmerzenreich“ genannt. Als Golo ihr die falsche Nachricht von Siegfrieds Tod zusammen mit einigen Waffen überbringt, durchschaut Genovefa die Lüge, da sie die Waffen ihres Mannes sehr wohl kennt. Aus Wut will Golo das Neugeborene töten, doch Genovefa kann dies verhindern. Inzwischen trifft Carl ein und fordert Golo zum Kampf heraus. Golo will den Kampf vermeiden, doch als er erfährt, dass Siegfried inzwischen das Todesurteil Genovefas unterzeichnet hat („in hellem Zorn“, wie bei Kindlers Literatur Lexikon nachzulesen ist), wagt er den Kampf mit Carl. Während unter den Schmähungen Carls der Kampf beginnt, bangen Adolf und Julie um sein Leben und Mathilde – aus mangelndem Vertrauen in Golos Kampfeskraft – bereitet sich auf eine schnelle Abreise vor. Golo tötet Carl jedoch überraschend im Kampf, verflucht seinen Sieg jedoch und wünscht sich an dessen Stelle. Golos Sieg wird nun als Gottesurteil aufgefasst und das Todesurteil somit bestätigt. Mathilde wünscht den schnellen Tod Genovefas und beauftragt zwei Mörder mit der hinterhältigen Tat. Es kommt heraus, dass die beiden Männer im Auftrag Mathildes auch für den Überfall auf Christine verantwortlich sind. Als Genovefa in den Wald hinausgeführt wird, um dort, abseits des Hofes, getötet zu werden, stürzen Adam und seine Frau Margarethe hervor und verhelfen Genovefa zur Flucht. Beide haben von dem geplanten Mord erfahren und beschlossen, ihr zu helfen. Adam fordert Genovefa auf, nicht zurückzukehren, da sie ansonsten der sichere Tod ereile.
Als Siegfrieds Ankunft, der sich inzwischen aufgrund der Vorfälle auf den Heimweg gemacht hat, kurz bevorsteht, flieht Golo auf sein Gut, nicht aus Angst vor Rache, sondern aus Scham vor Siegfried:
Golo bereut seine Taten zutiefst und trauert um Carl und Genovefa, denn die beiden Mörder haben die Nachricht ihres Todes trotz Genovefas Flucht überbracht. Von seinen Gefühlen geplagt, wütet Golo unter seinen Bediensteten, wird ihnen gegenüber handgreiflich und irrt des Nachts halluzinierend durch das Schloss. Dabei wird er von Mathilde überrascht. Es kommt zum Streit und Golo verwundet seine Mutter, denn als solche hat sich Mathilde inzwischen herausgestellt:
Golo flieht und Mathilde deckt aus Mutterliebe ihren Sohn. Währenddessen geht das Morden weiter: Adams Leiche wird im Wald gefunden. Julie ist zu Anne ins Kloster gegangen und Adolf sieht sich nun seiner ganzen Familie beraubt und resigniert.
Fünfter Aufzug Nach einer geraumen Zeit kehren Julie und Anne aus dem Kloster zurück. Der Weg nach Pfälzel ist anstrengend und Julie ist sehr schwach. In Pfälzel hingegen kann sich Siegfried noch immer nicht mit Genovefas Tod abfinden. Er plant einen neuen Kirchenbau, in welchem ihr Grab und Carls letzte Ruhestätte ganz besondere Plätze finden sollen. Heinrich, der Arzt, überbringt die Nachricht, dass Mathildes Schloss – nachdem sie inzwischen den Herzog von Trier geheiratet hat – einem Brandstifter zum Opfer gefallen ist. Siegfried beschließt, trotz Golos merkwürdigem Verhalten und trotz dem Groll, welchen Bernhard noch immer Golo gegenüber hegt, alle seine Vertrauten zu einer großen Jagd einzuladen. In diesem Moment erscheinen Julie und Anne im Schloss. Der inzwischen leicht verwirrte Adolf erkennt erst nach einiger Zeit seine Tochter Julie wieder und ist überglücklich.
Es kommt nun heraus, dass der Brand in Trier von niemand anderem als Wallrod gelegt worden ist. Er soll auch für Dragones Tod durch das Gift verantwortlich gewesen sein und hat nun mit demselben Mittel Mathilde vergiftet.