mini|hochkant=1.3|Schloss Ludwigslust
Schloss Ludwigslust ist eine ehemalige Residenz der Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin am Schlossplatz in Ludwigslust. Die klassizistische Dreiflügelanlage wurde 1772 bis 1776 durch Herzog Friedrich von Johann Joachim Busch erbaut. Hervorzuheben sind der Jagdsaal, der Goldene Saal und die Bildergalerie. Zum Ensemble gehören auch der Schlosspark, die Kaskade und die Stadtkirche.
Geschichte Jagdschloss mini|Blick von der neuen Schlosskirche zum alten Jagdschloss, Stich von Findorff, 1767
Schloss und Park Ludwigslust befinden sich in der gleichnamigen Stadt im südwestlichen Mecklenburg-Vorpommern. Der spätere Residenzort Ludwigslust geht auf ein im 14. Jahrhundert erstmals erwähntes Gutsdorf namens Klenow oder auch Kleinow zurück,Dehio: Handbuch deutscher Kunstdenkmäler. S. 316. das Herzog Friedrich Wilhelm I. 1708 als Apanage seinem jüngeren Bruder Christian Ludwig II. überschrieb. Der im benachbarten Grabow residierende Prinz plante 1721 erstmals einen Jagdsitz in der wildreichen Gegend um Klenow. Nachdem das Grabower Schloss im Juni 1725 bei einem Stadtbrand zerstört worden war,Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 7. schritten die Ausbaupläne für Klenow voran, scheiterten in ihrer Umsetzung jedoch vorerst an einem Streit mit dem mittlerweile regierenden Herzog Karl Leopold. Dieser war als mittlerer der drei überlebenden Brüder 1713 dem kinderlosen Friedrich Wilhelm I. auf den Thron gefolgt und verlangte, den Bau des Jagdsitzes einzustellen, den er als Affront gegen sich betrachtete. Bereits begonnene Bauteile mussten auf seine Weisung wieder abgetragen werden. Karl Leopold hatte sich einige Jahre zuvor während des Großen Nordischen Krieges mit dem Kaiser überworfen, was 1728 nach weiteren Willkürakten auch in seinem Herrschaftsgebiet selbst zu seiner Amtsenthebung durch den Reichshofrat führte. Der Bau in Klenow konnte dadurch für den nunmehr eingesetzten Christian Ludwig ab 1731 fortgesetzt werden, die Baustelle stand zunächst unter dem Schutz kaiserlicher Soldaten. Als Baumeister für den neuen Jagdsitz beauftragte Herzog Christian Ludwig den vermutlich aus dem Hannoverschen stammenden Architekten Johann Friedrich Künnecke, der in jener Zeit für den Grafen Hans Caspar von Bothmer das im Nordwesten Mecklenburgs gelegene Schloss Bothmer errichtete. Der Neubau in Klenow diente vorerst nur als Jagdhaus des nach dem Grabower Brand im Neustädter Schloss residierenden Christian Ludwig, wurde aber in den folgenden Jahren umgestaltet.
Künnecke erbaute 1731–1735 das erste Jagdschloss für Christian Ludwig II.Dieter Pocher: Schlösser und Herrenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern. S. 69. Es handelte sich um einen eingeschossigen Fachwerkbau mit fünfzehn Fensterachsen, die mittleren drei Achsen waren zu einem zweigeschossigen Risaliten erhöht.Abbildung des Schlosses im digitalisierten Jahrbuch des Vereins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde – Das alte Schloß in Kleinow von Dr. phil. Gerd Dettmann, abgerufen am 28. Mai 2011. Östlich und westlich des Bauwerks schlossen sich niedrige, rechtwinklige Seitenflügel an, die in zweigeschossigen Pavillons endeten und gemeinsam mit dem Hauptgebäude einen breiten Ehrenhof umschlossen. In der Grundgestalt ähnelte das Jagdschloss dem ebenfalls von Künnecke erbauten Schloss Bothmer, die schlichte Bauweise in Fachwerk dagegen entsprach anderen mecklenburgischen Jagdsitzen, wie den späteren Schlössern Friedrichsthal und Friedrichsmoor. Ab 1748 ließ der Herzog durch den Schweriner Hofarchitekten Jean Laurent Legeay den Französischen Garten erweitern.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 8. 1752/1753 erweiterte der französische Architekt Jean Laurent Legeay den Jagdsitz mit einem Altan und einem Uhrenturm, dessen Uhrwerk nach dem Abbruch des alten Jagdhauses in das an der Schlossstraße liegende Hotel de Weimar gelangte. Unter der Herrschaft Herzog Friedrichs erwies sich das Schloss zunehmend als baufällig, von Busch vorgestellte Entwürfe für einen weiteren Umbau fanden keine Berücksichtigung.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 20. Der zeitweise am Mecklenburger Hof weilende englische Gelehrte Thomas Nugent beschrieb das Jagdhaus 1766 in einem seiner Reisebriefe: „Am Gebäude selbst ist, weil es nie zu einer Residenz bestimmt war, nicht die mindeste Pracht; es ist nur ein Stockwerk hoch und hat zwei Flügel, die von den Hofdamen und Hofkavalieren bewohnt werden […] Indessen sind freilich alle diese Zimmer für die Durchl. Herrschaften viel zu klein; der Herzog will auch an diesem seinen Lieblingsort bald einen prächtigen Palast bauen lassen.“Hartmut Brun: Ludwigslust. Hinstorff, 2001, ISBN 3-356-00891-9, S. 19. Im Jahr 1754 ließ der Herzog in den Mecklenburgischen Nachrichten den neuen Namen des Jagdschlosses verkünden:
Residenzschloss mini|hochkant|Herzog Friedrich von Mecklenburg-Schwerin mini|hochkant|Johann Joachim Busch
Das Schloss war von 1763 bis 1837 Hauptresidenz der Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Schwerin. Nach dem Tode Christian Ludwigs im Jahr 1756 verhinderte der ausbrechende Siebenjährige Krieg vorerst weitere Baumaßnahmen in Ludwigslust.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 12. Der nachfolgende Herzog Friedrich (der Fromme) verbrachte die Kriegsjahre weitgehend in Lübeck. Zwar ließ er sich bereits 1756 durch den Hofbaumeister Jean Laurent Legeay Entwürfe für eine erste Vergrößerung des Schlosses vorlegen, zur Ausführung kamen die Pläne jedoch nicht und Ludwigslust diente in dieser Zeit vor allem als Nebenresidenz seiner jüngeren Schwester Ulrike Sophie. Die einzige größere Baumaßnahme war der Große Kanal, der später eine der Hauptachsen des neuen Gartens bilden sollte.
Mit dem Ende des Siebenjährigen Krieges 1763 griff Herzog Friedrich den Gedanken einer Erweiterung des Schlossbezirks wieder auf. Die ursprüngliche Idee, die bescheidene Umbauten vorsah, genügte seinen Ansprüchen zwischenzeitlich nicht mehr. Er hatte als junger Mann eine Grand Tour durch Europa gemacht und dabei auch den Hof von Versailles in Frankreich kennengelernt, der in jener Epoche für die meisten europäischen Fürstenhöfe als Vorbild diente.Rolf Tomann (Hrsg.): Die Kunst des Barock. Könemann, ISBN 3-89508-991-5, S. 189. Für den Jagdsitz im einstigen Klenow, das ebenso wie Versailles außerhalb der eigentlichen Hauptstadt lag, wünschte der Herzog nun eine Schlossanlage nach französischem Ideal.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 14. Dort wollte er einerseits den Regierungsgeschäften nachgehen und sich andererseits seinen naturwissenschaftlichen und musischen Neigungen hingeben.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 9. Das Schloss sollte zudem den passenden Rahmen für die bereits unter seinem Vater gegründete Kunstsammlung bieten.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 38. Das Vorhaben einer zeitgemäßen Residenz wurde von seiner Ehefrau, Herzogin Louise Friderike von Württemberg, unterstützt, die als Enkelin des Württemberger Herzogs Eberhard Ludwig eine aufwendige Hofhaltung gewöhnt war, die sie am pietistisch-nüchternen Hof ihres frommen Gatten vermisste.
Herzog Friedrich bat Baumeister Legeay um neue Entwürfe, zeitgleich begann der Schweriner Hofbaumeister Johann Joachim Busch mit dem Bau einer Stadtanlage nach barockem Grundriss und einer großen Hofkirche als Gegengewicht zum Schloss. Erste Bauarbeiten begannen 1763 mit den Häusern am Bassinplatz und um den späteren Kirchhof; bereits ab 1764 verlegte Herzog Friedrich den Hof von Schwerin nach Ludwigslust. 1765 wurde unter Buschs Leitung der Grundstein der Hofkirche gelegt und nach deren Vollendung 1772 der Bau des neuen Residenzschlosses begonnen,Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 15. das 1777 bezogen werden konnte. Die zahlreichen gleichzeitigen Baustellen beschäftigten mehrere hundert Maurer, Zimmerleute und andere Handwerker, die Bauern der Umgebung mussten Hand- und Spanndienste leisten und Herzog Friedrich beaufsichtigte die Arbeiten regelmäßig.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 21. Die Ausgaben für das Bauprojekt konnten dadurch begrenzt werden, dass auf teure Materialien wie Marmor und edle Hölzer weitgehend verzichtet und stattdessen Pappmaché, der sogenannte Ludwigsluster Carton, eingesetzt wurde.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 35. Die Kosten trug die herzogliche Rentkammer, deren Einnahmen Erlöse aus der Forstkasse des waldreichen Gebiets aufbesserten. Als Herzog Friedrich 1785 starb, war der Schlossbezirk weitgehend vollendet. Ludwigslust hatte sich von einem Gutsdorf zu einem kleinen Fürstenhof entwickelt, der über einen Zeitraum von rund 80 Jahren das kulturelle und politische Zentrum des Landesteils Mecklenburg-Schwerin bildete.
Mit Friedrichs Tod ging die neue Residenz des kinderlosen Herzogs an seinen Neffen und Nachfolger Friedrich Franz I. über. Dieser ließ den kaum vollendeten Barockgarten im nunmehr zeitgemäßen Stil als Englischen Landschaftsgarten erweitern und ab 1809 die Stadtanlage durch Johann Georg Barca ausbauen. Nach Friedrich Franz’ Tod verlegte sein ihm folgender Enkel Paul Friedrich den Hof 1837 zurück nach Schwerin, womit Ludwigslust auf den Status einer Sommerresidenz sank.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 44. Friedrich Franz II. ließ die Gartenanlage von 1852 bis 1860 durch Peter Joseph Lenné gestalterisch überarbeiten, dennoch wurde das Schloss in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nur noch selten bewohnt. Große Teile der Ludwigsluster Kunstsammlung kamen ab 1879 nach Schwerin.
Schlossmuseum mini|Karte von Schloss und Park Ludwigslust mini|Luftbild des Schlosses Ludwigslust und seines Parks mini|hochkant|Friedrich-Denkmal
Nach der Abdankung von Friedrich Franz IV. im Zuge der Novemberrevolution 1918 bezog der vormalige Großherzog das Schloss. Einige der Innenräume konnten ab 1922 in Form eines Schlossmuseums erstmals von der Öffentlichkeit besichtigt werden. Die ehemals regierende Fürstenfamilie bewohnte Ludwigslust bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, das Schlossgebäude überstand die Kriegszeit ohne bauliche Schäden. Das bei Kriegsende zunächst von westalliierten Truppen besetzte Ludwigslust entging zudem den Verwüstungen, die zahlreiche Schloss- und Herrenhausanlagen im Osten Deutschlands durch die Rote Armee widerfuhren. Dennoch gingen Teile der beweglichen Ausstattung in der Folgezeit durch Plünderung und Vernachlässigung verloren.Staatliches Museum Schwerin (Hrsg.): Schloss Ludwigslust. S. 45.
In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte das Schloss die örtliche Kommandantur der Roten Armee. Die herzogliche Familie wurde bei der Bodenreform 1947 enteignet und das Schloss schließlich vom Kreis Ludwigslust übernommen. Anfängliche Pläne, in dem Bauwerk ein Museum einzurichten, wurden nicht weiter verfolgt; die bis dahin im Schloss verbliebenen Kunstschätze gelangten teilweise nach Schwerin oder wurden im Schloss eingelagert. Die einstige herzogliche Residenz diente in der DDR-Zeit als Sitz der Kreisbehörden; in die historischen Innenräume zogen für mehrere Jahrzehnte Staatsorgane der DDR ein.