Lo Ipocrito ist eine Komödie von Pietro Aretino in fünf Akten, die im Jahr 1542 abgefasst wurde.

Inhalt Zueignung Die Zueignung ist Guidobaldo della Rovere, Herzog von Urbino gewidmet. Eigentlich habe Aretino die Komödie einer anderen Person widmen wollen, da sie ihm zu gering erschien, um sie ihm zu widmen. Doch das Gewissen habe Aretino schließlich eines Besseren belehrt. Er sei zu dem Schluss gekommen, dass die Komödie noch jungfräulich (weil noch nicht aufgeführt worden) und deshalb die andere Person – ein Ehebrecher – ihrer nicht würdig sei. Die andere Person hätte die Jungfrau nicht zu schätzen gewusst und sie jeden Moment verlassen können. Ein dritter Grund, den Aretino anführt, ist der, dass viele Fürsten mithilfe der Heiterkeit der Komödie bloß versuchten, die Gemüter des Volkes zu beruhigen, da sie ansonsten jede Mühe darauf verwendeten, das Volk mit ihren Bürden zu quälen. Aretinos Gewissen habe ihn schließlich dazu gebracht, die Komödie einzig und allein Guidobaldo zu widmen, da dieser der einzige sei, der seiner Stellung gemäß den Anstand wahre und sich als Fürst durch göttliche Wohltaten und Verdienste verewige. Guidobaldo solle sich dazu herablassen, die Komödie zur Erquickung seiner Gedanken zu lesen, deren Quelle die Heldenhaftigkeit sowie der Großmut eines Fürsten seien. Die Gedanken würden zur gegebenen Zeit Früchte tragen, die ihm neues Lob und bis dahin ungewohnte Ehre sowie Ruhm einbringen würden.

Prolog Der Prolog wird von zwei Personen vorgetragen. Die erste Person parodiert Baldassare Castigliones Cortegiano. In Castigliones Werk diskutiert eine seinen Idealvorstellungen entsprechende Hofgesellschaft die unterschiedliche Aspekte des idealen Hofmanns. Jedes Mitglied der Hofgesellschaft bringt dabei seine Wunschvorstellungen bezüglich des Hofmanns zumeist in Sätzen zum Ausdruck, die mit „io vorrei che“ (dt.: „ich wünsche, dass“ bzw. „ich hätte gerne, dass“) beginnen.

Die Wunschvorstellungen des ersten Schauspielers beginnen ebenfalls mit "io vorrei che". Allerdings beziehen sich seine Wünsche auf die Strafen, die denjenigen bekommen sollen, die seinem Idealbild eines Menschen nicht entsprechen. So wünscht er sich, dass Fürsten, die sich nicht standesgemäß verhalten, im Elend versinken und dass Menschen, denen Geld mehr wert ist als ihre Mitmenschen, gesteinigt werden sollen. Nachdem der erste Schauspieler ca. 25 Bestrafungsphantasien aufgezählt hat, ergreift der zweite Schauspieler das Wort. Er ist mit seinem Vorredner keineswegs einverstanden, ist vielmehr der Meinung, dass sinnlose Kritik bzw. Genörgel angeprangert werden sollten. Unnütze Kritik bewirke nichts anderes als den Lauf der Dinge aufzuhalten. Wie der erste Schauspieler zählt der zweite Fällen auf, bei denen man, wie er meint, für sein Handeln kritisiert werde und, wenn man Besserung gelobe und demnach handle, ebenfalls getadelt werde. Nach seiner Meinung sollte die Welt von Pedanten gesäubert werden.

Der Protagonist des folgenden Stücks, der alte Liseo, erscheint auf der Bühne und erzählt, was ihm Schlimmes widerfahren ist. Wie einer der beiden Prologsprecher behauptet, werde sich durch seine Fähigkeit und den Rat eines gewissen Ipocrito die missliche Lage Liseos zum Guten wenden. Am Ende werde Liseo nicht nur über das Unglück lachen, dass sowohl seine Schwiegersöhne als auch zwei der eigenen fünf Töchter auf die schiefe Bahn geraten sind, sondern auch über das Glück, das ihm schließlich widerfahren werde. Von Liseo könne man lernen, wie man sich das Schicksal zur Freundin machen und Fortuna foppen könne.

Erster Akt Liseo will sich von einem Geistlichen, dem frommen Parasiten Ipocrito, in einer schwierigen Situation beraten lassen. Er erzählt ihm, er habe einen Zwillingsbruder namens Brizio, den ein Soldat während des Krieges der Mutter entrissen habe. Der Gedanken, dass sein Bruder noch am Leben sei und er mit ihm Hab und Gut teilen müsse, treibe ihn zum Wahnsinn.

Liseo hat fünf Töchter. Tansilla, die älteste, sei mit einem Mann verheiratet, der dem Wahnsinn verfallen und seitdem verschwunden sei. Die Frist, die die Tochter abwarten müsse, um wieder heiraten zu können, laufe an diesem Tag ab. Noch heute Abend möchte er Tansilla daher wieder verheiraten. Porfiria, die zweite Tochter, habe er einem jungen Edelmann versprochen. Porfiria habe jedoch mit einem ihrer Verehrer gewettet, dass sie mit diesem schlafen werde, wenn er ihr sehr seltene Federn gebracht habe, und heute laufe die Frist der Wette ab. Was die drei weiteren Töchter angehe, so habe er (Liseo) keine Ruhe, da ständig Leute um ihre Hand anhalten. Ipocrito solle ihn nun bezüglich der Wahl der Schwiegersöhne beraten.

Zefiro ist in Annetta, die dritte Tochter, verliebt, hat jedoch noch nicht um ihre Hand angehalten. Er lässt Annetta einen Liebesbrief zukommen, möchte sich aber zuvor von der Kupplerin Gemma beraten lassen, die ihm von dem Frömmler Ipocrito empfohlen wurde.

Der Zwillingsbruder Brizio ist, wie befürchtet, noch am Leben. Er ist in Mailand, dem Ort der Handlung, eingetroffen. Der Soldat Rodalossa, der ihn seiner Mutter entrissen und ihn großgezogen hatte, ist in Neapel gestorben. Er habe ihm Geld vererbt, so dass er in seine Heimatstadt zurückkehren konnte in der Hoffnung, einem Verwandten zu begegnen und von diesem erkannt zu werden.

Die Tatsache, dass sich Brizio und Liseo zum Verwechseln ähnlich sind, führt zu einigen Verwirrungen. Zwei Diener Liseos informieren Brizio, den sie für ihren Herrn halten, über den Fortgang der Vorbereitungen für die Hochzeit Tansillas und Porfirias. Weit folgenreicher für die beteiligten Paare ist die Tatsache, dass Liseos Frau Maja dem ahnungslosen Brizio Tansillas Hochzeitsschmuck übergibt, was zu unberechtigten Unterstellungen, Verwechslungen und Verdächtigungen der unschuldig und unwissend Beteiligten führt.

Zweiter Akt Tranquillo, der zukünftige Ehemann Tansillas, und der Edelmann Corebo, dem Porfiria versprochen ist, stehen kurz vor, einer Doppelhochzeit. Tranquillo fürchtet, dass Tansillas Ehemann wieder auftauche und Corebo, dass sein Rivale mit den Federn, um die gewettet wurde, noch am selben Tag in der Stadt eintreffe. Die beiden Männer und Porfiria sind aufgrund der prekären Situation beunruhigt. Porfiria deutet an, dass sie sich das Leben nehmen wolle, falls das Schicksal sich gegen sie wendet.

Die Mutter der Bräute lässt auf sich warten. Nachdem sie unwissentlich Brizio Tansillas Hochzeitsschmuck übergeben hatte, ist sie zu ihren Verwandten gegangen, um sie zur Hochzeit einzuladen. Als sie nach Hause kommt, erfährt sie von ihrem Diener Guardabasso, dass Tansilla immer noch vergeblich auf den Hochzeitsschmuck warte und verzweifelt ist.

Mutter Maja behauptet, dass sie ihrem Ehemann Liseo doch den Hochzeitsschmuck gegeben habe, woraufhin Liseo seiner Frau unterstellt, sie habe den Schmuck einem heimlichen Liebhaber geschenkt. Es kommt zu einem Wortwechsel zwischen den beiden, der in einer Prügelei endet.

Porfirias Verehrer Prelio ist, wie befürchtet, in der Stadt eingetroffen. Porfirias wegen sei er, so Prelio selbst, um die ganze Welt gereist ist und es sei ihm am Ende gelungen, in Arabien die versprochenen Federn des Vogels Phönix finden. Er begibt verkleidet als Pilger zu Liseos Haus, um in Erfahrung zu bringen, ob Porfiria in ihn verliebt ist. Gegenüber Porfiria gibt er vor, ein Freund Prelios zu sein, der ihr Prelios Urne Prelios übergeben wolle, der auf der Suche nach den Phönix-Federn gestorben sei. Beim Versuch, an die Federn des Phönix zu gelangen, sei Prelio in der Hitze der Glut des Vogels verbrannt und zu Asche zerfallen.

Schließlich jedoch gibt er seine wahre Identität preis. Porfiria, die Corebo liebt, ist zutiefst bestürzt und Prelio wegen der unerwarteten Reaktion seiner Angebeteten ebenso.

Annetta, die dritte Tochter, hat Zefiros Liebesbrief erhalten. In einem Gespräch zwischen Ipocrito und Zefiro stellt sich heraus, dass sowohl Liseo und als auch Brizio mit Nachnamen Rocchetti heißen. Liseo übergibt Zefiro einen Liebesbrief Annettas und dieser entschließt sich, um die Hand seiner Angebeteten anzuhalten. Ipocrito behauptet daraufhin, er habe längst von der Absicht Zefiros gewusst und bereits mit Liseo gesprochen. Inzwischen ist Artico, Tansillas Ehemann, der nach eigenem Bezeugen durch die Welt gereist ist und viel erlebt hat, reumütig nach Mailand zurückgekehrt. Er möchte seine Schwiegereltern und seine Frau um Vergebung bitten.

Dritter Akt Zefiro will selbst bei Liseo um die Hand Annettas anhalten. Er glaubt zwar, mit Liseo zu sprechen, spricht in Wirklichkeit aber mit dessen Bruder Brizio. Brizio reagiert auf den Antrag Zefiros verständlicherweise ungehalten. Zefiro wiederum ist wegen Brizios Reaktion äußerst niedergeschlagen, da er sie als Ablehnung deutet. Er erzählt Ipocrito „Liseos“ Reaktion, Ipocrito wiederum möchte, da die Unterredung mit Liseo offensichtlich erfolglos war, selbst mit Annetta reden. Ipocritos Vermittlerrolle in den Liebesangelegenheiten von Annetta und Zefiro ist nicht uneigennützig. Er lässt sich nicht nur von Zefiro reich beschenken, sondern hat vor, selbst bei Annetta zum Zuge zu kommen. Er überbringt ihr einen Liebesbrief Zefiros und verschwindet anschließend mit ihr.

Liseo empfiehlt er später, sich angesichts der schwierigen Situation – des „Verschwindens“ Annettas und des Auftauchens der beiden Rivalen der Bräutigame – eine stoische Haltung einzunehmen und auf diese Weise dem Schicksal zu trotzen. Brizio möchte die Stadt verlassen, da er der häufigen Verwechslungen überdrüssig ist und ihm die Begegnung mit Zefiro gleichsam "den Rest gegeben" hat. Liseo möchte gegen seine Frau vor Gericht gehen, er wirft ihr weiterhin vor, den Hochzeitsschmuck an einen Liebhaber verschenkt zu haben. Als Magd verkleidet begibt sich Porfiria zum Arzt Messer Biondello, um sich Gift, angeblich um die Ratten im Haus zu bekämpfen, zu besorgen: Sie will ihrem Leben ein Ende bereiten. In einem Monolog Porfirias erfahren die Zuschauer, dass sie Prelio nicht aus Liebe, sondern aus Mitleid heiraten wollte. Auch Corebo und Tranquillo sind angesichts ihrer Lage unglücklich und sinnen darüber, ob sie sich selbst oder ihren Rivalen das Leben nehmen sollen. Von Freunden hat Artico Freunden erfahren, dass seine Frau noch am selben Tag einen anderen Mann heiraten will. Er begegnet dem zukünftigen Ehemann seiner Frau, Tranquillo, den er nicht kennt, und erzählt ihm, dass er den Rivalen ermorden will.

Vierter Akt Corebo und Tranquillo stellen Liseo zur Rede, der sich – dem Rat Ipocritos entsprechend – stoisch gibt. Seine Gleichgültigkeit angesichts der für alle Beteiligten beunruhigenden Situation wird von den beiden jedoch als ein Anflug von Wahnsinn gedeutet. Liseo trägt seinem Diener Guardabasso auf, niemanden in das Haus zu lassen.