mini|Hans Moritz Graf von BrühlKupferstich von Conrad Westermayr, 1799 Johann „Hans Moritz“ Graf von Brühl (* 20. Dezember 1736 in Wiederau; † 22. Januar 1809 in London) war ein deutscher (kursächsischer) Diplomat, Wissenschaftler und Schachspieler in London, wo er als John Maurice, Count of Bruhl bekannt wurde.
Leben Er stammt aus dem sächsisch-thüringischen Adelsgeschlecht Brühl und war der Sohn von Friedrich Wilhelm Graf von Brühl auf Martinskirchen, Wartenburg und Bedra, dem älteren Bruder des Premierministers Heinrich von Brühl.Zur Genealogie siehe Europäisches genealogisches Handbuch. 2. Teil. Leipzig 1782, S. 137; Brühl der Paul Theroff’s Royal Genealogy Site.; Eintrag. GeneAll.net; abgerufen am 16. Februar 2014. Er und sein Vetter Hans Moritz von Brühl tragen den Namen Hans Moritz.Beispiel für Verwechslung (bzw. Vermischung): Universitätssammlungen in Deutschland. Das Informationssystem zu Sammlungen und Museen an deutschen Universitäten; zu Vorfahren: Hans Moritz von Brühl * 13. Oktober 1589. geneall.net; abgerufen am 21. Februar 2014.
Er studierte 1750 bis 1754 in Leipzig, wo er in den Schriftstellern Christian Gellert einen väterlichen Freund fandChristian Fürchtegott Gellert: Gedichte, Geistliche Oden und Lieder. Band 2 von Gesammelte Schriften, Hrsg. von Bernd Witte, 1997, S. 89, S. 380 Komm. 26/27, S. 387 und mit Johann Friedrich von Cronegk befreundet war.Gedicht an Brühl in: Des Freyherrn Johann Friederich von Cronegk Schriften. Leipzig 1771. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie für die gebildeten Stände. Band 2. Leipzig 1830, S. 243; .
Im Jahre 1755 übernahm er im Alter von 19 Jahren in Paris diplomatische Aufgaben,
Im Herbst 1764 wurde er Gesandter in London.Fortgesetzte neue genealogisch-historische Nachrichten … 47. Theil. Leipzig 1766, S. 854; Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staatscalender. 1777, S. 96 1767 heiratete er Alicia Maria Carpenter, Countess of Egremont, später Countess Brühl (1729–1794)Letters written by the … Earl of Chesterfield to his son. London 1800, S. 297 f. Gemälde der Ehefrau des National Trust (englisch); eine Tochter (Harriet Moritz, Lady Polwarth Gemälde des National Trust) und „… sein einziger Sohn, … Graf Georg, geb. 1768, lebte unvermählt in England, wo er 1855 zu Chingford in Essex starb …“ sind bekannt. und 1796 Maria Chowne.Siehe z. B. franklinpapers.org, mit Briefen an Benjamin Franklin; abgerufen am 14. Februar 2014.William Berry, County Genealogies: Pedigrees of the Families in the County of Sussex, S.133 Hier: Elisabeth Aus der ersten Ehe entstanden zwei Kinder. Der einzige Sohn Georg Graf von Brühl (1768–1855), ebenfalls ein bekannter Schachspieler, blieb unverheiratet. Ihre Tochter Henriette Gräfin von Brühl (1772–1853) heiratete Sir Hugh Scott.
H. M. von Brühl war ein beliebter, in der Presse oft erwähnter Förderer von Kunst und WissenschaftAls Beispiel seiner Beliebtheit: „Comte Brühl is much in fashion here“, Letters written by the … Earl of Chesterfield to his son. London 1800, S. 255 – auch gesellschaftlich ein Freund der Aufklärung.Z. B. schrieb er sehr devot an den Bürgerlichen Benjamin Franklin, nannte den Bauern Palitzsch in zum Druck vorgesehenen Briefen „Unser Freund“ (z. B. Für aeltere Litteratur und neuere Lectüre. 1784, 1. Jg., 3. Heft, S. 243–252), hier auch über die „Versuche mit Sphären“ (Ballonfahrten (englischsprachige Wikipedia)) und den Schachtürken
Zur Gründung der Leipziger Ökonomischen Societät am 26. Mai 1764 wurde er eines der drei EhrenmitgliederLeipziger Intelligenz-Blatt auf das Jahr 1764. S. 220 – seine Berichte und Meinungen zur „Neuen Wissenschaft“, der „Staats-Wirthschaft“ (Volkswirtschaftslehre) waren gefragt.Zur Bedeutung der Ökonomie: Aufklärung#Ökonomie und neue FakultätenZ. B. Für aeltere Litteratur und neuere Lectüre. 1784, 1. Jg., 3. Heft, S. 226–242; Georg Andreas Will: Versuch über die Physiokratie. Nürnberg 1782, S. 46; Schreiben an Brühl in: Schriften über Staatswirtschaft und Handlung. Band 3, 1784, S. 472–482
Wissenschaftler Im Jahre 1765 wurde Brühl Mitglied der Royal Society. Ab 1786 war er Ehrenmitglied der Göttinger AkademieJohann Stephan Pütter: Versuch einer academischen Gelehrten-Geschichte von der Georg-Augustus-Universität zu Göttingen. Band 2, 1788, S. 283 (20.) und ab 1793 auch der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Die Académie impériale et royale de Bruxelles nahm ihn 1785 als Mitglied auf. Gewürdigt wurden später vor allem seine Beiträge zur Entwicklung der Chronometrie für die genaue Bestimmung des Längengrads, seine astronomischen Kenntnisse und die internationale Vermittlung von Wissen und Personen.Z. B. von Johann Gottfried Köhler in den Philosophical Transactions 1787 (77), S. 47 und von Wilhelm Herschel nach Mitteleuropa: Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte. Band 6, Gotha 1789, S. 182f
Besonders nachhaltig war: die Förderung von Franz Xaver von Zach, den er in England als Erzieher und Mitarbeiter anstellte und mit ihm die Thomas-Harriot-Manuskripte fand;1785 laut: Journal of the British Astronomical Association. 118, 6, S. 315; 1784 laut: Project „The manuscripts of Thomas Harriot (1560–1621)“. mpiwg-berlin.mpg.de (englisch); abgerufen am 18. Februar 2014. s. a. Bode: Astronomisches Jahrbuch für das Jahr 1788. Berlin 1785, S. 152 ff. innerhalb (S. 139–156) eines abgedruckten Briefes vom 26. November 1784 Sie kamen 1785 nach „Deutschland“Z. B. gemeinsam im Besucherbuch der Mannheimer Sternwarte 3. November 1785 und Brühl empfahl seinem Schachfreund Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg den jungen Gelehrten für die Sternwarte GothaPeter Brosche: Der Astronom der Herzogin. In: Die Zeit, Nr. 36/1982, S. 48. Angus Armitage: Baron von Zach and his astronomical correspondence. In: Popular Astronomy. Band 57, 1949, ab S. 328 Mitte Zu „Schachfreund“ In: DVW-nachrichten, 2/2005; abgerufen am 16. Februar 2014. die Vermittlung von Chronometern für den Mathematisch-Physikalischen Salon in Dresden, die einen bedeutenden Ausgangspunkt für die heute berühmte Glashütter Uhrenproduktion setzteSiehe z. B. dsm.museum; abgerufen am 16. Februar 2014. Klaus Schillinger: Zur Geschichte der Zeitbestimmung und Zeitangabe am Mathematisch-Physikalischen Salon. In: Dresdner Geschichtsbuch, Nr. 7 (Hrsg. Stadtmuseum Dresden) Altenburg 2001, S. 216 die fruchtbare Korrespondenz mit „dem bekannten ländlichen Astronom“ Johann George Palitzsch.Siehe Anzeige der Zeitschrift Für aeltere Litteratur und neuere Lectüre. 1784, 3. Heft (S. 243) in: Johann Christoph Adelung: Allgemeines Verzeichniß neuer Bücher. 8. Band, 1. Stück. Leipzig 1784, S. 288
Schachspieler „Count de Bruhl“Archaeologia. Band 9, London 1789, S. 14 war neben Philidor, Verdoni und George Atwood einer der berühmtesten Schachspieler seiner Zeit, von dem mehrere Partien überliefert sind.The chess games of John M Bruehl. chessgames.com (englisch); abgerufen am 14. Februar 2014
Veröffentlichungen Comparaison de l’impôt de France avec celui d' Angleterre. London 1766Laut z. B. Le siècle des lumières: Index des titres A-K, 1761–1789, S. 166, manchmal Heinrich von Brühl zugeschrieben Recherches sur divers Objets de l’Économie Politique. Dresden 1781; deutsch: Untersuchungen über verschiedene Gegenstände der Staatswirthschaft. Beckmann, Gera 1783. (Digitalisat) Three Registers of a Pocket Chronometer. London 1785; deutsch: Drei Tagebücher über ein Taschen-Chronometer ... in: Für Aeltere Litteratur und Neuere Lectüre. Leipzig 1785, 3. Jg., 5. Heft, S. 82–108 Latitudes and Longitudes of several Places ascertained. London 1786 Nouveau Journal du Chronomètre. London 1790 Vorwort in Bergasse: Betrachtungen über den thierischen Magnetismus. Dresden 1790 Anhang A short Explanation of the most proper Methods of calculating a mean Daily Rate. zu T. Mudge junior: Reply to Dr. Maskelyne. 1792 A Register of Mr. Mudge’s Timekeepers. London 1794 On the Investigation of Astronomical Circles. London 1794; übersetzt mit Zusätzen von Franz Xaver von Zach in: Carl Friedrich Hindenburg: Archiv der reinen und angewandten Mathematik. 3. Heft, Leipzig 1795, S. 257–308
Beiträge von ihm in: Johann Elert Bode: Berliner Astronomisches Jahrbuch. Karl Christian Canzler, August Gottlieb Meißner (Hrsg.): Für Aeltere Litteratur und Neuere Lectüre. Leipzig 1783–1785.
Übersetzungen: Ecole de l' officier. Paris 1770, Übersetzung von Gottlob Friedrich von Brück: Vortheile eine Situation zum militärischen Gebrauch aufzunehmen und zu zeichnen, wie auch die nützlichsten Feldschanzen zu tractiren und zu bauen. Dresden 1767Johann Georg Meusel: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller. Band 1. Leipzig 1802, S. 613
Bildnisse Gemälde im Petworth House des britischen National Trust Porträtgemälde im Speisesaal von Schloss Gaußig in Sachsen Kupferstich von Conrad Westermayr mit Beschreibung. In: Franz Xaver von Zach (Hrsg.): Allgemeine geographische Ephemeriden. Band 4. Weimar 1799, als Frontispiz vor S. 81
Literatur Herbert Dittrich: Erfinder und Visionäre: die Pioniere der Präzisionsuhren-Herstellung in Dresden und Glashütte. Dresden 2009, S. 107–119 S. R. Ranganathan: Centenaries. In: Current Science, Dezember 1936, S. 329 (Indien, englisch). John Gorton: A general biographical dictionary. Band 1. London 1833, Bruhl (John Maurice, Count de) Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: Allgemeine Encyklopadie der Wissenschaften und Kunste. 13. Teil, Leipzig 1824, S. 204 rechte Spalte Franz Xaver von Zach (Hrsg.): Allgemeine geographische Ephemeriden. Band 4, 2. Stück. Weimar, August 1799, S. 184–186 The Chess Monthly: An American Chess Serial, Band 5, Januar 1861, Biographie Hans Moritz von Brühl, S.1 f.
Artikel. In: Nature, 19. Dezember 1936, 138, S. 1045.
Weblinks Eintrag. lordbyron.cath.lib.vt.edu Geschichte der Sternwarte Leipzig mit Spenden von H. M. von Brühl „BRÜHL-H.M-GRAF-V“ im Projekt: ... Literaturzeitschriften des 18. und 19. Jh. ... der Uni Bielefeld
Fußnoten und Einzelnachweise
Kategorie:Astronom (18. Jahrhundert) Kategorie:Sächsischer Diplomat Kategorie:Botschafter im Vereinigten Königreich Kategorie:Schachspieler Kategorie:Mitglied der Royal Society Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien Kategorie:Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Person (Dresden) Hans Moritz Hans Moritz Kategorie:Geboren 1736 Kategorie:Gestorben 1809 Kategorie:Mann