mini|hochkant|Wappen derer Pfäffinger im Scheiblerschen Wappenbuch miniatur|hochkant=1.1|Wappen derer Pfäffinger (um 1510) Pfäffinger ist der Name eines bayerischen Adels- und Rittergeschlechts, dessen Anfänge bis in das frühe Heilige Römische Reich zurückreichen. Weitere Schreibweise von Namensträgern dieses Geschlechts sind Pfaffinger, Pfeffinger, Pfafinger oder Phfaffinger.
Geschichte Die Pfäffinger werden 1203 mit Werner Pfäffinger dem Frommen und seiner Ehefrau Anna Kuchlerin auf Schloss Steeg erstmals erwähnt. Die Herrschaft der Pfäffinger zum Steeg dauerte bis 1476.
Im Totenbuch von Raitenhaslach, wo die frühen Pfäffinger ihre Erbgrablege hatten, finden sich verschiedene Angehörige der Familie, u. a. N. de Pfaffing Erbmarschall in Weyern (1213), Ritter Bernhard Pfaffinger (1216), Johannes, Andres, uxor Agnes, Wilhemus, Christian & Georgius, Heinrich, Stephan, Johannes Senior, Andres, Johannes omnes de Pfaffing & StegMonumenta Boica III, Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 73, fol. 191, 196, 216, 226, ab S. 699. Schon zu Zeiten Friedrich Barbarossas erlangten die Pfäffingers hohes Ansehen.
Nach Koch-Sternfeld waren diese Pfaffinger damals in Niederbayern begütert. Eine Urkunde von 1307 nennt die Brüder Hans, Nikolas, Andreas und Christian von Pfaffing, ein Ulrich von Pfaffing 1307 dürfte Vetter sein. Diese könnten Pfaffing bei Tittmoning zugeordnet werden, ein Indikator ist ihr Besitz Guntzenberg (auch Gunzenberg) bei Wiesmühl an der Alz und auch Zeugen die Herren von Törring erwähnt werden. Der „edle und gestrenge“ Ritter Andreas Pfaffinger nannte sich um 1342 „zu Salmanskirchen“ (bei Ampfing)Heiner Hofmann, Die Traditionen, Urkunden und Urbare des Stiftes Gars (Quellen und Erörterungen zur bayrischen Geschichte), 1983, Urkunden von 1340, NF 31, Nr. 53, Nr. 58 nachdem er die alte baufällige Kirche niederreißen, neu aufbauen und anschließend zu Ehren der Hl. Johannes Baptist und Johannes d. Evangelist weihen ließ.
Nach Aussterben der Herren von Landsberg hatten die Pfäffinger von 1375 bis 1519 das Amt des niederbayrischen Erbmarschalls inne. Das Amt wurde dabei vermutlich von der Familie Landsberg geerbt. Seitdem führt die Familie neben ihrem angeblichen Stammwappen (einem silbernen Löwen mit goldener Inful auf Rot) auch das Landsberger Wappen (einen halben schwarzen, rot bezungten Rüden auf Gold).
Ein bekannter Angehöriger der Familie war Gentiflor Pfäffinger, Herr auf Salmanskirchen und ab 1478 Hofmeister Herzog Ludwigs des Reichen von Bayern-Landshut. Seiner ersten Ehe mit Magdalena Huberin von Wildenheim entstammte unter anderen Degenhart Pfäffinger, der vom Vater 1503 die Güter und als Letzter das Erbmarschallamt, von seiner Mutter den Sitz Wildenheim geerbt hatte. Degenhart, der bedeutendste Vertreter seiner Familie, wurde 1493 zum Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem geschlagen. Er war außerdem Träger des zyprischen Schwertordens und des Aragonischen Kannenordens. 1507 verlieh ihm Kurfürst Friedrich der Weise das Schloss Waldsachsen bei Coburg zur Hälfte als Anspruchslehen. Er starb 1519 auf dem in Frankfurt während der Vorbereitung des Zusammentreffens der Kurfürsten zu der Wahl Karls V. zum Deutschen König vermutlich an der Pest.
Das Geschlecht der Pfäffinger gelangte zu zahlreichen Schlössern und Gütern, darunter die Schlösser Salmanskirchen bei Mühldorf am Inn, Steeg und Zangberg.
Die Pfäffinger als Niederbayerische Erbmarschalle Herausragende Mitglieder der Familie Gentiflor Pfäffinger (vor 1442–1503), Herr auf Salmanskirchen und ab 1478 Hofmeister Herzog Ludwigs des Reichen von Bayern-Landshut. Degenhart Pfäffinger (1471–1519), Sohn Gentiflors und dessen erster Ehefrau Magdalena Huberin von Wildenheim erbte vom Vater 1503 die Güter und als letzter das Erbmarschallamt, von seiner Mutter den Sitz Wildenheim. Degenhart, der bedeutendste Vertreter seiner Familie, wurde 1493 zum Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem geschlagen. Er war außerdem Träger des zyprischen Schwertordens und des aragonischen Kannenordens. 1507 verlieh ihm Kurfürst Friedrich der Weise das Schloss Waldsachsen bei Coburg als Anspruchslehen. Er starb 1519 auf dem Reichstag zu Frankfurt am Vortag der Wahl Kaiser Karls V. vermutlich an der Pest.
Das in der Familie vererbte Marschallamt Das erbliche Ehrenamt eines Marschalls in Niederbayern ist zwar unstrittig, aber nur in wenigen Quellen belegt. So findet sich bislang nicht der geringste Beweis für die Behauptung der Pfäffinger, sie hätten dieses Amt „auf das Absterben der gesippten Freindt, der Landsberg, hin“ samt dem Rüdenwappen übertragen erhalten. Wiguleus Hund betont sogar ausdrücklich, selbst die Landsberger nicht zu kennen.
Andererseits ist nicht zu bestreiten, dass Angehörige der Pfäffinger den Titel eines „Erbmarschalls“ in Niederbayern führten und dies von den jeweiligen Herzögen von Bayern(-Landshut) nicht beanstandet wurde. Urkundlich gesichert ist, dass Johannes II., Johannes III., Gentiflor und Degenhart Pfäffinger sich unangefochten als Erbmarschälle in (Nieder-)Bayern bezeichnet hatten. Allerdings scheinen auch andere Familien dieses Amt beansprucht und deren Mitglieder sich so bezeichnet zu haben, wenngleich mit weniger Erfolg.
Wie die Familie an das Erbmarschallamt gelangte, ist wiederum ungesichert. So heißt es, dass die Pfäffinger Kaiser Ludwig den Bayern in seinem Kampf gegen den habsburger Gegenkaiser Friedrich den Schönen tatkräftig unterstützt hätten und schließlich 1322 in der Schlacht bei Mühldorf sogar drei Familienmitglieder auf dem Schlachtfeld geblieben seien; nämlich Wilhelm I., Hartpert I. und dessen Sohn Albert III. Demzufolge hätte sich bereits der Sohn Wilhelms I. Johannes II. Pfäffinger Erbmarschall von Niederbayern genannt. Das widerspricht jedoch der sonst kolportierten Jahreszahl 1375 für die Gnadenerhebung.
Der letzte Inhaber des Amtes war Degenhart Pfäffinger, der es 1503 von seinem Vater Gentiflor Pfäffinger geerbt hatte. Wiewohl mit Ende des Landshuter Erbfolgekrieges ab 30. Juli 1505 Gebiet und Herrschaft an die Linie Bayern-München des Hauses Wittelsbach fielen und somit das Haus Bayern-Landshut und damit auch das Herzogtum Niederbayern endete, blieb Degenhart Pfäffinger bis zu seinem Tode 1519 unangefochten Erbmarschall von Niederbayern. Im November 1508 wurde darüber durch den Herzog von Bayern, nämlich durch den Vormund Herzog Wolfgang IV. von Bayern, ausdrücklich in einem Streit entschieden: Nämlich dass Herr Jörg von Gumpenberg Erbmarschall in Oberbayern (Bayern-München) und Herr Degenhart Pfäffinger Erbmarschall in Niederbayern (Bayern-Landshut) seien und bleiben sollen.Spruch-Brief über das Niederbaierische Erb-Marschallenamt von 1508. in: Johann Nepomuk Gottfried von Krenner: Anleitung zu dem näheren Kenntnisse der baierischen Landtage des Mittelalters, Num. XXII, p. 188 ff. Diese Zweiteilung blieb sogar noch nach Degenharts Tod bestehen. Herzog Wolfgang IV. verlieh im Dezember 1519 das heimgefallene Ehrenamt über dessen Ansuchen erblich Herrn Alban von Closen.Auszug des Lehenbriefes über das Baiern-Landshutische Erb-Landmarschallenamt denen von Closen zu Haydenburg ertheilt, 1519. in: Johann Nepomuk Gottfried von Krenner: Anleitung zu dem näheren Kenntnisse der baierischen Landtage des Mittelalters, Num. XXIII, p. 192 f.
Hans III. von Herzheim eignete sich als Erbe Degenharts 1519 zwar all dessen Güter, Würden, Titel und Wappen an, die Erbmarschallwürde erlangte er jedoch nicht. Dies, obwohl ihm seine finanzielle Ausstattung einen guten Stand in Bayern sicherte.
Rüstungsausgaben für den Kriegsdienst Die Pfäffinger stellten im 15. Jhdt., wie andere adelige Familien, dem Herzog, Heinrich XVI., dem Reichen von Bayern-Landshut, Pferde für den Kriegsdienst.HStAA München, KÄA 3905, fol. 78 Das ist ein eindrucksvoller Beweis für den Wohlstandes und die Bedeutung der Familie. Dieses „Stellen von Pferden“ bedeutete nämlich das ständige Vorhalten von kriegstüchtigen und einsatzbereiten, voll ausgerüsteten und ausgestatteten Pferden für den jederzeitigen Kriegseinsatz. Zu den Pferden gehörte selbstverständlich auch das Betreuungspersonal, also zumindest ein Rossknecht je zwei Pferde. Nebenbei musste auch noch die Ausrüstung des Pferdes (Teilrüstung, Geschirr, Zaumzeug, Sattel, Decken, Futterbeutel, Tränksack, Ersatzeisen etc.) vorgehalten und gepflegt werden. Gab es Krieg, so wurden die Pferde aus dem Betrieb des Besitzers genommen und mit dem Zugehör von den leibeigenen Pferdeknechten zu den Haufen des Landesherrn gebracht und durch den Feldzug weiterbegleitet.
Die Pfäffinger zu Salmanskirchen (Christianische Linie) stellten dabei 4 Pferde, die Pfäffinger zum Steeg (Wilhelminische Linie) 3. Von den Pfäffinger zu Drechselsried (Hartpertinische Linie) ist eine ähnliche Verpflichtung anzunehmen, jedoch keine konkrete Zahl bekannt.
Besitzungen der Pfäffinger mini|Schloss Salmanskirchen, Stich von Michael Wening aus 1723. offene Hofmark und Schloss Steeg bei Buchbach offene Hofmark und Schloss Salmanskirchen (niedergebrannt, heute ist nur noch die Kirche zu Salmanskirchen übrig) offene Hofmark Drechselsried Hofmark zu LandsbergChristoph von Stinglhaim: 'Die Erloschenen und noch Blühenden Alt-Adelichen Bayrischen Familien', 1798, S. 150 Schloss Deutenkofen Schloss Seldenau Schloss Hallenberg Schloss Wildenheim Schloss Zangberg (1/2) Schloss Waldsachsen bei Coburg (1/2, Anspruchlehen) Dandlhof zu Hörmetsham bei Freutsmoos, Gemeinde Palling, bis 1419HAB Laufen, S. 689, 694, 695, 698, 700, 709, 718, 722 ein Hof in Ramsdorf (bei Kay) zwei Güter zu Buch (wohl Oberbuch)GU Tittmoning 69 freieigene Hube zu Pfaffing bei Kirchheim, Gemeinde Tittmoning, bis 1375 ein Gut zu Walthaiming (Gemeinde Obing)RUB Nr. 438, 439, 528Krausen: Germania Sacra, S. 214, 264 einzelne Höfe in Veicht (Neumarkt an der Rott), Pulspach (Gerichtsbezirk Biburg, Amt Velden), Brand, Gunzenberg bei Tittmoning, bei Laufen, in Rotenhub (Ort noch nicht identifiziert), in Öd (Gemeinde Fridolfing), in Klebham (Gemeinde Fridolfing), Meggenthal
Wappen Als niederbayrische Erbmarschälle führten sie neben dem angeblichen Stammwappen (ein silberner Löwe auf Rot, auf dem Haupt eine goldene Mitra mit goldenen Pendilien) auch das Landsberger Wappen (einen halben, rot bezungten schwarzen Rüden oder Wolf auf Gold). Die Helmzieren der Familie war eine mit Pfauenfedern besteckte Trommel auf einem Kissen zum Rüdenwappen, und der Löwe zum Löwenschild. miniatur|hochkant=0.7|Gentiflor Pfäffinger († 1503), Erbmarschall von Niederbayern, mit Rüdenwappen, Glasfenster, Kirche von Salmanskirchen. Dass das Löwenwappen das Stammwappen sei, ist nicht gesichert. Außer Degenhart führt es nur noch Berchtold als Teil seines gevierten Schildes, wie es von seinem nicht mehr existierenden Grabmal in der Pfarrkirche zu Linz, Oberösterreich, belegt ist. Berchtold siegelt allerdings auch mit diesem Wappen bereits um 1460.
Degenhart Pfäffinger erreichte bei Kaiser Maximilian I. eine Wappenbesserung und führte ab da ein geviertes Wappen mit dem Rüdenwappen im 1. und 4. und dem mit der Mitra gekrönten Löwen im 2. und 3. Feld, mit jeweils den zugehörenden Helmen über dem 1. und 2. Feld. Eine zweite Wappenbesserung nach dem Erwerb des Schlosses Zangberg zeigte wieder das Rüdenwappen im 1. und 4. Feld, für Zangberg nun aber in den Feldern 2 und 3 eine rote Zange auf Silber und das Löwenwappen als Herzschild.