mini|Gottlieb Branz 1926 Gottlieb Branz (* 13. September 1896 in München; † 26. September 1972 ebenda) war ein deutscher Bibliothekar, Kommunalpolitiker (SPD), Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime und Häftling im KZ Buchenwald und KZ Dachau.
Leben Branz war von Beruf Exportkaufmann und wurde im Jahr 1912 Mitglied der SPD. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er als Bibliothekar tätig. Zur Zeit der Weimarer Republik arbeitete Branz in der Münchner GewerkschaftsbibliothekWolfgang Röll: Sozialdemokraten im Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945. Wallstein, Göttingen 2000, ISBN 3-89244-417-X, S. 275–276., aus der er im Juli 1933 wegen seiner politischen Tätigkeiten entlassen wurde. Zudem war er SPD-Sektionsführer in München-Obergiesing 1. Verheiratet war er mit Lotte, die sich ebenfalls bei der SPD betätigte.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten verteidigte er am 8. und 9. März 1933 das Gewerkschaftshaus in München gegen die Angriffe der Nationalsozialisten. Branz wurde bald danach von Juni bis Oktober 1933 im KZ Dachau festgesetzt. Danach war er zeitweise arbeitslos und schlug sich später als Vertreter für Zigaretten durch und beteiligte sich am illegalen Widerstand gegen das NS-Regime. So arbeitete er gemeinsam mit seiner Frau ab 1934 als Kurier den Exilgenossen der Sopade in der Tschechoslowakei zu und reiste mehrmals zu Treffen dorthin. Ab dem Jahr 1935 kooperierte das Ehepaar mit dem Bayrischen Grenzsekretariat der Sopade, das von Waldemar von Knoeringen geleitet wurde. Dabei wurde in Deutschland verbotene Literatur ausgetauscht und das Ehepaar verhalf auch mehreren Jüdinnen mit ihren Kindern sowie Berthold Feuchtwanger, dem jüngsten Bruder Lion Feuchtwangers (1896–1944), zur Flucht in die Tschechoslowakei. In München leitete Branz eine Widerstandsgruppe von Neu Beginnen.Gottlieb Branz auf den Seiten von ns-doku München
Am 3. Januar 1939 wurde Branz von der Gestapo festgenommen und wegen „illegalen Grenzübertritts“ zu mehreren Monaten Haft verurteilt. Branz wurde am 16. Oktober 1939 wegen Vorbereitung zum Hochverrat in das KZ Buchenwald eingewiesen, wo er bis zur Befreiung am 11. April 1945 gefangen war. Zunächst hatte er die Häftlingsnummer 7853 sowie später 3740 und wurde als Politisch Rückfälliger klassifiziert. In Buchenwald arbeitete Branz als Häftlingsbibliothekar in der Kommandanturbücherei. Branz war im April 1945 an der Überarbeitung des Buchenwalder Manifests beteiligt und Mitunterzeichner. Lotte Branz gab während der Inhaftierung ihres Ehemanns ihre Widerstandstätigkeit auf.
Nach der Befreiung vom Nationalsozialismus kehrte Branz nach München zurück, wo er in den Jahren 1945 bis 1956 dem Stadtrat angehörte und von 1948 bis 1956 der SPD-Fraktion im Stadtparlament vorstand. In den Jahren 1950 bis 1962 amtierte er als Direktor der Münchner Stadtbüchereien. Am 10. Januar 1946 wurde Branz zum Vizepräsidenten des Bayrischen Roten Kreuzes unter Josef Stürmann und Karl Scharnagl. (PDF; 95 kB) auf www.brk-muenchen.de mini|Gedenktafel für die Familie Branz am Wohnblock des Bauvereins Giesing in der Aignerstraße 3 in München. Seit dem 13. September 2026 erinnert in der Münchner Aignerstraße 3 eine Gedenktafel an Gottlieb Branz, seine Ehefrau Lotte Branz und deren Sohn Julian. Sie haben von 1928 bis 1944 in dem Wohnblock des Bauvereins Giesing gewohnt.
Ehrungen 1955: Verdienstkreuz (Steckkreuz) der Bundesrepublik Deutschland Goldene Bürgermedaille der Landeshauptstadt München (1961)Goldene Bürgermedaille der Landeshauptstadt München – Inhaber auf www.muenchen.de
Literatur Sabine Asgodom (Hrsg.): „Halts Maul - sonst kommst nach Dachau!“ Frauen und Männer aus der Arbeiterbewegung berichten über Widerstand und Verfolgung unter dem Nationalsozialismus. Bund-Verlag, Köln 1983, ISBN 3-7663-0593-X. Herbert Dandl: "Fort mit dem Verbrecher!" Spuren politischen Widerstands gegen das NS-Regime in Giesing. In: Guttmann, Thomas (Hrsg.): Unter den Dächern von Giesing. Politik und Alltag 1918–1945. Buchendorfer Verlag 1993, ISBN 978-3-927984-21-9, S. 11–28. Wolfgang Röll: Sozialdemokraten im Konzentrationslager Buchenwald 1937–1945. Wallstein-Verlag, Göttingen 2000, ISBN 3-89244-417-X.
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Einzelnachweise
Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Stadtrat (München) Kategorie:Bibliothekar (Deutschland) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Person (Bayerisches Rotes Kreuz) Kategorie:Opfer der NS-Justiz Kategorie:Häftling im KZ Dachau Kategorie:Person der Sopade Kategorie:Judenretter Kategorie:Widerstandskämpfer im KZ Buchenwald Kategorie:Funktionshäftling im KZ Buchenwald Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1896 Kategorie:Gestorben 1972 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Neu Beginnen)