miniatur|hochkant=1.5|Träger und Askaris der deutschen Schutztruppe Die Träger in Ostafrika im Ersten Weltkrieg ermöglichten durch ihre Leistung erst eine Kriegsführung mit europäischen Methoden. Um auf britischer und belgischer Seite rund 130.000 Soldaten zu versorgen, waren weit über eine Million Träger notwendig. Die Geschichte der Träger auf deutscher und portugiesischer Seite ist kaum erforscht.Die Darstellung folgt, soweit nicht anders angegeben, Geoffrey Hodges: Kariakor The Carrier Corps: The Story of the Military Labour Forces in the Conquest of German East Africa, 1914 to 1918. Roy Griffin (Hrsg.). Nairobi University Press, Nairobi 1999. ISBN 9966-846-44-1.

Geografische und kulturelle Voraussetzungen miniatur|hochkant=1.5|Karawanenstraßen in Ostafrika im 19. Jahrhundert In den meisten Gegenden der Welt – Gebirge ausgenommen – wurden Anfang des 20. Jahrhunderts Lasten mit Hilfe von Trag- oder Zugtieren beziehungsweise auf dem Wasser transportiert. In Ostafrika fehlen dagegen schiffbare Flüsse, und bis in eine Höhe von mehr als 1000 Meter über dem Meeresspiegel verhinderte die Tsetse-Fliege als Überträgerin der Nagana den Einsatz von Pferden, Eseln, Maultieren, Ochsen oder Kamelen. In fast allen afrikanischen Gesellschaften galt das Tragen von Lasten als Frauenarbeit; auch in den traditionellen kriegerischen Auseinandersetzungen trugen Frauen die Waffen und Verpflegung bis zum Einsatzort. Diese Rollenaufteilung änderte sich Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Fernhandel, der sich durch arabische und Swahili-Karawanen von der Küste etablierte, wurde mit Hilfe männlicher Träger abgewickelt. Bis 1901 die Uganda-Bahn Kisumu am Victoriasee erreichte, wurde auch unter britischer Herrschaft die Strecke Mombasa – Uganda von Trägern bedient. Europäer blieben für ihre Expeditionen, Safaris und militärischen Operationen – etwa die Nandi-Kampagne von 1894 – auf Träger angewiesen. Bei Kriegsausbruch 1914 war das Tragen als Männerarbeit fest etabliert. Meist hatte es den Charakter von Zwangsarbeit, teilweise wurde es aber auch von jungen Männern als Chance empfunden, den engen Verhältnissen einer Stammesgesellschaft zu entkommen und Geld zu verdienen.

Technik des Tragens

miniatur|hochkant=1.5|Träger der deutschen Schutztruppe Üblicherweise werden in fast ganz Afrika Lasten auf dem Kopf getragen, in bergigem Gebiet – wie im Kikuyuland – war (und ist) dagegen der Stirnriemen üblich. Das Tragen von 70 bis 80 Pfund (ein Pfund = 454 Gramm) auf dem Kopf lässt sich auch noch im Erwachsenenalter lernen. Das Tragen von Lasten mit einem Stirnriemen muss dagegen seit früher Jugend eingeübt sein, weil sich nur so bestimmte Muskeln im Nackenbereich stark entwickeln. Europäer verwendeten meist die weniger effiziente Methode, Lasten mit Schulterriemen zu tragen, auch wenn der Rucksack gelegentlich noch mit einem zusätzlichen Stirnriemen gehalten wurde.

Offiziell betrug die Traglast 50 Pfund. Dazu kamen noch persönliche Habseligkeiten wie die Decke, der Proviantsack, eine Machete oder ein Kochtopf. Da ein Träger täglich zwei Pfund Nahrung benötigte, aß er seine eigene Traglast in 25 Tagen auf. Das Dilemma wird in einem Lied deutlich: „Wir sind die Träger, die das Essen für die Träger tragen, die das Essen für die Träger tragen usw.“ Unter guten Bedingungen konnte ein Träger zwölf Meilen am Tag zurücklegen, im Durchschnitt war eine Nachschublinie 180 Meilen lang und wurde in 15 Tagen bewältigt. Europäische Offiziere durften ein persönliches Gepäck von 40 Pfund tragen lassen, Unteroffiziere 25 Pfund. Um auch nur eine Tonne über eine Distanz von 150 Meilen zu transportieren, waren 750 Träger notwendig, sofern sie unterwegs verproviantiert wurden; 1800 Träger, falls sie auch ihre eigenen Rationen mit sich tragen mussten. Im zweiten Fall stieg der Aufwand exponentiell mit der Entfernung.

Wenn es zu Gefechten kam, waren die Träger auch noch auf dem Rückweg belastet, weil sie die Verwundeten zurücktragen mussten. 1916 wurde das Konvoi-System durch ein Depotsystem ersetzt, in dem für die Träger alle zwölf Meilen ein Depot errichtet wurde, wo sie verproviantiert wurden. Die Lasten wurden auf halbem Wege zwischen den Depots an die nächste Gruppe übergeben. Durch dieses System nahmen die Verdauungskrankheiten stark ab, weil die Verpflegung jetzt ausreichend gekocht wurde.

Der Begriff „Träger“ gibt die Tätigkeit allerdings nur unzureichend wieder. „Träger“ gruben auch Schützengräben, bauten Straßen, reparierten Eisenbahnstrecken und hielten Telegrafenleitungen instand. Unter ihnen gab es Übersetzer, bewaffnete Späher, Militärpolizisten, Agenten, Dockarbeiter, Techniker und Tiertreiber. Andere dienten als Köche oder Diener.

Situation zu Beginn des Ersten Weltkriegs Unter Trägern hatte es auch schon vor Kriegsausbruch gelegentlich erschreckende Todesraten gegeben, meist durch Verdauungskrankheiten bei einer ungewohnten Ernährung oder mangelhaften sanitären Verhältnissen. 1913 wurden die schlechten Bedingungen in einem Bericht der Labour Commission thematisiert. Und obwohl die britischen Planungen bei Ausbruch eines Krieges einen Angriff auf die Kolonie Deutsch-Ostafrika vorsahen, gab es bei Kriegsbeginn 1914 noch keine Standards für Ernährung und medizinische Betreuung von Trägern.

Für die Verteidigung der britischen Territorien in Ostafrika war die Regierung von Indien zuständig. Sie ging zunächst von einer kurzen Kampagne aus, für die nicht mehr als 20.000 bis 30.000 Träger benötigt würden. Aus ihrer Unkenntnis des Geländes resultierten schwere Planungsfehler. So war in Indien anscheinend nicht bekannt, dass wegen der Tsetse-Fliege jede militärische Operation auf menschliche Träger angewiesen war. In einigen Fällen wurde versucht, Ochsen oder Maulesel einzusetzen, die jedoch noch vor dem Ziel eingingen. Auch der Einsatz von Lastkraftwagen, wo überhaupt befahrbare Wege vorhanden waren, bewährte sich nicht, weil sie einen großen Teil der Zuladung für ihren eigenen Treibstoff benötigten.

Soldaten wurden aus Indien nach Ostafrika geschickt, die sich den Einheimischen als unterlegen erwiesen. Sie benötigten viermal so viel Gepäck wie ein einheimischer Soldat, verlangten eine besondere Diät und mussten erst an den Kriegsschauplatz transportiert werden. Aus den schlechten Erfahrungen bei verschiedenen Gelegenheiten – Ausbruch einer Epidemie während der Nandi-Kampagne 1895; Meuterei sudanesischer Truppen 1897 in Uganda; 1899 ein Massensterben unter Trägern in einer militärischen Karawane, die aus Uganda kam – war nichts gelernt worden. Der Versuch, zu Beginn des Krieges Tanga zu erobern, scheiterte daher.

Als zu Beginn des Ersten Weltkriegs auch an der Küste unter den Giriama 1000 Träger ausgehoben werden sollten, kam es zu einer Revolte. Am 17. August 1914 griffen sie den stellvertretenden District Commissioner an und töteten einen Polizisten. Im September unterdrückte eine Strafexpedition die Revolte, und der Bezirk wurde unter Kriegsrecht gestellt. In der Folge wurden etwa 400 Giriama getötet, hunderte von Höfen niedergebrannt und tausende von Ziegen beschlagnahmt. Um Frieden zu schließen, mussten die Giriama ihre Anführer ausliefern, die 1000 Rekruten für den Trägerdienst stellen und eine Strafe im Gegenwert von rund 7.500 Pfund in Naturalien begleichen.Carl G. Rosberg, Jr. und John Nottingham: The Myth of 'Mau Mau' Nationalism in Kenya. East African Publishing House, Nairobi 1966, S. 12.

Streitkräfte mini|Britisch-nigerianische Brigade auf dem Marsch nach Mahiwa 1917. Im Vordergrund die Träger der Einheit. Briten und Belgier

Die britischen Streitkräfte umfassten rund 120.000 Soldaten, die – in dieser Reihenfolge – aus Ost- oder Westafrika, Indien, Südafrika, Rhodesien, Großbritannien und Westindien stammten. Die afrikanischen Soldaten gehörten den King’s African Rifles, der West African Frontier Force oder den Arab Rifles an. Jeder Soldat benötigte die Unterstützung von zehn Trägern, sodass die britischen Streitkräfte auf dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz insgesamt über eine Million Mann umfasst haben müssen. Andererseits handelte es sich bei der Trage-Arbeit meist um eine zeitlich begrenzte oder saisonale Arbeit. Viele Träger arbeiteten in der Nähe ihrer Heimat und hatten sich nur für einige Monate für eine bestimmte militärische Kampagne verpflichtet. Andere Träger dienten jedoch zwei Jahre lang und viele hundert Kilometer von der Heimat entfernt. Das Trägerkorps (Carrier Corps) war etwa doppelt so groß wie sämtliche anderen militärischen Einheiten zusammengenommen.

Außerdem stellten die Briten den Belgiern, die vom Kongo aus mit fast 10.000 afrikanischen Soldaten eingriffen, nahezu 130.000 Träger. Ein Teil dieser Männer war im Belgian Congo Carrier Corps – Carbels genannt – organisiert, obwohl sie tatsächlich aus Uganda stammten. Im Vergleich zu britischen Einheiten starben ungewöhnlich viele von den Trägern, die für die Belgier arbeiteten. Außerdem war es bei den Carbels üblich, dass Frauen der Soldaten im Tross mitzogen, was für die Aufrechterhaltung der Moral für notwendig gehalten wurde. Einige der Männer sahen über drei Jahre lang die Heimat nicht wieder und befanden sich am Rande der Meuterei. Für britische Einheiten stellte Uganda insgesamt 10.000 Soldaten und 50.000 Träger. Aus Nyasaland und Nordrhodesien – an der Südfront zu Deutsch-Ostafrika – kamen rund 250.000 Träger. Hier begannen die militärischen Operationen im Mai 1916; die Nachschublinien waren teilweise extrem lang. Im Nyasaland hieß die Träger-Arbeit thangata, was so viel wie „Arbeit ohne Lohn“ bedeutete und zuvor die übliche Vokabel für Zwangsarbeit gewesen war. Nicht autorisiert, aber trotzdem mehrfach praktiziert war der Einsatz von Trägern zu Täuschungsmanövern, bei denen die Träger die Anwesenheit von Kampftruppen simulieren mussten.

Insgesamt kamen die afrikanischen Soldaten und Träger der britischen Streitkräfte aus einem Gebiet, das heute von fünfzehn afrikanischen Staaten abgedeckt wird. Die vier wichtigsten waren:

Soldaten Träger Deutsch-Ostafrika 2.000 321.567 Nyasaland 15.000 196.914 Protektorat Ostafrika 10.500 173.539 Uganda 10.000 182.246 Summe über alle Gebiete 58.000 über eine Million

Viele der Träger aus Deutsch-Ostafrika waren ursprünglich von den Deutschen angeworben oder in den Trägerdienst gepresst worden und dann von den Briten übernommen worden. Sie waren in vielen Fällen nur kurzfristig tätig, die Träger aus dem britischen Protektorat Ostafrika dienten dagegen häufig zwei Jahre und mehr.

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