miniatur|Ursula Pfäffinger, beschützt vom Heiligen Andreas (Glasfenster in der Kirche von Salmanskirchen) Maria Pfäffinger (andere Schreibweise: Pfaffinger; * 7. September 1463 auf Schloss Wildenheim; † verm. 28. Oktober 1528 im Benediktinerinnenstift Frauenchiemsee) war unter dem Namen Ursula die 35. Äbtissin des Klosters Frauenchiemsee und stand diesem von 1494 bis 1528 vor.

Leben und Wirken Sie gehörte dem Adelsgeschlecht der Pfäffinger an und war Tochter von Gentiflor Pfäffinger und Magdalena Huberin von Wildenheim.Wiguleus Hundt: Bayrisch Stammenbuch. in drei Teilen und Zusätzen des Archivars Libius, Erstdruck in Ingolstadt 1585–1587 bei David Sartorius; Unveränderter Nachdruck 1999 und Namensregister 2000, Verlag für Kunstreproduktion, Neustadt an der Aisch, ISBN 3-89557-106-7 (Teil I), ISBN 3-89557-107-5 (Teil II), ISBN 3-89557-108-3 (Teil III mit den Zusätzen) und ISBN 3-89557-141-5 (Namensregister).Georg Westermayer: Allgemeine Deutsche Biographie. Bd. 25, Ovens - Philipp, S. 596, Duncker & Humblot, Leipzig 1887, S. 61. Das Schloss Wildenheim, auf dem sie geboren wurde, war das Schloss der Eltern ihrer Mutter Magdalena Huber von Wildenhaim. Als diese 1463 mit Ursula hochschwanger ging, brannte das alte salmanskirchner Schloss, welches sich am Hügel neben der Kirche befand ab. Magdalena brachte deshalb Ursula in Wildenheim auf die Welt.

Ursula trat in jungen Jahren in das Kloster auf der Insel Frauenchiemsee ein und wurde dort mit 31 Jahren am 30. Oktober 1494 zur Äbtissin gewählt. Die Wahl wird am 8. November 1494 durch den Erzbischof von Salzburg, in dessen kirchlichem Juristiktionsbereich das Kloster liegt, bestätigt. Am darauffolgenden Tag erteilt ihr Bischof Georg von Chiemsee in der Klosterkirche der Erzabtei zu St. Peter in Salzburg die Benediktion. Ihre erstmalige urkundliche Erwähnung erfolgt unter dem 17. November 1494.Urkunde, BayHStA KU FCh 834.Ludwig Holzfurtner: Die Äbtissinnen des Klosters Frauenchiemsee von der Gründung bis zum Jahre 1529. In: Walter Brugger, Manfred Weitlauff (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782 – 2003. Anton H. Konrad Verlag, Weissenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 689.

Sie steht in bester Gesellschaft: Die Äbtissinnenreihen nennen Namen der hervorragendsten Adelsgeschlechter des Mittelalters in der Region, wie die v. Schönstätt, Zaisering, Truchtlaching, Torer, Hampersdorfer, Kallensberger, Laiminger, Aichberger, Auer v. Winkel, v. Bodmann, v. Perfall, v. Grimming, v. Scharfsedt, v. Thann, v. Giensheim, Offenheim und die Reichsgrafen v. Hörwarth.Wolfgang Lehner: Umbruch und Neuorientierung – Kloster Frauenchiemsee in der Reformationszeit. In: Walter Brugger, Manfred Weitlauff (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782 – 2003. Anton H. Konrad Verlag, Weissenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 293. Sogar eine Habsburgerin findet sich unter den Äbtissinnen. Auch die wenigen Namen der Konventsfrauen, die sich aus dem Mittelalter gerettet haben, zeichnen sich durch hohen Adel aus. Angefangen von der Engillind im 10. Jahrhundert bis herab zur Aufhebung des Klosters im Jahre 1803 sind in Chiemsee die Töchter des hohen und niederen Adels vertreten. In der Regel war sogar der Adel nach beiderseitiger Abstammung gefordert.

Das Kloster übernimmt sie in schlechtem wirtschaftlichen Zustand. Um die Kosten ihrer Weihe bezahlen zu können, muss sie trotzdem 200 Gulden entlehnen und dem Erzbischof von Salzburg 28 Dukaten als Weihesteuer erlegen. In ihrem ersten Amtsjahr bricht auf der Fraueninsel "ein grosse sterb" aus: die Pest. Ihr erliegen viele Menschen. Auch im Kloster sterben vier Frauen und eine Novizin, von den Dienstboten der Kellermeister und einige Knechte.

Schon 1501 besteht der Konvent einschließlich der Äbtissin aus 19 ChorfrauenRaymund Kardinal von Gurk: Ablaßbrief an das Kloster Frauenchiemsee. Salzburg, 8. Oktober 1501, BayHStA KU FCh 930. und mehreren Laienschwestern, von denen zwei namentlich bekannt sind.Sterbebrief des Klosters Frauenchiemsee an die verbundenen Klöster, 24. Oktober 1501, BayHStA KU FCh 931. Im Vergleich zu den Konventstärken des weiteren 16. Jahrhunderts stand Frauenchiemsee somit zu dieser Zeit gut da.

Ein nicht immer starkes Glied in der Verwaltungskette waren die Kämmerer und Pröpste, von denen einige auch gerne in die eigene Tasche arbeiteten. 1497 begibt sie sich deshalb, möglicherweise nicht zum ersten Mal, diesmal aber zu Dreikönig,Jolanda Engelbrecht: Wirtschaftsgeschichte des Klosters Frauenchiemsee bis zur Säkularisation 1803. In: Walter Brugger, Manfred Weitlauff (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782 – 2003. Anton H. Konrad Verlag, Weissenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 479 ff. also im härtesten WinterM. Domitilla Veith OSB: Benediktinisches Leben in Kloster Frauenchiemsee. In: Walter Brugger, Manfred Weitlauff (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782 – 2003. Anton H. Konrad Verlag, Weissenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 9 f. auf die Güter des Stiftes nach Tirol, um Unterschleife aufzudecken und zu bestrafen und um Lehen neu oder erneut zu vergeben. Es gehört Mut dazu, die Anstrengungen eines Rittes über Saumwege im Gebirge und selbst über die Brennerstraße zu unternehmen, wobei man jeden Augenblick eines Überfalles gewärtig sein musste. Um einen verlässlichen und gleichzeitig unverdächtigen männlichen Begleiter zu haben, bittet sie ihren Vater Gentiflor um diesen Dienst. Sie selbst schreibt darüber: "Item fueren Wir darnach in obemelten jar (Anm.: 1495) in das pirg gein Ynspruck, her Cristoff von Freyberg vnnd her Gennflor, vnnser vatter, mit vnns, (und) lichen dasz vnsers gotshawß lechen. …"Franz Wagner: Historische Goldschmiedearbeiten im Bereich des Klosters Frauenchiemsee. In: Walter Brugger, Manfred Weitlauff (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782 – 2003. Anton H. Konrad Verlag, Weissenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 619 f; unter Berufung auf Peter Frank: Geschäftsbuch, begonnen 1468, BayHStA KL FCh 33. ("So fuhr ich danach im erwähnten Jahr in das Gebirge Richtung Innsbruck, wobei mich Herr Christoph von Freyberg und Herr Gentiflor, mein Vater, begleiteten, um die Lehen des Klosters zu vergeben.")

In dieser Zeit besitzt das Kloster Güter wie z. B. die Propstei Buch am Erlbach bei Landshut, aber auch in den Gerichtsbezirken Trostberg, Kling (heute ein Ortsteil von Saaldorf-Surheim), Traunstein, Rosenheim, Kufstein, Rattenberg und einigen mehr.Ernst Geiß: Relationen der Aebtissin Ursula der Pfäffingerin von Frauen-Chiemsee über den pfälzisch-bayerischen Erbfolge-Krieg. In: Oberbayrisches Archiv für vaterländische Geschichte. 8. Band, 1. Heft.

Die Reise unternimmt sie, weil sich verschiedene Missstände eingeschlichen haben. Die Abgaben im Leukental sind so gering geworden, dass sie jeden einzelnen Untertanen fragt, was er „an Stift und Gült verabreiche“, also an Abgaben zahle. Es ergab sich, dass der Propst des Klosters jährlich 15 Gulden zu wenig gerechnet hat.Jolanda Engelbrecht: Wirtschaftsgeschichte des Klosters Frauenchiemsee bis zur Säkularisation 1803. In: Walter Brugger, Manfred Weitlauff (Hrsg.): Kloster Frauenchiemsee 782 – 2003. Anton H. Konrad Verlag, Weissenhorn 2003, ISBN 3-87437-460-2, S. 479 ff; unter Berufung auf: Peter Frank: Geschäftsbuch, begonnen 1468. BayHStA KL FCh 88. Er muss den Schaden ersetzen und überdies 50 Gulden Strafgeld zahlen. Ebensolche Unterschlagungen findet sie auch an anderen Orten, wo sie die Abgaben persönlich erhebt.

Bei solch umsichtiger Verwaltung gelingt es ihr, die Schuldenlast des Klosters zu verringern. Bald kann sie wieder einige Güter kaufenUrkundenband Erwerbungen 1506, 1511, 1515, 1517, 1519 und 1521. BayHStA KL FCh 95, fol. 35–36.Wolfgang, Abt von St. Peter in Salzburg: Verkaufsurkunde über mehrere Güter an Frauenchiemsee. Salzburg, 1507 März 8., BayHStA KU FCh 975. und verschiedene Bauten aufführen. 1508 wird aber auch der erste Hof wieder verkauft.BayHStA KL FCh 88 fol. 46v.

Der Landshuter Erbfolgekrieg 1504 ist der Streit der wittelsbachischen Linien in Bayern und der Pfalz um die Erbfolge in Landshut nach dem Tode Herzog Georg des Reichen. Ursula tut alles, um die unmittelbaren Folgen des Krieges von ihrem Gotteshaus abzuwenden. Sie beruft ihren kampferprobten Cousin, Ritter Hans III. von Herzheim (dessen Mutter Veronika ist eine Schwester von Ursulas Vater Gentiflor) als Kommandanten und lässt die Insel zu einer kleinen Festung ausbauen. Diese wird mit Pfahlwerk verschanzt, zwei Tore werden aufgeführt und neun Geschütze aufgestellt.

So konnte sie einer großen Zahl von flüchtigen Familien Asyl gewähren. Das Stift selbst blieb, allerdings durchaus auch mit Glück, vor feindlichen Anfällen verschont. Die Truppen der Pfälzer Partei pflanzen ihre Fahnen auf dem Schloss Stein an der Traun auf. Später rudern sie über den See und stecken den Klosterstadl auf der Krautinsel in Brand. Aber die Pfälzer sind in Eile, ziehen schließlich ab und lassen die Klosterfrauen in Ruhe. Äbtissin Ursula lieferte auch einen Beitrag zur Zeitgeschichte: sie schrieb ein Tagebuch über die damaligen Kriegsereignisse, welches im Band VIII des Oberbayrischen Archiv für Vaterländische Geschichte abgedruckt ist.

Gestützt auf Kaiser Maximilian I. Achterklärung gegen Herzog Ruprecht, greifen die Frundsberger die Güter des Klosters im Ötztal und Gilg der Frohnheimer die im Leukental an, obwohl diese einen Schutzbrief des Kaisers in Händen haben. Nur mit großer Mühe und mit vielen Kosten kann das Kloster später wieder in den Besitz seiner Güter gelangen. Zur wenigstens einigermaßen Entschädigung erlässt der Kaiser, der, in den Tiroler Bergen angeblich der Gemsjagd nachgeht und sich um die Nöte des Landes zu wenig gekümmert hat, am 1. November 1506 dem Kloster die schuldige Mai- und Herbststeuer von 18 Pfund Pfennig. Wenn man ein Pfund Pfennige mit etwa 240 Pfennigen ansetzt, so beträgt die Summe 4.320 Pfennige. Um diese Summe hätte man einen Tagelöhner ein ganzes Jahr beschäftigen oder 540 Paar Schuhe oder ebenso viele Hüner kaufen oder 432 kg Rindfleisch (verzehrfertig) kaufen können.Johann Doll: Frauenwörth in Chiemsee. Eine Studie zur Geschichte des Benediktinerordens. Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1912, S. 125.

Ihre guten Beziehungen zum Hochadel verstand sie für das Kloster zu nutzen. Nach einer Urkunde bewilligte Herzog Wolfgang von Bayern „auf Bitte unsers Oheims des Kurfürsten Friedrich von Sachsen“ dem Stift ein großes Fischnetz, einen so genannten „Schöpfen“.

Umgekehrt wurden dem Kloster Einkünfte (Jahrtage, Seelgerät etc.) zugestiftet. In die Regierungszeit Ursula Pfäffingers fielen acht Stiftungen, drei davon durch die Äbtissin und den Konvent selbst. Eine davon verschrieb die Äbtissin ihrem Bruder, Ritter Degenhart Pfäffinger, weil er sich um das Kloster sehr verdient gemacht hatte.Stiftsbrief, für eine Seelenmesse an den Quatembern, im Frühjahr soll an Bedürftige Kleidungsstoff im Wert von 4 fl. verteilt werden; 22. Februar 1523; BayHStA KU FCh 1062. Mit der Ausbreitung der reformatorischen Ideen aber brach die Stiftungstätigkeit abrupt ab: nach 1523 wurde kein Gedächtnis mehr eingesetzt, die nächste Stiftung erfolgte erst 1603.Verzeichnis der Jahrtagsstiftungen, 1630; AEM KA 79,3.

Dem Gedächtnis der Verstorbenen, insbesondere aber der Erlösung Armer Seelen aus dem Fegefeuer war die Armeseelenbruderschaft des Klosters gewidmet, die Äbtissin Magdalena von Auer (1467–1494) errichtet hatte. Ursula Pfäffinger bestätigte sie.Bestätigungsurkunde, 1496 August 24, BayHStA KU FCh 850Leonhard von Keutschach, Erzbischof von Salzburg: Konfirmationsurkunde, 1496 August 30. BayHStA KU FCh 851.