Aegidienberg (mundartlich „Jillienberch“ oder „Jillienberg“) ist ein Stadtbezirk von Bad Honnef im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen. Er liegt mit seinen 13 Ortschaften östlich des Siebengebirges am Rande des Niederwesterwalds und wird von der Bundesautobahn 3 durchquert. Bis 1969 war Aegidienberg eine eigenständige Gemeinde im damaligen Siegkreis. Die Einwohnerzahl lag im Juni 2020 bei 7057.

Name Der Gemeindename geht auf Sankt Aegidius (franz. Saint Gilles) zurück, den Namenspatron der örtlichen katholischen Pfarrkirche. Bis ins 16. Jahrhundert trug der Ort den Namen Hunferode oder Honferode (1347) bzw. Honfrod oder Honffrod (1555)German Hubert Christian Maaßen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Königswinter, J.P. Bachem, Köln 1890, S. 107 Archiv für die Geschichte des Niederrheins, hrsg. von Theodor Joseph Lacomblet, 1832, S. 288 bzw. Honeffrhadt (1562) oder Honnefer Rott, eine abweichende Schreibweise davon ist Honeferode.German Hubert Christian Maaßen: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Königswinter, J.P. Bachem, Köln 1890, S. 32Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz. Bd. 5.4 Die Kunstdenkmäler des Siegkreises bearbeitet von Edmund Renard, Düsseldorf 1907, S. 713.

Geographie mini|270px|Aegidiusplatz, Marktplatz im Hauptort Aegidienberg mini|St. Aegidius, das Wahrzeichen Aegidienbergs mini|Evangelische Kirche Das Gebiet des Stadtbezirks Aegidienberg umfasst die östlich des Honnefer Stadtwalds, also des Siebengebirges und des Rheinwesterwälder Vulkanrückens liegenden Bereiche des Stadtgebiets. Sie sind naturräumlich der Niederwesterwälder Hochmulde, genauer der Asbacher Hochfläche im Nordwesten des Niederwesterwalds zuzurechnen. Dort verteilen sich die Ortsteile auf verschiedene Anhöhen, die sämtlich im weiter gefassten Naturpark Siebengebirge liegen. Das Siebengebirge selbst und der sich südlich anschließende Vulkanrücken trennen Aegidienberg von dem rund fünf Kilometer entfernten, im Rheintal gelegenen Bad Honnef. Aegidienberg liegt durchschnittlich etwa 200 Meter höher als Bad Honnef. Die beiden Orte sind durch das sechs Kilometer lange Schmelztal verbunden, durch das sich die Landesstraße 144 windet.

Auf dem Gebiet des Stadtbezirks liegen zwei kleinere Seen, der Himberger See im Westen und der Dachsberger See im Osten. Beide sind aus den jeweiligen Basaltsteinbrüchen entstanden, die dort bis nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben wurden. Der Logebach und der Quirrenbach sind zwei Quellbäche des Pleisbachs, die in der Gemarkung entspringen und durch sie verlaufen, der Kochenbach ist ein Zufluss des Quirrenbachs. Zu den Anhöhen auf Aegidienberger Gebiet gehören der Himberg (), der Hupperichsberg (Angabe laut Digitalem Geländemodell (abrufbar im Kartendienst TIM-online)), der Markhövel (auch Romert genannt; ) und der Dachsberg () – letzterer die höchste Erhebung des Stadtbezirks. Das Hauptdorf Aegidienberg auf dem gleichnamigen Berg liegt auf . Auf der Gemarkung befinden sich zwei zusammenhängende Waldgebiete, der Aegidienberger Wald östlich und die Vogelsbitze westlich der Autobahn. Im äußersten Osten hat Aegidienberg Anteil am Segelfluggelände Eudenbach auf der Mußer Heide mit seinem Naturschutzgebiet.

Der Stadtbezirk Aegidienberg fasst 13 Ortschaften zusammen: Aegidienberg (Kirchdorf), Brüngsberg, Efferoth, Himberg, Höhe, Hövel, Neichen, Orscheid, Retscheid, Rottbitze, Siefenhoven, Wintersberg und Wülscheid. Teile des zur Ortsgemeinde Rheinbreitbach gehörenden Rottlandhofs liegen auf Aegidienberger und damit Bad Honnefer Gebiet. Der Stadtbezirk grenzt im Nordwesten an Ittenbach, im Norden und Nordosten an den Oberhau (beides Gemarkungen der Stadt Königswinter) und im Osten und Süden mit den Ortsgemeinden Windhagen und Rheinbreitbach direkt an Rheinland-Pfalz.

Geschichte Herrschaft und Wirtschaft seit dem frühen Mittelalter Eine Urkunde des Kölner Erzbischofs Wichfried aus dem Jahre 948 legte die Grenzen der Propstei Oberpleis fest und bezog die heutige Gemarkung von Aegidienberg mit ein. Die dort festgelegten Grenzen bestehen bis heute als Stadt- sowie im Süden und Osten als Kreis- und Landesgrenze. Über die Besiedlung gibt es für diese Zeit keine Angaben, es wird vermutet, dass hier vereinzelte Höfe und Köhlereien anzutreffen waren. Eine durch den ersten Ortsnamen Hunferode implizierte Besiedlung Aegidienbergs durch Honnefer Einwohner kann sich nur auf die am Ausgang des Schmelztals befindlichen Dörfer Himberg, Hövel und Siefenhoven beziehen. Die Ursprünge der Ortschaften im Rest und besonders im Osten des späteren Gemeindegebiets liegen auch angesichts der schweren landwirtschaftlichen Verwertbarkeit der lehmigen Böden eher in Siedlern, die entlang des Pleisbachs oder der im Bergbereich verlaufenden Straßen zogen.Victor Loewe: Eine politisch-ökonomische Beschreibung des Herzogtums Berg aus dem Jahre 1740. In: Beiträge zur Geschichte des Niederrheins, Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichts-Vereins, 15. Bd./ Düsseldorf 1900, S. 165–181. Hier: S. 170

Bis zu ihrem Aussterben, etwa im Jahre 970, übten die Grafen des Auelgaues die weltliche Macht über das Gebiet aus. Darauf herrschten die Pfalzgrafen bei Rhein. Mit dem Bau der Löwenburg in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts fiel die Gegend in deren Herrschaftsbereich und die wachsenden Ortschaften waren zwischen 1484 und 1808Winfried Biesing: Vom Amt Wolkenburg zum Canton Königswinter, Königswinter 1984, S. 16 ff Teil des Amtes Löwenburg, das zum Herzogtum Berg gehörte.

Am 6. Januar 1345 findet sich die erste urkundliche Erwähnung, die sich möglicherweise nur auf das später „an der Kirche“ genannte Dorf bezieht, mit der Bezeichnung Hunferode.Wilhelm W. Hamacher: Von "Hunferode" bis "Aegidienberg", Bad Honnef 1995, S. 11 Am 5. Januar 1349 folgte eine weitere Erwähnung als Hunferoyde.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrhein, Bd. 3 (1301–1400), Düsseldorf 1853Wilhelm Janssen: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln, Bd. 5 (1332–1349), Köln/Bonn 1973, ISBN 3-7756-0501-0. Der Name Aegidienberg löste diese Bezeichnungsgruppe vermutlich seit dem 16. Jahrhundert endgültig ab. Als einer der Vierzehn Nothelfer und als Viehpatron wurde der heilige Aegidius ab dem ausgehenden Mittelalter verehrt.Hanns Bächtold-Stäubli (Hrsg.): Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, Verlag de Gruyter, Berlin 1927, Bd. 1.

In einer Urkunde „von wegen der bergischen Pastoreyen“ aus dem Jahre 1506 stammt die Erwähnung eines Pfarrers namens „Hermannus“. Das „Erkundigungsbuch des Fürstentums Berg“ weist „Gilienberg“ seit der Einführung der neuen Jülisch-Bergischen Gerichtsordnung im Jahre 1555 als eigenständiges Kirchspiel aus. Dabei verlor Aegidienberg sein vormals eigenes Gericht mit sieben Schöffen, sandte aber fortan zwei (ab 1745 nur noch einen) Schöffen in das neu gebildete Honnefer Gericht. Verwaltet wurde das Kirchspiel von zwei Geschworenen. Es setzte sich spätestens seit Mitte des 18. Jahrhunderts aus acht Honschaften zusammen, bis das Herzogtum Berg im Jahre 1806 aufgelöst wurde: Brüngsberg, Himberg, Höhe, Hövel, Orscheid, Retscheid, Siefenhoven und Wülscheid.Otmar Falkner: Die Quirrenbacher Mühle. In: Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises. 75. Jahrgang 2007, S. 137–140.

Als Besitzer oder Pächter bearbeiteten die Bewohner die tonigen, kargen Böden Aegidienbergs. Im Gegensatz zur Bezeichnung Mutterboden wird vor Ort gerne der Begriff „Vaterboden“ verwendet. Vor Erfindung des Kunstdüngers taugten die Äcker fast nur zum Anbau von Gerste und Hafer, die im Mittelalter die Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung waren. Hinzu kam die Viehzucht. Mit Beginn der Neuzeit wurde der Speiseplan durch Kartoffeln bereichert und bescherte der Gemeinde so ihre Spezialität – die „Rievkooche“ (Reibekuchen), die bis heute auf keiner öffentlichen Veranstaltung fehlen.

Die Bevölkerung hatte Anteil am Waldgebiet der Honnefer Mark und war dort unter anderem zur Eichelmast, zur Verwendung als Brenn- und Zaunholz sowie zur Streunutzung berechtigt. Den Waldbauern stand das Reisig für die Viehzucht zur Verfügung. Holzschlagrecht im Wald besaß ausschließlich die Obrigkeit.Bergischer Geschichtsverein (Hrsg.): Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, 70. Band 1949, S. 189. Weiterhin hatte Aegidienberg im Rahmen des Zehntsystems des Amtes Löwenburg feste Verpflichtungen, es war zur Zahlung von zunächst 120 und später 200 Malter Hafer an die verschiedenen Amtspersonen verpflichtet. Die Einwohner mussten das Holz für den Galgen der Löwenburgschen Gerichtsbarkeit im Bereich der heutigen Lohfelder Straße in Honnef fällen und diesen instand halten sowie die Wiesenflächen am Löwenburger Hof mähen.Otmar Falkner: Die Quirrenbacher Mühle. In: Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises. 75. Jahrgang 2007, S. 137.Karl Gast: Aegidienberg im Wandel der Zeiten. Aegidienberg 1964, S. 72. Bannmühle für Aegidienberg war spätestens seit Ende des 15. Jahrhunderts die auf dem Gebiet des Kirchspiels gelegene Quirrenbacher Mühle.

Schon seit dem Mittelalter wurden in der Umgebung des Siebengebirges Buntmetallerze abgebaut, hauptsächlich zur Gewinnung von Kupfer, Zink und Blei. Neben der Arbeit in den Minen selbst sorgte der ständige Bedarf der Bergwerke an Holzkohle für den Betrieb zahlreicher Köhlereien in der Umgebung. Im Ortsteil Neichen befand sich die Kupfergrube „Gotteshilfe“, in Brüngsberg die Gruben „Flora“, „Anrep-Zachäus“ und „Emma-Sofie“, wo bis zum Frühjahr 1906 Zink und Kupfererz gebrochen wurde. Die Halden der Gruben sind heute noch am Hang des Logebachtales zu erkennen. Mit dem Verfall der Buntmetallpreise kam es ab 1875 allmählich zur Stilllegung der Bergwerke im Siebengebirge.

In der näheren Umgebung wird bis heute Basalt gebrochen. Die Basaltsteinbrüche am Dachsberg und am Himberg waren an das Schienennetz der Bröltalbahn angeschlossen, das weit verzweigt bis Asbach, Bonn-Beuel, Siegburg und Waldbröl reichte. Der Teilstreckenbetrieb wurde von den Steinbruchbetreibern für den Basalttransport finanziert. Ein Anschluss zur Personenbeförderung wurde zu verschiedenen Zeiten im Gemeinderat diskutiert, aber nie verwirklicht. Die beiden Steinbrüche Aegidienbergs liegen etwa seit den 1960er Jahren still und dienen heute als Badeseen und Naherholungsziele, wie viele andere Steinbrüche in der Umgebung auch.

Preußische Zeit/Deutsches Reich Ab 1806 gehörte Aegidienberg als Teil des zunächst weiter bestehenden Amtes Löwenburg zum napoleonischen Großherzogtum Berg. Ende des Jahres 1808 wurden mit der Bildung von Kantonen und Mairien (Bürgermeistereien) im Großherzogtum Berg neue Verwaltungsstrukturen nach französischem Vorbild eingeführt. Das bisherige Kirchspiel Aegidienberg wurde ebenso wie Honnef, Königswinter und Ittenbach der Mairie Königswinter im gleichnamigen Kanton zugeteilt, die aber erst im Frühjahr 1809 voll funktionsfähig war. Im Generalgouvernement Berg trug die Mairie ab Dezember 1813 die Bezeichnung „Bürgermeisterei“. Nachdem infolge des Wiener Kongresses das Rheinland 1815 zum Königreich Preußen gekommen war, wurde die Bürgermeisterei Königswinter 1816 zur regulären preußischen Verwaltungseinheit innerhalb des neugebildeten Kreises Siegburg (ab 1825 Siegkreis). Ab 1822 gehörte sie zur preußischen Rheinprovinz.

Am 1. Juli 1846 erhielt Aegidienberg einen Gemeinderat, der den aus Schöffen bestehenden Gemeindevorstand ablöste.Otmar Falkner: Ein Beitrag zur Aegidienberger Ortsgeschichte. In: Heimatblätter des Rhein-Sieg-Kreises, 72. Jahrgang 2004. S. 116. Nachdem 1862 Honnef und 1889 Königswinter als selbständige Stadtgemeinden eigenen Verwaltungen unterstanden, verblieb die Gemeinde Aegidienberg zusammen mit der Gemeinde Ittenbach in der Bürgermeisterei Königswinter-Land, die 1927 in „Amt Königswinter-Land“ umbenannt wurde und bis 1969 bestand.