mini|Großweitzschen von Südosten mini|Dorfkirche Großweitzschen mini|Brücke über die Freiberger Mulde in Westewitz mini|Hochwehr in Westewitz Großweitzschen ist eine Großgemeinde im Norden des Landkreises Mittelsachsen, Freistaat Sachsen.

Geographie Die Gemeinde liegt ca. 5 km nordwestlich der Stadt Döbeln im Mittelsächsischen Hügelland, oberhalb des Tales der Freiberger Mulde. Der Ortsteil Westewitz befindet sich direkt an der Freiberger Mulde.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Großweitzschen gehören folgende Ortsteile: Bennewitz Döschütz Eichardt Gadewitz Gallschütz Göldnitz Graumnitz Großweitzschen Hochweitzschen Höckendorf Jeßnitz Kleinweitzschen Mockritz Niederranschütz Obergoseln Redemitz Strocken Strölla Tronitz Westewitz Wollsdorf Zaschwitz Zschepplitz Zschörnewitz

Geschichte Die Großgemeinde Großweitzschen in dem ehemaligen Landkreis Döbeln entstand 1994 im Zuge der sächsischen Gemeindegebietsreform aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Großweitzschen, Gallschütz, Mockritz und Westewitz und umfasst seither 24 Ortsteile.

Der Ortsteil Mockritz wurde 1204 erstmals urkundlich erwähnt und war Sitz eines alten Adelsgeschlechtes sowie Zentrum der Region.

1241 erfolgte die Übertragung des halben Dorfes Wiscene und des dritten Teiles des zugehörigen Waldes durch Mgf. Heinrich den Erlauchten an das Kloster Buch nach Auflassung durch die Burggrafen von Leuben.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 371. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 33. Unklar bleibt, ob es sich um Schenkung oder Kauf handelt. 1245 bestätigte Ks. Friedrich II. dem Kloster mehrere vom Reich zu Lehen gehende und durch Schenkung oder Kauf erworbene Besitzungen, nämlich von Mgf. Heinrich von Meißen u. a. das Dorf Wischene.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 417. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 34. Hier ist nicht nur vom halben Ort die Rede. 1254 gab Mgf. Heinrich der Erlauchte nochmals die Übertragung des halben Dorfes Wiscene an das Kloster bekannt, jetzt mit dem Zusatz, dass vier Hufen der Burggraf von Leuben aufgelassen hat, den Rest der Burggraf von Leisnig, dazu noch den dritten Teil des benachbarten Waldes.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 545. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 37. Mit der Übertragung des Dorfes Parvum Wizen (Kleinweitzschen) im Jahre 1264 wird klar, dass es sich bisher wirklich um Großweitzschen gehandelt hat.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 638. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 42.

1277 wurde durch Mgf. Heinrich den Erlauchten ein Streit zwischen den Bürgern von Döbeln und dem Kloster Buch beigelegt.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 890. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 65. Die Bürger hatten sich über die Schenke und die Handwerker in Großweitzschen beklagt. Zur Entscheidung des Streites hatte Mgf. Heinrich seine Getreuen Ortolf de Dewin und Rudeger de Schachowe nach Großweitzschen geschickt, um zu hören, was die Alten auf Treu und Glauben sagten. Diese sagten, dass seit alters Schenke, Handwerker, Schuster, Leineweber, Flickschneider und Brauer im Ort wohnen. Der Markgraf wies die Klage der Bürger von Döbeln ab. Abt und Konvent von Buch sollen diese Dienste frei halten dürfen, ungehindert von den Bürgern von Döbeln.

1286 verkaufte Mgf. Heinrich dem Kloster das Ober- und Niedergericht in Großweitzschen.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 1121. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 75. Der Burggraf von Meißen hatte den dritten Pfennig des Gerichtes, den er durch das Burggrafenamt dort innehatte, vorher aufgelassen.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 1123. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 76. Der Burggraf von Meißen hatte seine Gerichtsbefugnisse in der Umgebung durch einen SupanHeiner Lück: Supan - Senior - Ältester, in Europa in der Frühen Neuzeit - Festschrift für Günter Mühlpfordt, Band 1, Vormoderne. Weimar - Köln - Wien 1997. mit Sitz in Großweitzschen ausüben lassen, dem dort dazu 5 Hufen übertragen worden waren. Das Kloster wollte dort aber einen solchen Supan nicht haben und nicht in seinen Gerichtsrechten behindert werden. Auf Empfehlung des Burggrafen versetzte das Kloster 1291 diesen Supan nach Kiebitz, ebenfalls auf fünf Hufen, die dem Kloster gehörten.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 1354. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 102.

1351 ist Johannes, plebanus in Wyczen Zeuge für das Kloster Buch.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 3271. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 170. 1371 ist Heynich kreczemer von wiczen Zeuge bei einem Rechtsstreit um die Schenke in Wendishain.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4004. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 190. 1378 wird Großweitzschen im Registrum dominorum nicht genannt.Hans Beschorner (Hrsg.): Registrum dominorum marchionum Missnensem (1378). Leipzig-Berlin (1933). Das Kloster Buch war demnach im vollständigen Besitz des Dorfes. 1382 ist heyneman, schultheize zu Wiczczan, Zeuge für Nickel von Staupitz bei einem Gütertausch.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 4362. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 206. 1469 wurde Nickel Schuster aus Großweitzschen mit einer Wiese in Tautendorf belehnt.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 8045. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 259.

1508 stiftete Blasius Schneider, Pfarrer in Hoeweitzschen, 200 rheinische Gulden für zwei ewige Messen im Kloster Buch.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 9759. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 281. 1518 erweiterte er nochmals seine Stiftung um 100 rheinische Gulden, damit zwei silberne Bilder der heiligen Anna und Katharina hergestellt werden.Originalurkunde SHStA Dresden: 10001, Ältere Urkunden, Nr. 10201. Druck bei Schöttgen, Codex Diplomaticus Monasterii Buch, als Nr. 287.

1548 nennt das Amtserbbuch von Kloster Buch zu Großweitzschen „28 besessene Mann, darunter 10 Pferdner, die sind alle dem Kloster Buch lehen- und zinsbar“ mit 23 Hufen.siehe unter Weblinks: Repertorium Saxonicum des ISGV Das Obergericht und Erbgericht gehörten Kloster Buch.

Der Ort hatte stets seine eigene Pfarrkirche St. Martin. Dieses Patrozinium deutet auf hohes Alter und Gründung durch einen Ritter. Eingepfarrt waren Kleinweitzschen, Westewitz, Eichardt und Tautendorf (jetzt Schäferei).Sachsens Kirchengalerie, Fünfter Band, Sechste Abtheilung, Die Inspektionen Nossen, Leisnig, Döbeln und Wurzen, Hoch- oder Großweitzschen S. 110–111, 120–123. Dresden, um 1840.

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung BennewitzGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches BundesamtVerzeichnisse der seit Mai 1945 eingemeindeten Gemeinden und Nachweis über die Aufgliederung der selbständigen Gutsbezirke und Staatsforstreviere, 1952, Herausgeber: Ministerium des Innern des Landes Sachsen 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Zaschwitz DöschützGemeinde- und Ortsverzeichnis für das Königreich Sachsen, 1904, Herausgeber: Statistische Bureau des königlichen Ministeriums des Inneren vor 1875 Eingemeindung nach Gadewitz Döschütz, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Gadewitz Eichardt 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Zaschwitz Gadewitz 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Mockritz GallschützStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. November 1993 Göldnitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Gallschütz Graumnitz vor 1875 Eingemeindung nach Göldnitz Hochweitzschen, Gutsbezirk Landesanstalt 21. März 1949 Eingemeindung nach Großweitzschen und Westewitz Höckendorf 1. Januar 1967 Jeßnitz vor 1875 Eingemeindung nach Mockritz Jeßnitz, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Mockritz KleinweitzschenDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 1. Oktober 1935 Mockritz 1. Januar 1994 Mockritz, Gutsbezirk um 1922 Eingemeindung nach Mockritz Niederranschütz 1. April 1921 Eingemeindung nach Gadewitz Niederzschörnewitz vor 1875 Eingemeindung nach Oberzschörnewitz Obergoseln 1. Juli 1936 Zusammenschluss mit Oberzschörnewitz zu Zschörnewitz Oberzschörnewitz 1. Juli 1936 Zusammenschluss mit Obergoseln zu Zschörnewitz Redemitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Gadewitz Strocken 1. Januar 1968 Eingemeindung nach Gallschütz Strölla 1. April 1936 Eingemeindung nach Zschepplitz Tronitz 1. Januar 1960 Eingemeindung nach Mockritz Westewitz 1. Januar 1994 Wollsdorf 1. April 1938 Eingemeindung nach Gallschütz Zaschwitz 1. Januar 1972 Zschepplitz 1. Januar 1973 Eingemeindung nach Mockritz Zschörnewitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Zschepplitz

Politik Gemeinderat

Seit der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 13 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

Zusätzlich gehört dem Gemeinderat der Bürgermeister an, der auch den Vorsitz führt. +letzte GemeinderatswahlenListe202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Freie Wähler der Gemeinde Großweitzschen858,71062,1635,0AfD222,3––––CDU215,4531,5420,7Linke13,616,515,2FWM––––320,1NoWW––––212,2NPD––––02,8SPD––––02,5FDP––––01,5Wahlbeteiligung70,8 %66,2 %54,7 %

Bürgermeister Seit 1990 war Frank Noack (parteilos) der Bürgermeister. Nach seinem Tod wurde im August 2011 Ulrich Fleischer (parteilos) zum Bürgermeister gewählt. Seit dem 1. September 2018 ist Jörg Burkert (parteilos) der neue Bürgermeister. Er wurde 2025 wiedergewählt. +letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2025Jörg BurkertFWG55,4201871,32011Ulrich Fleischer68,52008Frank NoackNoack59,3200190,9199452,3

Kultur und Sehenswürdigkeiten siehe auch: Liste der Kulturdenkmale in Großweitzschen mini|Schloss Mockritz, links das ehemalige Kornhaus Großweitzschen: Martinskirche (Turm noch aus gotischer Zeit, Kirchenschiff Neubau von 1908) Mockritz: Ortskern, Schloss und Kornhaus Herrenhaus DöschützDöschütz auf der Website über Mockritz Muldental in der Umgebung von Westewitz der Staupenberg, bekannt durch die noch vorhandenen Reste einer frühmittelalterlichen Wallanlage.

Wirtschaft und Infrastruktur mini|Fachkrankenhaus Bethanien Hochweitzschen An der Anschlussstelle Döbeln-Nord der Bundesautobahn (BAB) 14 befindet sich ein Gewerbegebiet.

Im Ortsteil Hochweitzschen besteht seit 1874 eine psychiatrische Klinik.

Im Ortsteil Westewitz findet sich an der Freiberger Mulde ein Hochwehr.

Verkehr mini|Bahnhof Westewitz-Hochweitzschen Die Gemeinde ist über die BAB 14 zu erreichen – die Anschlussstelle Döbeln-Nord (im Südosten), auf dem Gemeindegebiet, und die Anschlussstelle Leisnig (im Nordwesten). Durch den Ortsteil Gadewitz (im Osten) führt die Bundesstraße 169. Großweitzschen liegt unmittelbar an der Staatsstraße 34 zwischen Döbeln (im Südosten) und Naundorf bei Leisnig (im Westen).

Eine Brücke im Ortsteil Westewitz führt über die Freiberger Mulde. Die nächsten Muldebrücken befinden sich, flussaufwärts, in Technitz sowie, flussabwärts, in Klosterbuch.

Durch den Ortsteil Westewitz führt die Eisenbahnstrecke (Leipzig–)Borsdorf–Döbeln–Coswig(–Dresden) mit dem Haltepunkt Westewitz-Hochweitzschen. Im Stundentakt verkehren Regionalbahnen der Mitteldeutschen Regiobahn nach Leipzig Hauptbahnhof und Döbeln Hauptbahnhof.

Persönlichkeiten Hanna Klose-Greger (1892–1973), in Hochweitzschen geborene Malerin, Grafikerin und Schriftstellerin Rainer Kirsch (1934–2015), Schriftsteller und Lyriker, wuchs in Westewitz auf Wolfgang Kirsch (1938–2010), Altphilologe , geborgen in Westewitz