Die 8 Geschwister von Karl Marx spielten in dessen Leben eine prägende Rolle. Die Kenntnis ihrer Lebensumstände vermittelt ein Bild von dem sozialen, religiösen und kulturgeschichtlichen Umfeld, in dem Karl Marx (1818–1883) aufwuchs und lebte. In der biografischen Literatur über Marx wird häufig behauptet, dass er keine Beziehung zu seinen Geschwistern gehabt habe, dass er der Erstgeborene gewesen sei und anderes mehr. Aus den hier angeführten Quellen ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Selbst die Nichten und Neffen von Marx unterhielten persönlichen und brieflichen Kontakt zur Familie von Karl Marx.

Geschwister Dieser Artikel befasst sich mit den Geschwistern Mauritz David, Sophia, Hermann, Henriette, Caroline und Eduard Marx. Die anderen Geschwister werden in separaten Artikeln behandelt.

Louise Marx (1821–1893), verheiratet mit Jan Carel Juta Emilie Marx (1822–1888), verheiratet mit Johann Jacob Conradi (1821–1892)

Mauritz David Marx mini|hochkant|Alter Jüdischer Friedhof in Trier, hier wurden Urgroßvater, Großvater, Großmutter und Mauritz David begraben. Mauritz David MarxIn den Dezentaltabellen 1813–1823, Stadtarchiv Trier steht „Moritz David Marx“. Ein Schreibfehler, den Werner Blumenberg: Karl Marx in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 1962, S. 9 wiederholt. (* 30. Oktober 1815In der Geburtsurkunde 522/1815 heißen die Eltern Heinrich Marx und Henriette Presburg. in Trier; † 15. April 1819In der Sterbeurkunde 196/1819 heißen die Eltern Heinrich Marx und Henriette Presborg und das Kind nur „Mauritz“. in Trier) war der älteste Sohn von Heinrich Marx und Bruder von Karl Marx.

Leben Mauritz David Marx war der Erstgeborene von Heinrich Marx und seiner Frau Henriette Marx, geb. Presburg. Beide Eltern gehörten der jüdischen Gemeinde Trier an, die vom Großrabbiner Samuel Marx geleitet wurde. Die Geburt zeigten zwei Handwerker (ein Glaser und ein Schreiner) an. Mauritz wurde als Erstgeborener nach 8 Tagen beschnitten. Mit 3½ Jahren verstarb er, die Todesursache ist nicht bekannt. Seinen Tod zeigte der jüdische Handelsmann Jacob Simon OppenheimOppenheim war Vertreter der Trierer Judenschaft in der Judenschulden-Tilgungskommission, die Heinrich Marx von 1817 bis 1831 gerichtlich vertrat (Laufner, S. 16). an. An der Beerdigung auf dem Jüdischen Friedhof an der WeidegasseIn den Begräbnisbüchern der evangelischen Kirche ist er nicht erwähnt. Deshalb und weil für die jüdische Gemeinde das Friedhofsbuch fehlt, ist davon auszugehen, dass er dort nach jüdischem Ritus beerdigt wurde. seines Neffen Mauritz David hat Samuel Marx teilgenommen. Damit steht auch fest, dass Heinrich Marx zu diesem Zeitpunkt noch nicht getauft war.Die Taufe erfolgte zwischen dem Tod von Mauritz David und dem Jahr 1821, als der Divisionsprediger Mühlenhoff nach Berlin ging, ohne die Taufe von Heinrich Marx eingetragen zu haben. Manfred Schöncke: Karl und Heinrich Marx und ihre Geschwister, S. 478.

Wirkung Dazu schreibt z. B. Otto Rühle: Otto Rühle: Karl Marx. Leben und Werk. Hellerau bei Dresden 1928, S. 445–446.

So nennt Arnold Künzli ein Kapitel seines Buches über Karl Marx: Arnold Künzli: Karl Marx. Eine Psychographie. Wien / Frankfurt / Zürich 1966, S. 72–78

Fritz J. Raddatz behauptet: Fritz J. Raddatz: Karl Marx. Eine politische Biographie. Hamburg 1975, S. 12.

Sophia Marx miniatur|hochkant|Wohnhaus der Familie Marx in der Simeonstraße ab 1819. Hier wohnten Sophia, Hermann, Henriette, Caroline und Eduard mit ihren Eltern und Geschwistern Sophia Marx (* 13. November 1816 in Trier; † 29. Dezember 1886 in Düren) war das zweite Kind von Heinrich Marx und eine Schwester von Karl Marx. Seit dem 12. Juni 1842 war sie mit Willem Robert Schmalhausen (* 17. Januar 1817 in Vaals, Niederlande; † 1. November 1862 in Maastricht), Staatsanwalt (Procurateur), verheiratet.

Leben Sophia Marx, auch Sophie genannt, war die Schwester und Freundin ihres jüngeren Bruders Karl. Sie zeichnete seine Gedichte an den Vater auf und bewahrte später Briefe der Eltern und von Karl Marx auf, die uns Karl Marx in seiner Studentenzeit nahebringen. Welche Schulbildung sie erfuhr, ist nicht bekannt, da keine personalisierten Akten aus dieser Zeit in Trier überliefert sind. Jedenfalls verstand sie Französisch und Niederländisch, wie aus einem Notizbuch hervorgeht. Sophia war auch die Vertraute ihres Bruders und von Jenny von Westphalen. Am 12. Juni 1842 heiratete sie in Trier und zog nach Maastricht. Der Kontakt zu ihrem Bruder wurde von ihr und ihren Kindern aufrechterhalten.Sophia Schmalhausen an Marx, 7. Dezember 1881. So besuchte ihre Tochter Caroline die Familie Marx 1865Caroline Schmalhausen an Marx 7. Juni 1865. in London, und Caroline ist es auch, die Eleanor Marx den berühmten Brief von Marx an seinen Vater vom 10.–11. November 1837 zur Veröffentlichung übergab. Willem Robert Schmalhausen berät Marx in Fragen seiner Erbschaft.Wilhelm Robert Schmalhausen an Marx, 13. November 1847. Sophia erkrankte und wurde im November 1883 in die „Provinzial-Irrenanstalt“ in Düren gebracht. Aus dem Anamnesebogen, der dort aufgenommen wurde, ist zu entnehmen, dass Heinrich Marx „groß, schwer gebaut, sehr intelligent und eloquent“ war und ihre Mutter „klein, zart, sehr intelligent“.Manfred Schöncke, S. 554.

Ehrung 1983 wurde an dem früheren Wohnhaus von Sophia Schmalhausen in der Boullionstraat in Maastricht eine Plakette angebracht, die an den Aufenthalt von Karl Marx vom 19. März bis 7. April 1865 erinnert.Maastricht herdenkt Karl Marx. In: De Limburger. Roermund, 14. März 1983.R. Hackeng: Karl Marx op bezoek in Maastricht. In: De Maasgouw. Maastricht, 112, 1993, Nr. 2, S. 86–94.Sophia wohnte aber nicht mehr in der Bouillonstraat, sondern ab 10. Mai 1864 Markt 1174 (Manfred Schöncke, S. 534).

Kinder Henriette Schmalhausen (* 4. Mai 1843 in Maastricht; † 8. Dezember 1920 in Den Haag), verheiratet mit August Schill (1840–1915). Caroline, genannt Lina Schmalhausen (* 13. Mai 1846 in Maastricht; † 6. September 1927 in Bussum), verheiratet mit Jan Peter Smith (1837–1884). Bertha Schmalhausen (* 7. November 1852 in Maastricht; † 8. November 1922 in Zaltbommel), verheiratet mit Leonard van Anrooij (1849–1923). Henri Eduard Benno Schmalhausen (* 12. Mai 1857 in Maastricht; † 23. Februar 1906 in Apeldoorn), Kolonialbeamter in Indonesien und Autor. Verheiratet mit Odilia Bruijn van Rozenburg (1865–1939).

Wirkung Dazu schreibt z. B. Isaiah Berlin: Isaiah Berlin: Karl Marx. Sein Leben und sein Werk. R. Piper & Co Verlag, München 1959, S. 40.

Richard Friedenthal schreibt: Richard Friedenthal: Karl Marx. Sein Leben und seine Zeit. R. Piper & Co Verlag, München / Zürich 1981, ISBN 3-492-02713-X, S. 39.

Zitate

Hermann Marx Hermann Marx (* 12. August 1819 in Nijmegen, Niederlande; † 14. Oktober 1842 in Trier) war das vierte Kind von Heinrich Marx, Kaufmann und Bruder von Karl Marx.

Leben Hermann Marx wurde in Nijmegen geboren, weil seine Mutter Henriette Marx, geb. Presburg, zur Entbindung und vielleicht auch wegen des Todes von Mauritz David Marx (s. o.) bei ihren Eltern Isaak Presburg (1747–1832) und Nanette Cohen (1764–1833) dort weilte. Hermann wurde vermutlich in der Synagoge in der Nonnenstraat in Nijmegen beschnitten. Am 26. August 1824 wurde er mit seinen Geschwistern evangelisch in der elterlichen Wohnung Simeongasse 1070 (heute Simeonstraße 8) in Trier getauft. Seine Taufpaten waren der Anwalt Ernst Dominik Lais und die Frau des Anwalts Barbara Bochkoltz, geb. SauerManfred Schöncke, S. 833–834.. Er wurde zuerst privat von Eduard MontignyEduard Montigny an Karl Marx nach dem 12. September 1848, MEGA2 Abt. III Bd. 2, S. 471., einem Buchhändler, unterrichtet (1828). Er hat nicht das Gymnasium besucht, wie Heinz Monz irrtümlich annahm.Heinz Monz: Karl Marx. Grundlagen zu Leben und Werk verwechselt Hermann Marx mit Eduard Marx S. 233 Fußnote 31 (Menni war der Kosename von Eduard Marx). 1836 bemühte sich sein Vater um eine Lehrstelle als Handlungsdiener in Frankfurt am Main und Brüssel.Heinrich Marx an Karl Marx 9. September 1836, MEGA2 Abt. III Bd. 1, S. 301. Von 1836 bis 1838 war er als „Handlungsbediensteter“ in Brüssel tätigStadtarchiv Trier Tb 15/318 Faz 1, Blatt 178 f.. Am 2. Juli 1839 wird Hermann, auf seinen Antrag, aus dem preußischen Staatsverband entlassen.Manfred Schöncke, S. 566. Erkrankt, kam er 1840 nach Trier zurück und starb dort an „Lungensucht“Evangelische Archivstelle Koblenz, Kirchenbuch Trier Nr. 201,13,5.. Er wurde am 17. Oktober in Trier auf dem evangelischen Friedhof Ruwerer Straße (heute: Herzogenbuscher Straße) begraben, die Grabrede hielt der Divisionsprediger Carl Wilhelm Rocholl (1805–1876).

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Henriette Marx Henriette Marx (* 28. Oktober 1820 in Trier; † 3. Januar 1845 in Alstaden, heute Oberhausen) war eine Schwester von Karl Marx. Sie wurde als fünftes Kind von Heinrich Marx und Henriette Marx geboren und war Ehefrau des Architekten und Eisenbahndirektors Arnold Theodor Wilhelm Albert Simons (* 5. Juli 1813 in Soest; † 9. Februar 1863 in Aachen).In der Geburtsurkunde 578/1820 heißen die Eltern Heinrich Marx und Henriette Presburg.

Leben Henriette wurde in Trier, im Wohnhaus der Familie Simeongasse 1070 (heute Simeonstraße 8), geboren. Am 26. August 1824 wurde sie in der elterlichen Wohnung in Trier zusammen mit ihren Geschwistern evangelisch getauft. Ihre Taufpaten waren der Anwalt Johann Friedrich Joseph Bockholtz und die Frau eines Anwalts, Anna Maria Schaak, geb. Clemens. Am Palmsonntag 1837 wurde sie in der Dreifaltigkeitskirche konfirmiert.Evangelische Archivstelle Koblenz. Kirchenbuch 201, 1, 48. Über ihre Schulbildung ist nichts bekannt. Ihre Schwester Sophia schildert sie gegenüber ihrem Bruder Karl: „… und Jette eben nicht vom liebenswürdigsten Humor“.MEGA2 Abteilung III, Bd. 1, S. 329. Nachdem ihr Vater am 10. Mai 1838 gestorben war, wurde ihr Vormund der Anwalt und Freund der Familie Johann Heinrich Schlink. Obwohl Henriette schon an Schwindsucht erkrankt war, wurden die Hochzeitsvorbereitungen mit dem Architekten Theodor Simons im Sommer 1844 vorangetrieben. Auch Jenny Marx wurde davon Zeuge.MEGA2 Abteilung III, Bd. 2, S. 429. Treibende Kraft war der Trauzeuge und Divisionsprediger Carl Wilhelm Rocholl, der Onkel des Bräutigams. Die Eheschließung, die für den 28. August geplant war, fand am 3. September 1844 im Trierer Rathaus statt. Ihre Mutter und die Schwestern Louise, Emilie und Caroline wohnten der Trauung bei. Nach der Hochzeit fuhren die Brautleute in der Kutsche in das damalige Dorf Alstaden. Schon am 3. Januar 1845 starb die junge Braut im Alter von 24 Jahren, ohne ihre Familie wiedergesehen zu haben.

Der Witwer Theodor Simons heiratete am 5. Januar 1847 Amalia Margathe Zimmermann (* 3. August 1826 in Saarbrücken, † 8. Juni 1895 in Straßburg). 1861 war er Direktor der Königl. Saarbrücken-Trier-Luxemburg Eisenbahn, Saarbrücken.Karl-Heinz Ludwig / Wolfgang König / Lothar Burchardt: Technik, Ingenieure und Gesellschaft. Geschichte des Vereins Deutscher Ingenieure 1856–1981. VDI-Verlag, Düsseldorf 1981, ISBN 978-3-18-400510-8, S. 565, 569. Er verstarb 1863 als Eisenbahndirektor der Königlichen Aachen-Düsseldorf-Ruhrorter Eisenbahn in Aachen. Aus seiner zweiten Ehe gingen fünf Kinder hervor.C. Steinbicker: Westfälisches Geschlechterbuch 6 (Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 184), Limburg/Lahn 1980, S. 10.

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Caroline Marx Caroline Marx (* 30. Juli 1824 in Trier; † 14. Januar 1847 ebenda) war das achte Kind von Heinrich Marx und Schwester von Karl Marx.

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