Karsau wurde durch die Verwaltungsreform am 1. Oktober 1974 ein Stadtteil von Rheinfelden (Baden) im baden-württembergischen Landkreis Lörrach. Karsau ist gemessen an der Einwohnerzahl der zweitgrößte Stadtteil von Rheinfelden.
Geographie mini|Luftbild von Karsau aus westlicher Richtung Nachbargemeinden Im Osten grenzt die Gemarkung an die Gemeinde Schwörstadt. Im Süden ist der Rhein die Gemarkungsgrenze und gleichzeitig die Landesgrenze zur Schweiz. Auf Schweizer Seite liegt der Ortsteil Riburg der aargauischen Gemeinde Möhlin. Im Westen grenzt Karsau an den Rheinfelder Ortsteil Nollingen und im Norden an die Stadtteile Minseln und Nordschwaben.
Ortsgliederung Allgemein Zum Stadtteil Karsau gehören die Ortsteile Beuggen und Riedmatt.
In der Hauptsatzung der Stadt Rheinfelden wurden festgelegt: „Der Stadtteil Karsau besteht aus der Gemarkung der früheren Gemeinde Karsau ohne die Gebiete westlich der Müßmattstraße, südlich der Römerstraße – Trassenführung nach dem am 7. März 1980 genehmigten Flächennutzungsplan – bis zur Bundesstraße 34 und südwestlich der Werksgrenze entlang der Firma Evonik Industries AG (ehemalige Firma Degussa AG) und dem Werk III der Firma Aluminium Rheinfelden GmbH bis zum Rhein.“Hauptsatzung der Stadt Rheinfelden, § 15, Abs. 2; abgerufen am 28. September 2020
Schon 1901 hatte Karsau ca. 100 Hektar seiner Gemarkung im Rheinfeld an die damalige Gemeinde Nollingen abgegeben, damit das Gelände der Industriebetriebe und die Wohnsiedlungen der Arbeiter derselben Gemeinde zugewiesen waren.Siehe Kreisbeschreibung S. 262 und 281.
Beuggen mini|Deutschordensschloss Beuggen aus dem Ordenskalender von 1702. Beuggen wurde 1218 als Buchein erstmals erwähnt. Nach ihm benannte sich ein Rittergeschlecht mit einer Burg etwas weiter rheinaufwärts, auf die heute nur noch der Straßenname „Burstelstrasse“ (hergeleitet von Burgstall) in Beuggen hindeutet. Die Ritter verkauften ihren Besitz an Ulrich von Liebenberg, der ihn 1246 dem Deutschorden zu Basel schenkte. Diesem Verkauf folgten eine Reihe von Streitigkeiten. So wurde der spätere Deutsche König Rudolf von Habsburg zur Schlichtung eines Streits zwischen Meister Gotfrid und den Deutschordensbrüdern in Elsass und Burgund und dem Mangold von Buchein wegen der „Veste Buchein sammt Zugehör“, am 17. Juni 1248 in Laufenburg gerufen.Moritz Gmelin (Hrsg.): Urkundenbuch der Deutschordens-Commende Beuggen. Fortsetzung. 1300–1349. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. Band 28, 1876, S. 78–127, hier S. 90 und 106–107, Reg. Nr. 16. Die Herren von Beuggen waren danach in Nollingen ansässig und treten erneut Ende des 14. Jahrhunderts durch Jungher Henman von Büghein im Zusammenhang mit den Deutschorden urkundlich in Erscheinung. So siegelte er zum Beispiel 1393 auf Bitten des Johannes Scheffer dessen Urfehde betreffend seiner Gefangennahme auf der Burg auf dem „Stein“ zu Rheinfelden.Beuggener Copialbuch Fol. 119. Im 16. Jahrhundert starb das Geschlecht aus. Die ehemalige Burg Beuggen wurde vom Deutschen Orden aufgegeben und stattdessen ab 1268 eine neue Anlage erbaut, die ständig erweitert wurde. Die Verwaltung der Komtur lag in Basel. Um 1400 wurde eine Schlossanlage errichtet, die später barock umgestaltet wurde, das heutige Schloss Beuggen. 1806 wurde die Kommende dem Land Baden übergeben, das dort 1807 das Bezirksamt Beuggen errichtete, welches 1810 aufgelöst wurde.
Geologie Die Gemarkung befindet sich innerhalb des NW-SO streichenden etwa 8 km breiten Zentralen Dinkelberggrabens, der im W von der Verwerfung Lörrach-Degerfelden im O von der Maulburg-Schwörstadt-Verwerfung begrenzt wird. Die generell nach S einfallende Muschelkalkplatte des Dinkelbergs lagert hier folglich relativ tief. Deshalb unterscheiden sich die Hänge am Südrand des Dinkelbergs auf Karsauer Gemarkung erheblich von denen außerhalb des Grabens, also den steilen Hangprofilen westlich von Nollingen und über Schwörstadt. Die Hänge vom Linsental über Morizenrain und Kapfbühl bis unterm Neuland steigen mit nur mäßigem Gefälle an. Im Kontrast dazu steht der Hang über dem Schlossareal. Hier schuf die Flusserosion einen Steilhang im Oberen Muschelkalk, der im aufgelassenen Steinbruch an der Steig zu sehen ist.
Die Muschelkalkscholle, auf welcher Karsau und das obere Beuggen liegen, wird im Westen durch einen der charakteristischen N-S streichenden Keupergräben des Dinkelbergs begrenzt, den Minselner Graben, der bei Nollingen das Hochrheintal erreicht. Im O erfolgt die Begrenzung durch einen weiteren solchen Graben, der vom Dornachwald her über Fellenbühl zum Südrand des Dinkelbergs zwischen Riedmatt und der Nagelfluh-Höhle zieht. Eine W-O Verwerfung unmittelbar nördlich des Ortsausgangs Richtung Minseln hat zur Folge, dass Keuperschichten im nordöstlichen Teil der Gemarkung bis zur Riedmatthalde und Fellenbühl an den Muschelkalk der Karsau-Scholle grenzen.
Schotter, die der Rhein in der letzten Kaltzeit aufschüttete (Rheingletscher-Niederterrassenschotter) bilden den Untergrund der Talebene des Hochrheins. Dabei lassen sich zwei Niveaus unterscheiden, ein höheres, nördlich bzw. westlich der Bahnlinie, das sich bei Riedmatt stark verengt, dann sich ab der Einmündung der Beuggener Straße in die B 34 rasch verbreitert. Entlang der Bahnlinie verläuft ein Rain, ein früheres Rheinufer, an dessen Fuß sich das tiefere, mit Auenlehm bedeckte Niveau ausbreitet. An diesem Standort befindet sich auch das Schloss Beuggen. Dies ist der Tatsache zu verdanken, dass der Rhein einen Teil seiner Schotter, sich erneut eintiefend, wieder ausräumte. mini|Tschamberhöhle Schotter aus dem älteren Eiszeitalter (Mindel-Kaltzeit) liegen als Tiefere Deckenschotter hoch über dem jetzigen Rheinbett an und über den Hängen vom Linsental bis Schwörstadt und in den unteren Talabschnitten der Dinkelbergbäche. In der Bettlerküche sind sie als zu Nagelfluh verkittete Felsen gut aufgeschlossen. (Im Geologischen Atlas der Schweiz werden diese Schotter stellenweise der Riss-Kaltzeit zugeordnet.)
Von alters her kam der Landwirtschaft zugute, dass die Gemarkung weitgehend von Lösslehm, stellenweise auch von Löss bedeckt ist.
Eine geotouristische Sehenswürdigkeit ist die Tschamberhöhle, eine Karsterscheinung im Oberen Muschelkalk. „Das Besondere gegenüber anderen Schauhöhlen ist, dass hier das Entstehen einer Karsthöhle durch die Tätigkeit des Wassers unmittelbar verfolgt werden kann. Als aktive Wasserhöhle, die ständig vom Höhlenbach durchströmt wird, ist sie bis auf den vorderen, schon lange trocken gefallenen Teil, frei von Tropfsteinbildungen. Einen besonderen Reiz der Höhle bilden die bizarren Strukturen der Höhlenwände, die durch Auswaschung verschieden harter Kalkschichten entstanden sind.“
Bevölkerung und Religion mini|Friedhofskapelle von 1964 auf dem Waldfriedhof bei Karsau. Einwohner Die Zahl der Einwohner von Karsau entwickelte sich wie folgt:Bevölkerungsentwicklung: Karsau von 1852 bis 1970, aufgerufen am 25. September 2020.
Jahr Einwohner 1852 890 1871 934 1880 880 1890 799 1900 1023 1910 1039 1925 1111 Jahr Einwohner 1933 1197 1939 1352 1950 1517 1956 2031 1961 2552 1970 3209 2019 3670Ortsteil Karsau: Wissenswertes, abgerufen am 1. Oktober 2020.
Religion mini|Hauptportal der katholische Kirche St. Michael. Die Katholiken werden durch die Seelsorgeeinheit RheinfeldenPfarrzentrum St. Michael Karsau, auf der Homepage der Seelsorgeeinheit Rheinfelden. betreut und haben seit 1993 eine neue Kirche im Ort, die St.-Michaels-Kirche. Nachdem die ursprüngliche Kirche 1836 wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde, diente bis 1993 die Schlosskirche Beuggen auch als Dorfkirche.
Die für Karsau zuständige evangelische Kirche ist die Johanneskirche in Minseln, die zur evangelischen Kirchengemeinde Rheinfelden gehört.
Die Zugehörigkeit zu den Religionsgemeinschaften verteilte sich in der Vergangenheit wie folgt:Religionszugehörigkeit 1858 und 1925: KarsauReligionszugehörigkeit: Karsau, zuletzt aufgerufen am 30. September 2020, zuletzt aufgerufen am 30. September 2020.
Religionszugehörigkeit in Karsau Jahr Religion evangelisch katholisch sonstige 1858 15,2 % 84,8 % 0,0 % 1925 19,2 % 80,7 % 0,1 % 1950 25,5 % 73,0 % 1,5 % 1961 30,5 % 68,1 % 1,4 % 1970 26,7 % 69,8 % 3,5 %
Politik mini|Ehemaliges Rathaus der Gemeinde Karsau – heute Sitz der Ortsverwaltung von Rheinfelden-Karsau. Ortschaftsrat Die Gemeindeordnung (GeO) Baden-Württemberglandesrecht-bw.de: Gemeindeordnung für Baden-Württemberg (Gemeindeordnung – GemO) in der Fassung vom 24. Juli 2000 (Zuletzt aufgerufen: 4. Dezember 2015). regelt die Ortschaftsverfassung in den §§ 67–76.Gemeindeordnung für Baden-Württemberg (Gemeindeordnung – GemO) in der Fassung vom 24. Juli 2000. 4. Ortschaftsverfassung (Zuletzt aufgerufen: 4. Dezember 2015). Die Stadt Rheinfelden hat auf dieser Grundlage eine Ortschaftsverfassung eingeführt und in ihrer Hauptsatzung die Zusammensetzung der Ortschaftsräte geregelt. Der Ort hat einen Ortschaftsrat mit 12 Mitgliedern. Ortsvorsteherin ist Sybille Jung.Ortschaftsrat Karsau auf der Homepage der Stadt Rheinfelden; abgerufen am 28. September 2020.
Eingemeindung Karsau wurde zum 1. Januar 1975 durch § 53 des Gesetzes zum Abschluss der Neuordnung der Gemeinden in die Stadt Rheinfelden (Baden) integriert. Im Vorfeld hatte der Karsauer Gemeinderat sich für einen Anschluss ausgesprochen, die Beschlüsse wurden vom Bürgermeister Willi Spitznagel jedoch nicht ausgeführt. Aufgrund der per Landesgesetz erfolgten Eingemeindung hatte Karsau zunächst keine Ortschaftsverfassung und keinen Ortschaftsrat.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Werkzeugfunde die dem mittleren Paläolithikum und dem Neolithikum zugeordnet werden, weisen auf eine sehr frühe Nutzung der Dinkelberghochfläche und der Niederterrasse bei Karsau hin. Auch aus römischer Zeit liegen zahlreiche Funde vor.Siehe Kreisbeschreibung S. 308. Im Gewann Erlen wurden die Grundmauern einer Villa rustica teilweise ausgegraben.Richter (2007)
Mittelalter mini|Grund-Riss deren löblicher Commenden Beuggen eigenthuml. Hoff-Güthern samt Zwing und Bann.
Aus dem Frühmittelalter wurden Plattengräber gefunden, die auf ein alemannisches Gehöft aus dem 7. Jahrhundert hindeuten. Die älteste aufgefundene Urkunde die Karsau nennt datiert von 1269 und bezeichnet den Ort mit KarlesoweSiehe Kreisbeschreibung S. 309; zu weiteren Namensformen siehe Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Band 1, Heidelberg, 1904, Spalte 1132 Digitalisat der UB Heidelberg zusammen mit Riedmatt (ze Rietmatten). Beuggen wurde bereits 1218 (Buchein) genannt.Siehe Kreisbeschreibung S. 309; zu weiteren Namensformen siehe Albert Krieger: Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, Band 1, Heidelberg, 1904, Spalte 171/172 Digitalisat der UB Heidelberg
Der Ort hatte einen Ortsadel und eine Burg Beuggen deren Lage aber nicht genau bekannt ist. 1246 überschrieb Ulrich von Liebenberg seine Besitzungen in Beuggen dem Deutschen Orden, der dort seine Kommende errichtete und die niedere Gerichtsbarkeit ausübte. Die hohe Gerichtsbarkeit und die Landeshoheit hatten die Habsburger. Im Detail kam es bei der Abgrenzung der Rechte immer wieder zu Konflikten, die dann um 1580 durch eine Reihe von Verträgen bereinigt wurden. Nachdem es 1736 erneut zu Streitigkeiten über die Rechte der Kommende und des Landesherrn kam, belehnte Vorderösterreich den Deutschen Orden gegen Bezahlung auch mit weiteren Rechten in der Gerichtsbarkeit, behielt aber die Landeshoheit.
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