Die Formel-1-Weltmeisterschaft 2012 war die 63. Saison der Formel-1-Weltmeisterschaft. Sie umfasste erstmals 20 Rennen und wurde vom 18. März bis zum 25. November ausgetragen. Sebastian Vettel verteidigte in dieser Saison seinen Weltmeistertitel und wurde jüngster dreifacher Weltmeister. Ebenfalls gelang es seinem Rennstall Red Bull-Renault mit Mark Webber als zweitem Fahrer, vorzeitig den Konstrukteurstitel zu verteidigen.
Mit Fernando Alonso, Jenson Button, Lewis Hamilton, Kimi Räikkönen, Michael Schumacher und Sebastian Vettel nahmen sechs Fahrer an der Weltmeisterschaft 2012 teil, welche die WM bereits jeweils mindestens einmal gewonnen, insgesamt bereits 14 Titel errungen und außerdem alle Weltmeisterschaften seit der Saison 2000 gewonnen hatten.
Änderungen 2012 Rennstrecken Nach der ersten Version des Rennkalenders, die am 3. Juni 2011 veröffentlicht wurde, waren für 2012 erstmals 21 Rennen geplant.„Kalender umfasst 2012 erstmals 21 Rennen“ (Motorsport-Total.com am 3. Juni 2011) Bei einem Treffen der FOTA wurden am 28. Juli 2011 Änderungen beschlossen und ein Rennkalender mit 20 Rennen präsentiert. Der Große Preis der Türkei wurde bei diesem Entwurf gestrichen und einige Termine änderten sich. Der Rennkalender wurde am 31. August 2011 von der FIA bestätigt.„FIA verabschiedet offiziellen Formel-1-Kalender 2012“ (Motorsport-Total.com am 31. August 2011)
Die Formel 1 kehrte in die Vereinigten Staaten zurück. Der Große Preis der USA fand erstmals auf der neuen Rennstrecke Circuit of The Americas in Austin, Texas statt.„Offiziell: US-Grand-Prix ab 2012 in Texas!“ (Motorsport-Total.com am 25. Mai 2010) Der letzte Große Preis der USA bis dahin wurde 2007 auf dem Indianapolis Motor Speedway ausgetragen. Das bisher einzige Formel-1-Rennen in Texas fand 1984 auf dem Dallas Fair Park Grand Prix Circuit statt.
Der Große Preis von Deutschland fand 2012 nach dem Rotationsprinzip wieder auf dem Hockenheimring Baden-Württemberg statt.
Reglement Die optisch auffälligste Änderung in der Saison war die Absenkung der Nase von maximal 62,5 cm auf 55 cm. Da dies nur den Bereich über dem Frontflügel betraf, trugen die meisten Autos einen markanten Höcker vor der Vorderradaufhängung. Nur der McLaren MP4-27 und der Marussia MR01 kamen ohne diesen Höcker aus. Der Grund für die Änderung waren Sicherheitsbedenken, weil die aus aerodynamischen Gründen möglichst hoch angeordneten Nasen bei Kollisionen ein größeres Risiko für die Fahrer bedeuteten.Die Gründe für die charakteristischen Nasen bei motorsport-total.com
In der Saison 2011 setzten einige Teams, darunter auch Weltmeister Red Bull, auf ein Abgassystem, das die Abgase des Motors zum Heckdiffusor lenkt und so für einen höheren Anpressdruck sorgt. Das Motormanagement sorgte dafür, dass, auch wenn der Fahrer vom Gas ging, durch zusätzlich eingespritzten Kraftstoff der Anpressdruck nicht abriss. Schon während der Saison 2011 wurde über ein Verbot dieses „angeblasenen Diffusors“ diskutiert, nach Protesten der Teams aber auf den Beginn der Saison 2012 verschoben.
Fahrer durften nun auch während In- und Out-Laps nicht ohne wichtigen Grund die Strecke verlassen. In der vorherigen Saison kürzten einige Fahrer insbesondere in der Runde nach Ausfahrt aus der Box bei Tests ab, um Reifen und Kraftstoff zu sparen. Außerdem durften Fahrer, die im Rennen die Ideallinie verlassen, um ihre Position zu verteidigen, nicht auf die Ideallinie zurückkehren.
Während einer Safety-Car-Phase durften sich alle überrundeten Fahrzeuge zurückrunden, damit sie beim Neustart die schnelleren Fahrzeuge nicht behinderten.
Bisher mussten neue Fahrzeuge die FIA-Crashtests erst vor dem ersten Saisonrennen absolviert haben. Ab dieser Saison galt dies auch schon für Testfahrten. Zudem wurden die Anforderungen beim Seitenaufprall verschärft.
In den letzten Jahren waren Tests während der Saison verboten, um Kosten zu sparen. In diesem Jahr gab es vom 1. bis zum 3. Mai wieder einen dreitägigen Test in Mugello, dafür jedoch einen Test vor Saisonbeginn weniger.“2012 season changes” (formula1.com; abgerufen am 7. Februar 2012)
Um Kosten zu sparen, wurde die maximale Betriebsdauer eines Windkanals auf 60 Stunden pro Woche begrenzt. Für CFD-Berechnungen wurde eine Obergrenze von 40 TeraFLOPS festgelegt.
Teams Drei Teams führten einen Wechsel des Konstrukteursnamens durch:
Das bisherige Team Lotus, das 2010 als Lotus Racing in die Formel 1 einstieg, verzichtete auf die Verwendung des Namensbestandteils Lotus und integrierte den britischen Sportwagenhersteller Caterham in den Namen. Sowohl der Rennstall als auch der Sportwagenhersteller sind in Besitz des malaysischen Geschäftsmanns Tony Fernandes. Der offizielle Teamname lautete Caterham F1 Team.
Der dadurch frei werdende Konstrukteursname Lotus wurde vom bisherigen Renault-Team übernommen. Bislang war Lotus nur Titelsponsor des als Lotus Renault GP gemeldeten Rennstalls, der im Besitz der luxemburgischen Gesellschaft Genii Capital ist. Das Renault-Team war 2001 durch die Übernahme von Benetton entstanden. Der Rennstall änderte zudem den offiziellen Teamnamen in Lotus F1 Team.
Zwei Jahre nach seiner Gründung änderte außerdem Virgin den Konstrukteursnamen in Marussia. Der russische Automobilhersteller Marussia Motors besitzt bereits Anteile an dem Team, das ursprünglich als Manor Grand Prix gemeldet worden war. Als offiziellen Namen wählte das Team Marussia F1 Racing.
Die Formel-1-Kommission hatte den Namenswechseln zugestimmt.„Lotus: Namensänderungen von Kommission genehmigt“ (Motorsport-Total.com am 3. November 2011) Das heißt, dass die Rennställe ungeachtet der Namensänderung die Prämien aus der Saison 2011 behalten durften. Die FIA bestätigte die Namensänderungen.“FIA formally confirms that Renault, Lotus and Virgin can change names” (autosport.com am 6. November 2011)
Darüber hinaus gab es drei Änderungen bei den offiziellen Teamnamen. Mercedes integrierte die Motorsport-Tochter AMG in seinen Namen und trat als Mercedes AMG Petronas F1 Team an.„Silberpfeile starten 2012 als Mercedes AMG“ (Motorsport-Total.com am 5. Dezember 2011) Bei Force India wurde der neue Anteilseigner Sahara India Pariwar im Namen erwähnt, sodass der Rennstall als Sahara Force India F1 Team an den Start ging. Bei Williams beendete AT&T sein Engagement als Titelsponsor.„AT&T nicht mehr Williams-Titelsponsor“ (Motorsport-Total.com am 2. Januar 2011) Das Team trat 2012 als Williams F1 Team an.
Fahrer Pedro de la Rosa, der 2011 als Testfahrer bei McLaren aktiv war und als Vertretung ein Rennen für Sauber absolviert hatte, erhielt 2012 bei HRT einen Zweijahresvertrag und kehrte in ein Stammcockpit zurück.„Überraschendes Comeback: De la Rosa fährt für HRT!“ (Motorsport-Total.com am 21. November 2011)
Charles Pic, der 2011 Gesamtvierter der GP2-Serie geworden war, hat für Marussia sein Formel-1-Debüt gegeben.„Offiziell: Pic neuer Teamkollege von Glock“ (Motorsport-Total.com am 27. November 2011)
Robert Kubica, der 2011 verletzungsbedingt bei Renault durch Nick Heidfeld und Bruno Senna vertreten wurde, besaß zwar einen Vertrag mit dem ab 2012 als Lotus F1 Team startenden Rennstall für die Saison 2012„Renault: Kubica bleibt bis 2012!“ (Motorsport-Total.com am 7. Juli 2010), Ende November 2011 gab er allerdings bekannt, dass er nicht rechtzeitig zum Saisonauftakt fit werden wird.„Renault bestätigt: Kubica noch nicht fit für 2012“ (Motorsport-Total.com am 23. November 2011) Wenig später gab Lotus bekannt, dass Kimi Räikkönen das Cockpit für die Saison 2012 erhält.„Räikkönen-Comeback fix: Zwei Jahre bei Renault“ (Motorsport-Total.com am 29. November 2011) Neben Räikkönen pilotierte Romain Grosjean den zweiten Lotus.„Offiziell: Renault verpflichtet Grosjean“ (Motorsport-Total.com am 9. Dezember 2011) Grosjean bekam den Vorzug vor Witali Petrow, obwohl dieser einen gültigen Vertrag für die Saison 2012 besaß. Grosjean debütierte bereits 2009 in der Formel 1 und war in den folgenden zwei Jahren ohne Cockpit. In dieser Zeit wurde er Meister der Auto GP (2010), der GP2-Asia-Serie (2011) und der GP2-Serie (2011).
Bruno Senna, der 2011 nach der Entlassung Nick Heidfelds die zweite Saisonhälfte für Renault bestritten hatte, wurde für die Saison 2012 von Williams unter Vertrag genommen. Er ersetzte damit Rubens Barrichello, der bis zuletzt versucht hatte, bei Williams einen Vertrag für seine 20. Formel-1-Saison zu bekommen.„Williams-Cockpit-Poker: Entscheidung in Sicht?“ (Motorsport-total.com am 13. Januar 2012)
Witali Petrow, der für die Saison 2012 ursprünglich einen Vertrag bei Lotus besaß, dort aber durch Romain Grosjean ersetzt wurde, gab Mitte Februar 2012 seinen Wechsel zu Caterham bekannt. Er ersetzte dort Jarno Trulli, der ursprünglich über einen Vertrag für 2012 mit Caterham verfügte.
Die Scuderia Toro Rosso trat 2012 mit einem komplett neuen Fahrerduo an. Daniel Ricciardo und Jean-Éric Vergne ersetzten Sébastien Buemi und Jaime Alguersuari. Ricciardo und Vergne wurden schon seit einigen Jahren von Red Bull, dem Besitzer des Teams, unterstützt. Beide waren zuletzt in der Formel Renault 3.5 aktiv, in der Vergne 2011 Vizemeister und Ricciardo Fünfter wurde. Ricciardo absolvierte zudem 2011 elf Formel-1-Rennen für HRT, während Vergne bisher nur an Formel-1-Testfahrten teilgenommen hat. Beide Piloten haben in den letzten Jahren einen ähnlichen Werdegang hinter sich. Ricciardo wurde 2008 Vizemeister des Formel Renault 2.0 Eurocup, 2009 Meister der britischen Formel 3 und 2010 Vizemeister der Formel Renault 3.5. Vergne erzielte dieselben Erfolge jeweils ein Jahr nach Ricciardo.
Bei Force India kehrte Nico Hülkenberg als Einsatzpilot in die Formel 1 zurück und bestritt seine zweite Saison. Hülkenberg war 2011 Testfahrer bei dem Team und kam in einigen freien Trainings zum Einsatz. Hülkenberg ersetzte seinen Landsmann Adrian Sutil.
Sébastien Buemi, der sein Cockpit bei Toro Rosso verloren hatte, wurde Ersatzfahrer bei Red Bull Racing und dessen Schwesterteam Toro Rosso.„Red Bull bestätigt Buemi als Ersatzfahrer“ (Motorsport-Total.com am 5. Januar 2012)„Buemi auch Toro-Rosso-Testfahrer“ (Motorsport-Total.com am 6. Januar 2012) Auch Jérôme D’Ambrosio, der 2011 Einsatzpilot bei Virgin war, übernahm 2012 die Aufgabe eines Test- und Ersatzfahrers. Er wechselte zu Lotus. D’Ambrosio wurde schon länger von Gravity, wie das Lotus-Team eine Tochterfirma von Genii, unterstützt. In seiner Funktion als Ersatzfahrer kam er beim Großen Preis von Italien zum Einsatz, da Stammpilot Grosjean gesperrt war. Vitantonio Liuzzi verlor zwar sein Stammcockpit bei HRT, blieb aber als Testfahrer bei dem Team.„Karthikeyan: ‚Neues Auto definitiv ein Schritt nach vorne‘“ (Motorsport-Total.com am 6. März 2012)
Jaime Alguersuari, der sein Toro-Rosso-Cockpit verloren hatte, übernahm die Position des Testfahrers beim Reifenhersteller Pirelli.„Alguersuari und di Grassi neue Pirelli-Testfahrer“ (Motorsport-Total.com am 30. März 2012)
Rubens Barrichello verließ die Formel 1 nach 19 Saisons und wechselte zu KV Racing Technology in die IndyCar Series. (kvracingtechnology.homestead.com am 1. März 2012)
Karun Chandhok, der 2011 ein Rennen für Lotus absolviert und an mehreren Trainings teilgenommen hatte, verließ die Formel 1 und startete 2012 für JRM Racing in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC).„Bestätigt: Chandhok fährt im JRM-Auto“ (Motorsport-Total.com am 12. Januar 2012) Nick Heidfeld, der die Saison 2011 mit dem Renault-Team begonnen und während der Saison sein Einsatzcockpit verloren hatte, wechselte ebenfalls in die WEC. Er startete dort für Rebellion Racing.„Le Mans statt Formel 1: Heidfeld fährt für Rebellion“ (Motorsport-Total.com am 1. Februar 2012)
Nach dem zweiten Grand Prix waren Adrian Sutil (ehemals Force India) und Jarno Trulli (ehemals Lotus) als einzige Piloten der Vorsaison noch ohne einen Vertrag.
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